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Hochschule in Lissabon, Das jefet durch seine Thronbesteigung ein Ende gefunden hat. . . Seit fast 400 Jahren hat in Portugal kein König geherrscht, der den Namen Manuel führte. Manuel I., der Große, auch „der Glückliche" genannt, herrschte von 1495 bis 1521 über Portugal, und seine Regierung bedeutet eine der glänzendsten Zeiten in den Annalen der portu- giesischen Geschichte. Energische Bemühungen für die 8Älks- bildung und andere bahnbrechende Reformen bezeichnen Die Lebenszeit dieses Herrschers, in der die Reisen von Vasco da Gama, Corte Real und Amerigo Vcspucci sowie auty die Eroberungen AlmeidaS und Albuquerques den Namen Portugals bis in die fernsten Weltteile trugen. Sein Ruhm eines hochherzigen und edelmütigen Fürsten litt allerdings unter den grausigen Judenverfolgungen, die unter seiner Herrschaft em- fetzten; im Jahre 1503 kam cs in Lissabon zu dem furchtbaren Judengemetzel, bei dem nicht weniger Unglückliche hin- gcschlachtet wurden als Hugenotten in der Bartholomäusnacht fielen. Im Hinblick auf die gegenwärtige Lage in Portugal ist cs besonders interessant, daß der große Namensvorgünger des neuen Königs als eine seiner ersten Negierungstaten die Einberufung der Cortes auvrdncte, ohne deren Rat er wahrend seiner ganzen Herrschaft niemals ein großes Unternehmen zu beginnen pflegte.
VetknrLschSrs«
* Der Roman eines Dienstmädchens, das es zur Baronin und Gutsbesitzerin brachte, beschäftigt gegenwärtig die Wiener Gerichte. Der ungarische Gutsbesitzer Dionys Baron Gyulai erhielt vor Jahren durch ein Wiener Dienstvermittlungs-Bureau das Dienstmädchen Marie Torma zugeschickt, in das sich der Familienvater bald ernstlich verliebte. Ms seine Gattin, eine geborene Gräfin Mathilde Pongracz, entdeckte, daß er mit dem Dienstmädchen ein Verhältnis unterhielt, verließ sie sofort das Haus und strengte gegen ihren Gatten eine Ehescheidungsklage am Die Ehe wurde auch rechtskräftig getrennt. Der Baron machte jetzt, nachdem er zum reformierten Glauben übergetreten war, das Mädchen zu seiner Gattin. Nicht so leicht war es ihm aber, die nachträgliche Legitimierung seiner aus dem Liebesverhältnisse mit dem Hausmädchen entsprossenen Kinder herbeizuführen. Nachdem dies auf dem Rechtswege nicht zu erreichen war, suchte er in einem Majestätsgesuche um gnadenweife Legitimierung der beiden unehelichen Kinder an. Das ungarische Justizministerium befürwortete dieses Gnadengesuch, und mit kaiserlicher Entschließung wurden die beiden Söhne Georg und Ludwig Torma als eheliche Söhne des Barons Gyulai legitimiert. Vor mehreren Monaten starb nun Baron Gyulai mit Hinterlassung eines Testaments, in welchem er seine beiden legitimierten Söhne zu Universalerben seines sehr beträchtlichen beweglichen und unbeweglichen Vermögens einsetzte. Die übergangenen Kinder aus der ersten Ehe des Barons mit der Gräfin Mathilde Pongracz haben nun im Prozeßwege dieses Testament angefochten. In ihrer beim Kaposvarer Gerichtshöfe überreichten Klage machten sie peltend, daß das Justizministerium bei Borleguug des Legitimierungsgesuches an die Kabinettskanzlei vergessen habe, die Sicherung des Erbteiles der gesetzlichen Kinder zu veranlassen. Für diesen Unterlassungsfehler des Justizministeriums dürfen die Kinder erster Ehe nicht büßen. In einem zweiten von den letzteren angestrengten Prozesse wird die Ungültigkeitserklärung der von Baron Gyulai mit dem Dienstmädchen Marie Torma geschlossenen Ehe überhaupt verlangt. Der Anwalt der Kinder aus der zweiten Ehe vertritt demgegenüber den Standpunkt, daß die letzteren infolge ihrer Legitimierung in alle Rechte ehelicher Kinder eingetreten seien.
* Aus d em Au f s a tzhe f t ein es Mä d ch en s weiß die „Tägliche Rundschau" folgende Stelle mitzuteilen: Die Katz ist ein Wallzenförmliches Haußtier. Am Körper hat sie einen, kleinen Kops. Unter den Ohren stehen grüne Augen. Der Schwans ist laug, welcher sich an der Spitze verjüngert. Die Katz ist mit Fell besetzt, ihr Pelz hilft gegen Reißmann- drchtig. Die Katz steht auf vier Beine. Die Katz wird in der Fabel viel gebraucht. Sie geht leise. Unser Dichter nennt sie deshalb Läusetreter. Die Katz ist schwarz, aber rann auch grau und andere Farben gefärbt worden sein.
Auf der Zunge stehen Stacheln, die Zähne sind spietz. Wenn die Katz groß wächst, nennt Sie man ein Kater. Die Katz ist ein kleines Säugetier und bringt lebendige Jungen zur Welt, ihr Blut ist rot und heiß.
* Die faule Jugend. Sommerfrischlerin: „Sie haben da ein sehr schönes Huhn — legt's denn auch brav Eier?" — Bäuerin: „O na — damit is's g'sehlt! 's is sch a' schön's iund jung's Tier — aber im Eierlegen is's faul!" — Sommerfrischlerin: „Ja, ja, meine Beste — die heutige Jugend!" __________
Literarisches.
— Das Februarheft der „N e u e n R u n d s ch a u" (S. Fischer,- Verlag, Berlin) bringt Briefe Otto Erich Hartl eben K an seine Frau. Zum ersten Male tritt uns der inner« Mensch Hartleben entgegen und der Roman seines Lebens spielt sich in diesen Briefen in einer fast novellistischen Disposition ab. In demselben Heft hat Richard Dehmel einen spiritistischen Dialog mit Goethe über Naivität und Genie. Arthur Schnitzler setzt seinen großen Wiener Roman „Der Weg ins Freie" fort. Hermann Hesse hat eine kleine, feine Novelle „Knulp". Samuel Saenger faßt programmatisch die Aufgaben einer modernen Kulturpolitik zusammen. Arthur Bonus behandelt die Theorie des modernen Verbrechers. Gleichen- Rußwurm gibt einen lehrreichen und geistvollen Essay über die Bedeutung und die Geschichte des Salons. Karl Voll-, moeller veröffentlicht zwei Gedichte, phantastische Landschaften. Felix Poppenberg gibt ein Charakterbild Hans von Bülows nach seinen Briefen. Theodor Barth schreibt wie inimefl die politische Chronik.
Die moderne Frau.
„Ach, ich hab' soviel zu tim, Kann mir kaum noch raten. Ueberall ruft mich die Pflicht Hin zu großen Taten!
Heute abend Komitee, Morgeir Fran'nbewegung. Uebermorgen Säuglingsheim, Große Grundsteinlegung.
Donnerstag dann der Basar Für die armen Sklaven — Ach, ich weiß wahrhaftig nicht, Wann ich werde schlafen!
Freitag muß ich in beit Klub, Hab' es fest versprochen — Und ich hab' noch nie mein Wort So frivol gebrochen.
Samstag niußich dannzumJour.» Nein, ich muß zu dreien l Wenn sie nur nicht wieder dort Gar so furchtbar schreien.
Zur Modistin muß ich auch, Ach — und auch zum Schuster.,, Und es wird so fürchterlich Zeitig jetzt schon duster.
Aber meinethalben soll
Nie ein Armer büßen — ...
Wenn Tu meinen Mann mal siehst,
Sag', ich lass' ihn grüßen!!"
Paul A. Kirstei»,
Goldeue Worte.
„Mensch sein", in dieses Wortes vollem Sinn, Nicht träger Ton, der jedem Drucke weicht, Nicht Fels, der fühllos jedem Sturme trotzt, — „Mensch sein", sei deines Strebens schönes Ziel.
* Kugler.
Kunst und Natur
Sei auf der Bühne Eines nur;
Wenn Kunst sich in Nattw verwandelt.
Dann hat Natur mit Kunst gehandelt. Lessing,
Rätsel.
Aus nebenstehenden Buchstaben sind 9 Wörter zu bilden, welche nennen!
1. Insel.
2. Raubtier.
3. Vorname.
4. Berg.
5. Honigsaft.
6. Teil eines Baumes.
7. Vorname.
8. Vorname.
9. Oman.
Bei richtiger Lösung bezeichnen die Anfangs- und Endbnchslaben beide von oben nach unten gelesen ein wohl« bekannles Unternehmen und dessen Inhaber.
Auslösung in nächster Nummer.
A
A
A
A
A
A
B
D
E
E
E
E
G
I
I
K
L
L
L
M
M
M
M
N
N
0
0
P
P
R
R
R
R
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8
8
T
T
T
T
U
U
Y
Y
Y
Auflösung des Zahlenrätsels in voriger Nummert
Der Dichter heißt Oskar Wilde. Die Wörter sind: Odessa Seide, Karl, Aida. Rosalia, Widder, Isar, Leier, Dollar, Eos.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


