Ausgabe 
4.1.1908
 
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Wir beabsichiigen, von diesem Jahre ab reaelmäßig ein Inhaltsverzeichnis jedem Jahrgänge unserer Fawilienblätler anznfngen nnd empfehlen unseren Beziehern, die einzelnen Nummern der Fam licnbliiltcr zu sammeln, zumal wir sirtan auch Original-Einbanddecken für jede» kommenden Jahr­gang an treue Leser unserer Nuterhaltungsbeilage zu liefern beabsichtigen.

Kelmuii) von LöA'en.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Loyseu lachte. Sein Lachen hatte einen herzerfrischend Hellen Klang. Schnadewitz, der eigentlich nur gekommen war, um dies Lachen zu hören, brumnite mir noch halblaiit vor sich Hinz Rekrutendrillen, Reitübungen, Fusidienst, Wafsenübungen, Tnr- nen, Voltigieren, Jnstrnktionsstunden na, und zur Abwechslung Jnstrnktionsstunden, Voltigieren, Turnen, Wafsenübungen, Fnst- -dienst, Reitübuirgen und Rekrutendrilleu."

Ja, siehst du, lieber Schiradewih, so darfst du nur nun nicht kommen. Mir macht das alles riesiges Vergnügen."

Schnadewitz wurde grob und hitzig.

Weil du ein verrücktes Huhn bist!" schrie erPar­don ! Aber cs ist doch einfach Blech, deine Behauptung!"

Immer hübsch ruhig, Alter, und keine nnparlamentarischen Ausdrücke," lachte Lohsenes ist so wie ich sage. Ich bin nun einmal so beschaffen. Seit Generationen fliesst Soldatcn- blut in unseren Adern. Ich will dir etwas Komisches beichten: Ich hatte damals in Berlin immer Heimweh nach dem Regiment. Aber du musst mich nicht auslachen." "

Fällt mir ja gar nicht ein," brummte Schnadewitz. Er fuhr sich mit dem Handrücken ganz schnell über die Augen und senkte dann seine spitze Nase in das grosse Glas, welches ihm Lohsen voll Rotwein geschenkt habe.

,Das Zengs ist ja ganz rahmig, schauderhaft", räsonierte er. . Nun wusste sein Kamerad, das; dieser sonderbare Mensch über irgend etivaS gerührt war. Dann wurde er immer un­höflich. Er trank auch ganz rnhig weiter, den imaginären Schimmel mit herunterschluckend.

Reden wir mal von was anderem," sagte er,ich kam, um dich zu fragen, ob wir morgen nachulittag einige Besuche in der Nachbarschaft zusammen machen wollen."

Natürlich das heisst nein. Ich fahre morgen früh nach Berlin. Urlaub bekommen."

Schoil wieder mal? Na, ich frage nichts."

Würde dir auch wenig helfen. Tiefstes Geheimnis."

Steckt wohl ein Frauenzimmer dahinter?"

Del stimmt!" sagte Lohsen heiter, um seine Mund­winkel zuckte es.Das gute Kommandöschen!"

Nimm dich nur in acht," warnte Schnadewitz,daß dich nicht mal eine dingfest macht. Nachher sitzt du da Ueber-

haupt, wie kann man nur so hinter den Weibern her sein! Es taugt doch eine immer weniger wie die andre."

Alter Weiberfeind! Und wo nimmst du eigentlich die ©tim her, mir das zu sagen? Etwa weil ich der Komtesse Waldheim den Hof mache? Oder weil ich alle jungen Mädchen nett finde?"

So! Und wer steht denn dort?"

Er streckte seinen langen Arm aus, an dem der lueige Uniformärmel Falten warf und zeigte in die Zimmerecke, wo ebeil die Sonnenstrahlen anfingen, mit blau nnd rotem Gefnnkel zwischen den Glasplatten der Moraständer zu wirtschaften.

Ueber Lohsens Stirn flog leichte Röte bis unter das blonde, kurzgewellte Haar.

Ach last doch!" wehrte er ab.

Ich lasse cs ja, aber ich bewundere dich."

Zu bewundern ist da wenig."

Ebeil darum. Es ist schon schlimm, genug, wenn man mal 'reinsiel, aber der Tatsache auch noch ein Monument setzen, das ist nun das ist ebeil mal wieder eine deiner Ueberraschungen."

Er sah beit Freund scharf an. Der war aufgesprungen und hatte mit einem Zug die Stores an den Fenstern zusammenge­zogen, dast das Diamantgesilnkel drüben verblich. Dabei sprach er ärgerlich:

Um deinem faulen Witz Nahrung zu geben, habe ich dich nicht in jede Episode eingeweiht. Wäre mir jenes Bild nicht völlig gleichgültig geworden, so stünde es sicherlich nicht mehr dort. Uebrigens ist cs ganz heilsam, sich geschehener Dummheiten zu erinnern, das schützt vor Wiederholung."

Der andere zwinkerdc mit den Augen, heimliche, ehrliche Befriedigung erfüllte ihn; aber weit entfernt, sich das merken zu lassen, höhnte er. sich erhebend:

Denn is ja jut! Verzeihen Sie man bloß» dast ich über­haupt jeboren bin. Hierher, Filou, Kanaille! Gehen wir frühstücken!"

Nehmt mich mit!" rief Lohsen, schon wieder ganz froh­gemut.

II.

Am nächsten Vormittag war Lohsen in Berlin und klingelte atl einer Entreetür, zu welcher eine Treppe aus geschliffenem Granit emporführte, die mit Teppichläufern belegt war. In den Nischen am Treppenabsatz leuchteten Meiste Steinsigureu, und graste Blattpflanzen füllten die Ecken. An der Treppe lief ein Bronzegitter herauf und die Wände waren mit Arabesken auf rotem Grnilde bemalt. Man konnte sich nach diesem Aufgang das Interieur der Wohnung schon vorstellen. Es blieb den« Klingelnden vorläufig verschlossen. Ein Diener in Livree meldete, Herr und Frau Baronin wären auf einige Tage verreist, Ob der Herr Leutnant hier zu wohnen wünsche?

Bewahre. Wohne im Kaiserhof."

Der Diener verbeugte sich und Lohsen ging die Treppe ivieder herunter. Dabei sah er nach der Uhr. Zwölf. Da es nun mit dem Lunch bei seiner Schwester nichts wird, konnte er ja gleich besorgen, was er zu besorgen hat, nachher ist er für den Rest seines Urlaubes ein freier Mann. Aergerlich ist dieses