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einige spielten sogar Karten ans den überall zerstreuten Felsblöcken, die Kinder verhielten sich, mit nnserer lärmenden Jugend verglichen, auffallend ruhig. A l t o h o l ist hier sozusagen ausgeschlossen, denn man erhält jedes Glas Bier nur mit Zugabe eines Butterbrotes, was die Sache erheblich verteuert und einschränkt.
Auf die berühmten T r o l l h ä t t a n - F ä l l e, die wir von Gothenburg aus besuchen sollten, waren wir sehr gespannt, und ich muß sagen, daß sie, wenn auch gewerbliche Anlagen manches geschädigt haben, doch noch soviel Großartiges bieten, daß alle Sinne sich daran satt trinken können. Ter Kontrast des oberen metallglatten Flußspiegels mit der tobendeu sich überstürzenden Wassermasse der drei Fälle ist einfach überwältigend. Für den Techniker ist der Götakänal, welcher Gothenburg mit dem Wencr- fee verbindet, von großem Interesse. Wir sahen mächtige Schiffe die Schleusen passieren, machten noch einen Rundgang um und auf schwebender Brücke über die Fälle, dann eilten wir zuin lecker bereiteten Mahle ins Grand-Hotel, das mit dem Blick auf die Fälle sehr malerisch liegt. Bedient wurden wir von eleganten jungen Taimen, die, wie in der Schweiz, oft aus den besten Familien stammen und aus Neu- oder Lernbegier solchen Kellnerinnenposten vorübergehend annehmen. Tas Hotel war so überfüllt, daß ich mit einem schnell hergestellteu Gelegenheitsbett vorlieb nehmen mußte; zum Glück hatte mich das Leben nicht zur Erbsen Prinzessin erzogen und so schlief ich trotz Turnerbett und Lärm der in schwedischem Punsch angeheiterten Gäste bald den Schlaf der Gerechten.
Ani nächsten Tage erreichten wir Christiania, in waldiger Umgebung,, am Christianiafjord sehr malerisch gelegen. Auf die schöne Umgebung wurde auch für den kurzen Aufenthalt das meiste Gewicht gelegt, ob alle damit einverstanden waren, weiß ich nicht, aber daß die Fahrten auf dem Fjord und die Aussichten vom Sanatorium Holmeu-Kolmeu entzückend waren, weiß ich ganz genau. Diese sog. Sanatorien in Skandinavien sind in unserem Sinne nur Sommerfrischen, wo Sport aller Art getrieben wird, je nachdem, im Winter auch Schlittschuh Und Skiläufen usw. Ein Gang durch die Stadt führte zum Museum, tvo tvir das berühmte Wikingerschiff sahen. Es ist die Grabstätte irgend eines Häuptlings und seiner Mannen und hat sich, in die Tonerde eingebettet, manches Jahrhundert erhalten. Bor dem Museum stehen seit Jahren die Kolossalstatuen von Ibsen und Björnson, ein Beweis, daß Norwegen seine großen Dichter schon bei Lebzeiten zu ehren weiß. '
Die Fahrt von Christiania nach Drontheiin brachte die erste Uebernachtung im Zuge, die wegen der Enge der Wagen und des fortwährenden Durchlaufens der Bediensteten recht unangenehm verlief. Spätere Uebernachtungen in den großen durchgehenden Wagen gestalteten sich weit besser, da ein Seitengang vorhanden und die zu Betten umgeänderten Sitze viel breiter waren. Im allgemeinen sind die Eisenbahuverhältnisse in Skandinavien musterhaft, die Wagen 2. Klasse vornehm ausgestattet und sehr geräumig. Wir hatten stets einen fest abonnierten, Waggon, was auf der eilten Seite sehr angenehm war, auf der anderen aber jedes Zusammenkommen mit den Landeskindern ausschloß, so daß wir wohl das Land aber nicht die Leute kennen lernten. Auf den Stationen suchte ich mich durch dar- gereichtes Zuckerwerk mit den Kindern anzufreunden, aber sie waren so scheu, daß nicht einmal ein Händedruck von ihnen zu erlaugeu war.
Tie Ankunft in Droutheim am frühen Morgen war, des schlechten Wetters wegen, einigermaßen verstimmend, auch die Zimmer nebst Verpflegung im Hotel Brittania, wohin sich der ganze Touristenstrom wälzt, recht dürftig. Zum Glück besserte sich das Wetter! und wir marschierten nach dem Hafen, wo wir freudig überrascht waren, ein deutsches Geschwader vorzufiuden. Nach Anfrage beim Kommandanten kam eine Dampfbarkässe, um uns an Bord des größten Kriegsschiffes — den Namen vergaß ich leider — abzuholen. Mit größter Znvorkomuienheit begleiteten uns zwei Offiziere durch alle Räume und erklärten das wunderbare Jneinandergreifen der Kräfte und Menschen. Ein Trinkgeld von 50 Mk., das wir den wackeren Matrosen spenden wollten, lvurde abgelehnt, aber eine kräftige Lobrede unserer Reiseleitung auf Offiziere und Mannschaft dankend quittiert. Am Nachmittag machte unsere Gesellschaft bei strömendem Regen einen Wagenausslng, während ich mir unterm Regenschirm die Stadt ansah, welche mit ihren breiten Straßen und hübschen Anlagen einen sehr gefälligen Eindruck machtz Auffallend und für den soliden Sinn der Norweger sprechend sind die vielen Sparbanken, weiter interessieren die großen Pelzgeschäfte und Juwelierläden. Ein Herr ans unserer Gesellschaft kaufte einen pfuudschweren silbernen Gürtel mit Runenzeichen und Darstellungen aus der alten Geschichte Norwegens, eine Spezialität der dortigen Silberschmiedeknnst.
Andern TagS besuchten wir die berühmte Tomkirche, die schon im 11. Jahrhundert angefcmgeu, aber durch Feuersbrünste oft heimgesucht erst jetzt ihrer Vollendung entgegen geht. Tie Krönung der Könige im Tom ist Landesgesetz.
Von Trontheim aus traten wir die sieben Tage dauernde Hin- und Rückfahrt nach dem Nordkap an. Einige wohl mit bänglichen Gefühlen, denn wenn auch die Leitung für ruhiges
Wasser garantierte, so wär die Sache, wie sich in der Folge ans- wies, keineswegs sicher. Wir richteten uns schlecht und recht in unseren engen Kabinen ein, fühlten uns dagegen angenehm, überrascht durch die großartige Reichhaltigkeit der Verpflegung. Da ich zu den Toren gehöre, denen Speise und Trank wenig bedeutet, will ich nicht auf Cinzelheiteu eingeheu und nur bemerken, daß besonders die Fischspeisen stets erster Güte waren.
Der nordwestliche Teil Norwegens lebt fast nur vom Fischfang. Wir sahen in Trontheim einen Heilbutt, der 70 bis 80 Pfund wog, und bei keinem Mahl fehlt der köstliche Salw in den verschiedensten Zubereitungen. Tie Vielesser in unsere» Gesellschaft kämen denn auch reichlich auf ihre Iistosten, wurden rund und fett, während wir weniger günstig Organisierten uns höchstens den Magen verdarben. ... ~
Ten Charakter der Landschaft, nicht die einzelnen Stationen, beschreibe ich nur uach dem allgemeinen Eindruck, der an Großartigkeit meine Erwartungen weit übertraf. Tie Berge, ähnlich den Dolomiten, sind nicht so hoch wie die Riesen der Schweiz oder Tirols, erscheinen aber gewaltig, weil sie ans dem ebenso gewaltigen Meer aufragen. Meist umkränzt nur schmale Vegetation ihren Fuß, aber an geschützten Stellen sproßt diese umso reicher und lieblicher. Ter Kdntrast der ernsten Schneehäupter, der blauen Gletscher, mit den reizenden Buchten, den zierlichen rot und lveiß gestrichenen Häusern, ist einfach entzückend. Brausende Wasserfälle stürzen sich ins verwandte Element, immer neue Inselgruppen tauchen empor, durch die der Tampfer jich oft nur mühsam durchwindet, die schönsten Fjorde tun sich auf, und da unser „Neptun" ein kleines Schiff ist, können wir auch ihre innere Schönheit genießen, während die großen Dampfer, die nicht darin wenden können, vorbeifahren, müssen, lieber allem strahlte die Sonne. Irr ihrer Herbheit war die Natur von einer ruhevollen Größe und in ihrer Schlichtheit so erhaben, daß es die kleine Kreatur — Mensch — fast zu Boden drückte. Selten ist der Horizont ganz klar, überall schwebt ein silbergrauer Tunst, der aber bei Sormenauf- und »Untergängen die schönsten Strahlenbrechungen und Wolkengebilde erzeugt. Tie eigentliche Mitternachtssonne sahen wir nicht — dies Glück wird nur wenigen zuteil — aber wir freuten uns der wunderbaren Gestaltungen, der reichen Farben von Himmel und Erde, der luftigen Mövenschar, die sich hinten über und neben dem Schiss herumtumruelte. Seltsam erregend wirkt die Helle Nacht, man plaudert oder träumt im Liegestuhl bis man plötzlich inne wird, daß man den Morgen herangewacht hat und schnell sein schmales Lager aufsucht.
Ten ersten Halt auf der Fahrt machten wir an dem 57 Kilometer laugen Swartisengletscher, der frch fast bis ins Meer heruntersenkt. Einige unserer Gesellschaft bestiegen! ihn, ich arbeitete mich durch saudiges Geröll nur bis zum Fuße durch, erhielt aber als Aelteste der Gesellschaft für diese Heldentat einen Strauß und eine kleine Brosche, die später allerdings auch den Anderen verliehen wurde. Einen längeren Aufenthalt nahmen wir in T r o m s o e, wo wir das hübsch eingerichtete Museum für uordische Fauna , und Flora besuchten, em entsetzlich riechendes kolossales Walfischskelett int Keller ansahen und allerlei kleine Einkäufe in Geschäften wie bet den zahlreich erfchienenen Lappen machten. Einige Tage zuvor hatte König Haakon mit Gattin seinen Einzug in Tromfoe gehalten, wovon ettte stattliche Ehrenpforte noch Zeugnis ablegte. Einen Beweis für den hohen Kulturfortschritt im hohen Norden sand tch tn einem kleinen Buchlädcheu, wo in mehreren Exemplaren der Klavter- auszug der „lustigen Witwe" auflag!
Den berühmten Linäenfjord, den Raftsund will ich nicht beschreiben, da die Reisehandbücher schon soviel darüber gesagt haben.
H a m in e r f e st, die nördlichste Stadt der Erde, erreichten wir am 2. August, durchwanderten die hübsche, meist aus Holzhäusern bestehende Stadt und landeten an der Mertdtansaule^ von wo man einen weiten Blick über den großen, als Stapelplatz ftir nordische Erzeugnisse sehr bedeutenden Hafen hat. Eigentümlich berührt es, daß außerhalb, der Stadt auf kleinen Häusern und Hütten die Schafe n n d Z i e g e u d a s auf d e n D ä ch e r n wachsende Gras abweiden. Es wird wohl dort gesaet und gedeiht durch die Warme des Hanfes ganz gut, aber wie karg, wie trostlos muß der Winter sein unter einem Breitegrad, den die Sonne über zwei Monate ganz ausschließt! Die allerdings überall cingeführte elektrische Belency- tung ist doch nur ein trauriger Ersatz für das holde, be lebende Sonnenlicht!
lSchluß folgt.)
Vermiet? iss.
— Im Zeichen des Harlekin steht in diesen Wochen unser gesellschaftliches Leben mit seinem bunten Maskentrmben. Scherz und Tanz überall! In ihrer neuesten Nummer zahlt ihm auch die „Soitntagszeitung fürs Detitsche Haus" ihren Tribut. Sie plaudert zu ihren Lesern über seinen Ursprung, erzählt in Reim und Prosa von Tanz und illustriert die jetzt frohe Faschings- stimmung. Außerdem bringt das Blatt den Anfang emes neuen Romans von Fr. Jacobfen „Hans int Glück", einen illustrierten


