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Literatur.

Ein Buch, das jeden Menschen angehen soll, ist heute kaum denkbar: es müßte alle Seiten irdischen Daseins und Wirkens berühren und in schlichter Fassung die tiefsten Fragen mit Klarheit darlegen. Es müßte handeln von dem Werte der menschlichen Tätigkeit, von den Reizen des Lebens, von dem Geltungsbereich menschlicher Urteile, von dem, was wir Wahrheit, Schönheit, Freiheit nennen; es müßte zeigen, welchem Zwang der Einzelne den Gesamtheiten gegenüber unterworfen ist, und wie er den Fesseln, die Natnr nnd Umstände nm ihn schlingen, zn entgehen sucht; es müßte uns Hinweisen auf das, was Ehrfurcht gebietet, mag es sichtbar oder unsichtbar, faßbar oder nur geahnt erscheinen, in uns oder außer uns wohnen. Es müßte von allem Endlichen sprechen, das innerhalb von Zeit und Raum­grenzen Hcgr, und über alle Grenzen ins Unbedingte hinaus weisen, kurz die Rätsel des Alls so gut wie die Geheimnisse des Seelenlebens zu enthüllen wenigstens versuchen. Dabei müßte es die klare Schreibweise Schopenhauers mit der knappen Fassung Emersons verbinden und ein dem gegenwärtigen Stande der Erkenntnis entsprechendes Weltbild zeichnen. Es müßte schließ­lich nicht überreden, nicht Hofmeistern, nicht Parteigänger suchen, sondern nur betrachten, dulden, ohne Leidenschaft und Vorliebe fein. Ein solches Werk, eine Art Naturphilosophie dürfen wir wohl in dem Buche von S. Philipp begrüßen, das unter dem Titel;,U eber uns Mensche n" im Berlage von E. 8t. See­mann in Leipzig erschienen ist. Es wirft tausend Probleme auf und regt zum Nachdenken an, reizt auch wohl zum Widerspruch. Sein Inhalt gemahnt nicht selten an das vor zwanzig Jahren erschienene Buch über Rembrandt als Erzieher, doch erscheint es nicht so wirr und kraus und vermeidet die gesuchten Geist- reicheleien des ehemals so viel gelesenen Werkes; es ist einfach, klar und sein Geistesgehalt ist bei allem Reichtum sehr uber- Mtlich geordnet.

Ebbes vo dr Provinz Gberhesse.

Von Jean S ch w ö b e l in Weitershain. (Originalpoem derGieß. Fmn.-Bl.")

Nachdruck verboten.

Wann aich so for dr Landkort stih enn mir mei Hesseland besieh, do suhl aich stolz mich enn dr Brost: E Hess se sei, daos iS e Lost. Tein Heffelänche kimmt kes gleich, doas iS die Perl vorn deutsche Reich. En drei Provinze wirds getrennt, aich rväiß sogoar, wäi mr se nennt: doas Starkenburg, doas es die erscht, enn do muht nach is Landesferscht. Enn Rheinhesse, doas es die zwut, Doas iveast als klarier Brrb aich schick. Doch die drett, däi harr ich bat vergeasse, Doas es die schirrst, mei Oberhesse, nm sich dr Vrigelsberk erhebt, »vrr int doas schi Boad N a u h e t m seht. En die Wearrera so schieh rmd räch, wu der Surre (Boden) eas so gnot enn gläch. Wir die Mai-Weserboh dutchsaust, enn wu die Lahn bai Gäise brarrst.

Wrr iner dar schine Tro achte hott, töu e jeder hott schri vo gehortt vo de Schesemotze Mordschwernnt, vo de Biberröck grü, bloh en tut, wu mancher stolz sein Kill noch trat, wn mer on laibe (Sooft noch gläbt, eil wu off Berg en Toahlesgrond die Lost so re es en gesond.

Off doas Steck Land sei aich verseasse, doas is die Provinz Oberhesse.

Die Frankforter, bat sas em schuh, deas Säi vo is guot Wasser hu. Das schmeckt wäi Lämchesmelch so fei en schmegt besser wäi doas aus dem Mai'.

Des Bugelsberger Rendvieh eS berühmt en aller Welt geweß.

Es sieht fochsrut eit eaß hübsch klee enn es e Proacht nur oseseh.

Enn deaß mir ach beim Fortschritt sei. beweist däi Talsach schu allei, deaß die Provinz beleucht soll wern niet elektrisch Licht vo Nah en Fern. Bei L i ß b e r g hu ses projektiert, nmi mer so lest ,enn wäi mer hiert. Wann daos gerät en es wird was draus, dann sei mir off iS Lebtcwg Haus.

Enn iväis häi kimmt ach östersch vor, daß e Oberhess kimmt beis Militär. Kreuz Bataillon en Schockschmernut däi trete en eam Parademarsch tut, denn däi hn Knoche wäi e (Saut, sei diensteifrig eint gar uit faul. Ee General täot mir et; soage ganz schmeichelhaft eit niet Äehoage: der Oberhess grüß oower klee es der best Soldat in der Armee.

Enn oberhessische Sängerbund paßt aacht, was aich nch tu jetzt kund den solls eit aller Kürz ez gäwe.

Was muß mer nit noch all erteivel E is so weit schu en der Reih enn soll schu hurtig fertig sei. Wann he Hot sei erscht Brmdesfest, wünsch aich em Wettet off des best. Doch wann des Bnndeslaid se senge, das, muß off die Provinz ausklinge, so ähnlich wäi aich etz Hai will, wetnS naut gefällt kann scheige stell:

O Bugelsbetk, o Weretra, was gebtS do Frücht, was gebts do Ha! Trim sei mer stolz, grüß eit ach kl ei, daß mit ans Oberhesse seil Die ganz Provinz soll lewe hoch ernt ach is Forscht, do Großherzog!

Vermischtes.

Das Rauchen der Damen. Die englische Frauen­zeitschriftThe Ladies Field" stellt die außerordentliche Zu­nahme des Rauchens bei den Damen fest. Besonders in Paris rauchen fast alle Damen nach dem Essen, auch wenn das Diner nicht in engerem Kreise stattfindet, und niemand findet das noch irgendwie merkwürdig oder auffallend. Zn den notwendigen Kleinigkeiten, die eine elegante Dame immer bei sich führt, gehört ein Zigarettenetui und ein Feuerzeug und zwar wird mit diesen Dingen ein ungeheurer Luxus ge­trieben, da Feuerzeug und Etui Meisterwerke der Juwelier- kunst sein müssen.

* Der Orientierte. Vater:Sag' mal, Paul, habt iHv denn in der Schule sexuelle Aufklärimg?" Das Söhnchen; Jawohl, Vater, wat willst denn wissen?"

Redaktion: P. Witiko.

Rotationsdruck und Verlag der B r ü h l 'scheu Un!versitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

Die Landwirtschaft en Oekouomie, däi bloiht hüt wai sost itirgends nih. Häi wem die beste Sätti gemeint; die Metzger sah, se wem de best. Die Sn ui, vo do säl jeder kennte Däi hätte wenigstens Prozende. En Ochse wern ach häi gezuoge, däi finit de schwerste Mann getroage. Enn Gaise wem e ter viel geschwächt. Enn wann se do wem hie gebraucht, ernt mer tut se nach dem Schlachthaus lare, Uit sich manchmal die Lahnbrück bäige. Ernt wann se dann einiS Schlachthaus komme enn sei geschlacht enn auSgenonnne, bann kann die Woage, fitts verzeihe, ßoar manchmal nit de Ochs ausweihe.

Guot Ttinkwasset daos is ach da, fa besserst!) es in Afrika, enn watsch nit gläbt enn zweisilt dro, bet sreg emol en Frankfort o.

Charade (viersilbig).

Das Städtchen liegt im Monbeirschein Bei lichtet Sterne Gesimkel, Der letzte Wanderet eilt allein Durch bet Erste n dämui'tiges Dunkel.

Die Jagd ist an und das Hifthorn schallt, Hell klingt das Gebell von den Meuten, Da bricht der Keiler aus dichtem Wald Und droft dem Hund mit dein Zweiten.

Die Drehorgel geht ohne Rast und Ruh' Für das Ganze in winnnemben Klängen, Die Schusterjungen pfeifen dazu, Hört' auf mit diesen Gesängen!

Gießen. _ Rudolf L.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: gelabt, gelobt, gelebt.