Ausgabe 
6.4.1908
 
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Montag den 6. April

|908 Nr. 55

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Mtderhatoteblatt zum WießenerZmeiM MemlAHcher). > Vj

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die Feldes unb Wiesen teil, aber zog sich zeitig in ihr Zimmer

Gen Fra Diavolo ritt sie anfangs nur in ber Bahn. Mt Kampf mit dem unverwüstlich Wilden, fenrigeii Rappen ermüdet« sie zuerst, und sie siihlte sich nach einer halben Stunde schon erschöpft, aber nach und nach machte sich der ®tnftitß der starkeir- den Landluft und der Bewegung geltend und sie Wie ihre Kraft und Ausdauer wachsen. Nun machte es ihr schon Bergungen, das unbändige Tier ins Freie zu bringen und es bei aller Mild­heit doch ihrer Hand untertan zu Wen. Em Ros-, wie sie es c^bte ein Geschöpf, um welches sie Helmuth immer beneidet hatte, tvenn er darauf an ihrer Seite durch Dobraner Flur ritt.

So war denn ihr Tag bald eine Reihenfolge heilkräftiger Uebungen. Früh morgens ein frisches Bad, em Gang, em aus Milch und Brot bestehendes Frühstück, ein Ritt, einige m der Hängematte verbrachte Stunden. Nachmittags etwas ruhige s sclliakeit und ein größerer Spaziergang. Mit der ihr Eenen ! praktischen Nüchternheit ging sie dran, sich für kommeude Muhen I des Samaritertums zu stählen. ,

Ms es in der Nachbarschaft ruchbar geivordeu war, Baronin Tros sei in Bordes, kam die schöne Ada voN, Valois, um die Freundin zu besuLi. Sie ka,n in der Equipage des alten Grafen Trauen, wie sie damals zum Ball der Bessendorls m fernem Witten^ kommen war. Kvmtesse Henny mar verheiratet und man eiwariete nun als selbstverständlich, daß sich der alte Graf zum zweltenmal | die Eljefesseln anlegen würde. Die Begrüßung der Gaste fand tut I Familienzimmer statt. Es war schon spät am Nacymittag und die Recknitz' schlugen sogleich eine Partie Whist vor, an welcher als vierter der ebenfalls anwesende Oberamtmaun R.eteln teil- I nahm. Also faßen Anne Marie und die Valois em wenig ab- I seits mit einem zierlichen Teetisch zwischen sich und sprachei

Kelmulh von Lovlen.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.)

halblaut Marie noch ein naiver Backfisch mar, Hatto sie für Re spanische Schönheit und Grandezza der vielbewunderten Valois geschwärmt jetzt standen sich beide verständnislos, gegm- über, aber Ada Valois gehörte auch nut zu d/n Erinnerungen an die frohe, harmlose Jugendzeit und mar als solche «ne Art wohl koiiservierter Reliquie. Und wohlkonserviert war sie, das musste ihr der Neid lassen. Nicht nur am klassischen Profil und an der prachtvollen Figur im schwarzen Sammet, auch an den geistigen Interessen der siegessicheren Balstchönheit waren die Wre fpur- los dahingegangen Dieselben Fragen und dieselben Ideen be- schäftiaten sie, ivie damals, ob sie diesem oder jenem Verehrer den Vorzug geben solle unb mit derselben tiefen Altstimme m ruhig schleppender Weise trug sie ihre vertraulichen Bedenken von Das ironische Lächeln der Freundin blieb völlig unbeachtet.

i Was sie ihr wohl raten würde? Graf Trauens Bewerbungen wurden auffällig, es war wirklich ein so unangenehmer Konflikt ..

IMeGräfin" würde dir nicht bitter stehen, bemerkte Anne W%!Äne" - sagte die Valois mit Gelassenheit,daß ich mich" als solche gut ausnehmen würde, aber"

I Anne^Marie sah nach dem Whisttisch, wo der alte Herr mit

(Fortsetzung.) , I

Sie tat dies mit einigem Stolz und Anne Marie sah sich I lächelnd in dem prächtig eingerichteten Raum um. W nein« I Söffet stand vor den offenen Kleiderfchränken.

Ist das wirklich alles Gepäck, was du mithast?" |

Gewiß. Du siehst, ich habe viel unnützen Ballast über Wrd geworfen. Nein, klingle nicht -ich packe-selbst «us, nawrlich. sw kniete schon am Boden, öfjnetc und legte Stuck für Stuck aus dem Koffer und mit felbstverständlicher, Praktlfcher Schncllrg- | -keit sogleich an seinen Ort.Sieh mich nur nicht so verwundert | cn Mieze zu meinem jetzigen Berufsleben paßt der zeitraubende I Wi s Wmalchen Toiletteuioechsels nicht. Ja, ickWirde, jckjon aus Beauemlichkeit, für mein Privatleben ewige Trauer adop- tieren, käme ich dadurch nicht einfach in den Ruf der Heuchelei. ** Wer Rch^wk^ Schwester - wie das klingt! - Sag'" mir aber doch, so ganz im Vertrauen, denkst du gar nicht nn strnrn eine Möglichkeit ich meine, dich wieder

Nein' Nie!" Anne Marie stand jetzt vor dem Spiegel I unb "bürstete sich ihr lichtbräunliches, leicht gewelltes Haar. te» liinsloß ein weißes Gesicht mit herb geschlossenen Lippen.

Fange um Himmelswillen nicht davon an, Mieze brave Männer laufen ficherlich zu Dutzenden herum, und gegen die Nnbraven habe ich int Grunde auch nichts, aber eine Heirat koiuue | mir nie dsi Zufriedenheit und die Genugtuung geben, wie tun

Beanlagung und Neigung treiben.furfGmp Gattin

orrn du armes Annchen!" seufzte die glückliche Gattii und Mutterdas weifst du eben nicht besser woher tolltest hu mirfi " sie schwieg, rot und verlegen.

Laß mir Edmund Troß in Frieden ruhen, Mieze. Er ljat mich nie unglücklich gemacht. Wundert occh dies? Es ist so. Er tvtl. w OTnfana enttäuscht und degoutiert, tpateryiii v«

denke heute ohne jede Bitterkeit an ihn.

Du bist überhaupt eine kahle Natur, tagte wcarle ec bedauernd. Ihr Herz schlug voll und-warm unb * Augesicht spiegelte das sichere Glna ihres Lebeiis Wucher m hatte der bleichen, ü6eranftrengtcn, kühllächelnden Sei f solch ein Glück gegönnt, aber ihr kamen selber Zweifel, ob die was damit anzufangen wüßte. ... , , f

Amte Marie war ivirklich sehr angegrmen und selbst fehr bestrebt, ihre Nerven so schnell wie möglich wieder ,,M) 3« «*8®n Es wurde daher ein Tagesplan für fie entmorfen, barrn Ruhe und Bewegung zweckentsprechend abwechselte. Sie sollte denBom mittag ganz für sich allein verbringen, spazieren gehen oder reiten, :«?K M >">d *« wm -->!

vder anwesenden Besuch. Nachmittags war sie mit der Familie Kufammen, nahm auch an einer Spazierfahrt oder einem Gang auf