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Donnerstag den 6. August
UM
John Darrows Tod.
.Roman von Melvin L. Severy.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Man, Dieu! Wie nötig brauchte ich Geld ! Ich hatte damals meine Seele nm ein paar Silberlinge Verschachert. Es war die Ulte, alte Geschichte von der Versucherin, die nur im Paradiese ■neu war. Oh, wie habe ich sie geliebt! Aber Geld-, Veld, immer wieder Geld müßte sie haben; danach schrie sie jeden Tag. Konnte ich's ihr nicht schassen, so ließ, sie sich's von andern geben, und das machte mich toll. Könnte ich nur, sagte ich mir, diesen Preis erwerben! Das lohnte sich der Mühe, und kriegte ich ihn, dann war sie die Meine. Sofort machte ich mich an die Arbeit-
Es war keine leichte Sache. Ich hätte wohl einen Mörder dingen können, aber daß er sich dann für seine Tat hängen ließ, ohne meinen Anteil daran zu enthüllen, war nicht gerade wahr-' scheinlich. Zu dieser Zeit traf ich zum erstenmal mit Latour in der Decaturstraße zusammen. Sofort kam mir der Gedanke, das sei der Mann, den ich brauchte, und fing an, ihn systematisch Meinem Willen zu unterjochen. Hierbei begünstigten mich die besonderen Umstände ungemein. Er war arm-, oder doch ohne -nennenswerte Mittel. Seine Tochter konnte-wohl etwas erwerben, über nicht genug, um die Not fernzuhalten. Dazu litt er am Krebs', ünd mehrere Aerzte hatten ihm versichert, er werde höchstens' cho-ch ein Jahr zu leben haben. So peinigte ihn eine fast wahnsinnige Furcht, seine Tochter würde nach seinem Tode notleiden. Und ich glaube, diese Furcht war auch der wahre Grund, weshalb er sich dem Spiel ergeben hatte; denn er hoffte, dadurch auf einmal reich zu werden. Natürlich war der Erfolg entgegengesetzt. Nun war mein Weg vvrgezeich.net. Zuerst wollte ich ihn die Tat selbst ausführen lassen, dann aber sagte ich mir im Hinblick auf die Ergebnisse von Chareots Forschungen (nach dieser Richtung, daß dieses Verfahren fast mit Sicherheit zur Entdeckung führen würde, da das hypnotische Medium nur so lange zuverlässig ist, als die Bedingungen, unter denen cs handelt, genau den suggerierten entsprechen. Eine unvorgesehene A-enderung dieser Bedingungen, und -es v-ersagt, enthüllt alles, und der ganze sorglich aufgerichtete Bau bricht zusammen. Als daher der Zeitpunkt herankam', auf den ich das Verbrechen festgesetzt hatte, brachte ich ihm ein Betäubungsmittel bei, entfernte ihn von seiner Wdhnung und hielt ihn so lange in bewußtlosem Zustande unter Verschluß, bis ich Herrn Darrow in einer weiterhin am gehörigen Orte mitgeteilten Weise ums Leben gebracht hatte. Sobald ich die Tat begangen und mir, wie ich mir schmeichelte, durch meine Anwesenheit bei der Untersuchung ein tadelloses Alibi verschafft hatte, brachte ich den tw-ch bewußtlosen Latour heimlich in seine Wohnung und wartete, bis er wieder seiner Sinne mächtig war. Daun fragte ich ihn, wie er in diesen Zustand komme, -und was er in Dorchester getan Habe. Natürlich wußte er von nichts. Allmählich brachte ich ihn nun durch meinen Einfluß dahin, daß er glaubte, den Mord an John Darrow begangen zu haben.
Sein Interesse an Krebsleiden benutzte ich, ihn zur Bibliothek
zü bringen. Ta ich grundsätzlich nie eine Gefahr laufe, die sich vermeiden läßt, so ließ ich mir die Bücher, die ich selbst haben wollte,- bestellen und v-eranlaßte ihn, da er mit beiden Händen schreiben konnte, mit seiner rechten Hand als Weltz, mit der linken als Rizzi zu unterzeichnen. Hierbei leiteten mich zwei Motive: einmal schuf ich mir gute Beweismittel gegen -ihn, während mein eigenes Risiko dabei geringer nmrde, und iod-ann konnte ich ihn so in eine Atmosphäre bringen, die ihn hypnotischen Einflüssen noch besser zugänglich machte. Nicht ein Wort vvn dem allem' sagte er zu seiner Tochter, die er mit unvergleichlicher Innigkeit liebt. Gerade diese große Zuneigung machte meinen Plan erst ausführbar. Als ich in ihm die Ueberzeugung geweckt hatte, er sei der Mörder, zeigte ich ihm Herrn Darrows merkwürdige Ankündigung, in der er deut Entdecker seines Mörders eine Belohnung Versprach.
„Binnen einem Jahre," sagte ich zu ihm, „sterben Sie art Krebs, wenn Ihr Verbrechen nicht vorher entdeckt und gesühnt 'wird. Dann ist Jh-re Tochter völlig mittellos. Wieviel besser für Sie, Sie lassen mich- in einigen Monaten gegen Sie die Anklage auf Mord erheben. Dann gestehen Sie; ich- beanspruche und erlange die Belohnung und teile sie heimlich- mit Ihnen. Sie werden verurteilt, aber da bis zur Vollstreckung eine beträchtliche Zeit vergehen muß, so sterben Sie vorher an Krebs' und lassen Jeanette wohlversorgt zurück."
Ich glaube, mein Einfluß auf ihn wär so groß, daß ich ihn' z-u allem vermocht hätte, auch wenn er auf keinen Gewinn daraus für sich, oder vielmehr für seine Tochter gerechnet hätte, aber unter den bestehenden günstigen Umständen war meine Aufgabe leicht. Dem Publikum ist zur Genüge bekannt, was sich lueitet begeben hat. Maitland befand sich im Nebenzimmer, belauschte unser Gespräch, ja, phonographierte unsere Wvrte und photographierte uns selbst. Ich habe mir immer etwas darauf zugute getan, mit einer Verbeugung anzuerkennen, daß drei Asse nicht so gut sind wie eine volle Hand, — so erkläre ich- mich für überwunden, wenn auch nicht für unterworfen.
Einen besseren Tribut glaube ich dem Genius des Mannes', der mich geschlagen hat, nicht zahlen zu können. Die Vergeltung für meine Tat will ich aber selbst in die Hand nehmen.
In meiner Eile, mit der ganzen Sache fertig zu werden und meine lange Reise nach einem unbekannten Lande anzutreten, hätte ich beinahe vergessen, die Art und Weise, wie ich nun Herrn Darrow ums Leben brachte, mitzuteilen. Keine Jnjektions-! spritze hatte damit etwas' zu tun. Ter ganze Plan ging mir beim Lesen jener verhängnisvollen Seite auf, der ich- Unvorsich? tiger mein Taumenzeich-en aufdrückte. Auf das einzelne brauche ich nicht einzugehen, denn ich weiß ja, daß Maitland schon alles bis aufs I-Tüpfelchen durchschaut hat. Die Daboia Russelir über Rüssels Viper ist eine von den bekanntesten und tödlichsten Giftschlangen Indiens. Mit einiger Mühe und geringem Risiko- tvußte ich mir ein Exemplar zu verschaffen. Am! Abend des Mordes lot ich die Viper in -ein Kästchen und ging mit ihr zum Wasser unweit der Darrowschen Besitzung. Hier schnitt ich mir einen Stock aus einem Erlenbusch spaltete ihn an einem Ende und klemmte die Schlange hinein, die sich zornig frei zu machen suchte und auf alles losbiß, was ihr zu nahe kam. Jetzt hatte ich- nichts weiter


