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Aufsak wer Liszt, die Fortsetzung: des Romans „Zaungast von Agnes' Harder und in der „Chronik der Zeit" Bilder und Berichte aus dem öffentlichen Leben. Die Beilage „Kindermode" bringt allerhand hübsche Neuheiten für Misere kleinen Lieblinge. (Verlag W. Vobach & Co., Berlin.)
kfg. Elntfernung der Fettleibigkeitaufopera- t i v e in W e g e. In Wien hat man kürzlich den. Versuch gemacht, in einem Falle von zu großer Fettleibigkeit, ßet_ der die Anlage des Fetters in den BanchpaAien fo groß war, das; der Betreffende nicht sitzen konnte, dieses auf operativem Wege zu beseitigeil. Prof. Eiselsberg entfernte in 15 Minuten 6 Kilo, ohne daß der Patient hinterher besondere Beschwerden hatte. Das ist die größte Menge Fett, die durch Operation mit dem Mester auf einmal beseitigt wurde. — Diese ist gegenwärtig durchaus nnge» fährlich, wahrend im Mittelalter ent Bischof, der ferner Fettleibigkeit wegen nicht an einem Kreuzzuge terlnehmen konnte und sich deshalb operieren ließ, die Wegnahme des Fettes von, Bauche mit dem Tode bezahlen mußte.
* D a s gemütlicheParlament. Aus dem Protokoll über eine der letzten Sitzungen der Skupschtina in Cet- tinje bringt die „Wiener Allg. Ztg." folgenden Auszug: Ministerpräsident Lazar Tomanowitsch hat soeben seine Rede über das auf den Fürsten Nikolaus geplante Attentat beendet. Der Präsident der Skupschtina erklärt, daß damit die Tagesordnung erledigt sei und daß er auf die nächste Tagesordnung die Beratung über das Budget setze. Bevor er jedoch die Sitzung schließe, bitte er die Abgeordneten, alle Anfragen an die Minister oder das Skupsch- tinapräsidium zu richten, die ihnen am Herzen lägen. — Aba. Dretzun: Ich bitte ums Wort! Ich möchte den Mi- nij er fragen, warum seit drei Tagen der Abg. Pajowitsch nicht mehr hier zu seh-en ist? Hat er sich vielleicht etwas zuschulden komnien lassen? (Gelächter auf der Galerie.) — Abg. Labud Petrowitsch: Ich möchte den Finanzminister über eine mich allein betreffende Angelegenheit befragen. Es wäre mir aber lieber, wenn ich dies unter vier Augen tun könnte. Da aber der Präsident verlangt hat, daß wir über alles, was uns am Herzen liegt, fragen sollen, so . . . (Schallendes Gelächter auf der Galerie.) — Präsident: Ich entziehe dir das Wort! (Labud Petrowitsch setzt sich) — Abg. Tokow: Ich möchte den Woiwoden Lukitsch (derzeit Minister des Innern) fragen, ob ich auf sechs Tage nach Hause fahren kann, und wenn ich zurttckkomme, ob ich noch Deputierter sein und Diäten ausgezahlt bekommen werde? — Ministerpräsident Tomanowitsch: Du varfst nicht fahren, Christo! (Christo Tokow setzt sich und zündet sich eine Zigarette an.) — Der Minister ironisch fortfahrend: Vielleicht braucht dich der Fürst. — Abg. Wlachowitsch (springt empört von seinem Sitze): Was soll das heißen, daß uns die Kerle am Plafond oben (Galerie) fortwährend auslachen? Das kommt davon, weil man uns das Mitnehmen unserer Revolver und Säbel in die Sitzungen nicht gestattet! — Präsident (läutet): Ich sehe schon, daß ihr nichts Rechtes zu fragen habt, und daß ich deshalb die Sitzung schließen... In diesem Augenblick fährt der Abg. Radowitsch von seinem Stuhl empor: Herr Präsident, warte noch ein bißchen! Denn zum Teufel, ich habe etwas sehr wichtiges zu fragen! Auf der nächsten Tagesordnung steht Beratung über das Budget. Ich bitte den Ministerpräsident, mir zu sagen: Wer ist dieser Budget! Ist das auch so ein von Belgrad angestifteter Verschwörer gegen unseren Fürsten? — Präsident: Schweige, Drago! Du hast nicht das Wort. Tie Sitzung ist geschlossen.
* Geehrter Herr Lehrer! Entschuldigen Sic höflichst meine Tochter Marie, daß sie heute nicht in die Schule kommt, sie hat Geschwüre an den Füßen und im Genick und kann nicht drauftreten. Ergebenst K. F.
Gesundheitspflege.
Vom Schlafen. Gewöhnlich preist man diejenigen, welche nur wenig schlafen, und Männer lute Friedrich der Große, Napoleon, Wellington, Edison, Virchow u. a., die nur vier Stunden Schlaf brauchten oder brauchen, um sich vollständig auszuruhen, werden jungen Leuten, die gern lange schlafen, oft als Muster vorgeführt. Im allgemeinen
richtet sich das Schlafbedürfnis nach der Körperkonstitution jedes Individuums; Woods Hutchinson tritt aber im „American Magazine" dafür ein, daß die erste Schlafregel lauten sollte: „Feder schlafe, so lange er kann." Der Schlaf ist nicht das Aufhören der physischen Tätigkeit, sondern die Ersetzung der zerstörenden Wirksamkeit des Wachens durch eine aufbauende körperliche Tätigkeit. Die Kinder schlafen viel, weil ihr Schlaf im höchsten Maße aufbauend ist, und wenn die Alten nur wenig schlafen, so geschieht das nicht daruni, weil sie keinen Schlaf brauchen, sonderst weil sie die Kraft des Wiederaufbaus verloren haben: ihre Schlaflosigkeit ist das sicher st e Zeichen ihres physischen Verfalls. Der beste hygienische Führer in Schlafangelegenheiten muß also lauten: „Man gehe zu Bett, wenn man müde ist und stehe erst dann auf, wenn man sich vollständig ausgeruht fühlt. Neun Stunden Schlaf sind nicht zu viel, und die Frau soll eine halbe oder eine ganze Stunde länger schlafen als der Mann. Nach dem amerikanischen Physiologen ist es nichts als ein törichtes Vorurteil, wenn man das zuviel Schlafen als eine Ursache der Schwächung des Körpers betrachtet; gerade das Gegenteil ist richtig. So lange man schläft, hat man eben ein Bedürfnis zu schlafen; das Aufstehen, bevor man den ganzen Schlaf beendigt hat, ist also weit eher eine Ursache der Schwächung des Körpers. Viele Frauen und Männer tun gut, wenn sie nach dem Essen ein ganzes oder ein halbes Stündchen schlafen. Ein Kind soll man solange« lsnur irgend möglich schlafenlassen. Es ist beinahe ein Verbrechen, wenn man die Kinder allzu früh aus den Betten reißt, um sie zur Schule zu treiben. Es ist auch nicht wahr, daß, wie man oft sagen hört, die ersten Stunden des Schlafes besser sind als die letzten; so lange man schläft, sind alle Stunden gleich gut.
Weisheitsworte.
Wenig große Lieder bleiben, Mag ihr Ruhm auch stolzer sein, Doch die kleinen Sprüche schreiben Sich ins Herz des Volkes ein. Schlagen Wurzel, treibe» Blüte, Tragen Frucht rind wirken wrt: Wunder wirkt olt im Gemüte Ein geweihtes Dichterwork.
Bodenstedt.
Worte Carlyles.
Glückliche Zeit der Lindheit; heilige Natur, du bist allen eine ireundliche Mutter; du vergoldest die Hütte» der Arme» mit deut Glanz der Morgenröte und hast kür deinen Pflegling ein sanites Lager von Liebe lind unendlicher Hoffnung bereitet, worin erwächst und schläst, von den lüßesten Träumen umgaukelt. So lauge uns noch die väterliche Hütte umschließt, so lange schützt uns auch ihr Dach; der Vater gilt uns noch als Prophet, Priester und König, und wir leben in dem Gehorsam, der uns frei macht. Der junge Geist ist aus der Ewigkeit erwacht und weiß noch nicht, was wir unter „Zelt' verstehen; noch ist die Zeit kein schnell enteilender Strom, sondern ein klarer, sonnenheller Ozean. Jahre sind den» Kinde wie Jahrhunderte. Tas Geheimnis des Wechsels, jenes langsameren oder rascheren Verfalles und des unaufhörlichen Zu- snmmenslürzens des gesamten Weltgebäudes, vou dcu Grauitbergen an bis zum Mensche» oder der Eintagsfliege ist ihm noch unbekannt, und in einem stillsteheuden Weltall kostet er, ivas ihm später in dem eilenden Weltall für immer versagt ist: den Balsam der Ruhe.
(Sartor Resartus.)
Bilderrätsel
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Ä!a, Mai, Main, Mainz.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


