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duftes in Beziehungen zum Gemütszustand. In stillen Stunden der Erinnerung füllt der berauschende Duft müder Narzissen den Salon. Das lichte kindliche Gelb der Schlüsselblume mit ihrem warmen süßen Hauche herrscht in den Stunden froher Heiterkeit und den schwachen Charakteren, die nicht einzugreifen lieben in das Rad des Schicksals und sich treiben lassen von den Ereignissen, wird empfohlen, ihre Staunte mit Anemonen zu schmücken. Die schönen Modedamen, die in der Nacht vom Schlummer zarte Träume erhofft, bedeckt ihr Bett mit kleinen welkenden Veilchen, deren müder wehmütiger Duft die Phantasie in leise Schwingungen versetzt. Aber auch hierbei macht die Begeisterung für die scheinbar unentdeckte Wunderwelt der Blumen nicht halt; man drängt zu realeren Genüssen und ist jetzt so weit gekommen, Blumen zu verspeisen. Schon seit einiger Zeit beschäftigten erfindungsreiche Köpfe sich damit, für den anspruchsvollen Gaumen zartbesaiteter Feinschmecker gezuckerte Veilchen herzustellen. Nun ist ein neues Blumengericht in Mode gekommen, sorglich wird das Geheimnis der Herstellung noch behütet, um Unwürdige von dem Genüsse fern zu halten, aber viele Damen schwärmen bereits, so wird versichert, für das neue Gericht, das, anklingend an die Götterspeise der Olympier, den Namen „Ambrosia" führt. Der Kreis der Eingeweihten wird streng beschränkt und die „Zweifelhaften", die in die Geheimnisse dieses wunderlichen Blumenkultus noch nicht eingeweiht werden, müssen sich einstweilen mit gröberen Genüssen begnügen, mit Siosenülätter-Omelettes und Magnolien- Purees oder mit von kunstvoller Hand gebratenen Wasserlilien.
* Briefe einer japanischen B r a u t. „Mein hochgeehrter Geliebter. . ." So drückt sich, wie wir im „Gil Blas" lesen, die junge Hyazinthe Negata in den an ihren Bräutigam gerichteten Liebesbriefen aus. Dieser Bräutigam einer hübschen Japanerin aus Nagasaki ist ein junger französischer Architekt namens Debrive, der viele Jahre im Orient gelebt hat. Auf einer Reise durch Japan lernte Debrive Hyazinthe Nagat kennen; er ergriff bei einer Schlägerei auf offener Straße ihre Partei, befreite sie aus den Händen junger Leute, die sie belästigten, lvarb um sie und verlobte sich mit ihr. Gegenwärtig weilt Herr Debrive in Paris, und Hyazinthe schreibt ihiil alle Tage. Hier einige Auszüge aus ihren Briefen: „Ihre Hyazinthe, mein hochgeehrter Geliebter, schickt Ihnen die Blume, deren Namen sie trägt. Diese Blume ist mir ähnlich, und Sie werden an mich denken, wenn Sie sie vor Augen haben werden. Die Bücher und die Zeitschriften, die Sie mir geschickt haben, habe ich empfangen. Aber ich war sehr erstaunt, als ich die Bildnisse der achtbaren Damen sah, die dort abgebildet sind. Warum sind alle diese achtbaren Damen in der Mitte des Körpers entzweigeschnitten?" Hyazinthe meint die Brustbilder, die in den illustrierten Zeitschriften zu sehen sind. In einem anderen Briefe drückt sich die kleine Japanerin folgendermaßen aus: „Wie seltsam kleiden sich doch die Frauen bei Euch! Warum tragen sie Vögel, hübsche kleine Vögel auf ihrem Kopf? Ist es wahr, daß man die Vögel tötet, um den Kopf der jungen Französinnen schöner zu machen? Wenn das bei Euch Sitte ist, wird Hyazinthe dasselbe tun, um den Augen ihres französischen Herrir angenehm zu sein. Aber Hyazinthe würde Blumen vörgezogen haben, schöne Blumen, die sie sich ins Haar gesteckt hätte." In einem andern Briefe plaudert Hyazinthe mit ihrem Verlobten von dem Phonographen, den er ihr geschickt hat: „Die sprechende Maschine ist wohl das hübscheste Ihrer Geschenke. Sie spricht und singt wie Männer und Frauen. Das erste Mal waren wir sehr erschrocken, jetzt aber hören wir sie mit Vergnügen an." Im Oktober dieses Jahres will Herr Debrive Frl. Nagata als Frau heimführen.
Für die Hausfrau.
— Die bange Frage der Hausfrau angesichts der stetigen Verteuerung aller E x i st e n z m i t t e l lautet augenblicklich: „Wie kann ich sparen?" Nun, die Antwort wird dahin lauten müssen, daß sie alle Dinge, die sie selbständig herstellen kann, nicht für teures Geld ein taufen soll. Besonders bei der Wäsche ist dies der Fall. Selbstanfertigung derselben lehrt und über Neuheiten informiert die im Verlage von John Henry Schwerin, Berlin W. 57, erscheinende Monatsschrift „Illustrierte Wäsche-Zei- tung". Der praktische Nutzen dieses Spezialblattes besteht M seinen Vorlagen für Damen-, Herren- und Kinderwäsche, Babhsachen, den zur Wäsche gehörigen Häkeleien usw., in dem ijsoer Nummer beigegebenetr Schnittmusterbogen, seinem Wascheberrcht, den Klöppelbriefen, abwechselnd mit Monogramm-Verschlingungen re.
Literatur.
777 ®ine§ der lieblichsten Porträts Schillerst nach einem Gemälde von A. Graff, gestochen von I. G. Müller, bietet in künstlerischer Ausführung die 26. Lieferung von Professor Dr. Anselm Salzers Illustrierten Geschichte der ®, «rl‘Vu Lrteratur. (München, Allgemeine Verlags- geselhschaft m. 6., H., Preis 1 Mk.) Sie enthält dann noch als Fahrmtles etnen Brief Geibels an Bodenstedt und ein Bruchstuck des schönen Gedichtes von Annette Droste-Hüls- hoff „Walther". Den Text begleiten Dichterporträts. In dem Kapitel Lessing und sein Kreis begegnen wir der Reihe nach allen schriftstellernden Zeitgenossen Lessings, und bereit Anzahl ist sehr groß. Die Charakteristik, das Urteil und die Wertbemessung des einzelnen unter Hinweis auf das, !vas r^^blerstet hat, ist fein abgetönt und abgemessen. Jedenfalls hat der ftchere Takt, die Umsicht und die Belesenheit des Verfassers Anspruch auf Aiterkeimung. Das Bild aber, das Salzer von Lessing entioirft, ist unseres Erachtens in seiner Aus- und Durchführung eine Glanzleistung und wir können ihm zum Schluß.beistimmen, iveun er schreibt: „In Lessina lrefen die Strahlen der Bildung seiner Zeit zusammen und tnbem er diese zum Abschlüsse brachte, hat er den Grund für dse folgende Kulturepoche gelegt." Der nächste Abschnitt tst Wieland gewidmet und seinen Nachahmern. Mit Jnter- e,se verfolgen wir das Leben und Wirken des beweglichen Schwaben, der die ganze geistige Entwicklung seiner Periode von Klop stock bis zur Romantik durchlief und begleitete.
Ein Banernroman.
— Marie Schlumpf: Der Weibermaun. Roman. Mit, Vorwort von Ernst Zahn. — Verlag von Egon Ucischel u. Co., Berlin W. — Preis: 3.— Mk. Ein wahrhaft Gott-, helßcher Geist weht durch diese Erzählung einer einfachen Frau, die uns mit schlichten Worten schweizerisches Bauernleben, das Fühlen und Denken dieser freiheitsliebenden, aufrechten und geraden Menschen schildert, wie es sich in ihrem Herzen widerspiegelt.- Nur jemand, der mitten in diesem Leben stand, der eben so fühlte und dachte, konnte uns die Erhabenheit der Bergeswelt, den Charakter des Schweizervolkes so ins Herz schreiben. Nur kann' man dem zustimmen, was' Ernst Zahn, der Göschener Bahnhofswirt und Dichter, in seinem Vorwort sagt: „Das Buch ist eine Spur, wo eine tapfere Frau mit heller Stirn und mit einem für alles Schöne schlagenden Herzen gegangen. Es lohnt auch heutzutage noch der Mühe, einer solchen Spur mit sinnenden Augen zu folgen. Und daß viele Augen ihr folgen mögen, das ist der herzliche Wunsch, mit welchem ich das Buch begleite."'
Es reut mich nicht.
Von Karl Gerok.
Mich reut kein Tag, den ich in Tal und Hügeln Durch meines Gottes schöne Welt geschwärmt, Umsaust im Sturm von seiner Allmacht Flügeln, Im Sonnenschein von seiner Gunst gewärmt. Und war's kein Gottesdienst im Kirchenstuhle, Und war's kein Tagewerk im Joch der Pflicht: Auch aus den Bergen hält mein Heiland Schule; — Es reut mich nicht.
Silbenrätsel.
Nus den Silben:
ba, ber, ce, dith, do, e, en, ge, tu, le, nia, ni, o, o, gard, ran, ti
sollen sechs Wörter gebildet werden. Die Wörter haben folgende Bedeutung:
1. Land, 2. Frucht, 3. Tier, 4. Fluß, 5. Insel, 6. Vorname.
Stelle die gefundenen Wörter in der angegebenen Reihenfolge untereinander, so ergeben deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und bereit Endbuchstaben von unten nach oben gelesen die Namen zweier Männer, die immer noch viel genannt werden.
.Auflösung in nächster Nummer.f
Auflösung des Zauberquadrats in voriger Nummer:
v
R
A
M
A
R
E
v
A
L
A
V
E
R
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M
A
R
N
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Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


