Ausgabe 
6.4.1908
 
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sanüsKeiken dieses Stückes sind etwas holperig, weiterhin aber geht es wie geschmiert. Zum Beispiel:

Wo sollen wir landen, wo treiben wir hin? Warum jauchzen wir manchmal ins Ungeivisse. Wir Meinen, im Ungeheuren verlassen? , L

Als wenn wir wüßten, wohin cs geht. ;

So hast du gejauchzt! Und was hast du gewußt? Won irdischen Festen ist es nichts! Der Himmel der Pfasfen ist cs nicht! -m Das ist cs nicht und jen's ist cs nicht!

Aber was . . . was wird cs wohl sein am Ende???

Ja, warum ,richt? Was nicht vereinzelt austritt, folgert Wilpert, sondern sich durch so und so viel Bücher von Anfang bis zu Ende verfolgen läßt, ohne Unterbrechung, das ist doch mit so offenbarer Absichtlichkeit hineingelegt, daß vor allem der Verfasser sich ganz ungeheuer wundern muß, wie das gar nicht bemerkt wird.

Wenn inan's aber auch bemerkt hat, beachtet hat man s offenbar nicht. Sonst wäre es ja nicht möglich, daß dieselben Bücher und Blatter, die feilen» und» spaltenlang den Inhalt von Hauptmanns Werken erzählen und besprechen, kein Wort über die Form zu sagen wissen. Ist das Zufall? ist es Absicht? oder ist es einfach Unkenntnis der Tatsache?

Der unbefangene Leser, der den Schlottervers bisher nicht bemerkt hat, wird gewiß nicht behaupten, ich hätte den bewußten Tonfall erst hincingeWnstelt. Wer nur eine Spur von Gehör besitzt, findet ihn nunmehr mit Leichtigkeit bei Hauptmann über­all selbst heraus. Und umgekehrt wird es durchaus nicht ge­lingen, diesen Tonfall in Werke hineinzuKwängen, die nicht darin geschrieben sind. Jeder kann sich durch eigenes Prüfen davon Überzeugen." _______

Aus öer Geschichte der Ludsviciana.

Philosophische Fakultät.

II.

(Fortsetzung aus Nr. 29).

Ein Wissenszweig, der früher in_ der Verbindung mit der Mathematik sehr gepflegt wurde, ist leider in der neueren Zeit fast ganz aus dein Gesichtskreis der Universität ent- fchwunden, die Astronomie. Noch int 18. Jahrhundert wurde sie eifrigst getrieben und verhältnismäßig viel Geld dafür aufgewendet. 1734 wurde das astronomische Observatorium treu hergerichtet, 1737 eine kostbare englische Perpendikeluhr und ein Mikrometer angekauft, 1768 der berühmte Butzbacher Globus von Prof. Böhm wieder neu hergerichtet. 1810 folgte nochmals eine gründliche Reparatur und Erweiterung der Sternwarte, für die 1811 sogar ein neues Frauenhofer- fches Rohr bezogen wurde. Lewer sollten aber dann die astronomischen Studien in Gießen bald ein unerfreuliches Gilde nehmen. Um die Astronomie so weiter zu pflegen, wie es die Fortschritte der Wissenschaft forderten, fehlten bald die Mittel und das Bedürftris. So kam es, daß in den fünf­ziger Jahren die Mobachtungen allmählich eingestellt und die mathematischen Instrumente Landgraf Philipps in den Werkstätten der Main-Weser-Bahn als altes Messing einge- schmolzen wurden. Zu bedauern bleibt, daß nicht versucht wurde, wenigstens den Globus zu erhalten. Seit dem Winter 1865 verschwand die Sternwarte aus dem Verzeichnis der Institute, nur ein meteorologisches Institut imtrbe weiter­geführt, das bis 1880 bestand. Meteorologische Beobach­tungen wurden schon seit 1831 regelmäßig täglich im bota­nischen Garten angestellt. In demselben Jahre las der Physiker Buff das erste Kolleg über Meteorologie. In der neuesten Zeit hat die Meteorologie bekanntlich bei der Land­wirtschaft eine Heimstätte gefunden, indem beim landwirt­schaftlichen Institut seit dem 1. April 1904 der hessische Wetterdienst eingerichtet ist.

Eine erste Verordnung, landwirtschaftliche Kolle­gien zu lesen, ist vom 5. Sept. 1769 datiert. Dann gehörte das Fach zur 5. Fakultät, nach deren Untergang es noch ge­legentlich bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts gelesen wurde. 'Weitere Anregungen gaben dann die Forschungen Liebigs, aber ein besonderer Lehrstuhl bestand nicht. Am 10. März 1860 hatte die philosophische Fakultät von neuem hervorgehoben, wie groß das Bedürfnis nach einem be­sonderen Vertreter der Landwirtschaft sei, aber es sollten noch 10 Jahre vergehen, ehe ein solcher in der Person von Albrecht Thaer, dem Enkel des berühmten Begründers der wissenschaftlichen Landwirtschaft, berufen wurde. Am 28. Ok­tober 1870 wurde das landwirtschaftliche Institut eröffnet, das ein besonderes Gebäude neben dem botanischen Institut erhielt und 1880 in die neue Aula verlegt wurde. 1872 wurde an der Fuldaer Bahn das erste Versuchsfeld angelegt. Später kam dieses an die Hardt, und im Oktober 1906 konnte das Institut neue Räume in der Senckenbergstraße beziehen.

Die Forstwissenschaft begegnet uns zuerst in der 5. Fakultät und imtrbe weiter gepflegt von F. L. Walther, dem Professor für Kameralistik, Land- und Forstwirtschaft, der 1788 die erste rein forstliche Vorlesung hielt. Am 14. Juli 1810 wurde darin der Universität vom Landgrafen der Amts­garten, neben dem botanischen Garten gelegen, zur Anlage eines forstbotanischen Gartens überwieserr, wofür im folgen­den Jahre sogar der Ankauf amerikanischer Bäume in Aus­sicht genommen war. 1825 erfolgte die Anlage des Forst­gartens am Schiffenberg, der von 183145 wieder unter Staatsaufsicht gestellt imtrbe, seitdem aber wieder der Uni­versität gehört, da 1824 der alte Forstgarten zum botanischen gezogen worden war. 1825 verlegte aber auch Hundeshagen seine Forstlehranstalt von Fulda nach Gießen, wo sie am 24. März eröffnet wurde. Diese war zwar zunächst Privat­anstalt, stand aber als solche in engster Verbtndnng zur Uni­versität, deren Professoren zum Teil eigene Vorlesungen für das Institut hielten. Andere Vorlesungen hörten die Forst­leute überhaupt an der Universität. Am 14. Juli 1831 erfolgte dann die völlige Eingliederung der Forstlehranstalt in die philosophische Fakultät, ein Schritt, mit dem Gießen wieder an der Spitze der deutschen Universitäten stand. Die übrigen deutschen Staaten sind bekanntlich nur zunt Teig nachgefolgt. 1858 erhielt das Forstinstitut eigene Räume, die es tnehrfach wechselte, ehe es jein jetziges Heim int Kolleggebäude erhielt. Einen eigenen Jagdbezirk zu Unter­richtszwecken bekam das Institut, obwohl schon 1860 eilt diesbezüglicher Antrag gestellt worden war, erst 1896, durch Ueberweisung der Klein-Lindener Feldjagd. Am 12. Oktober 1873 wurde an Stelle des bisherigen 2. Lehrers der Forst- wissenschaft, der zugleich als Oberförster im praktischen Ver- tvaltnugsdienste tätig gewesen war, ein neuer außerordent­licher Professor angestellt. Am 21. Juli 1888 imtrbe diese Stelle zum Ordinariat erhoben und am 24. August 1904 eine neue außerordentliche Professur hinzugefügt. Seit dem 11. Mai 1882 besteht auch eilte forstliche Versuchsanstalt für oas Großherzogtum Hessen in Angliederung an das Forst- inftitut.

Der Name Kameralia tauchte zuerst 1758 in der Anzeige Thoms auf, der über ökonomische Polizei und Kameralwissen- schaft zu lesen gedachte. Laut Verordnung vom 28. Sep­tember 1770 wären Oekonomie und Kameralia regelmäßig von einem Professor der philosophischen Fakultät zu lesen. Die alten Professuren des Natur- und Völkerrechtes und der Politik verschwinden, dafür kam der Name Kameralistik auf. Die weitere Pflege fiel natürlich in den paar Jahren ihres Bestehens der ökonomischen Fakultät zu. Dann seit Ostern 1787 vertrat über 40 Jahre laug bis zum 14. Juni 1831 dlugust Friedrich Wilhelm Crome das Fach, ein ge­wandter Diplomat und an der Universität sehr einflußreicher Mann, über dessen Charakter das Urteil noch schwankt. Ihm glückte es bereits in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts in seinen Vorlesungen über Zeitungen und über polit.-statist. Gegenstände auch bis zu 20 Damen als Zu­hörerinnen zu haben. Auch hielt er 1811 das erste Prak- kum eamerale mit schriftlichen Aufsätzen ab. Am 18. Juni 1802 erfolgte zum ersten Male die Anordnung einer kamera­listischen Prüfung, bestimmt für die Anwärter auf die mitt­leren Verwaltungsstellen mit entsprechend geringeren An- forderungen und' besonderer Betonung technisch praktischen Wissens. Am 20. September 1807 wurden darüber noch besondere Bestimmungen erlassen und den Studierenden der Kameral-, Forst- und Bauwisseiischaft auch erleichterte Aufnahmebedingungen zugestanden. Wer nur diese leichtere Aufnahmeprüfung bestanden hatte, hieß Lizentiierter. Wenn aber einer der Lizentiierten zu anderen Studien übergehen wollte, mußte er sich erst der strengeren Prüfung unter­ziehen und die etwa bereits auf der Universität zugebrachten Semester wurden nicht gerechnet. Das Lizenciiertenwesen hat nicht lange in Blüte gestanden, gar bald erkannte man, daß es besser sei, auch die Kameralistik zu behandeln wie die anderen Wissenszweige. 1876 erfolgte dann die Grün­dung des statistischen Instituts, das seinem erweiterten Äuf- gabenkreise entsprechend seit dem Sommer 1900 staatswissen- schastlich-statistisches Seminar heißt

(Fortsetzung folgt.)

. Kunst.

Das ähnlichste Porträt Böcklins war im vor. Jahre auf der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen und stammt von Moritz Röbbccke, der den majestätiscbeu Wrcnenkopf