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mit Kraft n.nd Feinheit gemalt hat. Äon nicht geringerer Treue ist die farbige Reproduktion dieses Bildes in der Februar-Nummer der Sammlung „Meister der Farbe" (Verlag von E. A. Seemann in Leipzig; jährlich 12 Hefte zum Abonnementspreise von 2 Mk.). Solcher Glanzstücke finden wir noch mehrere in dem neuen Hefte dieser Gemäldeausstellung in Zeitschriftform, die nunmehr schon int 5. Jahrgange steht und danernd von der Gunst des Publikums begleitet ist. Hugo Bogels „Junge Mutter" mit dem drallen kleinen Buben auf dem Arm ist ein typisches Beispiel für die Art dieses Künstlers, der dieses Thema öfters behandelt hat. Ein verwunschenes, lvie verzaubert aussehendes Schloss stellt Franz Hoffmann-Fallersleben, ein Nachkomme des Dichters, in seinem „Alten Neste" vor uns hin. Neben der deutschen Kunst ift- auch die ausländische vertreten, und zwar durch den Dänen Wentorf, den Russen Iwanow und den Engländer F. Leighton, dessen klassisches Bild „Das Bad der Psyche" ans der Londoner National-Gallery hier in einer außerordentlich treuen Reproduktion wiedergegeben ist. Noch reicher ist die ausländische Kunst in dem inzwischen gleichfalls erschienenen Märzhest von „Meister der Farbe" vertreten. Hier fesselt vor allem das Bild einer alten Bibelleserin von dem Holländer Bisschop, „Im Lichte der Bibel", den Beschauer. Reproduziert sind ferner die Meerlandschaft des Dänen Melbye aus der Hamburger Kunsthalle, eine Szenerie aus der Bretagne („Seegraserute") des jungen Franzosen Andrs Dauchez, und „Der Raub der Proserpina" von Walter Craite, eins der wenigen englischen Bilder, die anläßlich der Karlsruher Jubiläumsausstellung von 1902 in die Badische Landes-Galerie gekommen sind. Gleichfalls in Karlsruhe befindet sich ein feines Tierstück von Julius Bergmann. Am längsten aber versenken wir uns in die Betrachtung von Fr. Uhdes „Kinderstube", die die Hamburger Kunsthalle zu ihren Schätzen zählt. Jit der literarischen Beilage gehen die Jugend- erinncrungen Mcycrheims weiter und vervollständigen den Genuß, den jedes Heft dieser amüsantesten aller Kunstzeitschriften bietet.
vermischte».
ipc. Brandwunden mit Tinte behandelt. Daß cs Organismen gibt, welche selbst die unvernünftigste Behandlung vertragen können, beweist ein Prozeß, welcher kürzlich vor einem Londoner Gericht zum Anstrag kam. Eilt Kind war von Brandivtmdcn schiver verletzt worden und der Vater hatte die offenen Schivären wiederholt mit Tinte bepinselt inib sich geweigert, einen Arzt zu Hilfe zu rufen. Die Nachbarn brachten die Sache zur Anzeige, das Kind wurde abgeholt und der Vater — eine Mutter hat das Kind iticht mehr — sofort in Haft genommen. Im Gefängnis von den Irrenärzten untersucht, stellte es sich heraus, daß der Mann total geisteskrank und mithin für seine Handlungsweise nicht verantivortlich zu machen sei. — Nun kommt aber das Merkwürdigste an der Geschichte. Trotzdem der Körper des Kindes infolge der Verbrennungen mehrere große, offene Wunden aufzmveisen gehabt hatte, hat ihm doch die Tintenkur nichts geschadet. Es hat sich keinerlei Blutvergiftung oder sonstiger Schaden durch Eindringen von Fremdkörpern in das Blut herausgestellt. Das Kind ist völlig geheilt und es hat sich erwiesen, daß die Krankenbehandlung durch einen Wahnsinnigen manchmal, wenn auch nicht förderlich, so doch auch nicht schädlich wirken kann.
* Bon einem Stier gespießt. Im Stalle des Grundbesitzers Heller in Trab och (Steiermark) war eilt Stier von der Kette losgekommen und raste im Stalle umher Die 50jährige Magd Maria Manko wollte den Stier wieder anhängen. Als sie sich dem Tiere näherte, bohrte dieses ihr seine Hörner in den Unterleib, so daß die Eingeweide heraustraten. Die Hausbewohner eilten herbei und es gelang einigen beherzten Männern, die Magd zu befreien. Ste wurde in sterbendem Zustande ins Spital gebracht.
* Sonderbare Ansicht. „Ich möchte mich gern um die ausgeschriebene Kvrrektorstclle bewerben." — Buchdrucker: Sie sehen aber gar nicht darnach aus, als ob Sie was davon verständen? — „Ich war doch fünf Jabre in einer Korrektiv n s- a n st a l t."
LsteL'KNisches.
” Das Aprilheft der „Neuen Rundschau" (S. Fischer, Verlag, Berlin) eröffnet ein anonymer Artikel „Ein W e g z u r Politik für die Unpolitische n", der über die Bedeutung der Religion für die Kulturpolitik spricht. Gerhart Hauptmann setzt seilte „Griechische Reise" fort. Jakob Wassermann hat einen längeren geist
reichen Essay über die Liebe. Ferdinand Tönnies schreibt einen aktuellen Essay über die Krisis des Reichsae- dankench Von John Ruskin werden wohl zum ersten Male in Deutschland eine Reihe lehrreicher und menschlich interessanter Briefe an einen amerikanischen Freund veröffentlicht. Felix Poppenberg spricht über eine Anzahl neu« erschienener interessanter Bücher aus der erzählenden Literatur., Arthur Schnitzler setzt seinen Roman „Der Weg ins Freie" fort. Herman Bang bringt seine neueste Novelle „Barchau ist tot". Einige Gedichte von Rainer- Mana Rilke, die politische Chronik von Theodor Bartl) und eine Reihe aktueller Glossen zur Zeitgeschichte und Literatur füllen das übrige Heft.
— „M är z", Halbmouatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: Ludwig Thoma, Herman» Hesse, Albert Langen, Kurt Aram. Erstes Aprilheft 1908. Preis 1.20 Mk Jnr Abonnement: das Quartal (6 Hefte) 6 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Heft 7 des „März", mit dem diese verdientermaßen schnell zu Erfolg gelangte Zeitschrift das zweite Quartal ihres zweiten Jahrgangs eröffnet, ist imeder besonders reich an interessanten und vortrefflichen Beiträgen. Der Leitartikel von P r o f e s s v r O t t o H a r - nack „National" beschäftigt sich mit der deutschen Po le n p o lit i k, speziell mit der neuen preußischen Ent- etgnungsvorlage und dem Sprachenparagraphen des neueir Reichsvereinsgesetzes. Georg Bernhard gibt in feinem Aufsatz „Die Reichsbank" Aufklärungen über den Charakter dieses Bankinstitutes, die vielen neues bringen werden. Björnstjeriie Björnson steuert einen Artikel „Alfred! Dreyfus der Jude" bei. Dr. Tionrede Carito bringt seine „Erinnerungen an Francesco Crispi" zum Abschluß- Besonderes Aufsehen in dieser Nr. mußte der tolle April- Scherz „Berlin-Loudon und London-Berlin, Die 2 Briefe" er« regem Ludwig Thoma gibt einen Artikel „Bauer n- moral", Robert Hessen einen brillant geschriebenen Aufsatz „Konkubinat". Hermann Kousbrück erhebt eine künstlerisch mahnende und warnende Stimme in der von zwölf! Mbildungen illustrierten Abhandlung über „Rheinbrücken") Von Hermann Hesse bringt die Nummer eine Erzählung „In den Felsen". Ferner wird die Veröffentlichung der reizvollen „Briefe an eine Freundin" von W i l h. Bnsch, der geistreichen Persiflierung der Dreyfusasfäre: „Die achtzigtansend Heubündel" von Anatole France und die _ feine Erzählung „Gebrüder Orgler" von Hans von Hoffensthal fortgesetzt. Die Rubriken „Rundschau" und „Glossen" enthalten wieder amüsante Aufsätze aus allen Gebieten der deutschen Kultur. Mit diesem Heft beginnt ein neues Abonnement auf die frische Zeitschrift. Wir können unser» Lesern nur empfehlen, von dieser Gelegenheit Gebrauch zu machen.
Goldene Worte.
Des Lebens Müh' lehrt uns allein des Lebens Güler schätzen Goethe.
Tue nur daZ Rechte in deinen Sachen, Da? andere wird sich fchon von selber machen.
Goethe.
Willst du dich am Ganzen crguicken,
Musst du das Ganze im Kleinsten erblicken. Goethe.
Sei fleißig Tag und Nacht Und sammle Gut ins Haus. In vielen Stunden kommt?, In einer gibt c5 sich ans!
Silbenrätsel.
a, bei, er, er, er, gern, ger, gung, id, land, ne, re, re, sä, san, se, Inng.
Vorstehende Silben sollen zu sieben Wörtern zusantmengesetzt werden, sodaß die senkrechten Reihen ihrer ersten und dritten Buchstaben die Namen zweier Nachbarstätte ergeben. Die sieben Wörter bedeuten: l.Tier. 2. Name. 8. Gemütszustand. 4. Waffe. ö.Land« schait. 6. fönte Tat. 7. Rasse.
Gießen. , Erich Ballmann.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der gleichlautende Wörter mit verschiedenartiger Bedeutung in voriger Nummer: Lampe.
Redaktton: P. Wtttko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


