Msuiag den 5. Kedruar
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Kelmuih von Lsvlen.
Roma» von U r s u l a Zöge v o n M anteuffe (. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Großmama läßt Bitte»!" — sagte sie.
Man ging nun über den Vorsaal nach,demi großen, mit ast- modischer Gemütlichkeit eingerichteten Familienzimmer. Auf dem Gange, als Wilhelm einige Schritte voraus war, fragte Edeltraut den Gast leise:
„War ihm ganz wohl?" — .
Ter hätte gerne bejahend geantwortet, aber die Ehrlichkeit liest cs nicht zu. Ein klein wenig schüttelte er den Kopf, aber er lächelte dazu, wie um sie zu heruhigen. Sie sah zu Boden und ihm ivar als höre er einen leisen Seufzer.
Am runden, reichbefctzte» Kaffeetisch Wurde er vou „Gvoß- mamacheu" begrüßt, einer kleinen rundlichen Tarne in grauem Lustrekleide mit blendender Tüllhaube, alles in allem, appetitlich mrzuschauen, Wie aus dem Ei geschält. Das War Frau von Dahlen, die bei der Heirat ihrer Tochter mit ins Haus gezogen war. Neber Küche und Keller hinaus gingen ihre Lehensinteressen nicht, und ein vollkommen delikates Omelette erschien ihr immer der beste Tröster in aller Not. Wenn sie sich je in der Nachbarschaft zeigte, unterhielt sie die Hausfrauen über die besten Tvrten- rezepte. Welche sie alle auswendig kannte. Sie kam aber selten heraus, und die mit int Dorfe lebende Schullehrerswitwe, welche gegen Abend zu einem Plauderstündchen bei ihr vorzufprechen und die i TagesNeuigkeiten auszukramen pflegt«, befriedigte ihre geselligen Bedürfnisse vollkommen. Sie liebte ihre Enkelkinder und sorgte für deren leibliche Bedürfnisse auf das Sorgsamste, aber sic erschienen ihr Wie höher organisierte Wesen, deren Unterhaltung sie kopfschüttelnd mit anhörte. Tic trieben, „obwohl sie doch längst der Schule entwachsen Waren", Wie sie kläglich sagte, immer noch die Sachen, mit denen man als Kind geplagt Worden war, Literatur und Malerei und neuerdings sogar Astronomie!
Während der Gast dem trefflichen Kuchen, dem Kaffee und Rheinwein Wacker zusprach, erzählte er nun aus Bardes, wo, wie die Großmutter beifällig einschaltete, die beste Butter gemacht wurde. Er richtete die Grüße der Recknitzens aus und erzählte von Neffen und Nichten. Edeltraut fragte oft dazwischen, sie wollte wissen, Wie groß die Kinder jetzt wären, bie sie sehr lange nicht gesehen hatte, und ob Helmuth noch so hübsch sei. Er war entschiede» der hübscheste von den Kindern, sagte sie ganz unbefangen, zum erstenmal ruhte ihr Blick voll und forschend auf Loysens Gesicht — „er sah Ihnen sehr ähnlich, nur daß er dunkel war, nicht so blond."
Loysen Wurde fast verlegen. Was sollte er zu dieser freund- lichcn, ruhigen Feststellung seiner körperlichen Vorzüge sage»?. Ihm fiel gar kein Scherz ein, geschweige denn ei» Gegenkompli- ment. Es wäre ihm wie eine Beleidigung dieser vollkommenen Natürlichkeit erschienen.
Dann kam die Rede auf sein Regiment. Nun Wurde er ganz lebendig und er hatte aufmerksame Zuhörer, sogar die Großmutter,
deren Manu in diesein Regiment gestanden, konnte nicht genug erfahren, obwohl sie deshalb nicht versäumte, unermüdlich Kaffee, Zucker, Sahne und Kuchen anzubietcit. Wilhelm sah fröhlich aus und Edcltrauts Gesicht Würbe immer freundlicher, ihr Blick immer zutraulicher.
Mittendrin Ward die Türe geöffnet und der alte Diener Martens meldete:
„Ter Viehhändler ist draußen."
Wilhelm erhob sich. Das ging immer mühsam, aber er tat es mit Nichtachtung etwaiger Schmerzen. Edeltraut war anfge- fprungen.
„Bitte, last mich!" rief sie, „du wirft dir doch diese kostbare Stunde nicht verkürzen!"
„Nein, mein Liebchen, ich muß den Mann selber sprechens Entschuldige mich auf ein Kurzes, lieber Helmuth. Ich lasse Geschäftsleute ungern warten."
Damit ging er hinaus.
Loysen ivar auch aufgestanden und trat an das Fenster, um nach einer Wolke zu sehen, welche über den Wirtschaftsgebäude» ausstieg, als er sich umwandte, stand Edeltraut dicht vor ihm.
„Bitte!" flüsterte sie schnell, „jetzt ist er nicht da. Wie finden Sie ihn? — Aufrichtig!"
„Wilhelm? — Ich finde, er sicht vorzüglich aus und hat sich in diesen Jahren ganz erstaunlich erholt. Ich bin voll Freude darüber, denn ich hatte es gar nicht zu Hoffen gewagt, und niemand hatte es mir geschrieben. Es must ganz allmählich gekommen feilt."
lieber ihr Gesicht iglinig es wie Freudenglanz.
„Wirklich? Ist cs wirklich so? Ich weist das ja nicht, und bin immer so voll Sorge nm ihn und denke, daß es nie, nie besser wird!"
Fran von Dahlen hatte mit der Zuckerdose und dem Kuchenkorb geschäftig das Zimmer verlassen, und so sah sich Loysen plötzlich mit dem Mädchen allein, um das er zu werben gedachte. Ja, sie saßen sich auf den zwei, im tiefen Fenster gegenüberstehende» Mauerbäirkchett so nah, daß sich die Kniee fast berührten. Ihre blauen Augen — ganz Wilhelms Augen — sahen ihn erwartungsvoll an, groß, gradaus und zutraulich wie Kinderaugen. Jede Spur von errötender Verlegenheit war verschwunden.
„Gnädiges Fräulein müssen aber doch bemerken, daß cs viel besser um ihn steht. Früher ging er, wenn überhaupt, dann nur an Krücken."
„Ja, ja. das ist wahr. Tas war schon seit zwei Jahre» nicht mehr nötig. Aber Schmerzenszeiten kommen doch immer wieder."
„Aber nicht mehr von so langer Tauer Wie früher, nicht wahr?"
Sie sann nach.
„Nein," sagte sie dann, „cs ist so, sie sind, wenn ich zurück- denke, doch kürzer und kürzer geworden, nur daß man sich dessen, wenn cs da ist, nicht bewußt wird, da erscheint cs endlos, und der Mut sinkt sie sah ihn nachdenklich forschend an und schüttelte dann den Kopf — „wenn Sie nur wüßten, was auch nur eine Stunde Schmerzensfolter besagen will. Man meint.


