1908

Samstag den August

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John Darrows Tod.

Roman von Melvin L. S e v e r y.

(Nachdmck verboten.)

(Fortsetzung.)

Auf diese Worte lies; fidj, ein anhaltendes Flüstern im Saale hören. Maitlands Vorgehen war doch jetzt geradezu unbegreif­lich! Warum gab er sich solche Mühe, etwas zu beweisen, das schon eingestanden war und das er als Latours Vertreter eher ver­suchen mußte zu widerlegen. Jedoch Godin trat in den Stand, und Maitland befragte ihn in einer Weise, die unsere Verwunderung Nur noch steigern konnte. t

.,Wie lange haben Sie an diesem Fall gearbeitet?"

-,Seit dem Morde." \

,Wann find Sie zum erstennral in Herrn Latours Wohnung gewesen?"

Meinen Sie, wann ich iie betreten habe?"

Ja."

Ich habe seine Wohnung erst am Tage seiner Verhaftung betreten. Andere Wohnungen im selben Hause habe ich bei früheren Gelegenheiten besucht."

Haben Sie Grund, anzunehüren, Herr Latour habe Sie vor dem Tage seiner Verhaftung gesehen?"

Nein; das war sicher nicht der Fall. Ich ging ihm sorglich aus dem Wege."

Sie sind gewiß, daß Sie bei den verschiedenen Gelegen­heiten, bei denen Sie, wie Sie sagten, in seiner Wohnung waren, von ihm dort nicht bemerkt worden sind?"

Ich habe nicht gesagt, ich sei bet derschiedenen Gelegen­heiten in feiner Wdhnung gewesen."

Was haben Sie dann gesagt?"

Ich habe gesagt, ich sei in seiner Wohnung nur einmal ge­wesen, und zwar am Tage seiner Verhaftung."

Ich verstehe. Bei Ihrer Nachforschung nach Herrn Dar­rows Mörder wurden Sie da nicht durch gewisse Bibliotheksbücher unterstützt, die Herr Latour gelesen hatte?"

Ich ich verstehe nicht recht."

Herr Latour ließ sich in der öffentlichen Bibliothek Bücher geben, wobei er einen falschen Namen angab, Wvlter, oder . . ."

Nein Weltz, das stimmt, davon weiß ich Andere Micher waren unter dem Namen Rizzi entliehen."

Ganz recht; das waren die Namen, denk' ich. Wie wurden Sie auf diese Bücher aufmerksam?"

Ich traf Latour zufällig in der Bibliothek, und er fiel mir sofort wegen seines scheuen Wesens auf. Infolgedessen beobachtete ich ihn und sah, daß er sich auf den Bestellzetteln alsWeltz" unterzeichnete. Am nächsten Tage traf ich ihn wieder dort, und diesmal zeichnete erRizzi". Das war lange vor dem Morde, und auf keinen Fall, in dem ich seitdem tätig war, paßte^dieser Weltz-Rizzi". Dennoch war ich aus bestimmten Gründen über­zeugt, er habe irgend ein Verbrechen begangen, und merkte mir ihn für künftige Fälle vor. So fiel er mir bei meiner Tätigkeit in dieser Mordsache wieder ein, und ich folgte der Anregung in

der Hoffnung, so etwas mehr Licht in diese dunkle Geschichte bringen zu können."

Haben Sie die Bücher gelesen, die Herr Latour unter den genannten Nanien entlieh?"

Nein."

Haben Sie sich nicht eins oder das andere angesehen?"

Nein. Es fiel mir nicht 'mal ein, ihre Titel zu lesen."

Sie haben wahrscheinlich bemerkt, daß es sich um ver­schiedene handelte. Darunter war eins von Wynter-BlhthDie Gifte, ihre Wirkung und ihr Nachweis". Haben Sie dies be­achtet?"

Nein. Ich habe keins beachtet."

Mer als sich Ihr Argwohn auf Herrn Latour richtete, nahmen Sie da nicht die Zettel vdr, fanden dieses Buch und lasen es?"

Nein. Ich habe das Buch in meinem Leben nicht gesehen, überhaupt nicht gewußt, daß es ein solches Buch gibt."

Oh, dann hat das Lesen der Bücher zur Ausspülung La­tours nichts beigetragen?"

Ganz und gar nichts."

Spielen Sie Kürten?"

Ja, hin und ivieder zum Zeitvertreib."

Spielen Sie um Geld?"

Hur und wieder, mit kleinem Einsatz nur damit nicht alles Interesse fehlt."

Kennen Sie das Haus, in dem Herr Darrow ermordet worden ist?"

Ich kenne es nur so iveit, als ich es unmittelbar nach der Tat in Augenschein nahm. Sie werden sich erinnern, daß ich nur das eine Zimmer betreten habe."

Aber das Grundstück außerhalb des Hauses haben Sie doch gewiß besichtigt?"

Im Gegenteil, das habe ich nicht getan."

Habcir Sie nicht wenigstens die Ostseite des Hauses unter­sucht?"

Nein. Ich war überzeugt, die Lösung des Problems müsse sich innerhalb des Zimmers, in dem der Mord begangen iuar, finden, und die Notizen, die ich mir an dem tragischen Abend gemacht hatte, enthielten alles zur Sache Gehörige, was über­haupt zu erlangen schien."

War das nicht eine etwas eigentümliche Voraussetzung?"

Für viele mag das richtig sein: doch ich habe meine eigenen Methoden, und ich denke, ich kann sagen, sie haben sich meist nicht ganz erfolglos erwiesen." Dies letzte sprach er mit einem gutmütigen Lächeln und einer bescheidenen Würde, was die Zu­hörer völlig für ihn einnahm.

Maitland verzichtete für jetzt auf weitere Fragen, und die Verhandlung wurde auf den folgenden Tag verschoben.

An diesem Abend machte Godin seinen ersten Besuch bei Florence, die über den Gegenstand ihrer Unterhaltung nur äußerte, der Besucher habe ihr unverblümt mitgeteilt, seines Wissens sei eine Belohnung für die Entdeckung des Täters ausgesetzt worden, und er glaube, sie verdient zu haben. Auf Maitlauds Frage, welchen Preis er beansprucht habe, bat Florence mit hochrotem Gesicht, das für sich behalten zu dürfen.