Ausgabe 
4.3.1908
 
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KekmuiH von Lonlen.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Schnadewitz war durch alte die an ihn gestellten zeremoniellen Anforderungen, durch Tischreden, Champagner und Verlicbthert in einer ihm sonst ganz fremden Aufregung. Wohl zum ersten­mal im Leben umarmte er den jüngeren Kameraden und raunte ihm zu:Helmuth, ich bin ja nun ein alter Ehemann ich sage dir, heirate auch! Es ist ja gräßlich so'n Rummel aber man überlebt es, und nachher hat man für's Leben was Gutes habe ich dir schon gesagt, daß sie dem Köter- dem Filou Eintritt in die Wohnzimmer gestatter? Und dabei sind ihr Hunde schrecklich! Ermiß daraus . . . aber was ich sagen wollte: heirate! Und wenn du noch nicht weißt wen ich weiß es jetzt. . . und ich bin erbötig, für dich den Freiwerber zu machen!"

Tanke. So etwas besorgt man selber."

Also wirklich? Eingeschlagen? Famos! Daß du es weißt: Depeschen erreichen uns in Riva. Ich sehe der deinen entgegen!"

Damit stieg er in den Wagen, in welchem die Braut, tn Ubschiedstvänen schwimmend, wartete.

Loysen ging in sein Hotel. Hier vertauschte er die Uniform gegen einen dunklen Zivilanzug. Er tat es mühsam, als sei es eine schwere bedeutungsvolle Arbeit. Jedes Stück glättete er sorgsam, fast liebkosend, ehe er es fortlegte, den Palasch hing er an den Kleiderständer, und dabei strich seine Hand langsam über den glatten, funkelnden Stahl. Tann zog er das Taschentuch, um sich die Stirne zu trocknen.

Es war merkwürdig und für ihn charakteristisch, daß ihm bei alledem nicht einmal der Gedanke an ben Revolver kam, den er auf Reisen mitnahm mit* der im Lederfutteral des juchtenen Handkösferchens stak. Seine Seele rang im Todeskampfe, aber er dachte nicht daran, diesen« Kampfe ein schnelles Ende zu machen. Seine kraftvolle, gesunde Natur nahm ihn auf und focht ihn durch.

Eine halbe Stunde später war er schon auf seinem Wege. Er wußte, daß Luise Becker, seit sie bei der Bühne war, mit Frau Jahn zusammenwohnte. Tie Alte, welche stolz darauf war, daß eine soberühmte Künstlerin" aus ihrem bescheidenen Laden hervorgegangen war, hatte längst ihr Geschäft der verheirateten Nichte übergeben, und da machte es sich von selbst, daß sie und Stufe zusammenzogen. Ihr war es recht und jener ersparte es alle häusliche.Arbeit. In die Miete teilten sie sich und so waren beide mit der Einrichtung zufrieden. Loysen ging ge­radenwegs nach dieser Wohnung. Sie lag in der Nähe des Theaters, an welchem sie spielte, und er hatte das Haus bald gefunden. Langsam stieg er die Treppen hinauf, die Stufen zählend, als sei das jetzt das Wichtigste. Endlich war er oben und klingelte. Alles blieb still. Er klingelte zum zweiten- und drittentnal und bemerkte bann erst einen seitwärts cmge- klebten Zettel: Berreist bis zum 6. Leipzig- Hotel

Zuerst überkam cs ihn wie Befreiung, als er, aber die Treppen herabging, wich diese Gehobenheit. Nein, diese Galgen­

frist ist noch unerträglicher wie die Entscheidung. Er sah nach der Uhr, erkundigte sich nach ben Zügen und saß eine Stund« später im brausenden Knrierzug, um wieder einige Stunden später in Leipzig zu landen. Es war ein dunkler, nebliger Herbstabend, Bon den Bäumen der Stadtanlageu sielen die braunen Blattet naß und schwer ab, das Pflaster gleiste und die Laternen brannten in rotem Dunstkreise. Als er das angegebene Hotel erreicht hatte, ging er zuerst in bett Speisesaal, bestellte sich Essen und benutzte die Gelegenheit, um den höflichen Oberkellner auszufragen. Ja, Fräulein Luisane fei hier abgestiegen. Dritter Stock, Nummer 65, Tie junge Heroine gebe einige Gastrollen am Stadttheater. Sovrel er wisse, gefalle sie sehr. Er habe gehört, ihre Berliner Wer- pslickjtun.gen liefen. Ende des Jahres ab und sie suche Engagement an diesem Theater. Ob das Fräulein zu sprechen sei? Ter Oberkellner zuckte die Achseln. Tie Borstellung sei schwerlich vor einer halben Stunde beendet ehe sie bann hierher fahre, dauere es wohl noch länger. Loysen verabschiedete den Redselrgen und ließ sich dann ein Zimmer geben. Hier löschte er das blendende Glühlicht und ging bann in« Zimmer auf unb nieder, ruhelos, aber taktmäßig. An die Zimmerwand warfen bte Fenster große, weiße Vierecke. Trat er an eines der Fenster, so blickte er auf unzählige Lichter herab und sah die seinen Regentropfen; im Wiitde wirbeln. Während er so ging, kamen ihm die Gedanken, abgerissen und unzusammenhängend bald war es ihm, als spüre er den würzigen Odem der Kiefern und der schwarzen Erde von Tvbrau bald klang in seinen Ohren das Klirren der Gläser beim Hvchzeitsdieuer und trotz dieser wechselnden Empfittduugen dehnten sich die Mintiten zu Ewigkeiten. Ungeduldig drehte er das Licht Wieben auf, setzte sich an den Schreibtisch und begann zn rechnen. Wieviel besaß er denn eigentlich? Ganz genau wußte er es selber nicht, aber jetzt wird es Zeit, daß er sich da hineinarbeitet. Er müßte es wissen, Recknitz legt ihm jährlich

btiilbf-T. 3u benti, er von beit Client geerbt ijntbc, fattt, was ihm ein unverheiratet gebliebener Vatersbruder hinter­lassen hatte. Er begann aufzuschreiben, wie und wo die ver­schiedenen Posten angelegt waren. Er wußte, daß er bei einer Heirat nicht auf Geld zu sehen brauchte. Tas war ihm immer lieb gewesen, Wenn unter keiner Bedingung durfte Wilhelmi daraus die geringste Ungelegenheit erwachsen, wenn ferne, Schwester heiratete. Nun strengte er sein Gedächtnis an, did Zahlen wieder zusammen zu reihen. Tas Resultat war eine Summe von dreimal hunderttausend Talern so ungefähr. Er kann also ein Gut kaufen und behält noch Betrieoskapital ul der Hand.

Schattenhaft stieg Hochwerth vor ihm auf mit dem historischen Lohsenturm und dem Blick auf vielhundertjährige Eichen, die sein Vorfahr gepflanzt hatte er lächelte bitter. Das wäre! . . . . Wie sie ihn wohl empfangen würden, sie alle ringsum? Nein, weiter, viel weiter ließ er die erwägenden Gedanken laufen bis in ferne, östliche Einöden. Dabei krallte sich ein bitterer Schmerz an sein Herz. Er sprang auf und begann wieder rastlos auf und nieder zu gehen und so weiter zu überlegen, und dabei geriet er wieder nach Tvbrau und sah sich auf seiner Fuchsstut« über die Ebene hinjagen, hier und da ein breiter Wassergraben-