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Trübner.
Wilhelm Trübner: PersonalieK und Prinzipien. Berlin, Bruno Cassierer.
Trübner, der heute als Künstler an erster Stelle mit den Großen in der Malerei genannt wird, hat hier eine Selbstbiographie mit der Schlichtheit und Sachlichkeit geschrieben, die als ein Muster gelten kann. Mit lapidarer Einfachheit schildert er seine Heimat, seine Studienzeit, die Jahre seiner reifenden Meisterschaft und die heimlichen Kämpfe und Enttäuschungen, die allen großen Meistern beschützen sind, bis sie sich durchgesetzt haben. Für jene Sorte von „Kunstfreunden und Kunstkennern", die Trübners Kunst nicht „mögen" und deren soll es — leider — ja noch allenthalben geben, sei ein Satz hergesetzt, der die Zu- sammenhänge klarstellt. Er heißt: „Gleich zu Anfang meiner Künstlerianfbahn waren mir die vier größten Könner des Jahrhunderts: Feuerbach, Canon, Leibt und Thoma zu Führern und Leitsternen geworden." Thoma hat im wesentlichen die Landschaftskunst Trübners beeinflußt, Leibl seine Figuralmalerei. Wenn nun Trübner nicht ein blinder Nachahmer und Ausdeuter seiner großen Führer wurde, sondern sich zu eigener und selbstwüchsiger Meisterschaft entwickelte, so bedeutet das nicht etwa einen Abfall von den Vorbildern, wie das jüngst in einer großen Biographie Trübners gesagt wurde, sondern eine Weiterbildung jener großen Eindrücke zur eigenen Ausdrucksweise, die Erringung seines eigenen Stiles.
Was aber diese „Personalien" ganz besonders wertvoll macht, ist, daß sie uns den Menschen und den Künstler Trübner in einer großen Harmonie zeigen, und daß das Menschliche sein Künstlerisches erhellt, bekräftigt und erweitert. Insofern ist dieser Teil der gesammelten Schriften Trübners geradezu ein klassisches Dokument für die Kunst, ihre Geschichtsschreibung und die Zeitverhältnisse.
Die übrigen Schriften Trübners könnten, trotzdem einige schon ,or mehreren Jahren verfaßt sind und nun leicht überarbeitet wieder erscheinen, heute geschrieben sein. Ihr Inhalt ist heute noch gültig und treffend. In der „Verwirrung der KUnstbcgrisfe" und den: „Kunstverständnis von heute" wird mit starker Beweiskraft gezeigt, daß in künstlerischen Dingen dem Künstler und Kunstkenner/ und nicht dem Laien, zeige er sich auch noch so sehr als Kunstfreund, das Wort gehöre, wie dies in allen großen Kunstzeiten der Fall gewesen ist. In diesem Kampf um den Platz an der Sonne geht Trübner mit scharfer Waffe gegen die populäre Jnhaltskunst vor und vertritt das Reinkünstlerische. Unter scharfer Herausarbeitung dieses Begriffes — es ist geradezu prachtvoll, diese Partien in ihrer glänzenden Beweisführung nach- zrilesen — wird dann auch die blöde Sucht gegeißelt, im Kultus der Auslandskunst das Heil zu erblicken.
Trübners Kunst ist eminent deutsch. Sie hat einzig die Tendenz „nach Herstellung guter Malerei ohne Rücksicht auf mteressante oder schöne Persönlichkeiten" und Gegenstände. Sie ist neben ihrer rein künstlerischen — im Gegensatz zur akademischen — Haltung sachlich. Sie erhebt sich über die bloße Wirklichkeitsdarstellung zum Kunstwerk.
Von einer weiteren ^schriftlichen Aeußerung Trübners soll hier noch wegen ihrer Aktualität geredet werden. Es ist seine Schrift über „Das Heidelberger Schloß". Mit der Notwendigkeit, mit der heute immer wieder die künstlichen Surrogate anstelle der künstlerischen Leistungen treten, wird das Verhängnis seinen Laus nehmen. Wer hervorgehoben sei doch, daß es zu aller Zeit und auch tn dieser verzwickten Sache Männer gegeben hat, me sich ft et von Angst und ohne Furcht auf die Seite der guten Sache stellten.
Wer die „Personalien und Prinzipien" liest — möchten sie jcmt viele und gründliche Leser finden! — wird erkennen müssen, daß ein freier, im höchsten Sinne künstlerisch denkender Mensch aus tiefen und langen Erfahrungen heraus, am Werk war und vom Besten gab zur rechten Zeit. Dr. B.
Vermischtes.
_ fs Das Z/itungsschiff. Um Irrtümern vorzuoeugen: Es handelt sich nicht um ein Schiff, das Zeitungen befördert, sondern um ein Fahrzeug, das aus Zeitungsmakulatur zusammen- geklebt ist, und mit dem ein alter Seebär, der Kapitän Georg W. Johnson die Meere befährt. Das seltsame Schiff, auf bem er vor einigen Tagen in den Hafen von Newyork einzog, besteht aus einem leichten Solzgestell und aus alten Zeitungen, die kunstvoll aufeinander geleimt sind. Johnson war am 6. Mai von
Augiistine in Florida abgefahren und am 1. Juni, nachdem er -oO «eemeilen zurückgelegt hatte, in Savannah (Georgia) ein- getrosfen. Hier mußte er, weil er Sumpfwasser getrunken hatte uno mwlgedessen erkrankt war, eine Woche lang das Bett hüten, ^eme rTreunde rieten ihm dann, die geplante Fahrt von Savannah "E./rorsolk in Virginia aufzugeben, weil er mit seinem papiernen Aehiff das gefährliche Kap Hatteras hätte umschiffen müssen. Dem guten Rat gehorchend, packte er sein Papierschiff — eine vergrößerte und etwas vervollkommnete Nachbildung der von den Straßenjungen gebauten Papierschiffe — auf einen Dampfer, der
rhp »ach Norfolk brachte. Hier aber vertraute er sich von neuem seinem originellen Zeitungsschifflein an, um nach dem 520 See- metlcn entfernten Newyork zu gondeln. Einem Redakteur des „Newyork Herald" erzählte er, wie er sein sonderbares Fahrzeug gebaut hat. Er schrieb zuerst an Newyork Herald", um seine ^zdee zu lancieren. Viele andere Blätter nahmen sie auf, und Johnsons „Schiffswerft" war in kurzer Zeit mit tausenden von Zeitungen aller Art angefullt. Nun baute er aus Holz das Gerippe eines 6V? Meter langen Schiffes und begann die äußere Armatur mit Zeitungsblattern zu bekleben, indem er Blatt auf Blatt leimte. Um das Schiff wasserdicht zu machen, brauchte er SEe Schichten von Zeitungen. Der Schiffsrumpf weist 39 olcher Schichten auf, das Deck nur 19. Im ganzen hat Johnson 3000 Zeitungen verwendet und zwar Zeitungen aller Partei- richtungen, um dem Schiff seine Unabhängigkeit zu wahren.
Dürfen Frauen Hosen tragen? In Amerika ist die moderne Frauenbewegung bei einem Standpunkt angelangt, von dem es zur Ausartung ins Extreme nicht mehr weit ist. Die amerikanischen Frauen wollen nämlich eine gesetzliche Erlaubnis erwirken, daß ihnen öffentlich das Tragen von Hosen gestattet werde, wenn sie Beschäftigungen verrichten, die bisher dem männlichen Geschlechte zum größten Teile überlassen waren. Unlängst wurde eine Frau verhaftet, die sich neun Jahre hindurch in Mannerkleidung unbehelligt bewegt hatte, die aber auch von den Unbefangensten immer für einen Mann gehalten wurde. Von gewissen Leuten wird ttün behauptet, daß das Tragen der Männcr- kleidung kein derartiges Verbrechen sei, das mit Freiheitsberaubung ^straft werden dürfte, und in der Frage, ob Frauen unbehelligt Mannerkleidung tragen dürfen, bietet sich jetzt ein nationales Wblem,. das _ eigentümlicherweise bei dem Konvent der Repu- bspE/ tn Chicago und beim Konvent der Demokraten in Denver gänzlich unbeachtet gelassen wurde.
Für die Hausfrau.
Kreuz und quer durch den Haushalt. Naturkundliche Streifzüge für Lehrer, Hausfrauen und die reifere Jugend gemeinsaßlich dargestellt vou Schuldirektor Dr. Paul Wildseuer in Leipzig. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Das Büchlein könnte man eine Naturkunde des Haushalts nennen. Von allem, was einem täglich umgibt, vom Brot, Salz, Feuer und Feuerzeug, vom Ofen, Kochgeschirr und allem andern Hausrat lernt man die Geschichte ihrer Herkunft, ihre Anwendung und ihre Bedeutung kennen. Der Verfasser versteht zudem interessant zu plaudern und selbst den alltäglichsten Dingen fesselnde Seiten abzugewinnen. Ohne daß je ein lebhafter Ton störend bervortritt, erwirbt man spielend eine Menge wichtiger uno nützlicher Kenntnisse.
Gedanken Balzaes.
Frauen haben in allen Lagen des Lebens mehr Ursache zu Schmerz und Kummer als Männer. Sie erleiden und ertragen mehr als diese. Ter Mann hat seine Kraft und seine Fähigkeit der Betätigung. Er beschäftigt sich, er denkt, er handelt, er eilt sich, er blickt voraus in die Zukunst, und all dies wird ihm zum Tröste. Die Frau aber bleibt zurück. Sie lebt gewissermaßen Aug in Auge mit ihrem Kummer, von dem sie nichts abzuwenden vermag. Sie steigt hinab bis in die Tiefen des Abgrunds, der sich ihr eröffnet oder den sie selbst aufgerissen hat, sie mißt seine Tiefe, sie sucht ihn zu umfassen und füllt ihn gleichsam mit ihren Wünschen, Gebeten und Tränen an?.
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Es gibt Frauen, die, wenn sie glücklich wären, entzückend sein tnüßten. Das Glück ist die Poesie der Frauen, so wie die Toilette ihre Schminke ist. Es fehlt ihnen oft nur das, was die Frau zum zweitenmal erschafft, der Putz und die Zärtlichkeiten.
Dreisilbige Charade.
Ob auch die Jugendzeit entschwunden, Die Kinderspiele lang vorbei — Aus alten Liedern, duftumflossen, Sind dir bekannt die ersten Zwei. Wohin das Auge schweift ins Weite, Schaust du die dritte überall, Nur auf des Weltmeers blauen Wogen Ist solches selten nur der Fall.
In deutschen Gauen liegt das Ganze — Das Finden wird dir wohl nicht schwer — Von seinen Bergen, Burgen, Sagen Verkündet dir manch' alte Mär'. T. L.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:
Preis — Reis — E i s.
Redaktion: P. Wil «ko. - Rotationsdruck und Verlag bei BiLh l'schrv Universitäts-Buch- und Steindrnckerei R. Lange. Gieße".


