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8‘n tuW, 'M beit Stab iriit' bet SHla'ngb durchs Fenster in das' ziemlich dunkle Zimmer zu stoßen uitb die Schlange in Herrn Darrows Nähe M bringen. Das tat ich und hütete mich habet, das Fenster mit meiner Person zu verdunkeln. Als ich bett Aufschrei meines Opfers hörte, zog ich den Stock zurück und bamit natürlich auch die Viper und entkam glücklich. Daß das Reptil Herrn Darrow unter dem Kinn biß, während er mit dem Rücken nach dem Fenster saß, toat bloßer Zufall, schien mir aber ein Äußerst günstiger Umstand, da es die Annahme eines Selbstmordes trott vornherein aufdrängen mußte.
Ich war nicht gimz frei von der Furcht, man tnöchte das Zischen der Schlange gehört habett, weshalb ich bei der Untersuchung diese eilte Frage zu stellen toagte, deren Beantwortung mich völlig beruhigte. Der Hauptgrund für meine große Zurückhaltung bei der Untersuchung war der Wünsch, die Aufmerksamkeit von meinem verunstalteten Fuße und hinkenden Gange fernzuhalten. Den letzteren hatte ich bei meinem Eintritt möglichst verborgen, ich wußte aber, daß der erste. Schritt, den ich unbewußt täte, diese Angewohnheit verraten müßte. Vor Osborn oder Wien war mir nicht bange, aber Maitland hatte etwas an sich, das mich sofort auf meiner Hut sein ließ, und wie ich schon sagte, ich laufe keine Gefahr, die sich vermeiden läßt. Aus' diesem Grunde setzte ich mich sofort in den dunkelsten Winkel des Zimmers, bett ich finden konnte, und blieb dort während der Untersuchung. Ich hielt es für äußerst unwahrscheinlich, wenn auch nicht für ausgeschlossen, man würde einen Versuch machen, den Mörder mit Hunden auszuspüren; doch da es das Verfahreir war, das ich zu allererst eingeschlagen hätte, so schien es mir auf alle Fälle empi- fehlenswert, auch dieser Gefahr zu begegnen. Ich zog daher das Boot vom Lande, als hätte ich dies benutzt, dann watete ich eine halbe Meile etwa ant Strand entlang, indem ich den Stock, die Bretter usw. mit mir nahm- Da ich nur an Stellen ging, wo das Wässer mindestens sechs Zoll tief war, wußte ich, daß kein Hund meiner Fährte zu folgen vermochte. Als ich aus dem Wasser stieg, setzte ich mich auf einen Felsen, zog mir Strümpfe und Schuhe an und durchtränkte sie zugleich mit Terpentin; den Rest der Flasche leerte ich aus den Felsen, wo ich gesessen hatte. Ta mir bekannt war, daß Gefangene in dieser Weise entkommen waren, obwohl Bluthunde bis zu einer Entfernung von noch nicht zwanzig. Fuß ihrer Fährte gefolgt waren, fo. konnte ich sicher sein, meine Spuren gut verdeckt zu haben, und beeilte mich, der ersten Untersuchung beizuwohnen.
Und jetzt bin ich am Ende angelangt. Ehe eines andern Menschen Auge dies liest, bin ich tot — über die Strafe dieser Welt hinaus und der in der nächsten gewärtig. Damit nicht jemand meine, ich glaubte nicht an eine nächste Welt, sonst hätte ich nicht so handeln können, so will ich hier nur erklären, die Furcht besitzt keine moralisch zügelnde Kraft. Alle Furcht ist selbstsüchtig, und Selbstsucht liegt auch allen Verbrechen zugrunde, meinen so gut tote den-übrigen. Niemanden lasse ich hinter mir, der mich betrauert, und nur eine Genugtuung bleibt mir, nämlich das Bewußtsein, daß ich als Künstler auf dem Gebiete der Verbrechen gelten werde. Ich ergreife nochmals diese Gelegenheit, dem Publikum ein, ich gestehe es, von Bedauern nicht ganz freies Lebewohl zu sagen. Noch stehe ich. auf der Höhe, die man Leben nennt; nur wenige Minuten, und ich bin hinabgesprungen jn die Finsternis, und dann — ist alles Geheimnis.".'
** ’ Schluß folgt.
- Großmutters verlorner Zchuh.
f , \ Von Margarete Todt in Gießen. -
. f Nachdruck verboten. i, i ,
Großmutter hatte von dem Christkind ein Paar neue Winterschuhe bekommen, so ein Paar recht weiche warme Hausschuhe mit dicken Filzsohlen und am Ausschnitt Pelz- vesatzi Auf der Ofenbank standen sie, an dem wärmsten Plätzchen im Zimmer, das sonst Großmütterchen persönlich einzunehmen pflegt.
Es waren ein Paar gar zu schone warme Schuhe!
Schon hundertmal wohl hatte sie Großmütterchen cm- probiert und war darinnen in der großen Stube auf und ab marschiert.
Zum hundertundeinstenmale nahm sie sie ivieder und zog einen davon an den rechten Fuß. Wie er doch so niedlich saß und so nett aussah, ordentlich elegant mit der Pelz- verbramung. Der andere wurde nochmals eingehend an bent Fenster in der Hellen Wintersonne.betrachtet. Sie waren von dunkelbraunem Tuch mit hellbeige Pelzverzie- rung. Vorsichtig wurde er wieder zurückgetraaen aus die Ofenbank, Es war der linke Schuh.
Aber wo wär denn der rechte? Jä um' alles, wo lv'a'r denn der rechte Schuh hingekommen? Hier stand er doch auf der Ofenbank---.
Unter der Bank vielleicht? — Nein!
Neben der Bank? — Auch nicht! Wo war denn utjt des Himmels willen nur der Schuh hingekommen?
„Hansel, Gretel, Lisbeth! kommt mol her — hot mer eins von och Herrgottssakramenter den Schauh fortgeschleppt?"
Die Enkelkinder ließen ihr Spiel und kamen auf der Großmutter Rufen eiligst herbei. Mit großen Augen und offnen Mäulchen standen sie um sie her. Nein, sie hatten den Schuh nicht weggenommen.
Ja, aber wo war denn der Schuh?
Klein-Lisbeth betrachtete nebenher die Füße ihrer Puppe, die sie an einem Arm nachschleifte; die hatte noch nicht mal Strümpfe an, geschweige Schuhe.
Die schon etwas größere Gretel meinte: „Großmottchch warscht ungezohn? Dann Hot se es Christkinnche Widder geholt!"
„Hanne! Hanne!" rief Großmutter mit lauter unb’,: wenn sie, wie eben, ärgerlich war, spitzer Stimme durch das Haus. Auf diesen Ruf erschien ein zartes blondes Frauchen in Küchenschürze und nassen Händen unter der Tür.
„Motterche, was is?" .*
„Mei Schauh, Hänuche! Ich kann mein eene Schauh nett finne!"
„Jo? Du host doch en in der Hand, Großmotterche.""
„Jo jo — awer den anner such ich ewe."
„Wo host denn dann hingestellt?"
„Uff der Owebank staun er doch. Ich hott nur entöl de Rücke verwend un scho is er fort. Ich mecht nur wisse,, wo er hiegekomme is."
„Hansel, Gretel, Lisbeth! Kommt mol her!" Hot vo och eens Großmottchens Schauh fortgeschleppt?"" ”
Eiligst kamen die Kinder heran. Nein, keines hatte den Schuh weggenommen.
„Hansel, hosten viellecht in den Hausgang getrage? Rieke, Rieke! Säih doch mol noch, ob drauße Großmotterche fei Schauh is. — Nee? Viellecht Hot en es Lisbethche der Kellertrepp enunner geworfe. Rieke, laf mol in de Keller, ob er do leiht. — Nee? Dau, läiwer Gott, wo is dann der Schauh? Viellecht is er mit de Kleeder in die Owerstubb getrage worde, odder gar mit Wäsch uff de Bode. Rieke, lauf mol euuff, ob er sich wohl owe sinne dud."
Und Rieke lief Treppe auf, Treppe ab — nirgends war der Schuh.
Der Herr des Hauses kam. „No, wos is denn häi los? Hannche, du gläuhst jo wäi en Karfunkelstee. im Oweloch> Wos hobt er dann?"
„Ach Schorsch, Großmotterche ihr Schauh is fort nun läßt sich nirgens finne —
„Ihr Schauh?"
„Ja, der ene von de naue Schauh!"
„Jo — wo hat sen dann hiegedoh?" ’ - A
„Du läiwe Zeit, uff der Owebauk Hot er gestanne."
„Unn is fort?"
„Jo jo — ich sah's doch — spurlos verschwunne!"
„Komisch! Hot en viellecht der Butz> des Väih eweg- geschleppt? Woeste de noch, er Hot mer auch emol mei Pantoffel bis in die Küch geschleppt. Wahrhaftig ja! Ja gewiß/ nur der Butz, der Racker, kann ihn weggeschleppt haben/"
„Hansel, Gretel, Lisbeth, laast mol in den Gorre und' den Stoll, viellecht findern do —."
Und fort stob die kleine Gesellschaft.
„Großmotter, nu sei mer still unn alterier dich nett, der Schauh muß sich finne, dos wär doch noch scheener. Weit kann er nett sei!" tröstet die Schwiegertochter selber! ganz nervös.
Doch Großmutter rannte aus der Stube in die Küche und aus der Küche in die Stube. Klipp, klapp — klipp, klapp ging das immer über die Steinfliesen im Flur, denn an dem linken Fuße trug sie einen Lederschuh mit festem Absatz--■.--
„Großmotterche, wos hoste dann nur für Schauhwerk d?" fragte Georg, ihr Sohn, dem der sonderbare Zweiklang' auffiel. „Aach, du grüße Zeit, ja häi, der Schauh, der gefauchte Schauh--."
„Soll mer's dann gläwe!" sagte Großmütterchen. .


