Ausgabe 
5.2.1908
 
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liebsten aber schwelgt er in vollen, starker! Akzenten, irr Preußischblau oder Violett, in aparten Rüancen von Ocker und Grün, und in seiner Leidenschaft für nrelodisch weiche Farben wird seine Süße sogar zur Süßlichkeit, wenn er sich in Skalen des Rosa ergeht, von einem milchigen Erdbeertorr Lis zu Lachsfarben und Pfirsichrosa. An seinen Sonder­lingen und Hagestolzen gefallen ihm vor allem ihre hell­blauen und blaugrünen Röcke, die gelben und mattgrauen Hosen, die apfelgrünen Westen, die dunkelroten und orange­farbenen Schnupftücher. So erhalten seine Brider alle etwas Geschmäcklerisches, Delikates, geben eine vollendete farbige Sinfonie. Ja bisweilen steigert sich das sogar zu einem juwelenhaften,. unruhigen Leuchteir und Schimmern, das die enge Älltagswelt in die Märchenluft von Tausend und eine Nacht taucht. Und dann mag cs wohl geschehen durch das Wunder der Kunst, daß plötzlich der Philister zu einem verwtmschenen Prinzen wird und der Maler der Kleinstadt zu einem seltsam mächtigen Zauberer. . .

FMeudverenrs.

Diakonus Benndorf hielt in der 2. Tiözesanversammlung in Jena einen Vortrag überJugendvereine",, der uns jetzt (im Verlage von A. W. Zickseldt in -Osterwieck a. H. erschienen) gedruckt vorliegt. Wir empfehlen seine Lektüre allen ernsten Freunden unserer schulentlassenen Jugend; denn die in ihm dargebotenen Gedanken über die Jugend­fürsorge verdienen weitesten Wirkungsbereich, und allent­halben gilt es, Kräfte für das Liebeswerk zu werben. Nur einige Hauptgedanken seien aus diesem gehaltreichen Vor­trage hervorgehoben. Möglichst in jed er Gemein de sollte einI u g e n d v e r e i n" man nenne ihn auf oent Lande getrost mit H. SohnreyBurschenverein" bestehen! Wer soll solche "Vereine gründen? Nur der ist dazu fähig, der mit der Jugend jung und ein ganzer Mensch sein kann, wer zumal unbeirrte, glaubensvolle Liebe zur Jugend hat. Wo Pfarrer und Lehrer die Sache an greifen auch die andern Gemeindeglieder sind zum Zugreifen fähig und verpflichtet, aber sie tun es oft nicht, da muffen sie den pastoralen und lehrhaften Ton draußen lassen. Jeder Schablone sollte sorgsültig aus- aewichen werden: die Hauptsache ist, daß durch persön­lichen Einfluß Persönlichkeiten gebildet werden, die wissen, was sie wollen und wollen, was sie müssen, daß die Fu­gend durch vorbildlichen Umgang in ihren Gesinnungen gefestigt und veredelt und zu bewußtem Anstand erzogen werde. Der Sache ist es nach Diakonus Benndorf sicher dienlicher, wenn die Vereinigungen weniger in den Dienst der Kirche als in den der sozialen Gemeinde gestellt wer­den. Die Jugend hat Anspruch aus Freude und Kurzweil, nur muß ihnen die Geringschätzung niederer Ver­gnüg ungen eingeimpft werden, damit sie später zu vollwertigen Männern erwachsen können, die in einem tätigen Leben dessen edelsten Inhalt erblicken. Was B. in dem von ihm begründetenFugendbunde" an Beleh­rung und Unterhaltung bietet, kann hier nicht besprochen werden: aber sicher ist es wohl bedacht und in der Praxis leicht zu verwirklichen. Wir meinen, daß dieser Vortrag zu jenen gehört, die wieder und wieder gehalten werden müssen! ______

VerrnitzÄMs.

* Ist Tabak für Frauen schädlicher als für Männer? Diese Frage »ruß nach den neuesten Ergebnissen der medizinischen Forschung mit einem entschiedenen Ja beantwortet werden. Zwei französische Aerzte haben derSocü'ts de bwlogic" die Ergebnisse ihrer Untersuchungen hierüber mitgeteilt, die sie Wnächst 'an Meerschweinchen und Kaninchen angestellt haben. Tiere, die mit Tabakslange oder Tabaksrnnch behandelt Wurden, brachten regelmäßig tote Junge zur Welt. An dieses experimentelle Ergebnis schloß sich eine statistische Untersuchung über die Arbeiter n. Arbeiterinnen der Tabaksabriten, deren Ergebnis Ivar, daß beiden Arbertcrmnen solü-er Fabriken Frühgeburten äußerst häufig und rhre Ktnuer gewöhnlich schwächlich sind und in frühem- Alter sterben, te-ie beiden Forscher ziehen hieraus den Schluß, daß das Rauchen der. Frauen durchaus zu verwerfen ist, dem man auch aus andern Gründen nur bechrmmen kann.

Welt". Sammlung wissenschaftlich-genleinverständlicher Dar­stellungen aus allen Gebieten des Wissens. 185. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Mit 37 Tafeln und 3 Textbildern. (IV u. 140 S.) 8. In Leinwand geb. 1.25 Mk. So unmittelbar wirksam Shakespeares Dramen auch heute noch sind, so scheint ein tieferes Verständnis seines Schaffens doch nur möglich aus einer Kenntnis des Kultur­lebens des Zeitalters der Königin Elisabeth und der eigen­artigen Verhältnisse der damaligen Bühne heraus, die s» außerordentlich weit von dem entfernt liegen, was wir Heutigen unter Bühnenkunst verstehen. Die Siepersch« Schrift versucht diesen Anforderungen gerecht zu werden, indem sie zunächst ein Gesamtbild des politischen und wirt­schaftlichen Aufschwungs Englands zur Zeit der jungfräu­lichen Königin gibt und sodann zeigt, wie Lyrik, Epos und Drama einen immer günstigeren Boden für ihre Ent- faltung finden. So ist alles vorbereitet für die Tätigkeit des größten Dramatikers, den die neuere Zeit kennt, dessen Lebensbild, wie es sich ans den Sonetten und Dramen ergibt, nunmehr von dem Verfasser gezeichnet werden kann. Daran schließt sich die Chronologie der Shakespeareschen Dramen und eine Darstellung der vier Perioden seines dichterischen Schaffens an. Als Abschluß versucht Sieper eine Gesamt- Würdigung von Shakespeare als Dichter, indem er die Eigenart und die ethische Wirkung des Shakespeareschen Dramas zeigt. Tie zum Schluß angegebenen Hilfsmittel zum Studium des Dichters und der Anhang über die Shake- speare-Baeou-Frage bilden eure wertvolle Ergänzung des frisck und anschaulich geschriebenen Büchleins, dem ver­schiedene Shakespeare-Bilder, darunter auch das erst In jün­gerer Zeit entdeckte Graftonportrüt, beigegeben sind.

Wen» die Sonne unterging.

Wie flolbtiev Sonnenschein am Maientag, So sonnig standest du in meinem Leben, Tu schenktest mir des Glückes Zauberqnell Und ließest wundersam mein Herz erbeben. Wir schritten fröhlich durch die grüne Flur, Aus deinen Augen strahlten (teilte Sonnen, Uns war des Lebens graues Alltagskleid Vom Glückeszauber rosig übersponnen.

Tann kam der Tag, da unser Glück zerrann, Da uns nicht mehr verband ein traut Verstehen, Ta unsres Glückes Sonne unterging!--

Und nimmer werden wir ihr Leuchten sehen! Clara Schobeß.

Goldene Worte.

Was ihr den Geist der Zeiten heißt, Tas ist im Grund der Herren eig'ner Geist. Was man nicht weiß, das eben brauchte man, Und ivas man weiß, kann man nicht brauchen. Wie sich Verdienst und Glück verketten, Tas fällt den Toren niemals ein; Wenn sie den Stein der Weisen hätten, Der Weise mangelte dem Stein.

Tie Menschen fürchtet nur, wer sie nickst kennt, Und wer sie meidet, wird sie bald verkennen. Goethe.

Zahleurätsel.

i

9 10

2

2 4

Stadt.

i 2

10 7

9

10

Stoff.

3

4 5

8

Name.

4

7 9

4

Over.

5

1 2

4

8 7 4

Name.

6

7 9

9

10 5

Tier.

7

2 4

5

Nebenfluß.

8

10 7

10

5

Musikinstrument.

9

1 8

8

4 5

Geldstück.

10 1 2

der gefundenen

Göttin.

Die Anfangsbuchstaben

Wörter ergeben Vor- und

Zunamen eines Dichters.

Auflösung in nächster

Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummerr Der ist arm, den Sorge grau macht.

CitSVKr'rfches.

Shakespeare und feine Zeit. Von Professor Dr. Ernst Step er in München. (Aus Nakttr und Geistes- I

Richtige RätseWsungen gingen uns zu von: Gg. Arnold H. in Leihgestern, Weißbinderuteister Johs. Bender in Rodheim art der Bieber, ferner mehrere aus Gießen, Wiesest, Großen-Linden, Homberg, Ruppertsburg, Bad-Nauheim und Lieh.

Redaktion: P. Witt ko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen.