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ich schilderte die Torheit des Unternehmens, die Verwirrung, die ich überall gesehen, den Jammer der Eltern. Karl Hillebrand selbst setzte dem Bruder zu, mit mir zurückzu- geheu, sein Studium aufzunehmen. Er selbst hatte noch kein Verhältnis zu einer Wissenschaft, die Rückkehr nach Gießen war ihm verhaßt und ein abenteuernder Sinn trieb ihn weiter.

Wir teilten redlich mein Reisegeld, aus dem zuerst die Rechnung im Schwarzen Lamm "beglichen wurde, dann schieden wir. Karl Hillebrand erhielt in der Tat eine her­vorragende Stellung nächst den Führern, wurde in Rastatt gefangen, vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode ver­urteilt. Umsonst bemühte sich seine Schwester um Begnadi­gung. Da gelang ihm eien kühner Fluchtversuch. Mit einem landeskundigen Mitgefangenen entsprang er der Kase­matte, schlängelte sich durch die Fortifikation, gelangte ins Freie und an den Rhein. Fischer vom Elsässer Ufer, die mt einer Rheininsel hielten, holten ihn auf sein Rufen und Winken über, gerade noch, ehe die ihn verfolgenden Gen­darmen am Strom anlangten, die dem Boot noch ein Paar Schüsse nachsaudteu.

Ich aber hätte den Bruder, und mein Herz schwoll vor Freude. Wie ihn aber sicher durch die badischen unb penß. Linien nach Hause bringen? Wir schlugen uns hinter Karls­ruhe auf das linke Rheinufer, vermieden die großen Straßen, gelaugten glücklich bis Frankenthal, machten einen Umweg um Worms, und ließen uns hinter Oppenheim auf das rechte Ufer übersetzen. Wir waren im Rücken der Kom­battanten und pilgerten unsere Straßen wie junge Leute auf einer Ferienreise. Die letzte Station von Frankfurt nach Gießen legten wir in dem Privatomnibus, die Blamage genannt, zurück. (Die Eisenbahu kam erst Jahre darauf.) Tief in der Nacht langten wir in Gießen an. Die elterliche Wohnung lag Parterre im großen Eckhaus an der Wieseck. Den Weg durchs Fenster kannten wir Erfahrung. Wir stiegen ein und schlüpften todmüde in die Betten'. Am Morgen ging unser Vater in seiner Betrübnis durch die leer­geglaubten Stuben. Er hatte keine Nachrichten erhalten und gab schon alle Hoffnung auf. Da lagen sie beide, der zurückgekehrte Sohn, der Liebling, und ich, der junge Spring­insfeld, dem das Wagestück unvermutet gelungen ...

Das waren die entscheidenden Tage im Leben von Heinrich Dernburg. Wäre ich nich? in jenen Augenblicken mit den Mitteln, ihn heimzuholen, bei ihm erschienen, so blieb er in den Aufstand hiueingezogeu, das Flüchtlingsleöen hatte ihn verschlungen, wenn er nicht gar die Gefahr Karl Hillebrands geteilt hätte. Die Pandekten und das Bürger­liche Recht wären wohl ungeschrieben geblieben. Karl Hille­brand war schließlich einer der Bevorzugten unseres krou- prmzlichen Paares geworden, das ihn vergeblich nach Deutschland zu ziehen versuchte. Mein Bruder trat den Weg an, der ihn schließlich auf den ersten Lehrstuhl des Rechtes in Deutschland führen sollte. Er konnte die Rechtsanschauungeu, die sich bei seinem Vater gebildet hatten, und denen dieser Unter der Ungunst der Verhältnisse keme methodische Entwickelung geben konnte, von einer hohen Warte aus verkünden itni) so dem väterlichen Le­benswerk Abschluß und Vollendung geben. Heinrich Dern- burg ging nach Berlin, er trat in die Streife von Savigny. xyit oiefer Umgebung ging ihm der Sinn aus für das, was em Staat, der preußische Staat ist und bedeutet. Mit ganzem Herzen, mit von Jugendillusionen befreitem Srnn schloß er sich ihm an, und er ist sein Lebeulang dessen überzeugter Verehrer und. treuer Adoptivsohn ge-

11 di ussatzig e. In Ncw-Hork wurde eine junge

jd-jone Kurländerin als aussatzkrank erkannt ruid ivird nun naa) der Heimat zurückbeordert. D.aZB. T." berichtet darüber:Zusammengedrängt auf dem Oberdeck der Jacht Romana", die bei Eich Island ankerte, beobachtete eine Gruppe von zehn portugiesischen Matrosen und ebenso, vielen Zeilungslenten und Photographen mit Grauen und Mitleid em schönes langes Mädchen, das nervös aus- und ab ging. ShiS der gedampften Unterhaltung tönte ab und zu das Wott Lepra hervor, und jedesmal, wenn Fräulein Bertha Ossis

Redaktion: R. V.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlaa der Brü

Monatshefte für graphischeS Kunstgewerbe Herausgeber Kunstmaler Albert Knab, Redakteur Carl Maltbies, Berlin. Verlag von Carl Flemming, A.-G. Berlin W. 35 rind Glogau. 6 Jahrgang, Heft, 7. Tas vorliegende Heft ist der Lauerschen Gießerei in Frankfurt a. M. und Barcelona gewidmet Es werden Anwendungen des von Maler E. R. Weiß entworfenen Materials vorgeführt, die sowohl in der Zusammenstellung als auch in der Farbe von viel Geschmack zeugen. Dieselbe An- erkennung muß man auch den früheren Ausgaben derMonats­hefte für graphisches Kunstgewerbe" zollen.

sich der Gruppe näherte, wichen die Männer zurück. Schlepper und Ruderboote umgaben die Jacht, und deren Insassen gaben sich Muhe, ans sicherer Ferne das junge Mädchen zu sehen die als dem Tode geweihte Aussätzige nach Rußland deportiert werden soll. Als der Vertreter desMorgen-Journal", der an Bord der Jacht gegangen war, sie fragte, ob es denn liÄjer fei, ba& sie die Lepra habe, zeigte sie statt jeder Antwort aus em kleines Mal an ihrer linken Wange, Das ist Aus-

sie leise. Und als die Männer" zurückwichen, fetzte sie lächelnd hinzu:Es tut nichts, keine Angst!" Dann weinte sie und das Lächeln erstarb in einem Tränenstrom: Ja lieber nicht näher!" Dann erzählte sie ihre Leidens- gefchichte. Vor noch nicht zivei Jahren eingewandert, fand sie bald eine Anstellung. Jedermann hatte die zwanzigjährige Blondine mit den tiefen blauen Augen gern. Eines Tages aber lief bei dem Gesundheitsamt in New-Bedford, Masst, ein anonymer Brief ein, in dem behauptet wurde, daß sie an Aus. folg leide. Sie wurde aufgesucht, ins Hospital gebracht und untersucht. Ihre Haut war am ganzen Körper ohne Fehl nur auf der linken Wange hatte sie ein kleines, kaum sickst- bares Fleckchen. Nach mehrmonatiger Untersuchung sprachen die Spezialisten ihr Urteil aus: Sie ist den: entsetzlichen Leben und Ende der Aussätzigen geweiht. Sie ivird nach Kurland, ihrer Heimat, zurückgebracht.

Ein resoluter ABC-Schütz. Tie jüngsten MBC- Schutzen der Knabenschule in Neustadt bei Koburg verhielten sich kürzlich derartig unruhig, daß der Lehrer erklärte:Wenn ihr letzt nicht ruhig seid, wird einerübergelegt"! Ohne weiteres erhob sich einer der Knirpse und rief dem Lehrer 111 Früh soll die Suhlerei schon uS gib? Begreiflicherweise ließ der Lehrer unter solchen Umstanden Gnade für Recht ergehen.

* Mißverständnis.' In der letzten Zeit sanden am Ho styeater einer Residenz fortwährend plötzliche Repertoire-Aen- derungen statt. Tie Gnädige schickt deshalb am Nachmittag ihre Donna zur Anschlagesaulc, um den Theaterzettel studieren M lassen. Nach langem Warten kehrt die Fee zurück und be­richtet freudestrahlend:Se wlssen's noch uech, ob se 'n Tann- haryer oder n Sängerkrieg uf de Wartborg geb'n!"

. * Zeitgemäße Höflichkeit.Herr Graf, es war uns eine große Freude, Sie bei uns heute abend zu Gast zu sehen " ~ "U?"^auf meiner Seite, Herr Kommerzienrat! Es war reizend! Wenn Herr Kommerzienrat das Menu dem Staats­sekretariat des Auswärtigen einsenden, iverden Sie sicher Je- sandter m Washington werden. Mahlzeit!"

'" Der Raucher:In a Theater, in a Pulverfabrik und in a Symphoniekonzert bringa mi koanc zehn 8ioß not nei weil man da not raucha derf."

Rätsel.

Das Erste ist von starker Art,

Bekannt an Hasenplätzen, Und hat schon os! beladen sich Mit Indiens reichen Schätzen.

Tas Zweite hat drei Zeichen mir,

Ein jeder liebls von Herzen, Doch macht es ihm durch Leidensehast Die allergrößten Schmerzen.

Das Ganze schwebt in Lüsten hoch Mit glänzendem Gefieder, Und Friedrich Schiller einst ihm sang Eins seiner schönsten Lieder. A. Ammann.

.Auflösung in nächster Nummer.!'

Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummerr Es ist der Krieg ein rohgewaltsam Handwerk.

hl'schen Universitäts-Buch» und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen,