Ausgabe 
3.6.1908
 
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und von 1100 durchgedrillt, und doch gehts nicht trotz d'er Rechenmaschine, trotz der Striche, Punkte, Kreuze, Stäbchen, und wie all die anderen Veranschaulichungsmittelchen heißen. Den meisten Kindern ist das Rechnen geradezu eine Tortur, wie sie im Mittelalter nicht schlimmer die sog. Daumenschrauben und Mundbirnen bei ihren Opfern hervorbringett konnten. Einsichtige Lehrer quälen ihre Schüler erst damit garnicht ab, um ihnen nicht allen Lebens­mut zu rauben, lassen sie sitzen und erfahren später die Freude, wie der Verstand wirklich erst mit den Jahren kommt und wie aus manchem Saulus ein Paulus ge­worden ist.

Müssen unsere Schüler nun diese Qualen schon in den ersten Jahren so voll und ganz durchkosten? Muß es zu einem Minimum in der Lebensfreude schon so früh kommen? Gibts keinen Weg aus diesem Labyrinth? Sehen wir uns doch einmal andere Verhältnisse an und stellen Betrach­tungen daran an. Wir werden dann wohl auch auf den richtigen Weg für unsere Arbeit kommen.

Im Heerwesen hat man ein Versuchsbataillon und eine Versuchsschießschule, wo alle Erfindungen und Erneue­rungen für den Krieg auf ihre Brauchbarkeit sorgfältig geprüft und beim Bestehen der Probe ungesäumt im Heere eingeführt werden. Zur Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten und sonstigen Seuchen sind Bersuchslabora- torien eingerichtet. Um die B e d i n g u n g e n d e s P f l a n - zen- und Tierlebens genau kennen zu lernen, und dadurch der Landwirtschaft zu nützen und sie zu noch größerer Rentabilität zu bringen, sind Versuchswirt­schaften geschaffen worden. Jährlich werden große Prämien ausgesetzt für die Aufzucht guter Pferde, seiner Rinder und fetter Schweine. Aber unser Menschenerziehungswesen kennt keine Versuchsschulen und keine Prämien für besondere Leistungen auf dem Gebiete der Schule. Da ist jegliche persönliche Freiheit ausgeschlossen. Das ganze Erziehungs­wesen ist Staatsmonopol. Man sagt: die Kinder dürfen nicht zu Versuchsobjekten verwendet werden, sondern müssen von Anfang an zielbewußt fürs Leben und für die Ewigkeit vorbereitet werden. Das ist schön und gut. Wir haben dagegen nichts einzuwenden und sind mit der Zielangabe vollständig einverstanden. Auch wir haben dasselbe Ziel im Auge. Doch ist der Anfangsweg, den tvir einschlagen wollen, ein anderer, ein besserer, weil er allein gegründet sein soll auf die natürliche Entwickelung der geistigen Kräfte unserer Kinder und auf dem Grunde deutschen Volkstums. Die Verdächtigungen, wir wollten die Kinder zu Versuchs­objekten machen, weisen wir zurück, und halten unseren Gegnern den Balken entgegen, der auf ihrem Erziehungs- wege liegt, der sie hindert, das gesteckte hohe Ziel zu erreichen. Wir wollen unseren Kindern nicht alles und alles Können und Wissen der Großen, dazu unter unnatür­lichen Zwangsmitteln, bieten. Wir wollen nicht den Himmel stürmen mit dem toten Maulbraucher der Katechismus- und anderer religiösen Stücke, sondern sie leiten, daß sie sich selbst für den Himmel entscheiden ohne das gesetzmäßige: Du sollst. Wir wollen den Kindern das Schulleben nicht verbittern mit Schreiben, Lesen, Rechnen, Stubenhocken, sondern ihre Lebensfreude und Arbeitstrieb erhöhen, ihre Gesundheit kräftigen und fürs Leben stählen. Wir wollen sie die fürs Leben notwendigen Fertigkeiten in einem späte­ren Lebensalter, da sie geistig reifer geworden sind, lehren, wo sie diese mit Freuden und in einer viel schnelleren Zeit als jetzt bewältigen werden, dazu ohne Einbuße an geistiger und körperlicher Gesundheit. Dann werden unsere Kinder auch die Wissenschaften, welche unsere Schule ihnen gibt, mit Lust und Fleiß treiben, um sich zum Kampf für dresev Leben allseitig zu rüsten. Nur so wird die Erziehungs­arbeit Segen schaffen bei den Kindern, für die Eltern, für unser großes schönes Vaterland.

Schluß folgt.

Vermischtes-

0. K. Der Marsch durch das Feuer. Eine seit, same und aufregende religiöse Zeremonie wurde kürzlich in der Nähe von Madras von fanatischen Brahmanen, die zur Sekte der Soivrastas gehörten, unter den Augen von Tausen­den von Hindus und einiger englischer Beamter ausgeführt. Es war ein religiöses Fest, dasder Marsch durch das Feuer" genannt wird und das Brahma und Wischnu, den Göttern des Wassers und des Feuers, gewidmet ist. Ain Tage vor der Zerernonie hoben 40 Soivrastas, die sich seit einem Monat durch strenges Fasten und ständige Gebete auf diese Prüfung vorbereitet hatten, einen 7 Meter langen und 6 Nieter tiefen Graben aiis. Die Grube wurde mit Stein­kohle gefüllt und beim Sonnenaufgang des festlichen Tages angezündet. Während nun die Glut sich immer mehr ent­fachte, veranstalteten die 40 Fanatiker eine lange Prozession, bei der sie merkwürdige Götterbilder trugen. Zu Mittag stand der Herd in voller Glut, so daß die Eisengitter, die ihn umgaben, daniit nicht andere Fanatiker sich in den Ofen stürzen könnten, weißglühend geworden waren. Da sahen die Zuschauer, im Innersten erregt, langsamen Schrittes die 40 Soi­vrastas herannahcn. Mit langen Tuniken von Ockerfarbe bekleidet schritten sie fest und sicher über die glühende Grube hin, einen religiösen Hymnus singend, dessen Refrain(So- vinda I Govinda!" unaufhörlich über ihre Lippen kam. Drei­mal schritten sie hinüber, ohne daß sic sichtbare Brand­wunden davon trugen, dann ordneten sie sich in einem Kreise um einen ungeheuren Papierdrachcn, der ein Götterbild zu dem blauen Himmel emportrug. Nach dem Glauben der Hindus sind die 40 Soivrastas fortan für ihre ganze Existenz geheiligt. In dem uns vorliegenden Bericht wird ausdrück­lich hervorgehoben, daß die englischen Behörden Augenzeugen dieser merkivürdigen Zeremonie waren.

Frnhlirrgsgritß.

Motto: lieber dein Leben, kunuuerschwer, Fliegt doch hcinckich ein Leuchten her. ..

Der Frühling kommt durch's weite Land gegangen, Und wo er wandert, sproßt und grünt die Welt Er ruft die Veilchen wach im moos'gcn Grunde, Die Blumenkinder all' in Wald und Feld, Die Birken schmückt er zart mit grünem Schleier, Den Buchenwald mit lichtem Blätterkleid Nun träumt die Welt in holder Jugendschöne Entgegen goldner Maienblütezeit.

Der Frühling kommt durch's weite Land gegangen, Und wo er wandert, leuchtet Sonnenschein, Erklingen jauchzend frohe Jubellieder Wie Trostesworte dir in's Herz hinein. Nach Wintersnacht ein goldner Frühlingsmorgenl Hell klingt's und singt's hinein in Leid und Gram Ein schimmernd Leuchten schinückt das ärmste Leben Und Hoffnungssterne strahlen wundersam ...

Clara Schobcß.

BuchstaScu-Taufch-Rätfel.

Folgendes stellt ein eiustrophiges Gedicht mit Ueberschrist und Verfasser dar; nur ist für jeden richtige» Buchstaben der zweite darausfolgende gesetzt. (Giltig sind die 26 deutschen Buchstaben; z. B. statt a = b, statt b e, statt e ?, u. s. w., wenn der dritte im Alphabet folgende Buchstabe gemeint ist.)

inj z f x h m z q i (kwnjiwnhm miggiq) xnj nxy snhmy, isxe xnj jbnl qjgj, xnj xtqq szw jnsjs yti jwbjwgjs, ijw xnj rny lqtwnj zrljgj, lwzr rzxe xnj ss ijw qnjgj xyjwgis!

hb.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Kranich.

Redaktion: V. Wittko. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieren.