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Jeit und Hingabe zu beobachten, alle schlechten Keime zu er­sticken und allen guten Trieben zu freier Entfaltung zu verhelfen?

Den Blick gesenkt, hörte Isabella ihn an. Dann plötzlich, mit dem süßen Lächeln, dein so schwer zu widerstehen war, nahm sie Bollrats Hand, küßte sie und sagte:

Später, Liebster, später, wenn ich erst eine Weile deine Frau bin, will ich dir in all deinem idealen Streben eine brave und fleißige Gehülfin sein. Vorläufig aber mußt du noch eine Weile Geduld mit mir haben. Ich bin eine viel zu glückliche Braut, um mich für etwas anderes interessieren zu können als für meinen Bräutigam. Vorläufig gibts kein reizvolleres Studium für mich als das Mienenspiel deines lieben Gesichts und der Glanz deiner Hellen Augen." Zärtlich schmiegte sie sich an ihn und bat mit Blick und Stimme:Küsse mich doch, du; ich vergehe ja vor .Sehnsucht nach deinen Küssen."

Wieder und wieder kamen Stunden, in denen er, ihrer Nähe entrückt, sich mit ruhig überlegendem Verstände sagte:Es ist zwecklos. Sie kann sich nicht lösen von ihrer Natur. Sieh zu, daß du _ ein Ende machst, um ihret- und um deinetwillen, je eher je besser!" Sobald er sie jedoch meist noch an demselben, gewiß aber am nächsten Tage wiedersah, stand die Hoffnung von neuem in seiner Seele auf, alle quälenden Gedanken und Zweifel überstrahlend. Isabellabewies" ihm dann, wie sie sich in tausend Dingenzur Sparsamkeit erzog", sie blieb daheim, während der Kommerzienrat zu geselligen Vergnügungen in die Nachbarschaft fuhr, sie ließ sich, ein Unwohlsein vorschützend, mit­unter selbst vor den Gästen im eigenen Hause nicht blicken, und sic nähte nnd stickte an ihren Kleidern mit dem emsigen Fleiß eines mäßig bemittelten Bürgertöchterleins. In ihrem Wesen gegen Heinz mischte sich oft die nach Anerkennung dürstende Schmiegsamkeit eines Kindes mit der Ergebenheit einer Magd. Wo sich nur eine Gelegenheit dazu bot, erhaschte sie seine Hand und küßte sie. Heinz erinnerte sich dann wohl der hochmütigen Miene, die sie ihm beim ersten Zusammentreffen gezeigt hatte, und er dachte auch daran, wie sie allen anderen, noch so ver­nehmen Herren ihrer Bekanntschaft immer mit Herablassung und Unnahbarkeit begegnete. Und er hoffte: Hat die Liebe es ver­mocht, ihren, Stolz so ganz in Demut zu verwandeln (eine Demut, die ihn oft bitter beschämte), warum sollte sie dann nicht fähig sein, noch weitere Wunder an ihrer Seele zu voll­bringen? Die Rätsel, die ihm ihr Charakter wieder und wieder zu lösen gab, bestrickten ihn immer von neuem, bestrickten ihn fast noch tiefer als ihre Schönheit, die nicht aufhörte, die Wir­kung eines berauschenden Zaubertranres auf ihn auszuüben. Und in mancher bangen Stunde, in der Seligkeit und Verzweiflung in seiner Brust stritten, gestand er sich:Es ist unmöglich. Du kannst dich nie wieder von ihr losreißen. Du bist ihr ver­fallen. Sie muß dein werden, und ginge es gleich um Tod und Leben!"

Ost, mitten aus demütigem Haschen nach Anerkennung und zärtlichem Liebeswerben heraus, quälte ihn Isabella mit ihrer Eifersucht auf Martha Bartikow, einer Eifersucht, die alle Zeit in ihr wach zu fein, ihr nie ganz Ruhe zu lassen schien.Hast du deine Jugendfreundin heut schon gesehen?"Was macht deine Jugendfreundin?" fragte sie ihn fast bei jedem Alleinsein mit einem spöttischen Anklang in der Stimme. Doch nicht immer verbarg sic die Glut, die sie verzehrte, unter dem Schleier über­legener Ironie; oft, wie in jener Stunde, in der sie an seinem Krankenbett gestanden, loderte die Flamme ihrer Eifersucht wieder Hell empor.Sage mir", rang es sich dann wohl von ihren Lippen, während sie seine Hand mit festem Druck umspannte, sage mir, hast du deine Jugendfreundin vor Jahren . . . als du Student warst vielleicht nicht einmal geküßt? Nicht ein einziges Mal? Ich will es wissen. Ich bitte dich, gestehe es mir. Schwöre mir, daß du sie nie geküßt hast!" Oder:Du hast mir damals, als du krank warst, gesagt, du hättest das Mädchen gern wie eine Schwester. Ist es auch so? Liebst du sie auch nicht? Aber ich will auch nicht, daß du sie gern Hast wie eine Schwester. Ich will es nicht, hörst du? In deinem Herzen soll für kein Weib Platz sein außer für mich allein!"

Auch für meine Mutter nicht? "fragte Heinz, indem er sein Erschrecken über ihren rücksichtslosen, leidenschaftlichen Egoismus hinter einem Lächeln zu verbergen suchte.

Isabella zog die Brauen zusainmen; in der Tiefe ihrer Augen wär ein dunkles Glühen.

Wenn ich Macht über dich hätte, unendliche, wenn ich dein Empfinden lenken könnte nach meinen Wünschen, so dürftest du auch deine Mutter nicht lieb haben. Niemand dürftest du lieb haben, nur mich."

Gar zu gern hätte Heinz für seine Abendschule, für die ihm an weiblichen Gehülfinnen neben Isabella nur das heiratslustige

Fräulein Reichardt und zwei nicht allzu finge Töchter eines benachbarten Gutsbesitzers zur Verfügung standen, Martha Bar­tikow gcwoniieu; aber Isabella widersetzte sich seinem Wunsche mit all ihrer eigensinnigen Entschiedenheit.

Ich will nicht mit deiner Jugendfreundin in Konkurrenz treten , trotzte sie.Du und andere haben mir zu oft gesagt, daß sie mit Kindern umzugehen weiß, wie keine zweite, daß sie überhaupt ein Ausbund aller Tugenden und Fähigkeiten ist Ich mag mich nicht von ihr in den Schatten stellen lassen, und du sollst nicht fortwähvend Gelegenheit haben, sie und mich zu ver­gleichen."

Und Heinz fügte sich. Isabellas Macht über ihn war schon zu groß. Er liebte ihr Lächeln zu sehr, sah sie zu gern heiter und glücklich, als daß er sie, wo es sich irgend vermeiden ließ, hätte erzürnen und betrüben können. Aber er schämte sich seiner Schwäche. War es eines Mannes würdig, ein Weib solche Macht über seinen Willen gewinnen zu lassen, daß er das Wohl der guten Sache ihrem Froh- und Glücklichsein hintansetzte? Wohin wollte seine Leidenschaft ihn noch führen? . . .

Zn Martha Bartikow, gegen die er immer ein Gefühl der Beklemmung, fast des Schuldbewußtseins, auf dem Herzen trug, sagte er einmal:

Ich hätte auch dich gern gebeten, an meiner Abendschule tätig zu sein, wenn du nicht so sehr mit Arbeit überladen wärest, daß du ohnehin tom keine freie Stunde mehr hast."

Ich hätte dir die Bitte auch abschlagen müssen", versetzte Martha ganz kurz angebunden und mit so kalter Gleichgültigkeit, daß es ihm wehe tat.

Was Isabella aber hatte verhüten ivollen: daß Heinz zwischen ihr und Martha Bartikow Vergleiche anstellte, das trat dennoch ein, wenn auch nicht auf dem engbegrenzten Gebiete der Wirk­lichkeit, so doch auf dem unbegrenzten der Phantasie, das für Ver­gleiche oft sehr viel gefährlicher und verhängnisvoller ist. Von Stunde zu Stunde befriedigte ihn Isabellas Art, mit den Kindern umzugehen, weniger unb weniger; er merkte ihr au, daß ihr die Abendschule langweiliger wurde von Tag zu Tag, und das; sie sich mit keinem Schritt mehr darum bemüht hätte, hätte sie nicht Furcht gehabt, durch eine Absage ein gut Teil seiner Achtung und Wertschätzung zu verlieren. Und da ihm auch die Tätigkeit der drei anderen Damen wenig Freude bereitete Fräulein Reichardt war zwar mit großer Routine, aber mit wenig Liebe zur Sache tätig, und die beiden Gutsbesitzerstöchter schienen die Stunden lediglich als eine Artedlen Zeitvertreibes" zu be­trachten, so drängte sich ihm die Vorstellung: wie so viel schöner und besser würde das Werk gedeihen, wenn Martha Bartikow ihm ihre Kräfte liehe, geradezu auf. Und es war nur natürlich, daß seine Phantasie, von Enttäuschung und Schmerz bewegt, ihn Marthas Wirken in hellerem Licht sehen ließ, als es ihm wohl erschienen wäre, wenn er nicht auf ihre Hülfe hätte Verzicht leisten müssen.

(Fortsetzung folgt.)

Unsere schule.')

Nach einem Vortrag von Lehrer Brink in Kreuzofen.

Schon unser Altmeister Goethe läßt Faust über die Schule also klagen:

In diesen Mauern, diesen Hallen Will es mir keineswegs gefallen. Es ist ein gar beschränkter Raum, Man sieht nichts Grünes, keinen Bauin, Und in den Sälen, auf den Bänkeri Vergeht mir Hören, Seh'n und Denken.

Aehnliche Klagelante drängen sich auch heute noch Millionen deutscher Kinder auf die Lippen während ihrer Schulzeit und werben zu aufatmenden Gottlobrufen, wenn sich die Schultür zum letztenmale hinter ihnen geschlossen hat und sie nicht mehr bei der ewigen Bücherpaukerei zu sitzen brauchen. Ist nicht das Konferenz- uird Prüfungs- thema:Was hat der Lehrer zu tun, um seinen Kindern die Schule lieb zu machen?" die schwerste Anklage gegen unsere heutige Schule? Ich weise weiter hin auf die Not,

*) Der Aussatz, der uns von einem hochangesehenen Arzte au§ dem benachbarten Preußischen mit d-er Bitte um Nachdruck zuging, entstammt derLehrerztq. für Ost- und Westpreußen" und darf umso mehr Beachtung bei allen Ettern beanspruchen, als et von einem tüchtigen und vernünftigen Praktiker geschrieben