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Sflöc'3 als fein eigen in die Arme zu schließen, diesen Entschluß wieder über den Haufen. Kam doch immer wieder ein flüchtiger Moment, in dem ans ihren tiefen Augen ein verstohlener Blick glühender Leidenschaft zu ihm hinüberzuckte, einem flammenden Blitze gleich ein Feuerstrahl, der ob auch nie mit einem Wimperzucken von ihm erwidert doch alle Qual in ihm ver­zehrte und seine leise sortglimmeude Hoffnung neu entfachte. Und Sonntags . . . wenn sie zwischen Weener und dem Kommer­zienrat, der seine Kinder jetzt regelmäßig in die Kirche begleitete, in der Schloßloge saß, hing sie hingegcben an seinem Munde, trank sie jedes Wort, das er sprach, nicht mit dem Ohr allein, nein, auch mit dem Auge von seinen Lippen, war sie so schien es ihm wenigstens ganz eins mit ihm, strömte ihre Seele in die seine über. Aber außerhalb dieser kurzen Stunde, in der die Weihe des Gotteshauses sie umfing, war sie eine Fremde für ihn, und jedem Beisammensein unter vier Augen, das er jetzt oft ersehnte, wußte sie geschickt auszuweichen.

Nur ein Mal sah er sie auf einen Moment allein in Werners Arbeitszimmer. In Hast und Eile flüsterte sie ihm da zu:

Ich habe eine Bitte an Sie. Nennen Sie mich doch, bitte, nichtFräulein Friedheim", sonderngnädiges Fräulein", wie die anderen Herren. Herr von Bauneutann machte sich gestern lustig über Sie. Er fragte:Hat der Hilfsprediger eigentlich nicht genügend gesellschaftliche Ausbildung genossen, um zu wissen, daß mau einer Dame unserer Kreise das Epithetongnädig" beilegt, oder unterschlägt er das Bsiwort aus frommer Pose?" Tas tat mir weh, und ich habe Sie in Schutz genommen, trotz meiner gegenteiligen Vorsätze. Aber nicht wahr, fortan erfüllen Sie meine Bitte in Gegenwart von Zeugen wenigstens? Sie sagten einst selbst : Dagegen, daß ein Mann die Dame, um deren Liebe er würbe, gnädig nenne, Hütten Sie nichts einzuwenden . . ." Und ehe Heinz noch ein Wort erwidern konnte, war sie schon aus dem Zimmer gehuscht.

Wie in halber Betäubung blieb Heinz zurück. Er wußte nicht, was ihn tiefer schmerzte: daß Isabella ihn wieder mit Sie an­geredet, oder daß sie von ihm verlangt hatte, er sollte eine als vernünftig erkannte Gewohnheit ablegen, weil Bauuemaitu sie mißbillige, Bannemann, der ihn offenbar mit der Taktik des Lächerlichmachens bei der Erbin ausstechen wollte.

Als am folgenden Sonntag, dem ersten im August, an dem dw Sonne wahre Fluten oon Licht durch die buntbemalten Fenster der Fichtenwälder Kirche auf das dunkle Holzgetäfel der Chöre, das rotbraune Gemäuer der Wände und das blanke Metall der bronzenen Kronleuchter goß, Isabellas Platz in der Schloßloge, leer blieb, zum ersten Mal seit vielen Monaten, war es Heinz, als ob ihm eine Faust an der Kehle säße, jedes .Wort darin zu ersticken. Zum ersten Mal, seit er das Recht hatte, auf der Kanzel zu stehen, predigte er ohne Wärme und Begeisterung, und immerfort irrten seine Gedanken zu der Ge­liebten ab.

War es schon so weit gekommen, daß sie nicht einmal mehr die Stunde des, Gottesdienstes für ihnfrei"-hatte? Was tat, was trieb sie jetzt? Spielte sie Tennis oder pirschte sie etwa mit dem Forstmeister als Jagdgefährten auf den starken Sech­zehnender, den der Förster vom Lagowsee vor einigen Tagen in seinem Belauf ausgemacht hatte?

Aber iwch brennendere Qual empfand er, als er am nächsten Tage Gelegenheit hatte, Isabella auf ein paar Minuten unter pter Augen zu sprechen.

,Ich muß Sie doch endlich einmal fragen", begann sie mit emem Lächeln, durch das Hohn und Herausforderung lugten, wie Ihnen das neue Arrangement unserer Stellung zu ein­ander gefällt? Ich habe doch wohl nun endlich den Ton ge­troffen, auf den Sie mich sich das Prüfungsjahr gestimmt wissen wollten?"

Gewiß", brachte Vollrath heiser über die Lippen.

, Isabella sah sein Erblassen und den Schatten, der die Helle semes Blickes verdunkelte, und in ihren Augen glühte es auf tote heimlicher Triumph.

«Weshalb ich Sie hier sozusagen abgefangen habe", fuhr sie lächelnd, tote vorher, fort, ich will Mittwoch, spätestens Donnerstag, mit Papa an die Nordsee, wahrscheinlich nach Ost- ende. l.nd wenn Sie mir auch vollständige Freiheit in allen menten Entschließungen und Handlungen anheimgegeben Haven, w hielt rch es, doch für meine Pflicht, Sie von meiner bevor­stehenden Abreise zu verständigen."

~ haben keine Pflichten gegen mich", erwiderte Heinz. Sein Stolz, verstärkt von einem Zuschuß Bauerittrotz, der ihm durch Vereroung iw-Blute lag, bäumte sich hoch in ihm auf. re, denken , entgegnete Isabella, die Stimme von

Erregung gedampst.Jedenfalls da ich mir's einmal vorge­nommen habe, möchte ich Sie bitten, morgen abend noch einmal

unser East zu sein. Papa wird Sie natürlich noch ganz besonders notigen. Aber ich wollte mein Gewicht schon vorher in die Wagschale werfen, Ihren Starrsinn, der sicher für eine Absage plädieren wird, hinabzuziehen."

Wieder war es Heinz, als ob höhnische Herausforderung! durch ihre Worte bebte.

. "®on Ostende aus", sprach Isabella rasch weiter,wd totr etwa vier Wochen zu bleiben gedenken, werden wir ivahr- schemlich Anfang September nach Paris und von da aus über dte Schweiz zu vierzehntägigem Aufenthalt nach Meran gehen jur Traubenkur. Und da somit immerhin der Oktober herau- rucken kann, bis wir uns Wiedersehen werden, so werden Sie mir gewiß noch vorher für wenige Stunden die Freude eines Beisammenseins gönnen ivvllen. Also nicht wahr, wir dürfen auf Sie rechnen?" Durch ihre Stimme zitterte befehlshaberischer Klang.

>zch Weitz es niegt; ich kann heute noch nichts versprechen", gab Vollrath zurück.

Eine Weile schwieg Isabella, mühsam nach Fassung ringend sliun gut", hauchte sie endlich.Nur eins will ich noch sagen: Herr von Bannemann möchte Papa und mich gern nach Ostende begleiten er ist auch nordseehungrig, oder sich dort in einigen Tagen mit uns treffen, wenn er nicht rechtzeitig Urlaub erhält. Es steht in Ihrer Hand, ob ich's ihm gestatte, oder ob ich ihn abfallen lasse."

Ich habe mich ein- für allemal jeden Einflusses auf Ihre Entschlüsse begeben," entgegnete Heinz.

Isabella starrte zu Boden, ihre weiße Stirn lag in tiefen Falten Tie feilten Flügel ihrer leichtgeschwungenen Nase bebten, aus ihrem blassen, zu undefinierbarem Ausdruck verzerrten -Ucunbe schien ein hartes Wort hervorspringen zu wollen, ein Wort, das alle Bande zwischen ihr und Heinz mit einem Schlage .hätte zerreißen müssen. Aber sie bezwang das Wort. Hoch­mütig warf sie den Kopf zurück, wandte sich um und ging aus dem Zimmer ohne Gruß. i

Als der Kommerzienrat während der Uitterrichtsstunde in Werners Arbeitszimmer kam, um auch seinerseits Heinz für den nächsten Abend zu einemMschiedsmahl" zu bitten heute wäre man infolge einer Einladung nach auswärts leider besetzt, erwiderte dieser bestimmten Tones, wenn auch offen­bar in peinlicher Verlegenheit, daß er dankend ablehnen müsse, da er durch die Abendschule in Anspruch genommen, wäre, ( (Fortsetzung folgt.)

Unsere Schule.

Von Lehrer Brink.

(Schluß.)

Der Unterricht ist nur dann natürlich, wenn er in ersten Jahren, soweit es die Witterungsverhältnisse erlauben, int Freien erteilt wird.

Da bekommt das Kind Anregung auf Anregung, da sieht es nichts als Leben und wird selbst gesund und lebendig erhalten. Da wird seine Vorstellungswelt in rechter Weise erweitert und geläutert. Da lernt es am besten Augen, Ohren und alle Sinne gebrauchen und schärfen. Da allein erhöhen ein munteres Spiel und ein lustiges Lied die Lern- und Arbeitsfreudigkeit der Kinder. Da kann es gar nicht zu einer Verminderung der Lebcns- unö Arbeitsfreudigkeit kommen. Da lernt man die Kinder itt^ ihrer Natürlichkeit am besten kennen und die erzieh­liche Behandlung am besten einrichten. Wenn dann das Kind gewachsen ist an Leib und Geist in der Natur ohne Zwana, dann möge nach einem Jahre etwa, was auch noch sehr früh ist, mit unserem lehrplanmäßigen Schreiben, Lesen und Rechnen begonnen werden. Schreiben und Lesen sind Fertigkeiten, die von reiferen Kindern spielend und in wenigen Monaten erlernt tverden, nicht tote jetzt in kaum drei Jahren. Lehrer Berthold Otto erzählt, daß seine Kinder mit neun Jahren noch nicht schreiben und lesen konnten, daß feine ältesten Mädchen von zwölf und elf Jahren noch nicht in die Geheimnisse des schriftlichen Rechnens cin- geweiht waren und wie sie das an einem einzigen Nach­mittage lernten. Ich habe als zwölfjähriger Junge das griechische Alphabet in zwei Stnndeii schreiben und lesen gelernt. Die geistige Reife allein ermöglicht so etwas. Aber unsere Kleinen sind mit sechs Jahren für all diese Dinge noch gar nicht reif, rnmol sie oft Dialekt