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Diät ausgearbeitet, die die Eltern nach mannigfachen Erwägungen dann akzeptierten. Ein besonderes Vergnügen ist es der Zarin, sich mit dem großen Album zu beschäftigen, das sie sich angelegt hat und in das sie selbst alle photographischen Aufnahmen und Zeichnungen ihrer Kinder, die in Zeitungen, Zeitschriften und auf Postkarten erscheinen, sorglich einklebt. Der Kronprinz, der kleine Alexei Nikoljewitsch, ist wohl das reichste Kind der Welt, denn obgleich er erst drei Jahre alt ist, so wird sein Wert ziffernmäßig auf sechs Millionen Mk. angesetzt, die alljährlich für ihn ausgegeben werden. Sofort nach der Geburt wurde der Zarensohn auf zehn Millionen Mk. versichert und die Unsummen, die nicht nur für Versicherung, sondern auch für die Bewachung und den Schutz des Kleinen, der dereinst über Rußland herrschen soll, aufgewandt werden, würden ausreichen, um Dutzende von Fantilien bequem leben zu lassen. Schon mehr wie einmal sind Versuche gemacht worden, den kleinen Alexei gn entführen; trotz der Wachsamkeit der Beamten gelang es vor kurzem einem Fremden, tatsächlich in den Zareng arten einzudringen, wo die Kinder beim Spiele waren. Glücklicherweise wurde er beizeiten entdeckt und festgenommen. Der Zarewitsch ist ein fröhliches, kluges, lebhaftes Kind, er ahnt nichts von den Unruhen in dem Lande, das er einst beherrschen wird. Will man den Astrologen Glauben schenken, die dem sleinen Großfürsten das Horoskop gestellt haben, so wird eine Regierungszeit ruhiger und ungestörter sein als die seines Vaters.
Die vier kleinen Großfürstinnen Olga, Tatjana, Marie und Anastasia sind im russischen Volke außerordentlich populär; Marie gilt als das Lieblingskind des Zaren, allein das Ideal der Nation ist doch die Großfürstin Olga. Die kleine Dame scheint sich ihres Ranges und ihrer Stellung vollkommen bewußt zu sein, und ihr würdiges Wesen, ihre königlichen Mienen haben ihr längst den'Beinamen eingetragen „die kleine Kaiserin". Als eines Tages eine Dame, die bei Hofe verkehrte, mit dem Kinde spielte und die Bemerkung machte: „Heute morgen sah ich vier kleine Mädchen ausreiten, kannst du raten, wer das war?" Da antwortete die kleine Olga sehr ruhig und fast streng: „Nein, das haben Sie nicht gesehen, Sie haben vier kleine Großfürstinnen gesehen." In Petersburg erzählt man noch heute von dem reizenden Wesen der ältesten Großfürstin. Einmal nahm die Großfürstin Olga mit ihrer Kinderfrau und mit der jüngeren Schwester, der Großfürstin Anastasia, an einem feierlichen Umzug teil. Die beiden Kinder saßen in einer geschlossenen Hofcquipage, die der des Zarenpaares unmittelbar folgte. Während eines kurzen Haltens auf dem Wege reckte die Großfürstin Olga den Kopf zum Waqenfenster heraus, wurde von der Menge erkannt und mit freudigen Zurufen begrüßt.
ste sich zurück, packte ihre kleine Schwester, nahm sie auf den Arm und hielt sie so am Fenster, und mit ihrer hellen, lauten Kinderstimme ries sie, so laut sie konnte: „Seht meine Schwester an, ist sie nicht süß?" Das Volk war entzückt, die Hochruse fchwollen brausend an und am Fenster des Wagens stand die kleine Großfürstin, ihr Schwesterchen aus dem Arm und wich nicht, ehe der Wagen weiter fuhr."
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Ein Hühnchen zu rnpfen haben. Die Redensart ,,Em Hühnchen nnt ihm zu rupfen haben" ist schon auf die verschiedenste Weise erklärt worden. Am ansprechendsten sind folgende beide Deutungen. Man erklärt sie sich einmal aus der Neigung des Volkes, abgezogene Begriffe durch anschaulich« Bilder aus seinem ^orsftllungskreise zu verdeutlichen. Für den allgemeinen Gedanken: eme noch nicht erledigte Sache mit jemand auszumachen haben, wird eine tnt täglichen Leben häufige Tätigkeit eingesetzt, ’ o harmloser Art, geeignet ist, den Hintergedanken, das bsusPHe Zuredestellen, zu verdecken. Also: Wir wollen inal ein Hühnchen zusammen rupfen (oder pflücken) und dabei dann m aller Ruhe besprechen, was uiis drückt. In gleicher Bedeutung
findet sich: ,,Ich habe mit einem noch ein Ei, einen Apfel zu schalen, em Nüßchen zu krachen, ein paar Rüben zu schaben" — Da das nun aber alles gerade keine Tätigkeiten sind, für die zwei Personen nötig sind, so sagen andere: bei all diesen Wendungen handelt es sich nur darum, auszudrücken, daß man ftE Sache auf den Grund gehen, ihren Kern bloßlegen, alles Umhüllende beseitigen will. Diese Deutung hat kürzlich H Mllert gegeben, und man muß sagen, daß sie sehr wahrscheinlich klingt. ~ D" dumme Henne. Eine echt amerikanische Sommergeschichte wird von einem Newyorker Blatte mit allem Ernst und aller Ausführlichkeit seinen Lesern erzählt. Es handelt sich um die seltsame Erfahrung, die ein Farmer aus New-Jersey, Billings, mit seiner Plymouth-Rock-Henne gemacht hat. Seit Jahren pflegte er der Bruthenne Enteneier zum Ausbrüten ins Nest zu legen und die kleinen Enten eilten natürlich sofort nach dem Auskriechen zum Wasser. Die Henne war über dieses Verhalten ihrer untergeschobenen Nacykvmmen stets sehr entrüstet und erregt, aber schließlich fugte sie sich mit philosophischer Resignation in das lln- vermeidlrche, und da das Experiment regelmäßig wiederholt wurde, so gewöhnte sich das gute Huhn mit der Zeit daran, es als , etwas Selbstverständliches zu betrachten, daß ihre Küken immer schleunigst ins Wasser sprangen und umherschwammen. In diesem Frühjahr aber wollte Billings ein Dutzend kostbarer Hühnereier, die er aus einer berühmten Rassenzüchterei sich beschafft hatte, ausbrüte nlassen. Alles ging nach Wunsch nnd vor etwa einer Woche krochen zwölf kleine Hühner aus. Alter Gewohnheit getreu führte die Henne sie nun zum Wasserbassin. Die Küken liefen davoni Die Henne schien darüber sehr erstaunt und ärgerlich imb wiederholte an dem Tag noch mehrere Male den Weg zum Wasserbassin. Als die jungen Küken aber sich fortdauernd sträubten, junge Enten zu werden, kam es schließlich zur Katastrophe. Am Sonntag morgen führte die Henne - das Dutzend Küken zum Wasser und trieb sie mit Gewalt hinein, bis alle ertranken.
.. * Zur Sicherheit. Fritzl (der immer ein schlechtes Ge-. wissen hat, als er vom Papa Schläge kriegt, ohne genau zu wissen warum): „Gelt, Papa, da ist doch schon die Scheibe dabei. . ., die ich heute heim Nachbar zerschlagen habe!"-
Gemeinnütziges.
—- Um Glastüren und Glasfenster undurchsichtig zu machen, löst man eine Handvoll Kochsalz in ein Achtel Liter Weißbier auf und bestreicht mit einem Pinsel die Außenseite der Scheiben kräftig und gleichmäßig mit dieser Mischung. Dirrch Abwaschen mit heißem Wasser ist der dünne, jedes Durchblicken verhindernde Ueberzug sofort zu entfernen.
An- und Einsichten.
„Wie? diese Welt, ein Steingesicht
Voll Not und Dual — und es graut dir nicht?" Wer, der mit sehenden Augen schaut,
Ist so entmenscht, daß ihm nicht graut?
„Und wenn dir graut vor dieser Welt, Wie reimst du's, daß sie dir doch getönt ?" Weil tiefer und tiefer zu schauen blieb, Bis sich das Grauen „Andacht" schrieb.
Adolf Wilbranbt.
Die Frauen wollen von den Männern nicht geschätzt, sondern überschätzt sein. * Arthur Zappe.
Alles Vergängliche — Laßt's unerneuert, Das Unzulängliche — Laßt es verschleiert, Das Unbeschreibliche Bleibt euch zu eigen: Das Ewig-Weibliche, Dem wir uns beugen. Adols L'Arroitge f.
Rätsel.
Einst war ich jeder Größe kleinster Teil, Ein König selbst hat sich nach mir geschätzt;
Mein Namensbruder herrschet noch anjetzt
Zum Tort den Einen, Andern wohl zum Heil. Gießen. P.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Sagen — Segen — Siegen.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brßhl'schen Unkversitats-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


