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sonderen körperlichen Veränderungen und Vorgängen ihre Grundlage und Anregung haben, so auch das Wohlbehagen des Genesenden. Durch die zehrende Krankheit ist der Körper abgemagert, zusammengeschrurnpft, also an Masse weniger geworden, und zwar in allen seinen Teilen ziemlich gleich­mäßig. Hat die Krankheit aber den Körper endgültig ver­lassen und arbeiten die Organe wieder in harmonischer Ein­tracht, dann nimmt auch die Masse des Körpers, das Gewicht, wieder d. h. der Körper wächst, und zwar wächst er in seine frühere volle Form hinein. Und gerade dies Wachsen und Dehnen des Körpers, ruft das wohlige Gefühl und Be­hagen hervor, das der Genesende empfindet.

Am stärksten ausgeprägt ist das herrliche Gefühl des Genesens nach den fieberhaften Erkrankungen. Diese lassen Len Körper verhältnismäßig schnell und stark abmagern, und so folgt ihnen naturgemäß auch ein verhältnismäßig schnelles und energisches Wachsen des Körpers. Aber auch da wieder mit Unterschied. Am kräftigsten setzt das Wachsen dort ein, wo das Fieber ziemlich plötzlich den Körper ver­läßt, wo die Krankheit krisenhaft endet. Das ist z. B. immer der Fall bei einer Lungenentzündung, in geivissem Grade anch bei Scharlach, Masern und anderen Krankheiten. Schott weniger beim Typhus, wo das Fieber meist ganz allmählich heruntergeht, das Wachsen verhältnismäßig lang­sam einsetzt und ebenso langsam fortschreitet, hier wird daher das Genesen weniger deutlich empfunden. Das Wachsen des Körpers nach einer überstandenen fieberhaften Krank­heit kann aber auch noch durch besondere Umstände verzögert, die Empfindung des Genesens damit herabgestimmt werden. Es kommt nämlich gerade bei fieberhaften Erkrankungen nicht selten vor, daß im Verlauf der Krankheit das eine oder andere Orgap geschädigt wird und durch eine Funktions­störung dauernder Schaden zurückbleibt. So wird bei dem akuten Gelenkrheumatismus, einer mit Recht sehr gefürch­teten Krankheit, häufig das Herz in Mitleidenschaft ge­zogen. Es bleibt dann als Funktionsstörung einHerz­fehler" zurück, ivenn auch mit der Zeit ein gewisser Aus­gleich durch erhöhte Arbeitsleistung dieses Organs eintritt.

Auch das Alter ist von Einfluß auf ein schnelles oder langsames Wachsen des Körpers nach einer Krankheit, denn der jugendliche Leib erholt sich schneller als der alternde. Ganz besonders aber spricht auch die allgemeine Körperbe- schaffenheit des Genesenden, die Festigkeit seines Organis­mus, mit; der von Natur aus Schwächliche genest langsamer als der Kräftige.

Das Wachsen und Dehnen des Körpers wird überhaupt nur dann als ein wohliges Gefühl empfunden, wenn der Körper in all seinen Teilen wächst. Es gibt nämlich sogar eine Art von Krankheiten, die gerade auf dem Wachsen des Körpers beruht; das sind die sogenannten Neubildungen, von denen der Krebs am meisten bekannt und gefürchtet ist. Bei diesen Krankheiten handelt es sich aber um ein be­schränktes Wachsen des Körpers an irgend einer besonderen Stelle (Magen-, Brust-, Lippenkrebs usw.). Das sind also Auswüchse, die ein ungezügeltes, wildes Wachstum des Kör­pers darstellen. Durch dies auf eine oder mehrere be­sondere Stellen des Körpers beschränkte naturwidrige Wachsen werden den übrigen Körperteilen die Lehenssäfte entzogen, so daß der Körper immer mehr abmagert. Solche .Manien stehen daher in ihrem Allgemeinbefinden nicht unter dem Zeichen des Wachsens und Dehnens, sondern unter dem der Schrumpfung und Zusammenziehung, und infolgedessen ist gerade dabei das Krankheitsgefühl sehr ausgeprägt. Denn wie jedes Wachsen und Ausdehnen des Körpers mit einem angenehmen, so ist umgekehrt jedes Schrumpfen und Zu- farnmenziehen mit einem unangenehmen Gefühl verbunden. Leider gibt es noch zahlreiche andere Krankheiten, die der Körper nicht überwinden kann. Es sind dies die meisten der chronischen Krankheiten, die vielfach durch vorzeitiges Schrumpfen besonderer Organe, ivie der Nieren, der Leber usw. bedingt sind. Solcheir und noch manchen anderen Krankheiten winkt nicht der Glücksstern der Genesung. .

Hygienisches.

Winke für die Benutzung des Lichtluftbades dürfen jetzt willkommen sein. Im Hochsommer ist das Luftbad in der Frühe am erfrischendsten. Bei kühlem Wetter mag man die Mittagsstunden ausnützen. Es ist nicht unbedingt nötig, daß die Sonne scheint, wenn man ein Lichtluftbad nimmt. Auch das zerstreute Tageslicht wirkt belebend. Am wirksamsten freilich ist das Lichtluftbad bei Sonnenschein. Das Lichtluftbad^soll nicht der Schweißerzeugung dienen, wie das eigentliche Sonnenbad.

Bei mildem Wetter soll man mit dem Luftbad beginnen nud die ersten 814 Tagen nur 1015 Minuten ausgekleidet bleiben. Biele machen den Fehler, sich gleich stundenlang in die pralle Sonne zu legen. Dabei verbrennen sic sich natürlicherweise die Haut. Zwar vergeht die Rötung bald wieder, wenn mau lau­warme Waschungen macht oder in Essigwasser getauchte Umschläge auslegt; aber die Sache wird einem durch solche Unvorsichtigkeiten verleidet. Bei empfindlichen Personen kann das Lichtluftbad an­fänglich sogar Fieber, Aufrcgungsz-ustände, Hautausschläge usw. Hervorrufen. Man soll cs dann entsprechend abkürzen, die heißesten Tagesstunden und zunächst die pralle Sonne vermeiden. Selbst bei warmem Wetter dürfen Anfänger nicht stundenlang aus- gekleidet bleiben. Das kann anch bei genügender Bewegung starke Erkältungen geben. Zum Lichtlustbade gehört ausgiebige Be­wegung. Also sofort nach dem Anskleiden laufen, springen, spielen, turnen. Auch bei warmem Wetter ist cs weit vorteilhafter, sich tüchtig zu bewegen, als in der Sonne zu liegen nud sich bräunen zu lassen. Tas kommt allmählich ganz von selbst. Licht, Last und Bewegung zusammen verbürgen erst die gute Wirkung des Luftbades. Natürlicherweise soll mau sich nicht abhetzen, sondern ab und zu auch einige Zeit ruhen. Nach dem Ankleiden soll man so lange rasch gehen, bis man gut warm ist. Nur wenn auf die Abkühlung die Wiedererwärmuug (Reaktion) rasch und vollkommen erfolgt, bekommt das Luftbad gut. Wenn sich je­mand nicht ausreichend Bewegung zu machen imstande ist, so sollte er auch an warmen Tagen nur so lange bleiben, als er bei ruhigem Sitzen ober Liegen kein Frösteln oder sonstiges Unbehagen ver­spürt. Bei trübem, windigem und kühlem Wetter braucht man das Luftbad nicht auszusetzen. Es ist dann besonders erfrischend und stärkend. Erkältung ist nicht zu befürchten, vorausgesetzt, daß man sich lebhaft bewegt und hinterher warm läuft. Die Sonnenstrahlen durchdringen auch die Knocheu bis zu einem ge­wissen Grade. Deshalb kann starkes Besonnen des Küpses Ko pf­weh, Schwindel, Erbrechen und Ohnmächten Hervorrufen; ja mancher hat sich dadurch schon eine lebensgefährliche Hirnhaut­entzündung zugezogcn. Vom Mai bis August ist es empfehlenswert, bei hochstehender Sonne, also etwa zwischen 10 und 4 Uhr, Kopf und Nacken durch einen breitrandigen braunen Hut ober ein umgelegtes Tuch zu schützen. Weiße Mützen und Strohhüte ge­nügen nicht. Bei Sonnenglut tut man gut, wenigstens ab und zu den Schatten aufzusuchen. Nervöse sollen im Hochsommer die heißesten Tagesstunden vermeiden.

Vermischtes.

Die Gefahren des Schwimmens. Beim Schwimmen, dem schönsten und gesündesten Sport des Sommers, kommen immer wieder Unfälle vor, die Menschenleben kosten; ja, selbst die geschicktesten Schwimmer sind nicht davor sicher. Man hat verschiedene Gründe für den scheinbar unerklärlichen Plötz­lichen Tod beim Schwimmen angegeben, so Krämpfe, Herzschlag, Ohnmacht uni) dergleichen und hat ganz besonders daS Baden unmittelbar nach der Mahlzeit als gefährlich hingestellt. Diese letzte Ausgabe scheint allein stichhaltig zu sein: tatsächlich hat die alte Volksweisheit, die auempsieUt, zwischen dem Essen und dem Baden ein bis zwei Stunden verstreichen zu lassen, wieder Recht behalten. Bor einiger Zeit wurde in der Münchener medizinischen Wochenschrift der genauere Zusammenhang zwischen dem Schwimmen und dem Zustand des Wagens erläutert. Es ist schon seit langem bekannt, daß daS einfache Eintauchen des Körpers ins Wasser die Arbeit, die zur Atmung nötig ist, um 10 Prozent erschwert. Durch das Schwimmen wird die At­mung noch um weitere 50 Prozent erschwert, und da überdies bei der großen Arbeit die Lungen viel mehr Lust verbrauchen, (51 Liter in der Minute gegen 42 beim Bergsteigen), ist das Zwerchfell nicht imstande, die hierzu nötige Arbeit ausznführen, wenn der Magen gefüllt, also durch Nahrung oder Gasmassen ausgedehnt ist, zumal der Druck, unter dem der ganze Körper steht, erhöht ist. Der Tod kann so eintreten, ohne daß der Schwimmer vorher irgend ein drohendes Anzeigen merkt, nud ohne daß an der Leiche irgend welche auffällige Veränderungen nachzuweisen wären.

* Modernster Blumenkult. Aus London wird uns berichtet: Immer größer wird die Bedeutung des Florakultus im modernen Gesellschaftslcben, längst beschränkt man sich nicht mehr darauf, die kunstvoll geschmückte Tafel mit kostbaren Blüten und Buketts zu beleben, in jedem Salon stehen prachtvoll ge­formte kostbare Basen, in denen üppige Büsche exotischer Blumen ober große Sträuße duftender Rosen und mattvioletter, Veilchen in geschmackvoller Farbentönung prangen und ein Abbild neben von dem Farben- und Formensinn der Hausherrin und ihren Neigungen. Aber die neue Methode gibt sich nicht mehr damit zufrieden, den zarten oder berauschenden Dust, die grazilen oder phantastischen Formen reizvoller Blumengebilde zu bewundern und zu genießen, sie ist sortgeschritten zu einer Systematisierung verbindet mit dem Charakter einzelner Blüten -besondere Vor­stellungen, setzt sic in Einklang mit den Wünschen und Sehnsüchten der Seele und beginnt so die Schönheiten der Blumenwclt prak­tischen Sinnes mit dem Alltag zu verknüpfen. Die eleganten Damen baden inmitten von quellenden Blütenknospen, die lässig auf der Wasserfläche treiben und ihren matten zarten Duft dem Wasser übertragen. Bewußt hält man die Wirkungen des Blumen-