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Donnerstag den 5. September

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Der Dorfkönig.

Romän von Karl Böttcher- Chemnitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Just zu derselben Stunde stand Hugo GutterMann, der Zweit­älteste des Dorfkönigs, vor Herrn Jllgen und sagte fest und be­stimmt:Ich bitte mir aus, Her« Jllgen, daß Sie mich mit Sie" ansprechen und mitHerr"! Das kann ich meinem Alter, Meiner Mlduug und meine« zukiinftigen Stellung nach chrdern!"

Der Bauer Jllgen, de« verrufenste Grobian in ganz Rcichen- berg, machte ganz kleine Augen. Wer ihn nicht kannte, konnte meinen, das käme von dem schlechten Tabak, den er rauchte. In Wahrheit waren es abe« der verhaltene Zorn und die schäumende Wut, die in ihm' brodelten. Doch der drohenden Haltung Hugos gegenüber duckte er sich, denn er war, wie rohe und grobe Menschen fast imMer, feige.

Sv versuchte er es mit Hohn:Haben de« gnädige Herr sonst noch einen Wunsch?"

Der junge Mann trat einen Schritt auf ihn zu, und Jllgen wich zweie zurück. Dann sagte de« Großbauer:Jhr^ Bater hat mir mitgeteilt, ich solle Sie ansehen wie den einfachsten Knecht!"

Der Arbeit nach, ja. Vorläufig will ich Knechtesarbeit verrichten, um zu lernen, verstanden?!! Nur um zu lernen. Sollten Sie aber von mörgen an auch nur im geringsten ver­gessen, mir die Achtung entgegenzubringen, die ich fordere, so sollen Sie mich kennen lernen.--Das schreiben Sie sich ge­

fälligst hinter die Ohren!"

Jllgen stand jetzt in der hintersten Ecke de« großen Bauern­stube, während Hugo hocherhobenen Hauptes hinausschritt.

Die folgenden Tage kümmerte er sich wenig um den Groß­bauern. Fröhlich verrichtete er seine Arbeit, die ihm mit jedem Tage Mehr Freude schaffte. Die frische Landluft, der kräftige Erdgeruch taten ihm wohl, und wollte je ein Gefühl des' Be­dauerns wegen seines verfallenen Studiums auftauchen, so ge­dachte er an die Worte des Baumeisters Hennig, daß er als selbständiger Landwirt noch genug studieren könne. Jetzt freilich hatte er dazu nicht Zeit und nicht einmal Lust: denn wenn er abends sein Stübchen betrat, war er todmüde, und die Hand voll Schlaf, die ihm bis zum frühen Morgen blieb, reichte gerade aus zur Kräftigung seines Körpers. Hugo fühlte srch außer­ordentlich wohl und zufrieden, und aus dieser Ruhe vermochte ihn auch ein Brief seines Vaters nicht aufzustöreu, in welchem der Dorfkönig ihnr in tvenig zarter Weise über sein Verhalten gegen Nlgen Vorhaltungen machte. ,

Hugo hatte nie harmoniert mit feinem Vater, besten Habgier und Kleinlichkeit ihm von Grund auf zuwider waren, besten Härte und Utcheugsamkeit er nun 19 Jahre ertragen hatte, ^sn ihm lebte das leichte Blut der Mutter in des Wortes guter Be­deutung. Als er den Brief zu Ende gelesen, trat er an tue Kerze und verbrannte bedächtig daI Papier. Eine EntgegnuM

I oder Entschuldigung schrieb cti nicht; denn dies wäre gleich­bedeutend gewesen mit völligem Bruch mit dem Vater, und das wollte er aus begreiflichen Gründen vermeiden.

Den zweiten Sonntag, den er in Reichenberg bei Jllgen wa«, verwandte er zu einem Ausflug nach Dresden. Am frühen Morges wanderte er übe« das historische Spitz,haus in den Lößnitzgrund unti dann im Elbtal entlang in die Residenz.

Seine Sehnsucht war die Gemäldesammlung. Da jedoch de« Zwinger erst um- elf Uh« geöffnet würde, benützte er die übrige Zeit zu einem Besuche der katholischen Kirche.

Das Gewaltig-JMposante des Baues, das Mystisch-Zeremo­nielle des Gottesdienstes, die weihevolle Musik und auch de« süßlich-wohlige Weihrauchduft machten auf ihir tiefen Eindruck. Mit scheuer Ehrfurcht durchschritt er die Hallen und lauschte auf die Predigt des Priesters. Sie regte ihn an zuM Denken. Der Geweihte hatte in seiner Predigt die Frage aufgeworfen: Wer ivar Jesu Lieblingsjünger? und in seiner Ausführung beleuchtete er, daß nicht Johannes, sondern Judas Jschariot, der Verräter, sein Lieblingsjünger gewesen sei: denn jener sei auf geWdem, rechtem Wege gewandelt, dieser jedoch auf falschem. Jesus aber komMe zu den verlorenen Schafen, sie zu suchen und an sein Herz ziu ziehen. Wer sich in Not, in HerzenSüot befinde, wer zu ringen habe mit dem Bösen, d. h. mit de« Lust an Welt und Sinnenreiz, der sei Jesu Lieblingsjünger, dem reiche er die Hand, selbst wenn er schon versunken sei.--Diese Darlegung

gefiel Hugo sie klang ihm echt christlich.

Nach Verlassen der Hoskirche bestieg er die Brühlsche Terrasse und wanderte, das Gehörte überdenkend, aM Geländer entlang.< Beinahe hätte er ein junges Mädchen angerempelt, das, auf bett Eisenzaun gelehnt, in das bunte Treiben am Elbqimi blickte.

Der junge Guttermann lüftete den Hut zur Entschuldigung. Das Mädchen wandte ein wenig den Kdpf, und ihn schauten zwei Augen an, die er wohl kannte, und als sich der Mund zu einend kleinen, huschenden Lächeln öffnete, blitzten ihnt zwei Reihen reizender Pcrlenzähnchen entgegen, und den Mund den hatte er auch schon geküßt. ,

Die jungen Menschenkinder fattben in der Begrüßungssreud« nicht Worte. Hand in Hand standen sie sich gegenüber, glück­strahlenden Auges.

Wie im stillen Einverständnis verließen sie die belebte Terrafsch schritten um das Belvedere und in einsamere Straßen.

Ich kanns nicht fassen. Du, Mazda?!" sagte Hugh leise und glücklich. Er hielt noch immer ihre Hand. Sie schritten dahin tote zwei glückliche Kinder.

Seit vorgestern!--Onkel ist hie« bei der Pferdebahn

--und du? Solch ein Glück!!"

Und im Rausche der Freude umfingen sie sich und küßteN sich und lachten, und nach jedeut Küß sagte Hngo:Seit Neu, jahr--seit Neujahr!!" , ,

Nun wanderten sie, noch immer schweigsam unb still trt ihrem Glück, vor nach dem Altmarkt und die Wilsdruffer Straße entlang. Hugo sah und hörte uickts von all bent Lärm und all ber residenzlichen Pracht. Die Tresdneriunen in ihrem ersten prunkenden Frühlingsstaate imponieRten ihm nicht; sein Mähq