Ausgabe 
2.12.1908
 
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diese Loire-Armer. Wo man ihnen auch mit mit der halben Stärke zn Leibe geht, reißen sie ans; aber in wald­reichen Gegenden, wo sie unsere schnell gezählten schwachen Mihei'ungen mit vielfach überlegenen Plünk.erketlen nm- J pinnen können, schießen sie Einen schon auf 2000 Schritt wer den Haufen, rind so sind diese Gefechte immer sehr ver­lustreich für uns, ohne ein rechtes Resultat zu haben. Das eine Resultat haben sie freilich gehabt, daß die Franzosen den Versuch, den Aufmarsch unserer Armee zu stören, nicht durchgesetzt haben. Vom 1. Dezember ab begannen wir unsere Concentrationsbewegungen nach Arteuay zu, und heute sind wir schon seit mehr als einem Tage Herren von Orleans, und die Loire-Armee, die den Ersatz von Paris bewirken sollte, läuft jenseits der Loire, bis sie in eins der verschanzten Lager kommt, die man bei Bourges oder Tours vermuthet. Run, meine liebe gute Alte, hast Du einen recht ausführlichen Brief. Hebe nur diese Wische auf, ich knüpfe dann wohl später manche mündliche Mittheilung an den Faden. Wie sehne ich mich danach, diese Hoffnung endlich zn einer Wahrheit werden zu sehen. Seit ich dem Tode mehrfach so nahe gestanden, habe ich auch eine ganz besondere Sehnsucht nach dem Leben, d. h. nach Mr und meinen Kindern! Küsse sie tausendmal! und grüße alle Bekannten und Freunde!

* Friedrich Althoff zu Hause. Ein guter Be­kannter des Verstorbenen teilt der Straßburger Post mancherlei Interessantes aus Althoffs Privatleben"mit. Ein- mal hatte Althoff für seinen kleinen Neffen einen bunten, stacheligen Jndianerkopfschmuck gekauft; er war nun gerade dabei, dies Ding mit dem höchsten Vergnügen selbst aus­zuprobieren, als zwei junge Privatdozenten ihm ihren An­trittsbesuch machten. Althoff empfing sie todernst und fragte:Nun, meine Herren, wie finden Sie denn meinen neuen Kopfschmuck?" Die beiden wagten es nicht, die Sache von der humoristischen Seite zu nehmen, und murmelten allerlei in ihrer verzweifelten Hilflosigkeit. Aber ihre. Ver­legenheit stieg noch, als Althoff, der "während der ganzen Unterredung seinen kriegerischen Federputz ausbehielt, ihnen zum Schluü erklärte:, Ja, meine lieben Herren, Sie brauchen sich »ich zu wun ent, das trage ich jetzt imm r csts Z i 'en meiner Wurde und Herrschaft im Hause." Altho, f war immer ein großer Freund der Behaglichkeit und haßte allen förmlichen Zwang. Zwei Professoren, die einmal bei ihm ium Mittagessen eiugeladeu waren, erschienen ihm zu Ehren im feierlichen Frack. Nach der Suppe verschwand der Haus­herr und kehrte in einer weiten Joppe zurück, über dem Arm noch zwei andere Lodenröcke. , Ja, meine Herren, wir wollen es uns doch gemütlich machen", bemerkte er schmunzelnd, und nötigte sie, ihre Fracks abzulegen. Die beiden fühlten sich nicht so besonders wohl in ihren neuen, ungeheuer weiten Kleidungsstücken, die sie doppelt über der Brust zusammenschlagen konnten. Zufällig waren es zwei sehr magere Herren und Althoff war in seiner guten Zeit von ziemlichem Umfang. Nach Beendigung der Mahl­zeit verschenkte er wohl in großmütiger Weise vorher mitgebrachte Theaterbillette an seine Gäste, und während sich diese dankend verabschiedeten, zog er sich schmunzelnd ob seiner gelungenen List und mit seinem pfiffigsten Gesicht ins Arbeitszimmer zurück. Denn daraus ging doch stets fein ganzes Streben, Zeit und Ruhe für seine Arbeit zu gewinnen. So konnte er auch seine Familienmitglieder fteundlichst zu einem Ausflug auffordern, um an Ort und Stelle sofort und unwiderruflich in irgendein wissenschaft­liches Laboratorium, eine Bibliothek oder dergleichen zu verschwinden. Nach getaner Arbeit schlenderte er durch die Straßen, hielt bald hier, bald dort an und ließ sich in den verschiedensten Geschäften die Taschen mit Tüten und Tütchen anfüllen. Dabei baumelte seine Zigarre so nach­lässig aus einem Mundwinkel heraus, daß man ihr Fallen jeden Augenblick befürchten konnte. Sein ganzes Gesicht war tu ein behagliches Schmunzeln verzogen und aus seinen sprühenden, blitzblauen Augen zwinkerte er aller Welt halb filmisch, halb, kampflustig zu. Welcher Unbefangene hätte gedacht, , daß dieser Mann eineExzellenz" sei, machte es ihm doch selbst den größten Spaß, für einen Bierbrauer gehalten zu tverden. Zu Hause packte er all die verschie- !

denen PäckckM znm Entsetzen seiner Gattin aus. Da lagen frische Erdbeeren und Käse friedlich nebeneinander, ein Bis- marckheriug schlängelte sich um Honigwaben, und Bonbons verklebten das ganze. Auf einem Nähkissen in seinem Zimmer staken Stopfnadeln mit vielfarbigen Wollendchen. Diese bunten Fädchen benützte er, um den verschiedene« Reinlichkeitsgrad der Strümpfe zu bezeichnen, mit denen er zu wechseln pflegte. So fand man ihn oft über graus Socken gebückt, die er mühsam mit einer groben Nadel durchzog. Ferner veranstalteteSeine Exzellenz" jeden Samstag große Wäsche unter seinen Federhaltern Und Spazierstöcken, die er eigenhändig seifte und durch eilt Wasserbad zog.

* Der größte Deutsche des 20. Jahrhunderts. Nun, mein lieber Graf, warum so ernst?"Majestät, ich muß immer an die Möglichkeit denken, daß in den Jahren Vv» 1909 bis 2000 ein noch größerer Deutscher kommt!"Jugend".

* 3 m m e r b e r f e I b e. A. (zum Archäologen, der sich mit einem ziemlich bejahrte» Fräulein verlobt hat):Wie alt ist den» eigentlich deine ®rout?'/ Archäologe:Nach den neuesten Forschungen zweinnddreißig!"

Literarisches.

Ullsteins Weltgeschichte. Die jetzt erschienenen Lieferungen 2831 enthalten den Beitrag des Professors A. BrücknerDie slavischen Völker". Mit Polens Zerfall beginnt Brückners lichtvolle Darstellung, mitRußlands Aufstieg zur Weltmacht" endet sie. Reich ist sie au seinen und mit Liebe geschaffenen Bildern, so der meisterhaften Charakteristik der vier berühmten russischen Kaiserinnen: der beiden Katharinen, Elisabeths I. und Annas. Diese Ge­schichte der Unterwerfung eines Sechstels der bewohnten Welt unter ein Zepter ist, wie Brückner sagt, kein anziehendes, aber ein außergewöhnlich bedeutungsvolles Stück Geschichte. Brückners Darstellung liefert den Beweis, daß es auf die Dauer eine Entwicklung politischer Individualität für die slavischen Stämme nicht gibt, das nur eine Fähigkeit zu politischer Ausdehnung besitzt, daß Panslavismus im letzten Hinblick gleichbedeutend ist mit Altrussentum. Aufs beste unterstützt werden die textlichen Ausführungen durch die Illustrationen, die in der Nachbildung zeitgenössischer Ge­mälde, Kupferstiche, Münzen und anderer Dokumente wahr­haft Vollendetes bietet.

Dem unlängst verstorbenen Walter L e i st i k o w, dem klassischen Schilderer märkischer Schönheit ist in der soeben erschienenen Nummer 3412 der auch als Kunstzeitschrist ziel- bewußt den höchsten Aufgaben dienenden Illustrierten Zei­tung ein vornehmes Denkmal gesetzt worden in Gestalt einer Aufsatzes, der prächtige Reproduktionen der schönsten Bilder des Meisters bringt und dessen Text aus der Feder von Oskar Bie herrührt. Ebenfalls der Kunst, wenn auch in erster Linie der praktischen, dient ein äußerst interessanter Artikel, be­titelt:Die Wohnung der Neuzeit", der einen Einblick in eine soeben im Verlag von I I. Weber, Leipzig erschienenes Prachtwerk von Hänel uno Tscharmann vermittelt, und nicht minder reich mit I lustrationen geschmückt ist, eine lebend.g gehaltene Darstellung:Das rheinische Nizza", in der Meyer- Elbing die Schönheiten Wiesbadens schildert. Einen breiten Raum nehmen neben dem rein unterhaltenden Teil die Bilder ein, die der Tagesgeschichte entnommen sind.

Bilderrätsel.

Aul-m-ng t« nuwiiet Nummer.

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Auflösung des AritbmogrivbS in voriger Nummer: Barren, Ulanen, Lingen, Geier, Algier, Raub, Igel, Erle, Nil. Bulgarien.

Redaktion: E. Anderlon. Rotationsdruck und Bering bei Brühlscheu UnwersuätS - Buch- und Slemdruckerei, iR. Lange. G irtze«.