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tote sie es liebte ach ja, diese Fnchsstute sicherlich das eleganteste Pferd iml Regiment etwas temperamentlos, aber flüchtig Ivie der Wind nnd im Flach- wie Höhensprung unüber- trofsen. Was war ihm schon für diese Siegerin in manchem Rennen geboten worden. Aber er gab sie nicht weg. Er dachte sich intimer, das müsse mal ein Reitpferd für seine Frau sein. Sie ging wie ein Lamm unter dem Tantensattel. Da war Fra Diavolo ein andrer Kerl den konnte wohl selbst Anne Marie nicht reiten,das Deibelsvieh, das ich nicht geschenkt haben Möchte", wie Schnadewitz zu sageit pflegte. Er war viel zn heftig, nm als Muster hingestellt zu werden, aber es war doch eine Lust, auf ihm hinzujagen! Namentlich auf der weiten, mit bunten Blumen gesprenkelten Trift zwischen Tobrau nnd Rotthausen, jenem fragwürdigen nnd doch so unendlich reizvollen Terrain, daraus sich einzelne runde, struppige Erhöhungen, gleich grünen Gras-Igelit, erhoben, und darauf die jungen, Weißen Birken- stäntme leuchteten und ihr lichtes Laub flattern ließen, wie aufgesteckte Friedensfahnen. Balsamischer Wohlgeruch, Vogelge­schrei und menschenleere Einsamkeit ringsum ... er hatte das alles iwch nie so deutlich gesehen und empfunden wie eben, da er am dunklen Fenster stand, unter sich den Straßenlärm und die Lichter und die in der lebensarmen Stadtluft zu früh ent- blütterten Bäume.

Plötzlich riß er feine Gedanken zurück und griff sich an die Stirn.Ich bin toll," sagte er sich,was soll mir das jetzt? Es entnervt mich völlig!"

Mit raschen Schritten verließ er das Zimnter und ging wieder hinunter. Im Vestibül brannten die Kronen. Er fand eine Polsterbank im Schatten eines Mauervorsprunges unb- setzte sich so, daß er den Ausgang beobachten konnte. Nun mußte sie ja bald kommen.

Noch einmal bäumten sich seine Lebensgeister gegen das Schicksal auf und suchten seine Gedanken in fieberhafter Hast einen Ausweg, eine andre Lesart. Es war der Kampf des Er- trinkettden, der, ehe er untersinkt, verzweifelt um sich greift manch anderer hätte diese oder jene Ausrede für ein Rettungsseil angesehen und sich beruhigt. Ihm war das nicht möglich. Nein. Ein einziger Weg lag vor ihm, und den mußte er gehen, und dieser Weg führte als, ein Spießrutenlaufen zwischen all den Spottenden hin, die ihn verlachen oder verdammen würden. Hilfe ß ab es nicht, wenigstens für sein Ehrgefühl nicht.

Vor dem, Hotel knallte ein Kütscher mahnend mit der Peitsche. ,Ter Portier eilte hinaus, hinter ihm flogen die Glastüren pendelnd hin und her jetzt hielt er sie offen und zwei weib­liche Gestalten traten ein, denen der Hotelpage Kartons und Taschen nachtrug. Es waren Luisane und Frau Jahn. Erstere ftonb einen Augenblick in voller Beleuchtung, während sie dem Portier schweigend den Zimmerschlüssel abnahm. Ter Tybus der Schauspielerin war ihr aufgedrückt, Loysen hätte sie unter vielen als, eine solche herausgefunden. Woran es lag, war schwer zu sagen. Sie hatten einen weiten, dunkelblauen, schwan­besetzten Mantel üm die Schultern hängen, darunter ein braun- seidenes, reich mit Schmelz besetztes Kleid, welches sie vermutlich in dem letzten Akt der ntobenten Tragödie auch angehabt. Auf dem schwarzbraun gelockten Haar saß ein schwarzer Federhut, groß und auffallenb durch seine Forme Nur die Schminke hatte sie sich {djon ab gewaschen und das Gesicht sah kreidig weiß aus. So, ohne ihn zu sehen, glitt sie au ihm vorüber und verschwand Mit ihrer Begleiterin im Fahrstuhl.

Lohsen wartete noch fünf Minuten, dann stieg er langsam die Treppe hinauf. Endlich war er im dritten Stock und begann die Nummern der Türen zu studieren. Da war die, welche er suchte. Was nun? Ihm siel ein, daß er sich melden lassen müsse. Er konnte doch nicht einfach eintreten? Daun erschien ihm dies Bedenken lächerlich, er klopfte also an die Türe. Schritte nahten tapsend, der Schlüssel ward umgedreht, durch einen kleinen Spalt klaM Frau Jahns Stimme im echt Berliner Tonfall:

Kellner? Bringen Sie man zweimal Tee, abern bisken hurtig!"

Es ist nicht der Kellner," sagte Lohsen,bitte öffnen Sie." Ter Türspalt erweiterte sich und gewährte nun sparsamen

,Ausdruck auf das breite, bebrillte Antlitz mit dem glattgeschei- telten Grauhaar.

Wer ist da?" fragte sie.

von Lohsen. Wünsche Fräulein Becker zu sprechen."

Bedaure. Tas Fräulein empfängt Besuche von 121 Uhr mittags, sonst nicht!"

Das ward kurz, fast schnappend gesagt.

Mich wird sie empfangen."

Tie Frau stutzte. Sein Ton siel iHv auf. Weder Hoffen .noch Müffchen lag darin, sondern eine auffallende Resignation,

als fürchte e«, es möchte so kommen. Tas Zögern benutzte er, öffnete ruhig die Türe und trat in das Zimmer. Durch eine halbvffeite Tür sah er in ein anstoßendes Schlafzimmer. Tort saß, ihm den Rücken kehrend, Luisane vor einer Toilette. Ihr Haar war gelöst, ihr Kopf rückwärts gebogen, mit beiden Händen hielt sie sich die Stirn, während sie ungeduldig rief:

Ich bitte Sie, wo bleibt der Dee mein Kopf .bringt mir vor Schmerzen!"

Luise!" sagte Lohsen. Er stand mitten im Zimmer, den Hut in der Hand, wartend.

Trüben flog der Stuhl untl, die Gerufene sprang auf, wandte sich nach rechts und links, immer in die Höhe blickend, als erwarte sie eine Himmelserscheinung, plötzlich aber sah sie ihn, kam herbeigetaumelt, streckte beide Arme nach ihm aus und schriet Loys! Lohs!"

Tmtn, als sie ihn gerade erreichte, fiel sie an ihm herab, wie ein welkes Blatt zur Erde weht. Nicht das Bewußtsein, aber die Lebenskraft schien sie verlassen zu haben, denn während er sich herabneigte, sie auszuheben, ivimmerte sie, seine Hände um- klammernd, außer sich:Lohs Loys! . . . Tu bist da . . . ich wußte es ja, du mußtest einmal Kimmen du konntest deine arme Luisane doch nicht ganz vergessen. Treu bin ich dir ge­blieben treu!"

Beruhige dich, ich bitte dich!" murmelte er, beim Frau Iah» schlug unwirsch die Türe zu, durch die er eingetreten, und nahte, die Hände auf die Hüften gestemmt.

Was soll das man bloß vorstellen?" fragte sie,Sie, Fräulein? Sie und so?"

Er wandte den Kopf nach ihr.

Bitte, lassen Sie uns auf ein KUrzes allein. Was ich dem Fräulein zu sagen habe, ist ernst."

Tie Alte zögerte, dabei schien ihr das Wiedeverkennen! auszudämmern, und sie ging in das Schlafzimmer, wo sie sich am Toilettetisch zu schaffen machte. Man konnte nur ihren breiten Rücken sehen und die mißbilligend hochgezogenen Schultern.

(Fortsetzung folgt.)

Eine Kordianöfahrt.

(Originalbeitrag derGieß. Fam.-Blätter".) (Schluß.)

Die weitere Fahrt nach dem Nordkap traten wir unter schlechter Wetterlwognose an, und wären teilweise lieber in Ham­merfest zurückgeblieben, aber das Schiff nahm auf der Rückfahrt einen anderen Kurs, und so mußten wir beim nölens volens mittun. Sehr bald erfuhren wir die Tücken des nördlichen Eis­meers, Nebel, eisige Kälte und schwere See verhängten harte Prüfungen über die nicht ganz Wetterfesten. Auch ich wurde zum erstenmal seekrank, unter der nicht ausbrechenden, aber den Körper tiefer erschütternden Form, die auch das Gehirn in Mitleidenschaft zieht. Bis zuletzt hielt ich mich auf dem Hinteren Teck das vordere wurde oft von Wellen überspielt, erlebte noch mit einiger Teilnahme das durch Kanonenschüsse herbeigeführte Anfslattern der Hunderttausende von Seevögeln, die mn sogen. Vogelberg nisten, bann schwand das Bewußtsein und ich überwachte unter mitleidig hilfreichen Händen erst wieder in der kleinen, etwas geschützten Bucht am Nordkap. Hier lagen wir 4 bisi 5 Stunden, um dem unternehmenden Teil der Gesellschaft Gelegenheit zum Aufstieg zu geben, der bei Nebel und schlüpfrigem Weg recht unangenehm verlief und- nur unter­nommen wurde, um nachher sagen zu können:Wir sind auf dem Nordkap gewesen nnd haben eine Flasche Champagner dort geopfert." Trotz meiner kläglichen Verfassung weidete ich mich am Anblick der stürmisch erregten See. Die Wellen stürmten wie eine Horde wütender Eisbären gegen die Felsen heran, zerstäubten unter donnerähnlichem Getöse, einen weißen Gischt znm Nebelhimmel ausspritzend.

Auf der Rückfahrt vom Nordkap besuchten wir ein Lappen- lager mit großer Rmntierherde, Erdhütten, Schmutz und Ge­stank, die nun einmal unzertrennlich sind von diesem merk­würdigen Nomadenvölkchen. Sie waren offenbar auf unseren Empfang vorbereitet, denn die meisten trugen Sonntagsstaat, grobe, dunkelblaue Kittel und Hosen mit roten und gelben Tnch- zackm verziert, die Frauen warm mit bunten Glasperlen be­hangen, das dichte Haar hatten sie mit Bändern zu kleinen Zöpfe» verflochten. Die Aermeren staken in ihren Renntierpelzm, das Rauhe, weil es Sommer war, nach außen gekehrt. Die Kinder liefen fast nackt herum, nur die ganz kleinen waren fest emgeschnurt in Kästm, die mit Renntierfell bezogen, oben eine kleine Schutzvorrichtung gegen Sonne, Wind und Regen hatten. Ich bin überzeugt, daß diese kleinen Augiasställe höchstens einmal in der Woche gesäubert werden. Trotzdem erwächst aus ihnen ein zähes, widerstandsfähiges Geschlecht, das sich seines Lebens freut und last not least seinen Vorteil nach allen Richtungen hin wahrzunehmen weiß. Einm gewissm, wenn auch rohen Kunstsinn zeigen die Lappen in Bearbeitung der Remitier--