Donnerstag den q. Zuni

1908

LÖTf

li

i»

^WOWM

mm WKW »WR

.. r .

WMZ WWW MW

Wirket, so lange es Tag ist.

Roman von Maximilian Böttcher.,

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

In einem immerwährenden Schwanken zwischen Hoffen und 'Zweifeln, Glücklichsein und Verzagen brachte er die nächsten Wochen bin. Gegen Mitte Juli begann ihn Isabella von neuem mit un­aufhörlichen Bitten um die Bekanntgabe ihrer Verlobung zu quälen.

Ich bin um deinetwillen schon zum Gespött der Leute ge­worden", murrte sie.Man munkelt, daß du meine vor aller Augen klar zutage liegende Neigung nicht erwiderst; und es passt mir nicht, mich noch weiter in der scheinbaren Rolle eines tvcib- lichen Ritter Toggenburg belächeln zu lassen. Wenn du durchaus auf deinem Eigensinn beharrst, so must ich mein Betragen gegen dich ändern, so must ich zusehen, dast ich dem albernen Gerede auf andere Weise, als ich's gern möchte, die Nahrung entziehen kann."

Und da Heinz auf seiner alten Bedingung bestand, dast Isa­bella sich noch bis zum nächsten Frühjahr, vielleicht auch noch länger, prüfen müsse, so änderte sie ihr Betragen gegen ihn so gründlich und plötzlich, dast er sich sagte: Was sie dir angab, kann nicht der wahre Grund sein; nichts Aeusterliches, nur ein ganz starker seelischer Antrieb ist imstande, einen so jähen Wechsel hervorzurufen.

Isabella ging keinem Vergnügen mehr, aus dem Wege den 'einen Tag fuhr sie auf Besuch, den nächsten Tag empfing sie Besuch, und das Reiten und Jagen, das sie während der letzten beiden Monate ganz eingestellt hatte, nahm sie mit einer so begierigen Leidenschaft wieder auf, als lväre sie durch die selbstauferlegte kurze Askese völlig ausgehungert. Oft sprengte sie, umgeben von einem Trost eleganter Kavaliere, unter denen sich meist auch Herr von Bannemann befand, gerade um die Zeit vom Schlosthof, wenn Heinz seines Weges daherkam, Werner Stunde zu geben, und das Kopfnicken, mit dem sie seinen Grust 'erwiderte, liest alsdann an freundlicher Herablassung nichts zu wünschen übrig. Oder vom Lawntennisplatz her tönte ihr helles Lachen in die Stille des Studierstübchens, in dem er mit Werner bei der Arbeit säst; und cs entging ihm nicht, dast dieser ihn dann wohl mit einem verstohlenen Blick innigen Mitleids streifte. Natürlich sagte sieinfolge dringender gesellschaftlicher Verpflich­tungen" auch wiederholt die übernommenen Stunden in der Abend­schule ab; und daß Werner mehrmals an ihrer Statt kam, Werner, der sich in Anbetracht seines mit Riesenschritten heranrückendeu Examens ohnehin kaum eine Stunde der Erholung gönnte, machte ihm ihr Fernbleiben doppelt fühlbar. Manches liebe Mal, wenn er sah, wie Werner sich mit aller Wärme seines jungen Herzens den Kindern hingab, wie er mit ihnen spielte, als wäre er selbst noch ein Kind, mit welcher Freude er ihnen die kostbarsten Spiel­zeuge aus seinen reichbeschenkten Kindertagen brachte, wie beim Erklären und Belehren seine Augen glänzten, seine Wangen

glühten, dachte er in Bitterkeit: Ach, wäre doch Isabella tote er, und er lieber dafür wie Isabella! < i

Ein Stachel zur dauernden Unruhe wär es ihm, daß der Forstmeister jetzt wieder fast täglich als Gast im Schlosse er­schien, mit größerer Regelmäßigkeit noch als zu der Zeit, da das Gerede umging, die Verlobung des verschitldeteit Aristokraten mit der Tochter des reichen Industriellen stände unmittelbar vor der Tür. Und wenn der Kommerzienrat auch gegen Bannemann die Grenzen gemessener Höflichkeit jetzt fast noch enger zog als früher, so gab Isabella hingegen wieder deutliche Beweise dafür, dast sie ihren alten Verehrer vor beit anderen Kavalieren, die ihr die Kur schnitten, erheblich bevorzugte.

Ja, bei einer im Schlostpark veranstalteten italienischen Nächt, an der Heinz teilnahm einerseits, weil er Friedheim nicht fortwährend durch schlecht motivierte Absagen verletzen wollte, andererseits, weil ihn die in seinem Herzen wach gewordene Eifersucht gebieterisch zur Beobachtung der Geliebten trieb liest sich Isabella in einen so offenkundigen Flirt mit dem Forstmeister ein, dast ein Getuschel darüber entstand, und dast Heinz, um den sie sich so gut tote gar nicht kümmerte, in Schmerz und Zorn das Fest schvn nach einem Aufenthalt von einer knappen Stunde toieber verliest. Und gewiß, hätte ihn ein äußer­liches Band an Isabella geknüpft, oder nicht einmal ein äußer­liches; wäre sie'nur heimlich, Wort gegen Wort, seine Verlobte gewesen, er hätte sich in seiner Entrüstung keinen Augenblick bedacht, mit ihr zu brechen. Aber wie die Dinge nun einmal standen, was sollte er ihr sagen, was sollte er ihr schreiben? Er hatte ihr volle Freiheit gegeben, zu tun und zu lassen, was ihr beliebte, er hatte das zu vielen Malen angebotene feste Bünd­nis ausgeschlagen, toieber und wieder. Ja, da sie ihm vorher angekündigt hatte, dast sie ihr Betragen gegen ihn von Grund auf ändern würde,um nicht weiter zum Gespött der Leute zu' dienen", so vermochte er ihr nicht einmal den Vorwurf ztt machen, den sie nicht mit der Berufung auf seinen eigenen Willen/ seine eigene Schuld, hätte abweisen können.

Aber alle diese Erwägungen hinderten nicht, daß die Eifersucht auf Bannemann sich tiefer in ihn hineinfraß, daß es Stunden gab, in denen sein Herz von Hast erfüllt war auf den Nebenbuhler, der nicht aufhörte, ihn bei jeder Begegnung mit geringschätziger Herab­lassung wie einen gesellschaftlich Minderwertigen zu behandeln. Wenn Isabella wirklich nur ein Spiel trieb, der Welt Sand in die Augen zu streuen, gab es keinen anderen Weg dazu, als das Getändel-mit Bannemann, den sie als seinen Widersacher kannte? Lehnte sich ihre Frauenwürde nicht auf gegen den Flirt mit diesem, den sie wie sie Heinz einst spottend erzählt schon einmalmit einem gehörigen Korb heimgeschickt" hatte? Empörte sich ihr Empfinden, ihr Glaube, nicht gegen diesen Spötter, der aus seiner Abneigung gegen Religion und Kirche nie ein Hehl machte? - >

Hundertmal rang er sich in Leid' und Trotz' zu dem Ent­schluß durch, dast zwischen Isabella und ihm alles aus sein müsse, dast er nicht !mchr an sie denken, ihrem Bilde keinen Raum mehr in seinem Herzen gewähren dürfe; und hundert­mal warf ihre Schönheit, die Sehnsucht, sie doch noch eiltet