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John Darrows Tod.
Roman von Melvin L. Severy.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Als wir mit Florence allein waren, sagte Maitland zu ihr: „Ich glaube, die Gefühle, die Herrn Osborns Bemerkung in Ihnen erregt hat, und Ihre Ueberzeugung von der Verkehrtheit seiner Ansicht zn verstehen. Das; die Beamten zu dieser Schluß- solgerung kommen würden, dachte ich mir ja im voraus, und ich weis; sehr genau, welche Mühe sie sich's kosten lassen werden, ihre Behauptung zu beweisen." „Kann man denn nichts dagegen tun?" fragte Florence mit bittendem Ausdruck. „Darüber gerade wollte ich mit Ihnen sprechen," versetzte er. „Wenn Sie mir so viel Vertrauen schenken wollen, die Sache in meine Hände zu legen, so werde ich alles tun, was in meiner Atacht steht, die Wahrheit zu ergründen — unter einer Bedingung," und er schaute dabei in ihr Gesicht, das nun infolge der lange fortgesetzten Selbstbeherrschung bleich und starr aussah. „Und welche Bedingung ist dies?" fragte sie schnell. „Das; Sie meiner Leitung folgen und mir gestatten, Ihre Bewegungen in jeder Beziehung zu lenken, so lange Sie den Fall in meinen Händen lassen; mißbrauche ich je Ihr Vertrauen, so steht cs Ihnen frei, mich abzudanken, als wäre ich nur ein bezahlter Detektiv." Florence schaute ihn prüfend an; dann streckte sie ihm ihre Hand entgegen und sagte lebhaft: „Sie sind sehr freundlich ; ich nehme Ihre Bedingung an. Was soll ich tun?"
Ich suchte Maitlands Augen, um ihm einen Wink zu geben, was er ihr raten sollte, aber ein Mann, der jede Lage mit solcher Schärfe aufzufassen und jeden Umstand so gut zu benutzen weiß, wie er, findet den rechten Weg ohne Führer. „Erstens," sagte er, „müssen Sie mit dem Doktor nach seinem Hause gehen und die Nacht über bei seiner Schwester bleiben. Ich selbst werde hier die Nacht verbringen. Zweitens wünsche ich, daß Sie Ihr äußerstes tun, die Ereignisse dieses Abends aus Ihren Gedanken Zu verbannen. Sie können natürlich Ihren Verlust nur im Schlafe vergessen, Sie müssen aber nicht beständig die schreckliche Szene in Ihrer Vorstellung wieder lebendig werden lassen. Am Morgen wird dann der Doktor kommen und mir meinen photographischen Apparat, mein Mikroskop und einiges weitere, was ich brauche, mitbringen," — er händigte mir einen Zettel ein, ans dem er J>ie Gegenstände verzeichnet hatte. „Wenn Sie gut geschlafen haben, werden Sie uns sehr nützlich sein können und mögen mit ihm kommen, wo nicht, müssen Sie rühig noch dort bleiben."
„Ich befinde mich augenblicklich in einem Zustande ziemlich hoher Spannung," sagte Florence, sich ruhig an Maitland wendend, „aber wenn ich allein bin, wird mir die Möglichkeit, ihr Ausdruck zu geben, die ich hier nicht hatte, Erleichterung verschaffen." Maitland warf ihr einen schnellen Blick zu, dann sagte er: „Es wird spät. Ich hoffe, Sie schlafen gut und kommen morgen früh mit dem Doktor her. Bitte, sagen Sie, ehe Sie gehen, der Dienerschaft, daß ich die ganze Nacht hier bleiben
werde, und daß niemand ohne Erlaubnis hereinkommen soll. Gute Nacht!" Sie reichte ihm ihre Hand, ohne etwas zu er- widern; dann küßte sie.Inbrünstig die Lippen ihres Vaters, nnd wir verließen zusammen das Sterbezimmer.
4. Kapitel.
Warum Maitland die Nacht bei Darrows Leichnani zubrachte, oder womit er sich bis zum Morgen beschäftigte, kann ich nicht sage;:. Vielleicht wollte er sich auf diese Weise vergewissern, daß alles unberührt blieb, cs kann aber auch sein, er wollte verhindern, daß Florence Totenwache hielt. Bei der großen Geschicklichkeit, die mein Freund entwickelte, alles aus dem Wege zu räumen, was Florence an den traurigen und geheimnisvollen Tod ihres Vaters erinnern konnte, war mir damals die zweite Ansicht wahrscheinlicher.
Als wir 'in meinem Hause angekommen waren, nahm meine Schwester Alice' die erste Gelegenheit wahr, Florence zu einem Glase Wein zu nötigen, in das ich eine gute Dosis eines Be- ruhigungsmittels getan hatte. Bald löste sich die furchtbare Spannung, und ehe eine halbe Stunde vorüber war, schlief sie ruhig. Mir war vor dem Augenblick bange, wenn sie erwachen und die Erinnerung an all die schrecklichen Geschehnisse des vergangenen Tages wie eine Lawine aus sie herabstürzen würde. Ich sagte meiner Schwester, dies würde ein kritischer Zeitpunkt für Florence sein, sie solle bei ihr bleiben und ihr sogleich nach dein Aufstehen einen von mir bereiteten Trank reichen, der ihre Empfindlichkeit herabsetzen sollte. Ich selbst erhob mich beizeiten und ging in Maitlands Laboratorium, dort das Gewünschte zn holen. Als ich zurückkam, war Florence wach, und ihr Befinden lvar zu meiner lebhaften Befriedigung besser, als ich zu hoffen gewagt hatte.
Es war schon recht spät, als wir das Darrvwsche Hans erreichten und Maitland war offenbar bereits mehrere Stunden tätig gewesen. Als Florence hercintrat, sah er sie scharf an und schien mit ihrem Aussehen recht zufrieden.
„Sie sind meinen Weisungen gefolgt, wie ich sehe, nnd haben geschlafen," sagte er, während er ihr die Hand gab.
„Ja," versetzte sie, „ich war sehr müde, und das Schlafmittel des Doktors hat mir gleich geholfen." Hierbei warf sie einen gespannten Blick auf ein Netzwerk von weißen Fäden, das Maitland über den Teppich gezogen hatte und das diesen wie eilt ungeheures Schachbrett in Vierecke teilte. In Erwiderung ihres fragenden Blickes sagte er:
„Französische Detektivs sind die gründlichsten auf der Welt, und ich bin eben dabei, ihre beste Nntersuchungsmethode anzu- wenden. Alle diese von den sich schneidenden Fäden gebildeten Vierecke sind numeriert von eins bis zweihundertachtundachtzig, und jedes umfaßt einen Quadratfuß Teppich. Jedes dieser Vierecke werde ich mit dem Mikroskop untersuchen nnd alles irgend Nutzbare, was so gefunden wird, sorglich aufbewahren. Den Fundort trage ich genau auf diesem Plan ein, den ich mir gemacht habe und der ebensoviel Vierecke wie der Teppich enthält, so, daß jedem Viereck auf dem Teppich eines auf dem Plan hiev entspricht. Sie können sehen, das; ich Türen, Fenster und Möbel


