Samstag -en 4- AM

1908

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NSS

Kelmutl) von Lovsen.

Roman Don Ursula Zöge Don Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Marie Anne von Rccknitz <nt Anne Marie von Tross. Bardes, am 3. Mai 1895.

! " Liebe Anne!

Null l»erben wir al>er ernstlich böse auf dich! Fallt es dir benit gar nicht ein, daß Bardes dir näher steht als irgend einver­lassenes Landhaus"? Schon im vorigen Soimner hast du uns stillschweigend links liegen lassen und dir ein buvn retiro gesucht. Weshalb kommst du nicht zu un§ ? .Hegen und pflegen loollen loir dich und können dir alles bieten, lvas du als Bedingung der Nervenstärkung hinstellst- ländliche Stille, gute Lust und sogar ein Reitpferd nach deinem Sinn, d. h. eilt Tier, lvelches selbst deiner Kunst z-u raten geben wird: ich meine Helmuths Fra Diavolo, welcher bei uns in Pflege ist und der, nachdem er Helmi den jüngeren zweimal, den Kutscher dreimal und den Verwalter viermal abwarf, Wohl auf Gnade vor deinen Augen rechnen darf.

Aber Scherz beiseite, last uns nicht vergeblich bitten. Was haben wir verbrochen, dast du uns so konsequent meidest? Und ich hatte gehofft, du werdest Bardes nach Edmunds Tode nun endlich als deine Heimat ansehen lernen und dich von all dem Bitteren und Häßlichen, das dir das Leben in der großen Welt gebracht hat, bei uns erholen! Deine Frage nach Hel- muths Rückkehr kann ich bejahend beantworten. Er kommt und zwar schon in den nächsten Wochen nach Berlin, und wenn er noch einiges warme, brüderliche Gefühl hat, von dort direkt hier­her. Ich habe ihn sehr herzlich darum gebeten, natürlich ohne des Vergangenen mit einer Silbe zu erwähnen. Wir sangen leben ein neues Leben au. ®tt glaubst, dast er aus Empfindlichkeit schweigt? Ich denke vielmehr, dast er sich nun endlich seiner Heirat schämt und sich uns Nicht aufdrängen will- Sei dem wie ihm wolle, wenn er kommt, so soll alles vergeben und ver­gessen sein, und ich denke, dann soll er auch bald Mut sassen und unS wieder frei ins Auge sehen. Wessen Leben stünde denn da, bar jeder Schuld und jeder Verirrung? Wir wollen milde zu ihm sein und dickt mochte ich besonders bitten, dein kleines iro­nisches Lächeln in die Tasche zu stecken, wenn er kommt.

Konrad und deine Pate Annchen grpett. Lilly brachte ich Ostern in die Pension. Für mich ein schwerer Abschied, für dich eine Garantie mehr fürländliche Stille". Die Kadetten lernen brav. Helmi erhielt zu Weihnachten einen langen Brief vom Onkel in Afrika, einen Brief, der das ganze Korps begeistert hat. Ist er auch ganz unpersönlich gehalten, so beweist et doch, dast Helmuth uns doch nicht vergessen hat, und die Art, wie er Land und Leute beschreibt, ist so fein und recht geeignet, Knaben zu belehren und zu beglücken.

Liebe Schwester, komm und hilf mir. Ich will ihn wieder für uns gewinnen, ich will ihn denen in Rothaide doch nicht ganz lassen.

Deine Marie Anne.

Einige Tage nach Abgang des Briefes traf in Bardes ein« Drahtpost ein, des Inhaltes: Es sei. Ich komme also. Bin Donnerstag 5 Uhr in Jarowitz. Anne.

Wieder rüstete die Recknitz das beste Gastzimmer des alten Hauses, diesmal mit besonderer Liebe, denn Annchen soll sich hier erholen. Das große Gemach bot einen lieblichen Ausblick auf die Rasenplätze und Bosketts, welche den Uebcrgang vom Garten zum alten Park bildeten. Marie Anne prüfte Vorhänge und Möbel, ob alles auch schön genug für die Schwester sei. Es war ein tiefes, sehr lauschiges Gemach mit einem großen Teppich über der braunglänzenden getäfelten Diele und bequemen, alt­modischen, damastbezogenen Sesseln und Ecksofas. Ein schwerer' Vorhang schied es vom Schlafgemach. Hier stand die breite, weistlackierte Bettstelle mit der lichtblauseidenen Stepldecke und den spitzenbesetzten Kissen, frier ordnete Marie Anne auf dem Weißen breiten Toilettentisch die Schalen und stellte Flakons mit kölnischem Wasser und Annes feine Lieblingsparsüms hin, und in der anstoßenden Garderobe, die zugleich Badestube war, würden die Schränke gelüftet und das weiße Kachelüassin mit der Dusche- Vorrichtung sorgfältig hergerichtet, denn Anne Marie ist eilt kühles, duftendes Mvrgenbad gewöhnt und liebt Raum, viel Raum für ihre Neider. Die Riesenkoffer, mit denen sie zu reifen pflegt, erheischen eine besondere Abholung.

Recknitz ging unterdessen in den Stall, Prüfte in der Sattel­kammer Gurten und Schnallen das Damensattels, liest dann den! Fra Diavolo in die Reitbahn führen und satteln, worauf der Kutscher den Versuch machte, ihn zu besteigen und sich seitlings anfzusetzen, eine Zumutung, welche Loysens wilder Rappe durch drei Bocksprünge zurückwies, wobei er ausfeuerte, dast die Planken der Reitbahn krachten und splitterten. Recknitz aber lächelte be- sriedigt: Na, daS wird ihr ja Wohl genügen! - murmelte er. Denn Anne Marie war dafür bekannt, dast sie mit jedem Pferde fertig wurde und an diesem Kampf Vergnügen fand.

Am Donnerstag stand Marie Anne auf dem Bahnhof und' schaute dem hemnbrausenden Zuge entgegen. Er fuhr heran und hielt, und während ihre Blicke die Wagen erster Klasse absuchten, stieg eine lange, schmale Gestalt in grauem Reisemantel aus einem! Abteil der zweiten Klasse und kam, ihr Handköfferch.eu tragend, herbei. Die ganze Erscheinung war von so schlichter Einfachheit, so schmucklos, dast Marie Anne zuerst gar nicht daraus kam, das könne Baronin Trost sein . . . nur das kleine belustigte Lächeln war so ganz sie.

Nun Mieze? hier hast du mich oder sagen wir, was von mir noch übrig ist."

Verzeih!" rief die Recknitz und umarmte die. Schwester ich must dumm ausgesehen haben. Und wo ist dein übriges Handgepäck?" .

klebriges ist nicht und meinen Koffer kann der Träger holest und ans den Bock stellen."

Und Konrad schickte den Pony mit einem Extrawagen!" Schickte er? Nun, dem Pony wird das angenehm fein." Annchen, last dich noch einmal umhalsen und nun komm! Nein, erst last dich ansehen.... du siehst sehr blaß aus."