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Vsm GbftbM an den ZLratzen des Meises Gießen.
Nachdruck verboten.
Der Obstbau, der in der hiesigen Gegend schon sehr lange als Nebenbetrieb der Landwirtschaft angesehen werden konnte, hat jetzt eine weit über unsere Landesgrenzen gerühmte Bedeutung erlangt.
In früheren Fahren beschränkte man sich, mit Aus- nahme einiger edleren, wie Borsdorfer und wenige graue Reinetten, auf das Pflanzen geringwertigeren Aepfel- und Birnensorten. Obstwein wurde von altersher nur in bescheidenem Maße bereitet, hingegen wurdx Birn- und Zwet- schenmus, das in keiner Familie der Landbevölkerung fehlen durfte, in großen Mengen hergestellt. Auch das Dörren des Obstes, hauptsächlich der Zwetschen, gehörte zu den allgemeinen Obstverwertungsmethoden, man konnte in fast jedem besseren Bauerngarten eine aus Lehmpreßsteinen auf- gemauerte Obstdörre finden. Der Obsthandel war bis in das letzte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts gering. In sehr reichen Obstjahren kam cs nicht selten vor, daß kaum das Ernten lohnend war und Mengen tiott Früchten unverwertet verdarben, weil dem Obstbau in dieser Zeit keine Bedeutung beigelegt wurde und die Pflege der Baumstücke viel zu wünschen übrig ließ.
So stand denn der Obstbau in den nördlichen Gegenden Oberhessens still und das bedeutete Rückgang. Hierzu kam noch der unglückselige Winter 1879/80, der durch seine ungewöhnliche Kälte in den Baumanpflanzungen furchtbar aufräumte. In den meisten Gemarkungen, mit Ausnahme der hochgelegenen Orte wie Grüningen, Staufenberg, Grünberg u. a. konnte mau im Sommer 1880 Mengen blattloser abgestorbener Bäume sehen, die im darauffolgenden Winter entfernt werden mußten.
Weitblickende Männer sahen nun ein, daß man für den Obstbau umfangreiche Maßnahmen zur .Hebung dieses Kulturzweiges ergreifen müsse. So kam es, daß die hessische Regierung für das Bepflanzen der ehemaligen Staatsstraßen, die bis zum Jahre 1880, mit wenigen Ausnahmen von Birn- und Kirschbäumen, nur mit Pappeln und sonstigen Wildbäumen bepflanzt waren, Mittel für das Anpflanzen von Obstüäumen in den Budgets ein- stcllte.
Im Jahre 1883 wurde von den damaligen Kreisbau- «mtern das Entfernen der alten, zum größten Teil abgestorbenen Pappelbäume ungeordnet und zunächst auf den geeignetsten Straßenstrecken mit dem Anpfianzen begonnen und in den folgenden Jahren systematisch fortgesetzt.
Die sachgemäße Anleitung zur Anpflanzung und Pflege der jungen Pflanzungen übernahm mit Rücksicht auf die damals vollständig fehlenden fachkundigen Baumwarte der um den Straßenobstbau hochverdiente Geh. Oberbaurat P o s e i n e r zu Darmstadt, der jedes Frühjahr in Gemeinschaft mit Herrn Jäger aus Bensheim bei Ausführung des Baumschnittes und den sonst zur Pflege der jungen Pflanzungen notwendigen Arbeiten zeitweise zugegen war.
Bei den damaligen Anpflanzungen wurde leider, da man die für unsere Boden- und klimatischen Verhältnisse passenden Sorten nicht kannte, wenig Wert auf die Obst- fortenivahl der jungen Bäume gelegt, wodurch bei den ersten Anpflanzungen recht viele minderwertige Sorten und solche, die den Ansprüchen für Straßenpflanzungen nicht entsprachen, Verwendung fanden. Sv weit als möglich ist im Laufe der Zeit durch Umpfropfen mit geeigneteren Sorten diesem recht nachteiligen Verfahren abgeholfen ivorden.
Schon im Laufe einiger Jahre gewährten die mit Apfelbäumen bepflanzten Landstraßen ein wohltuendes Bild.
In gerechter Würdigung der Bedeutung des Obstbaues an den Straßen übertrug man einem Baumwart mit zwei und nötigenfalls drei Hilfsbaumwärtern die fachgemäße Behandlung der Pflanzungen, wodurch eine einheitliche vorzügliche Pflege im ganzen Kreis erzielt wurde. Aus Lockerhalten der Baumscheiben, sowie auf Zuführen von Wasser, das, bei jedem Regen im Sommer durch Schlitzgräbchen geleitet wurde und so den Bäumen Mengen von Nährstoffen zuführt, legte man besonderen Wert.
Daß über diese in früheren Jahren nicht bekannte intensive Baumpflege auch vielseitig und besonders von denen, die das althergebrachte und verwerfliche Baumpflegesystem rühmten und sich unberechtigter Weise ein Verständnis der Baumpflege anmaßten, tadelnde Kritik geübt wurde, war selbstverständlich. Man nahm an, daß auf diesen Strecken,
wo früher Pappeln und sonstige Wildbäume standen, keine Obstbäume gedeihen könnten. Die praktischen Beobachtungen haben aber bewiesen, da ßgerade an diesen Straßenstrecken das Gedeihen der Pflanzung ganz vorzüglich ist. Zu begründen ist diese Wahrnehmung dadurch, daß die Wurzeln der früheren Wildbäume, die allmählich faul geworden waren, den Wurzeln der Obstbäume leichtdurchdringbare lockere Gänge und Nahrung verschafften.
Im Winter 1894/95 trat wieder ungewöhnliche andauernde Kälte eilt und richtete bedeutende Frostschäden bei den noch jungen Pflanzungen an. Tie Erhebungen, welche in dem darauffolgenden Sommer angestellt wurden, um einen sicheren Anhaltsputlkt dafür zu gewinnen, welche Obstsorten für die betreffenden Lagen als besonders winterfest sich nicht erwiesen haben, ergaben, daß Langston-Sonder- gleichen, Wsdonker-Reinette, Orleans-Reinette, Ribstou- Pepping und Cauäda-Reinette stark gelitten hatten, und zum großen Teil gingen sic auch ent. Atu empfindlichsten traten die Frostschäden an den Pflanzungen aus, die ihren Standort in der Terrainbeschaffenheit hatten, wo Täler auf der Südost- und Südwestseite geschlossene Anhöhen darstellen und so den freiet: Luftdnrchzug verhindern, wie zum Beispiel: Kirchberg-Sichertshausen, Geilshausen-Beltershain in der Nähe des Abgangs der Straße nach Lumda und Lindenstrnth- Grünberg von Lindenstruth bis zum Bettenwald. Als widerstandsfähige Sorten können genannt werden: Winter-Goldparmäne, Roter-Eiserapfel, Baumanns-Reinette, Boiken- apfel, Parkers grauer Pepping und Schöner von Boskoop, denen bei Bepflanzungen der beschriebenen Täler der Vorzug zu geben ist.
Zum Schluß erwähne ich noch, daß mit Inkrafttreten des Kunststraßengesetzes am 1. April 1897 die früheren Staatsstraßen in Eigentum des Kreises übernommen wurden. Auch von der neuen Behörde wurde mit Interesse die Vermehrung und Förderung des Obstbaues an den Straßen umfangreich fortgesetzt. Die Verwertung des Obstes erfolgt durch bmtmweise Versteigerung auf der Straße mit Ausnahme von etwa 200 bis 250 Zentner, welche in Regie geerntet und an eine zahlreiche Kundschaft in jeder gewünschten Menge abgegeben werden. Die zuletzt erwähnte Verwertung 'wird durch das sorgfältige Ernten, Sortieren und gutes Verpacken der Früchte von den Abnehmern geschätzt.
In nachfolgender Zusainmenstellung gebe ich einen Ueberblick über die Einnahmen, welche in den Jahren von 1897—1907 die Obsternten an den Straßett unseres Kreises
ergebet: habet::
1897: 794 Mk., 1898: 1474 Mk., 1899: 2038 Mk., 1900: 3820 Mk., 1901: 2811 Mk., 1902: 8798 Mk., 1903: 3524 Mk., 1904: 10196 Mk., 1905: 3600 Mk., 1906: 14 300 Mk., 1907: 4350 Mk.
Die Kreisstraßenverwaltung beteiligte sich seit 1897 nut Erfolg an 7 Obstausstellungei: und errang unter anderen einet: Ehrenpreis des tvürttembergischen Obstbauveretns auf der Blumen- und Pflanzen - Ausstellung in Frankfurt au: Main 1897, die silberne Medaille auf der Lanowtrt- schaftlichei: Ausstellung in Gießen 1903 und die bronzene Medaille auf der internationalen Lbpausstellung :n Düsseldorf 1904.
H e u ch e l h e i m. Kreisbaumwart Hebere r.
Aus der AmderMbe im Zarenpalaft.
Allerlei interessante Einzelheiten aus den: Leben der Zarenkinder weis; eit: Mitarbeiter von M. A. P. zu erzählen. „Die russischen Kaiserkinder sind wobl jene, aus die die Prinzipien englischer Erziehung als das struteste ai:gc:vai:dt iverden, und bei feinem Hose spielt nn Kntder- leben die englische Mode eine so große Rolle wie ut Zarskoje Selo. Der Thronerbe und die Großfürstinnen und die kleinei: Großfürsten sprechen das Englische so fließend ivie ihre Muttersprache. Die Zarin hangt mit großer Liebe an ihren Mutterpslichten, und seit der Geburt des langerwartetei: Thronfolgers verbringt sie den größten Teil des Tages int Kinderzimmer. Als der Sohi: geboren ivurde, wurde ein ganzer Trupp von Sekretären angestellt, der zunächst nichts weiter zu tut: hatte, als die einschlägige Literatur über die zweckmäßige Ernährung voi: Kindern zu studieren. Aus tmzähligen Werken wurden unzählige Auszüge gemacht unb schließlich eine Art Theorie der


