^etzt redete Maitland zum erstenmale seit Darrows Tode. Wenn Sie die Kehle genauer betrachten, werden Sie etwas bemerken, was eine Wunde sein kann," sagte er und fuhr ruhig in seiner Untersuchung fort. Er hatte recht, es war dort eine ganz unbedeutende Verletzung sichtbar. Was mir bei meiner feiten Uebcrzeugung, auch die peinlichste Untersuchung könne hier nichts entdecken, verborgen geblieben war, das hatte auch Flo­rences rascher Blick bereits bemerkt.

Sie wandte sich jetzt an Maitland und fragte wieder:Sollte nicht doch einer von nns zur Polizei gehen?" Maitland, der unter Umständen einer solchen Konzentration seiner Gedanken fähig ist, daß er feine Umgebung völlig vergißt, überhörte die Frage und Brown antwortete für ihn:Es wäre mir nichts an­genehmer, als diese Pflicht auf mich zu nehmen."

Wer hat nicht schon erfahren, wie feinfühlig wir für Kleinig­keiten und die leisesten Mißtöne werden, wenn ein Schlag wie dieser unseren Geist aufs äußerste angespannt hat? Florences Vater, ihr einiger naher Verwandter, lag kalt vor ihr, nach ihrer Auffassung das Opfer eines geheimnisvollen, schändlichen Verbrechens, und doch entging ihr nicht die Ungereimtheit von Brownsnichts wäre mir angenehmer", wie ein schneller Blick und ein rasches Zucken um ihre Mundwinkel bezeugten. Es verschwand jedoch augenblicklich wieder und war zweifellos halb unbewußt. Ernst versetzte sie:Ich wäre Ihnen in der Tat verbunden, wenn Sie das tun wollten."

Maitland, der jetzt mit seiner Untersuchung fertig war, be­merkte, daß Brown sich entfernen wollte. Als der Maler auf dem Wege zum Hausflur an ihm vorüberging, legte ihm Mait­land die Hand auf die Schulter und sagte:Verzeihen Sie, aber tch ersuche Sie dringend, das Zimmer nicht zu verlassen!"

Brown machte halt und die beiden Männer standen einander gegenüber wie zwei kampfbereite Krieger.

3. Kapitel.

Maitlands Aufforderung an Brown, daS Zimmer nicht zu verlafsen, erschreckte uns alle. Sie klang mir damals wie ein kaum verhüllter Befehl, und ich erinnere mich, daß ich fürchtete, der Künstler würde so unverständig sein, sich nicht daran zu kehren. Hätte er in den nächsten paar Augenblicken sein eigenes Gesicht sehen können, so würde er eine Studie im Ausdruck haben machen können, wie sie sich ihm vielleicht bei jahrelangem Porträtieren nicht geboten hätte. Schließlich schienen die rasch wechselnden Vorstellungen, die sich auf seinem Gesichte spiegelten in dem einen bestimmten Gedanken aufzugehen, man habe ihn in Fräulein Darrows Gegenwart fast offen angeklagt, beim Tode sbres Vaters mitgewirkt zu haben. Als er Maitland, in dem er instinktiv seinen Nebenbuhler erkannte, ins Auge schaute, sah er einen Moment so düster und unheimlich aus, daß ihm wohl feder' auch das schlimmste Verbrechen zutrauen konnte.

Florence war nicht minder überrascht als wir andern über Maitlands Dazwischenlreten, aber in ihrer Stimme ließ sic nichts davon merken, als sie ruhig sagte:Herr Brown will aus meine Bitte einen Polizisten holen." Da ich sicher iw, daß Maitland me§ so gut wissen mußte, wie jeder andere von uns, so faßte ich ihre Bemerkung als eine höfliche Form für die Erklärung auf' Ich bin Herrin hier!"

c^^!^"bar sah es auch Maitland so an, denn er versetzte schnell: "Bch hoffe, Sie werden mich nicht für anmaßend halten ober meinen, ich verkennte Ihr Recht, in einer Angelegenheit Anord- nungen ju treffen, die so ganz ihre eigene ist. Mich treibt I allem der Wun,ch, Ihnen behilflich zu sein. Herrn Browns Ent- I Jernnng würde einen Fall, dessen Lösung schon so nur allzu schwierig ist, noch verwickelter machen. Wenn Sic freundlichst einen Bedienten zur Polizeistation schicken wollen, so will ich I xchnen, so bald wir Zeit dazu finden, auseinandersetzen, warum I id) mir die Freiheit genommen habe, in dieser Beziehung so bart- uäckig zu sein." '

ticruei die Detektivarbeit tun. Hier kommt auch schon des Doktors ''Utj Cil.

Einen Augenblick später ertönte die Glocke, und Doktor Ferris trat ein. Er ging auf Fräulein Darrow zu, indem er seinem Bedauern über ihr Unglück Ausdruck gab. Dann streckte er mir seine Hand entgegen.Was haben wir hier'?"

'Ehe ich antworten konnte, hatte er Maitland bemerkt: er trat auf ihn zu und schüttelte ihm die Hand.

Liegt die Sache wirklich so ernst, wie man mir gesagt hat'?" fragie ^cr nach der Begrüßung.

lieht es ganz so aus," versetzte Maitland langsam,als standen wir vor dem dunkelsten Geheimnis, das mir je vorae- kommen ist." "

. , "Dm," machte der Sachverständige.Hat man die Lage be» LeMnanis geändert oder sich sonst mit ihm zu schaffen gc-. I macht?"

Seit meiner Ankunft nicht," erwiderte der Polizist Barker, fragte Doktor Ferris, zu Maitland gewendet.

uucj ist völlig unverändert. Ich habe mir einiges notiert und em paar Maße genommen, aber nichts verändert," versetzte Maitland.

Gut, sagte Doktor Ferris.Kann ich diese Auszeichnungen lehen, ehe ich wieder gehe? Sie hatten mit dem Parkerschen, eyai.e zu tun urkd stehen, tvie Sie wissen, in dem Rufe, den Sacyen aus den Grund zu gehen. Vielleicht haben Sie ctivas bemerkt, was mir entgangen wäre."

Aic Notizen stehen czhnen zur Verfügung, Herr Doktor," erwiderte Georg.

. Doktor Ferris untersuchte den Körper aufs gründlichste, was bei i elfter großen Erfahrung in der Leichenschau bald geschehen war. Aber trotz der Kürze der Zeit, welche die Untersuchung in Anspruch nahm, litt Florence, wie man aus ihrem Benehmen sehen tonnte, sehr darunter.

_ Darauf nahm der medizinische Sachverständige Maitland bei­seite, schaute sich seine Notizen an und führte'mit ihm einige Minuten lang in leisem Ton ein eifriges Gespräch, dessen Inhalt nnr unbekannt blieb. Als er kurz darauf fortging, begleitete ihn der Polizist. ,

Sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, wandte sich Florence an Maitland und fragte in einer sichtlichen Span­nung, die mich in Erstaunen setzte:Hat er Ihnen seine Mei­nung gejagt?"

. üibt den Tod Ihres Vaters einer bisher unbekannten Ursache schuld," entgegnete Maitland.

Florence schien sich durch diese Antwort sehr erleichtert zu fühlen, obwohl ich den Grund dafür nicht entdecken konnte.

Maitland trat nun noch näher zu ihr heran und sagte: Wollen Sie mir jetzt gestatten, mein scheinbar seltsames Ver- halten gegen Herrn Brown zu erklären und zugleich diesen trau­rigen Todesfall ruhig und kühl zu erörtern?"

Florence neigte zustimmend ihr Haupt, und er begann feine Auseinandersetzung:Herr Darrow ist unter ganz merkwürdigen Umständen gestorben. Es gibt eine dreifache Möglichkeit der Erklärung dafür. Entweder hat sein Tod natürliche Ursachen ge­habt, und seine letzten Aeußernngen waren die Folge einer Hallu­zination, unter der er litt. Oder Herr Darrow hat Selbstmord verübt, vielleicht unter der Wirkung irgend einer Wahnvorstellung, die dann auch feine letzten Worte für uns erklären würde, falls riefe nicht verzeihen Sie, daß ich es ausspreche, daraus berechnet waren, uns absichtlich zu täuschen. Oder endlich: Ihr Vater ist ermordet worben, und seine Worte haben den Vorgang mehr oder weniger genau erklärt. Ich meine, damit sind alle Möglichkeiten erfchö pst."

(Forisetzimg folgt.)

t ^lmm^hatte er zu Ende gesprochen, als Florence einem Diener schellte, sic teilte ihm eilig das Notwendige mit und schickte Gn zur nächsten Polizeistation. Ta diese nur wenige Straßen entfernt feg und der Bote feine Schritte beflügelte, so war bald ein Polizist zur Stelle.Wir konnten," sagte er beim Eiw- Weten,den ärztlichen Sachverständigen Ferris telephonisch in seiner Wohnung in der Fitzgeraldstraße erreichen; er wird sofort hier sein. Inzwischen bin ich nur hergeschickt worden, um darauf zu ' .jen, Körper vor seiner Untersuchung nicht angerührt bftB aUe§ im Zimmer genau so bleibt, wie cs zur Zeit dev Todes war. Hieß es nicht," fügte er zu Maitland leiser hinzu,man vermute ein Verbrechen?"

"®a'" versetzte Maitland,das ist eine Auffassung, die sicher alle Beachtung verdient."

,,^ch dächte, der Sergeant hätte was von Mord gesagt, als er nach ein paar Spezialisten telephonierte. Sie sollen, denk ich,

Das Genesen.

Wohl ist den Kranken eine schwere Bürde anferlegt; I deiln Beschwerden aller Art und Schmerzen sind Begleiter der Krankheiten, und oft setzen sie dem Leben selbst ein mehr ober weniger plötzliches Ende. Aber ihnen verdanken lvir auch eins der schönsten unb wohltuendsten Gefühle: das Genesen. Vergessen sind die schweren, bangen Tage: stiller, ruhiger Friede lagert auf dem Ailtlitz, und der verlorene Glanz kehrt dem matten Auge wieder, während die neuer­wachende ^Freude am Leben die Brust immer weiter spannt und neue .Hoffnungen das Herz erfüllen. Der Genesende geht einem neuen, sonnigen Leben entgegen. Mit dem seelischen Wiederaufleben geht die körperliche Erholung Hand in Hand;

gesteigerte Eßlnst des Hungrigen und ruhiger, tiefer Scylaf tun das, ihrige dazu. Wie die meisteu unserer be­sonderen Empfindungen, Gefühle und Stimmigen in be-

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