Ausgabe 
5.2.1908
 
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MütsoH den 5. Februar

1908

imilsg

Kelmuiß von LoVlen.

Ronian von Ursula Zöge von Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

XI.

Marie Anne war natürlich sehr neugierig, zu erfahren, wie der Besuch in Rothaide verlaufen war, und hatte gern gründlich gefragt, aber ihr Gatte hatte sie gebeten, die zarte Angelegenheit nicht durch unnützes Geschwätz zu stören, und so hielt sie ihre Zunge im Zaum. Bei Recknitz stand cs schon lange fest, daßder Junge" mal niemand anders wiedies prächtige Mädel" heiraten dürfe.

Loysen erzählte freiwillig viel von den Eindrücken, die er in dem idyllischen Torfe erhalten, wie srisch und stark er Wilhelm gefunden, wie unverändert die Großmutter, wie altvertraut die Gartenhalle und Wilhelms Zimmer, liebet Edeltraut ^hätte er gerne auch gesprochen, aber die Gewißheit, daß seine Schwester voll Spannung hierauf warte, machte ihn befangen. Er richtete endlich ihre Grüße aus und fügte hinzu, sie s.i sehrnett und liebenswürdig" gewesen. Sinn mußte Marie Anne doch noch

beipflichten:

Und sie soll so enorm tätig in der Wirtschaft sein, Haide hat eine große Hilfe an ihr." '

Tas scheint so."

Tu sahst sie nun ganz erwachsen wieder."

Ja."

Hattest dn sie dir so gedacht?"

Ja."

Findest du sie hüb," ein warnendes Stirnrunzeln des bärtigen Hausherrn schnitt ihr das Wort in der Hälfte ab. Loysen sah auf.

Wolltest du hübsch sagen? Nein, das ist sie eigentlich nicht int landläufigen Sinn, Wilhelm hat viel regelmäßigere Züge aber niemand würde wünschen, daß sie anders aussähe wie sie gerade aussieht. Mir hat sie außerordentlich gefallen."

Marie Anne schwieg.

Loysen erwartete mit innerer Ungeduld den Sonntag. Am liebsten wäre er täglich hingeritten. Inzwischen lief er mit Recknitz in der Wirtschaft hemm, spielte mit den Kindern Krocket und Reifen, ritt nach Lobwitz und Braunstadt, um seine innere Unruhe zu beschwichtigen. Am Samstag früh kam ihm die Idee, wenigstens in der Richtung von Rothaide zu reiten. Er ließ den Rappen ausgreifeii, und es freute ihn, wie der so die Wegstrecken eine um die andere hinter sich ließ und mit der Schnelligkeit des Adlers schon mitten in den grünenden Wiesen von Rothaide war. Nun ritt Loysen kreuz und quer drauf los, auf die Gefahr hin, gepfändet zu werden, hier einen Feldweg herauf, dort einen Fußpfad hinunter, immer scharf um sich spähend, denn es könnte doch fein, es begegnete ihm jemand, dem Grliße an die Herr­schaft mitzngeben natürlich wäre.

Mit einem Male sah er an einer Feld fläche, auf welcher unzählige Männer und Frauen arbeiteten, eine Tarne zu Pferd.

Tas Pferd, eine kleine braune Stute von kräftigen Formens stand regungslos, die Reiterin, eine Hand auf die Croupe stem­mend, wandte sich halb im Sattel um und sah auf das Feld, ©ie trug ein kurzes, erdfarbenes Kleid und einen kleinen runden Loden-- hut von gleicher Farbe. Ter gelbe Flechtenkranz blickte darunter vor und schimmerte int Sonnenglanz.

.-Glück über Glück!" dachte Loysen erfreut und fetzte Fra Diavolo in Trab. Im weichen Boden verklangen die Hufschläge, fo kam er ziemlich nah heran, ehe ihn Edeltraut bemerkte.

Oh!" rief sie überrafchtwie kommen Sie hierher? Wollten Sie unsere Felder inspizirlN? Versteh n Sie etwas davon? dann hätte ich die größte Lust, Ihnen Rothaide mal zu zeigen!"

Das täten Sie? Aber das ist wirklich zu liebenswürdig!"

Ja, sehen Sie, wenn Sie so einen Begriff hatten von unseren Feldern, und wo sie liegen, und was sie tragen, und wie die Wiesen stehen, und wo die Schäferei ist, die ein Vorwerk bildet wie könnten Sie dann mit Wilhelm darüber sprechen! Es wäre ihm eine J-rende mehr, die durch Ihre Besuche erwächst."

Ich verlange ja nichts Besseres."

O bitte, dann gedulden Sie sich noch zehn Minuten" sie sah zur Sonne emporja bann kommt meine Ablösung in Gestalt des alten Meiner!. Wissen Sie noch von ihm? Er war schon Vaters Inspektor jetzt ist er recht kränklich und man muß ihn schonen. Sehen Sie, die Leute verziehen die jungen Zucker- rübenpflanzen, wissen Sie, was das ist?"

Ich habe wohl fcfynt von verzogenen Kindern gehört, vott verzogenen Rüben aber noch nie es muß sehr angenehm feilt, von Ihnen verzogen zu werden, Fräulein Edeltraut."

Ich hoffe es! Aber nun muffen Sie wirklich ein bißchen aufpaffen. Was sehen Sie mein Pferd so an? Gefällt es Ihnen? Es heißt J-enella und ist fünfjährig. Eigene Zucht, ganz ein­facher Landschlag, aber hübsch."

Ich habe durchaus nicht Ihr Pferd bewundert, sondern Ihre Zügelführung, aber nun, da Sie mich fragen, kann ich sagen, daß ich Fräulein Fenella famos finde. Da ist Draht tritt und gute Rasse."

Freut mich. Nun hören Sie, mit diesem Rübenanbau bin ich schrecklich unvorsichtig gewesen, ich habe sie viel zu früh säen lassen. Es war ein gewagtes Experiment, aber ich hoffe, es ist geglückt. Wir hatten keine Nachtfröste, seit sie keimten. Sie stehen riesig. Jetzt müssen die überflüssigen entfernt werden, das ist das Verziehen. Nun gilt es aufpaffen, und das besorgt außer mir jener Mann in Schmierstiefeln, mein Vorarbeiter. Tas dumme Weibervolk reißt sonst die K'raftpslanzen mit den Schwäch­lingen aus."

Sehen Sie, das war schon sehr interessant," sagte Loysen ernsthaft, und sie nickte einverstanden. Doch plötzlich umschattete sich die klare Stirn.

Sie fragen gar nicht, wie es Wilhelm geht," sagte sie vorwurfsvoller hat nämlich keine sehr gute Nacht gehabt. Ich hätte Sie sonst gleich gebeten, ihn aufzusuchen, aber es ist besser, er bleibt heute ganz ruhig."