Ausgabe 
6.2.1908
 
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Men sonstigen Bernssgeschäften nicht imstande tonten, bak­teriologisch zu arbeiten. So ist man denn ans den einzig zweckmäßigen (und s e hr n a ch a h m e n s w e r t e n. D. Red.) Ausweg gekommen, in je dein p reust Regierungs­bezirk eine bakteriologische Untersuchungs- anstalt zu errichten, die jede von einer» Arzt gewünschte Untersuchung unentgeltlich horzunehmeu und dem Arzt umgehend das Ergebnis der Untersuchung mitzuteilen hat. Auch bisher war der Arzt schon in der Lage, bakteriologische Untersuchungen vornehmen zu lassen; aber diese Untersuchun­gen waren mit Kosten und Umständlichkeiten verknüpft. In vielen Fällen von arrsteckenden Krankheiten wird es sogar zweckmäßig sein, rricht nur im Beginn der Erkrankrrng die bakteriologische Feststellung machen zu lassen, sondern auch anr Schlüsse der Erkrankung. Ost genug wird sich dann Herausstellen, daß der Kranke Zwar äußerlich genesen erscheint, aber immer noch Bazillen äbsondert, die einer Weiterverbreitung der Krankheit Vor­schub leisten. Der Kranke wird solange an dein freien Ver­kehr, z. B. chn dein Schulbesuch, gehindert werden müssen, als er noch Bazillen ausscheidet. Allerdings werden sich hier in praxi >ni»ißerordentliche Schwierigkeiten ergeben; denn Personen, die Typhus überstanden haben, können noch monatelang Typhusbazilleu absondern. Man wird sich in solchen Fällen mit gewissen Vorsichtsmaßregeln begnügen müssen. Dazu kommt noch, daß auch die gesunde Umgebung des Kranken Bazillen beherbergen kann, ohne selbst krank zu sein. Auch hier wird eine bakteriologische Untersuchung der Ausscheidungen dieser Personen (Familienangehörige, Krankenpfleger) viel nützen können.

Jedenfalls ist zu erwarten, daß durch eine allgemein durchgeführte bakteriologische Untersuchung bei anstecken­den Krankheiten Erhebliches zur Verhütung der Weiterver­breitung geleistet werden kann. Bisher gibt cs eine solche Organisation, wie sie nunmehr in Preußen durchgesührt ist, in keinem Lande der Welt. Sie ist selbstverständlich noch verbesserungsfähig und wird auch noch weiter ausgebaut werden. Ihre Durchführung wird erhebliche Geldmittel er­forderlich machen; aber dafür ist auch mit Sicherheit eine Abnahme der Seuchen zu erwarten. Die Ausführung dieser ganzen Organisation beruht auf der treuen und entsagungs­vollen Mitarbeit der praktischen Aerzte, die keinen Lohn, wohl aber oft Undank und materielle Nachteile von ihrer Mühewaltung haben werden. Sie müssen sich die zur Ent­nahme des Untersuchungsmaterials erforderlichen Gefäße aus der nächsten Apotheke holen, wo sie seitens der Regie­rung niedergelegt sind. Diese Gefäße befinden sich in Lein­wandbeuteln, die den Aufdruck der Anfangsbuchstaben der betreffenden Krankheit und die WorteVorsicht, infektiöses Material" enthalten. Sie werden per Post umgehend an Die nächste Untersuchungsanstalt gesandt; von hier aus erhalten die Aerzte in etwa 24 Stunden die Antwort, ob Bazillen gefunden worden sind oder nicht. Die hauptsächlichsteil Krankheiten, bei denen die bakteriologische Untersuchung in Frage kommt, sind Diphtherie, Genickstarre, Typhus, Milzbrand, Pest, Rotz, Malaria, Rückfallfieber, Ruhr und Tuberkulose. Bei Scharlach, Masern und Pocken sind die Krankheitserreger noch nicht gefunden; eine bakteriologische Untersuchung ist also zurzeit zwecklos.

Aönig Carlss als ZporLsman und Stierkämpfer.

König Carlos galt im persönlichen Verkehr als ein außerordentlich liebenswürdiger und jovialer Mann, und von Fugend auf zeigte er auch eine besondere Vorliebe für körperliche Uebüngen, die auch in späteren Jahren, als der König korpulent geworden war, kaum nachließ. Er galt stets als ein außerordentlicher Schütze; es gab in Portugal niemand, der es hierin mit dem König hätte aufnehmen können. Dabei Ivar er ein leidenschaftlicher Reiter, und seine Sicherheit, mit der er auch als Wagen­lenker sein Gespann durch die engen und winkeligen Straßen Lissabons zu lenken wußte, erregten stets Aufsehen Und Bewunderung. Auch auf dem Tennisplatz stellte er seinen Mann, durch seine Geschicklichkeit und körperliche Gewandtheit setzte der korpulente Monarch seine Mitspieler in nicht geringes Staunen. In seiner Kronprinzenzelt war Dom Carlos ei» lebhafter Anhänger des Stierkampses, Und einmal hat er sogar selbst in der Arena seinen Mut bewiesen. Die portugiesischen Stierkämpfe entbehren bekanntlich des blutigen Charakters der spanischen, Stier und Pfewdo toerfreu njcht getötet und üm die Gefahr zu

vermindern, versieht man die Hörner des Stieres mit einem: gepolsterten Lederschutz. Eine Dame spottete einmal in Gegenwart des damaligen Kronprinzen über diese Vor­sichtsmaßregeln und erklärte, daß die Stierfechter es über­haupt nicht wagen würden, ben nackten Hörnern eines gereizten Stieres entgegenzutreten. Der Kronprinz griff die vermeintliche Herausforderung sofort auf und beim nächsten Stiergefecht wurde befohlen, daß die Lederhüllen an den Hörnern weggelassen werden sollten. Dom Carlos selbst wollte den Kamps aufnehmen. Mitten in der Arena, dem Eingang gegenüber, nahm er, die Bandärilhas in der Hand, Aufstellung. Selten geht ein Stier sofort zum Angriff vor, und auch dieser machte keine Ausnahme. Schnaubend und mit den Hufen scharrend, daß der Sand hoch auswirbelte, blieb er stehen und maß seinen Gegner. Dom Carlos versuchte ihn mit seinen Waffen zum Angriff zu reizen. Nur wenige Sekunden, dann stürzte sich der Stier mit gesenktem Kopfe wütend gegen freu Feind. Der Prinz wich mit einem Sprung zur Seite aus, er geriet dabei auf eine feuchte Stelle der Arena und stürzte zu Boden. In höchster Erregung sprang das Auditorium ans, ein einziger Schrei des Entsetzens brauste durch dis Arena, denn obgleich Dom Carlos sein kühnes Wagnis selbstverständlich inkognito ansführte, wußte doch jeder, wer der verwegene Bandillero war. Es gelang einem her- beieilendcn Kämpfer, dem Stier ein rotes Tuch vorznhalten und so auf kurze Sekunden die Aufmerksamkeit des Tieres von dem Gefallenen abzulenken. Der Prinz sprang aus, der rasende Stier sah die Bewegung, und ohne auf das Tuch weiter zu achten, stürzte er von neuem gegen feinen ersten Gegner. Ein kurzes Rennen auf Leben und Tod folgte; im letzten Augenblick erreichte der Thronfolger die Schranken. In dem gleichen Augenbliek, da Dom Carlos sich über das rettende Hindernis schwang, bohrten sich krachend die Hörner des wütenden Tieres in die Planken. Den! Bruchteil einer Sekunde früher, und der Thronfolger hätte feine Kühnheit mit dem Leben bezahlt.Jawohl", so äußerte Dom Carlos später mit einem Lächeln,ich glaube, daß ich diese 25 Meter ziemlich rasch zurückgelegt habe." Und mit einem Blick auf seine Figur fügte er mit einem Anflug humorvoller Selbstkritik hinzu:Ich glaube, es würde nicht so gut ausgehen, wenn ich die Sache heute wiederholte."

Ein CharÄLerbiid des jüngsten MmgZ.

Tom Manuel II., der junge, kaum der Kindheit ent» wachsene Prinz, dem der tragische Tod des Vaters und des Bruders nun in schwerer Stunde eine Krone auf das lugeiid- liche Haupt gedrückt hat, blickt auf eine Jugend zurück, die von den ersten Tagen an mit Luxus und Glanz umgeben war. Seine Mutter, die unglückliche Witwe, die jetzt an der Bahre des Gatten und Sohnes trauert, war die erste und man kann fast sagen, die einzige Erzieherin des jungen Prinzen, der letzt als König Portugal regieren soll. Von ihr ererbte er und sw pflegte in ihm jene Eigenschaften, die er letzt wird erproben müssen: Hochherzigkeit, die Liebe zum ©Mtcit und Gute.. Prinz Manuel war in Lissabon eine bekannte Erichemung; sem leb­haftes, sonniges Temperament und seine heitere, echt portu­giesische Fröhlichkeit, die sich neben dem ernsten reservierten Wesen seines nuglücklichen Bruders doppelt abhoben, Haven ihn im Volke schnell bekannt gemacht. Zehn Jahre zahlte der Knabe, als die Mutter die Erziehung zuerst mit anderen Lehrern zu teilen begann. Marques Lietao führte den Knaben m die Mathematik ein, die ans ihn eine starke Anzictzuugsltzaft aus­übte. Auch hinsichtlich seiner Neigungen für die Kunst und Literatur unterschied sich Prinz Manuel von seinem Bruder, denn mit außerordentlichem Interesse beschäftigte er ftch mit den Studienfächern, die mit den schönen Künsten in Berührung stehen. Aber all das trat zurück' neben enter leidenschaftlichen Neigung, die den Grundzug seiner Jugend ausmacht: die Liebe zun« Meere, die begeisterte Siebe zu allem, was ftch auch. Meer bezieht. Seine ganze Sehnsucht luar der Traum eines pingen Portugiesen, dessen Vaterland durch bte Macht zur See emst die Welt beherrscht hatte, der Traum: ein Seemann zu wer­den. Im Winter 1903 begann er auf Wunsch der Mutter ge­meinsam mit dem Kronprinzen seine erste größere Rene., Mit der reizenden YachtAmelia" besuchte er Karthago, Griechen­land, Aegypten, Konstantinopel', Palästina; auf der Heimfahrt legte man in Neapel an und in Begleitung ihrer Erzieher be­suchten die Prinzen Rom und die historischen, Statten, d,e ne solange nur ans Büchern gekannt hatten. Die Eindrücke dieser Reise übten auf die Seele des vierzehnjährigen Knaben einen imverlöschlichen Einfluß aus; mehr als irgend etwas ver­stärkten sie seine Siebe zum Seemailnsberuf und seitdem galt sein ganzes Streben der Erfüllung seines Sieblingstranmes. ..Vor etwa drei Jahren begann er sein Studium an der polyiechmfthen