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tcb'cit und die Hochdeutsche 'Sprache erst "erlernen müssen, was noch ganz besonders berücksichtigt werden muß. Kahle fordert vom Lehrer:Einsicht wird bewirkt durch Anschluß an den geistigen Standpunkt und die Gesetze der geistigen Entwickelung des Kindes." Nach vierwöchent- licher Schularbeit ist die geistige Entwicklung unserer Kinder aber noch nicht soweit gewachsen, daß sie die apperzipic- renden Vorstellungen für die koinplizierte Analyse und Synthese der Schreiblesemethode schon hätten. Auch sind Hand und Augen noch nicht so geübt, daß das Schreiben der Buchstaben ihnen eine Lust bereitete. Daher lösen all diese Arbeiten bei den Kindern Verlustempfindungen aus und wirken hemmend auf Verstand, Gemüt und Willen der Kinder. Statt des Schreiblesens werde ein Zeichen­unterricht als Vorkursus erteilt. Das Kind lerne hier die Dinge, von tvelchen es in .Haus, Hof, Garten, Feld, Wald "gelernt hat, in einfachen Strichen darstcllen, wiederholt und vertieft seine schon gewonnenen Vorstellungen und vervollkommnet sich weiter im Ausdrucke der deutschen Sprache. Der Zeichenunterricht wird erzielen:

< : 1. Gewandhcit und Sicherheit der Hand,

2. Treffsicherheit im Augenmaß,

3. Genaue Auffassung der Natur,

< 4. Umfassendes Sachwissen,

( * 5. Guten Geschmack und künstlerischen Sinn', f 6. Anregung des Verstandes, nicht Langeweile,

7. Schärfung des Urteils.

Sie ivissen alle, wie ein Kind gern malt, weil es hier seiner Phantasie freien Lauf lassen kann, was ihm ganz besondere Freude macht und seinen Tätigkeitstrieb allgemein hebt. Unser Schreiblesen ist dem kleinen Kinde etwas Unbegreifliches, Unfaßbares; cs weiß keine der ver­langten Tätigkeiten in seine Vorstellungswelt nntcrzu- bringen; daher sein Widerwille; wie ganz anders der Zeichenunterricht, in den das Kind voll tmb ganz aufgeht. Wir können durch das Hinaufrücken des Schreibleseunter­richts absolut nichts verlieren, durch Einstellung des Zeichen­unterrichts an seine Stelle in den ersten Jahren aber un­gemein viel gewinnen.

Beim Unterricht im Freien soll das Kind auch wieder zu seinem Fragerecht kommen, das ihm der Stubenunterricht genommen hat. Das fragende Kind erst ist ein geistig arbeitendes und denkendes Kind. Ein Kind', das nicht zu fragen versteht, ist sprech- und geistesarm oder sogar krank. Der heutige Schulunterricht ohne Fragerecht der Kinder: schläfert deren geistige Kräfte mit der Zeit voll­ständig ein.

Aus der Natur und aus dein Leben wird das Kinds auch seine Vorstellungen über die Zahlenbegriffe erhalten. Dann wird es später mit Freuden seine Aufgaben lösen und den Rechenstoff in schnellerer Zeit beherrschen als cs heute der Fall ist.

Der Unterricht im Freien ist auch endlich für die Re- li g i o n s b i l du n g sehr wichtig. Die Natur ist die erste und beste Offenbarung Gottes. Sie brauchen wir, wenn ivir die Ehre Gottes rühmen wollen. Sie lehrt uns allein die Allmacht, Weisheit und Güte des Ewigen er­kennen. Sie lehrt uns, im Geschöpfe den Schöpfer als Vater preisen. Sie zeigt uns die rechte Wartschätzung von Mein" undDein". Sie ist also nicht nur eine reiche Quelle der Religiosität, sondern auch eine Quelle aller Sitt­lichkeit. Im Freien lernt das Kind an: besten verstehen, was der schöne Spruch sagt: Keinem Würmlein tu' ein Leid! Sieh, in seinem schlichten Kleid hat's doch Gott im Himmel gern! Wo läßt sich das schöne Kinderlieb: Weißt du, wie­viel Sterne stehen? am besten veranschaulichen und singen als draußen? In der Schule ist der Religionsunter­richt in den ersten Jahren weiter nichts als leeres Mauldreschen und papageiartig angelerntes Zeug, welches das Herz und den Willen vollständig leer lassen. Religion ist nicht lehrbar. Religion ist Empfinden des Herzens und ganzen Gemütes. Das ist nicht ohne Stimmung zu erreichen, lieber diese Stimmung verfügt unser Re­

ligionsunterricht in den ersten Jahren überhaupt nicht. Stinumlng allein kann nur die Natur und das Leben dem Lernenden tvie Lehrenden geben und Zeit und Ort heilig machen, daß ivir ausziehcn, !vas nicht hingehört, und in Andacht lauschen den Stimme», die zu uns eine Sprache reden, die kein Geschichtsbuch und Katechismus reden kan.n. Lernen ivir doch auch hierin unfern Herrn und Meister uachahmen, der all seine Lehren und Predigten auch aus dem großen Buche der Natur nahm. Das Gras, die Lilie, der Sperling, der Acker, der Sämann, der Sturm, sie geben ihm Stimmung und Gelegenheit, die herrlichsten Gleich­nisse vom Reiche Gottes zu schaffen. Wollen wir's nicht versuchen? So haben auch die Psalmisten und unsere heutigen Dichter die Anregung zur Ehrung Gottes allein aus dem Buche der Natur erhalten. Begeistert ruft der Psalmist aus:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre; ihr Schall pflanzt seinen Namen fort!"

Wenn wir solchem allein reiflich nachsinnen, so müssen wir doch bekennen, daß es merkwürdig ist, daß die Schule nicht auch diesen Weg zur Religiosität beschritten hat. Es ist höchste Zeit zur Umkehr angesichts des unsäglichen Miß­erfolges der 1000 Religionsstunden, die unsere Kinder in der Schule erhalten. Berühmte Theologen und Pädagogen haben gleiche oder ähnliche Forderungen gestellt. Ich cr- erinnere nur an die Professoren Rein, v. Soden, Baum­garten, Pfleiderer ufto.

Wenn weiter noch der gesamte Naturgeschichts'- und teilweise auch der heimatliche Geographieunter­richt der Mittel- und Oberstufe im Freien erteilt iver- den, so muß auch weiter ein Geschlecht heranwachsen, das' seine Scholle und H e i m a t l i e b gewinnt und nicht mehr in die Großstadt abwandert; da muß ein Geschlecht heranwachsen, das auch körperlich gesund und stark wird und jederzeit eintreten und kämpfen wird für die heiligsten Güter unseres Volkes und Vaterlandes. Heute aber ist der Gesundheitszustand unserer Nation sehr zweifel­haft, und da braucht man sich nicht zu Wundern, wenn im" Deutschen Reiche, wie der frühere Staatssekretär Graf Posa- dowsky einmal auf einem Berliner Kongreß ausführte, für den Heeresdienst von 100 nur 57 tauglich sind, in Branden­burg 41, in Berlin nur 33. Für Lungenheilstätten wurden in letzter Zeit 30 Millionen Mark ausgegeben. Darunt hatte Graf v. Posadowskt) recht, wenn er behauptete, daß in Zukunft nur dasjenige Volk im Konkurrenzkämpfe auf dieser Erde bestehen wird, welches neben der geistigen Aus­bildung seiner Kräfte auch die körperliche Pflege in keiner Weise vernachlässigt.

Fangen wir doch auf dem Laude einmal alle damit au. Aber gerade eine Großstadt Fr auk- furt a. M. hat den Beweis geliefert, daß die Sache auch hier nicht unmöglich ist. Rektor Zimmermann an der Lersnerschen Schule dort hat von der Behörde die Er­laubnis bekommen, mit dem ersten Jahrgange Unterricht im Freien zu treiben. Die Kleinen besuchten dreimal in der Woche einen nahegelegenen Park, angrenzende Wiesen, Felder und Bauerngehöfte und haben einen sehr großen Schatz richtiger Vorstellungen gewonnen, die sic nun int folgenden Stuben- und Buchunterricht sehr gut zu ge­brauchet! wußten. Lehrer, Schüler wie die Vorgesetzten waren mit den Erfolgeit überaus zufrieden.

Freilich verlangt der Unterricht int Freien eine tiefe Kenntnis der Natur und der uns umgebenden Heimat, und wir werden hier noch vieles selbst zulernen müssen. Doch dürfen wir dabei nicht-so ängstlich sein. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und mit der Freude, welche diese zwanglose Arbeit erregt, wachsen die Schwingen.

Wenn ich bisher die Richtlinien eines natürlichen Unter­richts glaube dargelegt zu haben, so möchte ich endlich noch" mit einigen Bemerkungen den Begriff derErziehung auf dem Grunde deutschen Volkstums" er­läutern.

Die deutsche Volksschule steht schon auf diesem Grunde; sie treibt wirklich gut deutsches Wesen. Doch müssen unsere