Ausgabe 
4.4.1908
 
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cret und' Watteau verschmähten es nicht, ihre Kunst ans der gebrechlichen Schale spielen zu lassen, und die Samm- lungen in Versailles zeigen noch heute zwei Eier, die der Mine. Victoire, der Tochter Ludwigs XV., angehörten und die von Watteau bemalt wurden. Später kam man von beit natürlichen Eiern immer mehr ab, das Zucker- und das Schokoladenei trat seinen Eroberungszug an und heute wer­den in Paris alljährlich beim Osterfeste nicht weniger als 2 000 000 Frs. für Schokoladeneier und 1000 000 Frs. für Zuckereier ausgegeben. Aber diese immerhin nicht allzu teuren kleinen Meisterwerke der Konditorkunst genügen nicht allen, um ihren Geliebten die Osterwünsche zu übermitteln. Ein englischer Lord ließ vor einigen Jahren bei einem be­rühmten Londoner Konditor ein riesiges Schokoladenei an- fertigen, das für seine Braut, die Tochter eines südafrika­nischen Milliardärs, bestimnit war. Dieses Osterangebinde war nicht weniger als drei Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 1.50 Meter, so daß sich in der Höhlung des Eies ein Mensch auf einem Sessel bequem niederlassen konnte. Das Ungetüm wurde mit nicht weniger als 1000 Pfund Bonbons aus gefüllt, und um es an den Bahnhof zu bringen und dann in Southampton au Bord zu schaffen, tvar eine besondere Tragbahre konstruiert worden, die auf den Schultern von sieben Männern ruhte. Das Ei allein kostete die Kleinigkeit von 10 000 Mk., wozu dann noch die Kosten des Transports nach Südafrika kamen, die außer­ordentlich hoch waren, weil es sehr schwer wurde, das kost­bare Ei an Bord unterzubringen, daß keine Beschädigungen ihnu drohten. Aber den Rekord errang doch jener reiche Fremde, der einer bekannten Pariser Schauspielerin zu Ostern eine besonderekleine" Freude machen wollte. Am Feier- Lagsmorgen rollte ein großer Güterwagen in den Hof des Hauses, in dem die Schauspielerin wohnte und auf dem Wagen ruhte ein riesiges Ei, aus Holz gefertigt und mit kostbarem Sammet überzogen. Die verblüffte Künstlerin erschrak, denn im ersten Augenblick wußte sie nicht, !vas sie mit diesem liebenswürdigen Geschenke anfangen sollte; dann aber gewahrte sie in der Mitte des Eies eine Tür und als sie die öffnete, fiel ihr Blick auf eine Equipage mit zwei prächtigen Pferden und einem Kutscher, der unbeweglich auf dem Bock thronte. Aber schließlich spielt bei dem Osterei nicht nur die Größe eine Rolle, sondern auch der Wert seines Inhaltes. Wenigstens bei den Amerikanern. So ist es doch nicht selten, daß in unansehnlichen Schokoladeneiern als köstliche Ueberraschung die teuersten Juwelen, Ringe, Ohr- ringe, Armbänder oder Broschen verborgen werden. In der letzten Zeit ist auch die hübsche Mode aufgekommen, die Ostereier aus Blumen Herstellen zu lassen, die dann mit großer Kunst so gebunden werdetr, daß sie die ovale Form genau wiedergeben. Veilchen und Rosen werden dazu ver­wendet, aber auch die Orchidee spielt neuerdings hierbei eine große Rolle und wird besonders in England von reichen Blumenfreunden bevorzugt. So wurde im vergangenen Jahre bei einem bekannten Londoner Blumenhändler ein Osterei aus Orchideen bestellt, das schließlich nicht weniger «ls 4000 Mk. kostete.

Vom Farbensinn der Vögel.

Während bas Problem vom Sehen der Tiere bislang fast aus- schließlich vom Anawmen untersucht worden ist, hat Geh. Hofrat Professor C. Hetz mit der Anwendung physiologischer Experimente eine neue Bahn beschritten, und über die Ergebnisse seiner Forschungen, die sich zunächst auf die Seh-Fähigkeit der Vögel erstreckt haben, gibt der Gelehrte in der Umschau einige in­teressante Einzelheiten. Die Versuche haben ergeben, daß alle Voaelarten, die bei den Experimenten geprüft wurden, bet der Ausnahme ihrer Nahrung sich ausschließlich vom Gesichtssinn leiten lassen. Selbst ein ausgehungertes Huhn beginnt nicht die vor ihm liegenden Körner aufzupicken, wenn der Raum so stark verdunkelt ist, daß cs die vor ihm liegende Nahrung nicht sieht. Professor Heß hat dann auf dunllem Grunde eine Anzahl Weizenkörner ausgestreut und darüber m einiger Höhe einen fchnialen Stab angebracht, der einen Schattcn- streifen über einen Teil der Körner warf. Das Huhn pickte nur die außerhalb dieses Schattens liegenden Körner auf und ließ die anderen liegen. Man kann auf diefe Art ganze Silhouetten aufpicken lassen, ohne daß von dem Tiere die im Schatten liegenden Körner beachtet werden. Ein Experiment mit einem jungen Turmfalken gab dasselbe Resultat. Man setzte den Raubvogel vor eine von oben beleuchtete dunkle «stäche, tn der Weise, daß ein etwa zehn Zentimeter von dem Tiere be­findliches Fleischstück hell belichtet war. Der Falke stürzte sich sofort auf i>as Fleisch zu, wobei jedoch die Beute tn den

Schatten seines eigenen Kopfes geriet. Das Tier war nur noch 12 Zentimeter von feinem Leckerbissen entfernt, aber es hielt sofort inne und zog den Kopf zurück, ohne das Fleisch zu fassen. Durch die Kopfbewegung wurde der Köder wieder sichtbar und der Falke stürzte sofort wieder darauf hin. Außer­ordentlich interessant sind alsdann die Versuche, die mit far­biger Belichtung gemacht wurden. Auf einem mit schwarzem Tuch bespannten Tische wurden Reis- und Weizenkörner aus­gestreut und mit Hilfe einer Bogenlampe ein Spektrum über die Fläche geworfen. Die Hühner begannen alsbald zu picken, aber sie nahmen zuerst die in dem roten und gelben Teile liegenden Körner und wandten sich erst dann zn den gelb- grüncn und grünen. Die blauen und die violetten Körner aber und znm Teil auch die blaugrünen blieben unbeach­tet und wurden auch nach längerer Hungerzeit nicht berührt. In dem Kvrnerstreif entstand dabei eine scharf begrenzte schwarze Lücke, die genau mit der Grenze des Spektrums am roten Ende für unser Auge zusammeitfällt und auf der anberen Seite vom Grünblau flankiert ist. Daraus ergibt sich die in­teressante Tatsache, daß die Hühner das Spektrum am roten Ende genau so weit sehen tote wir; am kurzwelligen Ende da­gegen ist für diese Vögel das Spektrum hochgradig verkürzt. Das Experiment wurde auf Tauben und Turmfalken ausgedehnt und ergab die gleichen Resultate. Das Blau und Violett wurde überhaupt nicht wahrgenommen. Man kann daraus den Schluß ziehen, daß die blauen und violetten Tönungen als Schmuck­farben ausscheiden, und für die Hühner scheint dies int alb gemeinen ja auch bestätigt. Insofern geben Forschungen von Heß auch eine Erklärung für das Dominieren der roten, gelben und braunen Farben im Federschmuck dieser Bogelartcn; die Untersuchungen auf audere Vögel auszudehneit, würde für den Zoologen zweifellos von weittragendem Interesse sein. Auch die Annahme, daß die Tagvogcl im allgemeinenn achtbliu d" sind, wurde durch weitere praktische Experimente erschüttert. Im Gegenteil zeigte sich bei den Versuchen, daß die Hühner einer Dunkeladaptation fähig find und daß diese Fähigkeit der des menschlichen Auges nahezu gleichkommt. Bei Falken und Ha­bichten ist der Verlauf der Anpassnirg des Auges an die Dun­kelheit etwas langsamer, weil ihre Netzhäute mehr Purpur ent­halten. Ein überraschendes Ergebnis aber brachte die Aus­dehnung dieser Versuche auf die Nachtvögel. Es zeigte sich, daß die schwächsten Lichtmassen, deren die Eule bedarf, um ihre Beute zu sehen und zu erhaschen, sich nur sehr wenig von der Lichtstärke unterscheidest unter der auch das menschliche Auge die betreffenden Gegenstände noch wahrnimmt. Auch die allgemein verbreitete Anschauung von derLicht­scheu" der Nachtvögel wird durch die praktischen Forschungen zerstört. Professor Heß stellte mit mehreren Nachtvögeln Ver­suche au; nach mehrstündigem Aufenthalt im Dunkel brachte man sie ins Helle und durch Spiegelung warf man ihnen die Sonnenstrahlen unmittelbar in die Augen. Dabet zeigten sie nicht die geringste Spur von Lichtscheu und schnappten so­fort nach den Fleischködern, die vor ihren Augen bewegt wurden.:

* Das Ende der Blonden prophezeit Professor Mason in einem längeren Aufsatz der Contemporary Review, in dem er zu dem Schluffe kommt, daß die blonden Rassen, die in der Geschichte als die stärkste und überlegenste er­scheint, in nicht allzu ferner Zeit erlöschen wird. Alle Erobererrasfen, alle kolonisierenden Stämme haben mit etn- ziger Ausnahme der Araber den blonden Rassen angehört. Was die Römer anbetrifft, so waren mehrere der Völker­schaften, die später die berühmte Bürgerschaft bildeten, von ausgesprochen blondem Typus, wie z. Ä. die Sanniten. Blond iuaren in Europa auch die Gallier, die Teutonen, die Slawen, die Griechen, die Skandinavier, die Engländer. Und in Asien vertreten die Arier, die Meder und die Perser den blonden Typus. Von den alten Griechen scheinen dte Mazedonier blond gewesen zu sein und blond sind auch alle Helden Homers. Das Volk, das Venedig gründete, hatte ebenfalls helles Haar und blaue Augen und auch bte Barbaren, die Spanien erobert haben, gehören, trotzdem fie Mauren genannt wurden, den Blonden an. Im all­gemeinen scheint cs, daß die Menschen mit den hellen Haaren und den blauen Augen eine größere Widerstandskraft gegen Krankheiten zeigen, als die Brünetten. Darin gleichen ste den Schwarzhaarigen und auch den Rothaarigen, die körper­lichen Leiden gegenüber viel zäher sind, als die Brünetten. Die nervösen Krankheiten z. B. verteilen sich wie folgt: Rote 0.6, Schivarze 5.6, Blonde 11, Hellbrünette 36.4, Dunkelbrünette 46.3. Mer die Ursachen für das schnelle tzinschwinden des blonden Typus hängt Wohl in erster Sune davon ab, daß er dem Großstadtleben sich nicht anpaßt unb im freien Landleben seine Hauptstärke hat. Da aber