282
leicht mit sich um. Bankier- in der
noch
kehrte dicken gerade
Loysen, der abgewandt im Fenster stand, „Ich werde jetzt Hinuntestgehen und dem baron unser Hochwerth abkaufen... ich bin Stimmung dazu."
frottierend. Sie erntete weder Tank noch Widerspruch. Edeh- traut achtete kaum auf das, was ihr geschah, Loysen aber fühlte plötzlich lang, lang vergessenen, knabenhaften liebermut in sich aufsteigen.
„Na, erlaube mal, Anne, es schickt sich ja einfach nicht, das; ich im Zimmer bleibe. Was fällt dir denn ein?"
„Aber so geh doch," sagte sie hastig, „geh hinunter zur Gesellschaft. Und das; du es weißt: Edeltraut befindet sich schon seit einer Stunde hier, bei mir, weil ihr nicht wohl war. Tas wissen sic alle. Verstanden? Ucber deinen Verbleib Auskunft zu geben, überlasse ich dir."
Während sie so sprach, hatte sie schon ihrer Pflegebefohlenen trockene Fußbekleidung angelegt und strich nur feinem Batistttuch über das weiße Kleid.
elementarer Macht Bahn, so daß sie betäubt verstummte und nur ulstlnktw empfand, daß fortan kein Gluck für sie sei als in seiner Nahe. 1 1 ' uia 1,1
^5 F'i Nothaide, ließ Anne Marie plötzlich halten.
■ FBe /"ch emyenVorschlag zu machen," sagte sie. „Stergt hier aus und geht den Feldweg nach dem Garten Ich fahre voraus, um Wilhelm •— vorzubereiten." $
wünschten sie sich Lieberes? Wagen, Pferde, Menschen entschwanden ihren Blickerr und sie gingen, sich wie Kinder an den Händen haltend, den schmalen Pfad zwischen jungem" 2^ent und Mais hin. Roter Mohn, weiße Kamillen und blaue Kornblumen samnten ihren Weg ein.
(Schluß folgt.)
_ Nachdruck verboten.
Em Revolutionär.
beS Shakespeare'schen Julius Cäsar: „Laßt nachts öui'' J“»' s.nnt hatten Köpfen und die
h \’be« ®afftlr'.S dort hat einen hohlen Blick;
er dentt zu viel,, die Leute sind gefährlich" kennzeichnet mit einem genialen Blick den Typus des Verschwörers und Jntri-- fn’FF's ■■ rF Fsw schlimmen Plänen innerlich verzehrt Ut der Augen die Unruhe seiner Seele verrät. Unter den Mannern, die die große Bewegung der französischen Revolution ins Werk setzten, ist Robespierrc der Cassius, der un-
% Mensch mit der gefurchten tolirn, der Hagern Zähigkeit ffFJrSl bohlen Blick, der eigentliche Grübler und Theoretiker. F'b besitzt mchts von der genialen Größe Mirabea.ls, liichts von
Feuer Dantons, nichts von der liebens- ^stijEe Desnwnlins, auch nichts von der be- (F,‘„n^en Salnt-Justs oder der geschäftlichen Tüchtigkeit
,T9erln eckigen Figur, die durch konvul- Nvisch^. Kopf-, und L>chulterzucknngen nervös hin- und hergeschüttelt wird, den niedrigen Gesichtszügen, der grünlich bleichen Haut- farbe erscheint er wie eine verkümmerte Provinzkreatur, dem die peinlich korrekte, aber unmoderne Kleidung, die sorgfältig gepuderten Haare, der blaue Bratenrock, der pedantisch steife Gang etwas Lächerliches geben wurden, lucmt man nicht Angst vor ihni hätte. Tenn die enge kräftige Stirn läßt einen eisernen, nie ermüdenden Willen ahnen, m der aufgeworfenen Nase liegt ein Zug des Stolzes und verolendeten Selbstgefühls und aus den beständig entzündeten geröteten Augen fährt ein heimtückisch haßerfülltes
<5dten ist ein Mensch wohl so verschiedenartig beurteilt wor- den, wie der Advokat aus Arras, der allmählich zum Diktator Frankreichs emporsteigen sollte, als Robespierrc, dessen 150. Mburtsrag auf den heutigen 6. Mai fällt. Napoleon, den Frau von Stael den „Robespierre zu Pferde" genaiint haben soll, hat in seinem „Msmorial auf St. Helena von ihm geschrieben: „Er war unbestechlich und unfähig, den Tod eines Menschen zu befehlen oder zu verursachen aus persönlicher Feindschaft oder dem Wunsch, sich zu bereichern. Er war ein Fanatiker, ein Monstrum, aber er^ glaubte nur nach dem Gesetze zu handeln und er hinterließ bei seinem -lode auch nicht eineu Son." Seine eigenen Zeit- genossm hielten seine intellektuellen Fähigkeiten für sehr bescheiden; Roederer hat ihn direkt dumm genannt. „Der ist so unfähig, daß er nicht einmal ein Ei.kochen kann", meinte Danton 1792 von UM. Um Berwallungsangelegenheiten, um Einzelheiten bekümmerte er sich wenig. Sein Sinn lebte ganz in abstrakten Theorien und allgemeinen ^deen. Barere, der lange mit ihm zusammen gc- aroeitet Hatz kennzeichnet das richtig mit den Worten: „Er tat sich etwas darauf zu Gute, in der hohen Religion seiner Gedankenpflüge M bleiben, vielleicht.um dadurch sein Ungeschick für alle praktischen Hmge zu verbergen " Doch hat Mirabeau schon 1791 einen Schlussel zu der mtselhaften Wirkung und Macht des Mannes gegeben, als er von dem viel und schlecht redenden Mitglied der Nationalversammlung sagte: „Der wird's weit bringen, denn n Staubt alles das, was er sagt." Dieser fast bis zum Wahnsinn gesteigerte Glauben an sich selbst uiid die Wahrheit seiner Anschauungen, diese starre Festigkeit eines von bem eignen Dämon wge-rtffenen Willens verliehen ihm inmitten einer frivolen und skeptischen, von Egoismus und Leidenschaften erfüllten Masse den Heiligenschein des „Unbestechlichen", des „Tugendhaften", des „Gerechten", ließen ihn zu einer Popularität gelangen, „die keine ^uzen hatte", und erhoben ihn zu dem „eigensten Wesen der Republik , der Verkörperung des Bvlkswillcns, der Gerechtigkeit und Freiheit.
Doch über die innersten Antriebe seiner Politik und seiner Taten wird nur ein spärliches Licht verbreitet, so daß ganze Strecken seiner Laufbahn unb seines Schicksals fast im Dunkeln liegen Wohl hat sich fern Leben in der sichtbarsten Oeffenllich- keit abgespielt, aber bie zeitgenössischen Berichte sind durch Liebe !!std Haß entstellt und gefälscht; ixe unter seinem Namen vev- offeutlichten Memoiren sind unecht; seine intime Korrespondenz ist gekommen. Ter Legenbenbildung war die weiteste Möglichkeit geboten, zu schalten und zu walten. So entstand R”'.Gestalt des puritanischen Asketen, der im Glanze seiner Macht die enge Sllibe eines Hinterhauses bewohnte und bei keinem Wirt, dem Tischlernreister Dustlay, speiste, der sich zur
Anne Marie stutzte unb erhob sich von den Küicen.
„Ist bas dein Ernst?" fragte sie.
Jetzt aber war auch Edeltraut aufgesprungen, tat ein paar schnelle Schritte auf Loysen zu und war im nächsten Augenblick von seinem Arm umfnngen.
„Ich denke, es ist mein Ernst. Sich uns an, merkst du uns nichts an?"
Baronin Trc'ß erblaßte. Tiefe Herzenserschütterungen hatten bei ihr diese Folge und erschütternd war die Rückwirkung dieses verkörperten Glückes auf ihr eigenes Schicksal. Auch vor ihr öffneten sich eben langsam, feierlich die Pforten eines Glückes, das Pflicht geworden.
„Seid ihr — verlobt?" fragte sie, zwischen jedem Wort nach Atem ringend.
Edeltrant stand, ganz glühende, strahlende Seligkeit, stumm iah Loysen auf den blonden Köpf herab, in seinen Augen funkelte es wieder.
„Verlobt? — Ja, das weiß ich nicht. Ich fürchte, nein, wir sind durchaus nicht, verlobt. Wenigstens habe ich ihr auch nicht die geringste Liebeserklärung, geschweige denn einen Heiratsantrag gemacht. Ich kann nicht dafür, sie wollte cs Nicht — und ich versprach es. . . ich habe mein Versprechen gehalten, wie, Edeltrant?"
XXX.
Am nächsten Morgen fuhren sic alle drei nach Rothaide.
Am Abend vorher war unter Recknitzens brüderlichem Rat unb Beistand der Kauf von Hochwerth so ziemlich abgeschlossen worden und am Morgen hatte Loysen den Geschwistern seine Verlobung mit Edeltrant von der Haide mitgeteilt.
. , ^arjc Annens Freiidentränen flössen und Recknitz hatte sogleich den besten Wagen und die neuen Füchse bestellt, um das Brautpaar würdig nach Rothaide zu bringen. Es schien selbst- verstandlich, daß Anne Marie, die das Mädchen hergebracht hatte, als Ehrendame mitfuhr.
„ utlb feine Schwester sprachen während der Fahrt von
yochwerth, von allem, was sie durch den Vater über den ein- strgen Familiensitz wußten, von der herrlichen Lage und der Ichonen Nachbarschaft mit Rothaide. Edeltrant saß ganz still da. Loysen sah, daß ihr das notwendig war, nm mit sich ganz ins Klare zu kommen, und ließ sie in Ruhe. Nur von Zeit zu Zeit sah er sie an und begegnete ihrem wie aus der Tiefe auf- tauchenden Blick. In der Tat — sie stand noch immer in staunendem Bangen vor der Wandlling ihres Lebens. Da war sie denn nun also und so war sie, die Liebe! Ihre Erinnerung ging unmer wieder scheii unb zaghaft zu dem Augenblick zurück, da er sie unter den demanischimmernden Bäumen und dem verklärten Himmelszelt geküßt — ihre Seele wachgeküßt hatte. Diese Küsse waren ja Ketten, die ihr ganzes ferneres Leben an diesen Mann banden, sie ihrer Freiheit, ihrer Heimat, ihrer Arbeit und ihrer Lebensweise beraubten — und der Ge- danke hatte keine Schrecken inehv für sie. Im Gegenteil. Schreckvoll wäre es, ginge er und ließe sie allein. Tas Wunderbarste war, daß ste plötzlich Wilhelm verstehen konnte. Das war beinahe das Schönste. Es war wie eine Erlösung aus schmach- Vv.ler. Knechtschaft bet Selbstsucht. Die beiden lieben sich. . . und M hat blind und verständnislos daneben gestanden, hat Qr ■’<„ ■ .^™.u 511 Füßen geworfen und sie angefleht;
u\b.rc’eVQuoI! ~ Sage Ja! - So würde sie 6aBF' $tUte J'e ?d,ou damals auf eine Lebenserfahrung d,e ihr am eigenen Herzen gelehrt, was
J Edeltrant hatte ihr fimfundzwmizigstes Jahr
die Schwesterliebe zu kennen, und deshalb brach sich ;etzt das so lange verkannte Gefühl mit


