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ffie'n in dem Weiften gestärkten Kleidchen, in dem kleinem billigen Strohhütchen dünkte ihm tausendmal schöner.

So ist sie, die erste, die jugendliche Liebe. Sie erfüllt den Menschen mit ihrer ganzen Heiligkeit nnd macht ihn zufrieden und gut.

Hugo ging mit Magda, bU1 sie auf der Ämmonstrafte in ein großes, dunkles Haus einbogen. Als ob das so sein müsste, trat der junge Guttermänn mit Magda in das Stübchen der Tante, nnd als ob das so sein müßte, hieß ihn die Tante fast feierlich willkommen.

Das ist Hngo Guttermänn!" sagte Magda.

Da zag die Tante schon ihre Hand zurück. Ihre Augen wurden groft nnd starr. In der Frau stürzte etwas zusammen: Das Bild tron einem! Millionärssohn. Der hatte also auch zwei Hände; und die waren härt und sahen aus nach Arbeit, --nnd der hatte auch zwei Augen und die blickten so gut

und glückstrahlend.

Tante Merlin schüttelte den Kopf, so hatte sie sich einen Millionärssohn nicht vorgestellt, sondern wie einen Prinzen und in prächtiger Kleidung und von vielen Dienern umgeben.

Magda ward jetzt erst lebendig, ihr Temperament brach durch.

Unter Lachen nnd Necken schaffte sie in Küche und Stube. Das ging alles so flink von der Hand, und doch blieb noch Zeit für einen verstohlenen Kuft für Hngo. Hugo mußte mit zu Mittag essen und blieb auch noch am Nachmittag.

Ani Abend, da schon die Dämmerung sich senkte, verlieft er endlich Merlins. Magda begleitete ihn. Sie gingen durch das Ostragehege. Bei Uebigan ließen sie sich übersetzen und nun erst kam es den jungen Menschenkindern zum Bewußtsein, daß ja Magda wieder heim müsse. Sie lachten herzlich, in ihrer Verliebtheit die Gegenwart ganz vergessen zu haben.

Nun müßten sie wieder zurück zur Elbe wandern, die Fähre brachte sie wieder über den Fluft und das Ostragehege sah ginn' zweitenmal das glückliche Pärchen.

Nach einer Stunde standen sie wieder auf der Ämmonstrafte und erst mir Mitternacht lag Hugo in seiner Kammer nnd träumte von blitzenden Augen und blinkenden Zähnen, von weichen Händchen und lockenden Lippen. Zur gleichen Stunde erwachte in Dresden auf ber_ Ämmonstrafte Tante Merlin. Sie rüttelte ihren Mann, den Pferdebahnkutscher, wach:

Du Merlin, wie groß ist eine Million?" Wenn ich eine hab, kannst sie dir mal anschaun!"

6. Kapitel.

. Pfingsten war Otto Guttermänn, des Dorfkönigs Nettester flrei Tage tm Herrenhaus der Talmühle auf Urlaub gewesen.' Doch dar? war nun auch schon wieder vier Wochen her.

Baumeister Hennig steckte tüchtig in der Arbeit.

Schandfleck im grünen Bergesyang war immer größer ä?b'd^en, und mit ihm wuchs buch die Holzschleiferei an der Talmuhte. Ter notige Quaderbau, fast burgähnlich aufgeführt, schien die Muhle erdrücken zu wollen. Sie klebte an dem Bau- Werl wie ein Schwalbennest am Hause. Aber dem Dorfkönig ge- vx m ,ev iD11r zufrieden mit Hennig, wenn ihm auch dessen freniid- liche Behandlung der Arbeiter mißfiel.

Guttermänn hatte das Gefühl, als hätte der Baumeister ihm besonderes Gluck ins Haus gebracht. - Der Alte war ein Menscken- kenuer nnd feiner Beobachter.

Seines zweiten Sohnes kampflose Einwilligung, Landwirt zu werden, Ebenes plötzliche Bereitwilligkeit, Mamsell zu spielen, zuletzt die billige Pension Erikas, all das, so suhlte er mit Recht, war Hennigs Beeinflussung zu verdanken.

r 1 ?Ee schon die zweite Hälfte begonnen, nnd die Hundstage bracytcn schwere Wetterwolken mit furchtbaren Gebirqs- gewittern über das stille Waldtal.

Es war der Juli 1870.

_ L» be» versteckten Winkeln des politischen Himmels hatte

" W o^öraut und leise gegrollt, und Herzog Gramonts lvanzo, ischen Kammer am 6. Juli war das Wetter-- Echten, dem bmb genug das furchtbare Gewitter folgen sollte

A? ^?vt.so groß, sein Schreck!

. E deutschen Lande, Europa, die Welt sie hielten den Atem an in diesen Tagen. '

«oeber Deutsche fühlte: Man will uns demütigen.

k - Avrgänge bestärkten dies Gefühl, und der Drei- männerbund in Berlin: Bismarck, Roon und Moltke wußte, was hcks Volk aynte: Ein volkermordender Krieg ist unvermeidlich. JsN das Waldtal drang wenig von diesen Kriegsgerüchtelk Jsraeu"? '.-id) beschäftigt, als daß ihn

pas Treiben der Welt interessiert hätte.

Mühlwinkel war ihre Welt .Giitterniänn ihr König.

Sie kaicken nicht heraus.

Und als am Morgen des 16. Juli der Kutscher Merlin aus dem Städtchen das Extrablatt mitbrachte: Krieg mobil' da hielt man das Ganze für einen schlechten Witz.

Der alte Elan saß iM Mühlhof auf einem Wurzelstock, das Extrablatt in der Hand. Immer wieder las er die wenigen Worte nnd nickte dabei vor sich hin.Wieder ein Krieg und wieder ein Napoleon und kein Blücher!"--- Was wußte der

Greis von einem Moltke und einem Roon?!

Scit Jahrzehnten war er nicht aus seinem Waldwinkel ge­kommen, seit zehn Jahren hatte er kein Zeituugsblatt gesehen.

In seinen Zügen malte sich Hoffnungslosigkeit, das Wort Krieg ohne Blücher schnitt ihm ins Herz.--

Im Herrenhaus, unten im großen Zimmer, saft Guttermänn und neben ihm seine Frau.

Sie blickten stumm zu Boden.

Es kann nicht sein! Schon längst gehen die Gerüchte, bald stärker, bald schwächer auftretend und allemäl blinder Alarm!" sagte der Alte.

Und wenn cs doch so wäre?"

"2? dann ..." Er zog die Schultern hoch.

Muß Otto mit?"

Wieder ein Achselzucken.Du weißt, ich habe nichts übrig für die Gelüste der Großen, aber Otto rettet hier nichts!"

Die Mutter knickte plötzlich in sich zusammen, und trockenes Schluchzen erschütterte sie.Mein Junge, mein großer Junge' Guttermänn kauf ihn los--; biete dem Staate

eine Million!"

Weib! Glaubst du, mir fällt das Geld im Schlafe einen Pfennig!" schrie er hart und brutal, nnd die Geldfalten zu beiden Seiten der Nase wurden zum scharfen Schnitt.

Das Naive des Vorschlages fiel ihm nicht auf, nur die Zu­mutung, Geld zu opfern, empörte ihn.

. Draußen fuhr ein Wägelchen vor. Neben dem Kutscher saß ein Postbote.

Der überreichte dem Dorfkönig zweierlei: Eine Depesche und ein großes, weißes Blatt.

Guttermänn las zunächst das Telegramm.

Letzten Abschiedsgruß seinen Lieben

Otto Gutteruiann!" 1

Wortlos überreichte er das Papier seiner Fran, und wortlos ichriit er mit dem großen, weißen Blatt auf den Hof.

In einem mit Drahtgitter versehenen Kasten, der am Hause hing, befestigte er in seiner Eigenschaft als Gemeindevorstand den großen Bogen.

Nun war es Wahrheit geworden. Ein jeder konnte es lesen; in großen schwarzen Lettern dand es geschrieben: Mobilmachung!

und darunter die ersten Mobilmachungstage genau nach dem Datum angegeben.

Unheimliche Stille lag am Nachmittag über dem Waldtale.

AM Mittag waren sie fortgegmtgcii, die Sieben, die aus dem Dorfe wehrpflichtig waren.

. Pis 3'U dem steinernen Brückenkopf durften die Angehörigen nntgehen, dort wurde der letzte Händedruck, der letzte Kuß ge- tauscht, dann aber fuhr Guttermänn dazwischen mit rohem regelten und trieb die Zurückgebliebenen zur Arbeit.

Das war sein Abschiedsgruß für die jungen Kämpfer!

(Fortsetzung folgt.)

Amd md Arbeit.

Von L. Nadolla.

Wer kennt nicht die Plage der Mütter mit dennii- ruhigettt Kleinen! Bald hier, bald dort, immer da, wo sie am meistenim Wege" sind. Es ist zum Entsetzen. Geh da fort!"Laß das feinl" ertönt in einem fort die Mahnung dergeplagten" Mutter. Schließlich wird sie nervös, ärgerlich, dann gibt es eine Katastrophe. Ge­schrei! Klage beim '.Vater;Der Junge ist doch zu un­gezogen."

N.it nichten, verehrte Mutter! Der Junge be- r e ch t i g t zu den a l l e r b e st en Hofs n u n g e n. Er zeigt eine unbezwingbare.Wägung, sich zu betätigen. Die kannst du ihm selbst mit dem Stock nicht ausprügeln. Und das ist ein Glück. Seine Kräfte regen sich; sie verlangen Anwendung, sie schreien nach Uebung. Nach welcher, ob vernünftig oder unvernünftig, ob dir angenehm oder zum ob nützend oder zerstörend, das kann freilich der Zunsjahrige .nicht beurteilen; das ist ihm sehr gleichgültig.