Ausgabe 
1.4.1908
 
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dämpfte Stimmen und lief die Stiege herab. Grade kam- er aus der Tür, gefolgt von Friede., versuchte möglichst zuversichtlich auszusehen und redete der Besorgten Mut zu:

Hoffen wir das beste hoffen wir das beste ich kann nicht verhehlen, hast die Schwäche groß ist, aber fahren Sie nur mit den Kräftigungsmitteln fort, liebes Fräulein nur Mut!"

Luise stand im Schatten und sah sich den behäbigen, ältlichen Mann an. Er hatte kleine, zwinkernde Augen, einen grauen Stoppelbart und fehl ganzes, etwas derbes Auftreten, Kleidung und Stiefel, verrieten den Landarzt. Als er ihr ein rotes, harrn- loses Gesicht zuwandte, wußte sie es schon. Er ist grade, was sie braucht. \

Darf ich Sie einen Augenblick sprechen?" fragte sie, sowie Frieda die Tür der Krankenstube hinter sich geschlossen hatte.

Er erschrak fast, denn er hatte die schmale, dunkle Gestalt gar nicht bemerkt.

Ich bin Frau von Loysen," sagte sie und öffnete dabei die Tür zur Schlafkammer der Schwestern.

Umhertastend fand sie Schwefelhölzchen und zündete eilt Licht gn. Dabei sprach, sie schon erklärend:

Ich möchte Sie nämlich bitten, meine Lungen zu untersuchen.

Ich fühle mich nicht wohl."

Und das Kuite von den Lungen? Hm, hm na ja, gnädige Frau, sehen ein bißchen sehr zart aus. . . aber wir wollen doch Nicht gleich denken"

Ich denke gar nichts, aber ich weiß, daß ich schwache Lungen habe."

Er hatte schon ein Hörrohr hervorgeholt, polierte daran 'herum und bat sie, ihr Weid zu öffnen. D-abei sah er etwas wichtig und geschmeichelt aus.

Ihr Vertrauen ehrt mich, gnädige Frau, darf ich also mal horchen?"

Er horchte und pochte und horchte und sagte dann beruhigend:

Ei nun, da ist aber nichts Bedenkliches zu spüren auch nicht der geringste Katarrh;n bißchen schwach sind sie schon, «ber das braucht Sie nicht zu ängstigen. Nun möchte ich mir aber auch noch das Herzchen ausbitten nicht daß ich dem Herrn Gemahl in seine Rechte pfuschen wollte," spaßte er gemütlich nur so'n bißchen horchen so haben wir schon. Ja."

Hierauf hatte sie gerechnet. Sie wußte es, daß sie einen Hertzsehler hatte, und es lag ihr daran, daß sich dieser Mann, >,der morgen tviederkommt", davon überzeugte.Hm!" machte er nur, als er mit seiner Untersuchung fertig war.

Nun? Was ist? Mein Herz ist nicht gesund sagen Sie es nur grad heraus."

Na, na, nur nicht erschrecken. So'n kleines Fehlerchen ist da, aber meine liebe, junge Frau, damit können Sie achtzig Jahr alt toerben."

Das denke ich mir fein Vergnügen," sagte sie leichthin, >,können Sie mir bis dahin ein Mittel zur Linderung der Herz­beschwerden geben?"

Er ließ sich dieselben beschreiben, riß dann ein Matt aus seinem Notizbuch, kritzelte einige Linien und ermahnte dabei:

Vor allem hübsch ruhig leben. Radeln, Reiten, Schlittschuh­laufen vermeiden. Seine Bergtouren machen. Habe Ihnen hier ein Trünkchen verfchrieben, wonach sich die Beschwerden bessern werden."

Danke. Nun möchte ich Ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen."

Er verbeugte sich mehreremal und verabschiedete sich:

Auf Wiedersehen morgen früh."

Sie suchte in ihrem Portemonnaie, sand ein Goldstück und reichte es ihm, während sie dachte: Wenn du mich morgen wieder- siehst wo werde ich dann sein? Eine plötzlich aufsteigeude Ängst schnürte ihr die Kehle zu, sie schloß die Tür und saß lauge regungslos beim Schein der flackernden Kerze. Dabei glitt ihr Blick an den Wänden auf und ab und über die einfache Ein­richtung der Schlafkammer. 'Hier hatte sie und Frieda einst ge­schlafen, Julchen hatte jetzt ihren Platz eingenommen, aber über der schmalen Bettstelle hing noch das Christusbild, welches der Vater ihr zur Konfirmation geschenkt hatte. Das hatte sie nicht mitgenommen, als sie das Elternhaus verließ. Endlich erhob sie sich und ging ins Krankenzimmer, um sich zur Nachtwache anzubieten. Es ward beschlossen, daß sie sich mit Frieda ablösen solle. Gotthard wollte die ganze Nacht aufbleiben.

So saß fte denn mit ihm in der stillen Stube, in welcher ein Nachtlicht schwachen Schein verbreitete. Nach Ablauf jeder Viertelstunde starch sie auf, befeuchtete die Lippen des Kranken mit Wein oder lauschte auf seine schwachen Atemzüge. Ihr ganzes Wesen war ruhig und sicher. Der Kranke nahm willig das Vor­geschriebene, aber er öffnete kaum die Augen. Tat er dies aber.

so bewies ein freundliches Aufleuchten, baß ihn das Zusaw.'-nen- seiu der Geschwister freue. Die Zwei sprachen nicht viel zusammen, und was sie sagten, bezog sich meist auf die Verordnungen des Arztes. So schlichen die Stunden hin, langsam, langsam. End­lich, um drei Uhr, trat Frieda ein und winkte der Schwester, zu gehen. Luise erhob sich schweigend, sie beugte sich noch einmal wie forschend über den Vater und küßte, unbemerkt von den anderen, seine Hand, bann wandte sie sich zu den Geschwistern.

Gute Nacht," flüsterte sie und reichte ihnen die Hand, wohl berechnend, daß der Druck nicht heftig, sondern still und ruhig sei.

Gotthard ging mit ihr bis an die Tür.

Ich will dir leuchten," sagte er,du hast ja kein Licht und die Treppe ist steil."

Er entzündete ein Wachshölzchen und ging so neben ihr hinaus.

Luise," sagte er zögernd,ich war zu hart ich war's!" Ich danke dir's," sagte sie ruhigHärte tat mir not." Sie standen oben, er öffnete ihr die Tür und zündete ihr das Licht an.

Gute Nacht," sagte sie,ich bin sehr müde."

Wirst du schlafen können?"

Ich denke, ich kann es. Und wenn jetzt nicht, bann in den Morgenstunden."

Du sollst nicht gestört werden. Gute Nacht. Vergiß nicht das Fenster zu schließen."

Das bleibt offen. Ich bin's so gewöhnt."

Also ging er und sie stand wartend, schlich dann. bis ans Treppengeländer und sah hinab und beobachtete mit weitauf- gerissenen Augen, wie im rötlichen Dunstkreise des brennenben Wachslichtchens die Gestalt des Bruders tiefer und tiefer versank und endlich verschwand.

(Fortsetzung folgt.)

Auf der Fahrt nach Deutsch-süd-Mst-Afrika.

Von Stadtbaumeister Braubach. (^Original-Artikel derGieß. Fam.-Bl.").

IV.

(Schluß.)

Unsere weitere Fahrt führte uns nach den Stationen Schackals- kuppe und Buchholzbrunnen, die beide Wasfer haben. Er­stere ist interessant durch die steil aufsteigende Felskuppe, die oben eine alte, weit ins Land schauende Signalstation trägt- Unterwegs sahen wir ans dem Wagen eine Herde Springböcke und eine Stranßenfamilie, Hahn, Henne und 8 Kücken. Wäh­rend früher öfters Wild von der Bahn aus geschossen wurde, ist dies jetzt streng verboten. In Bnchholzbrunnen trennte sich die Expedition; während unser Ingenieur mit Mannschaft und Gepäck nach der nächsten Station Brackwasser weiter ging, um von da den Transport per Achse nach der Raute zu leiten, machten die attbereu Herren einen Abstecher nach Bethanien.

Bei der Weiterfahrt des Zuges gabs ein kleines Inter­mezzo. _ Unsere Jungen, die einem zurückbleibenden Herrn bei der Sichtung des Gepäcks halfen, hatten das Signal zur Ab­fahrt versäumt. Den langen Isaak beförderte ich noch, in­dem ich ihn am Rockkragen packte, auf den bereits fahrenden Zug, die beiden anderen blieben zurück. Sie erhielten einen Begleitschein und trafen mit einem späteren Zuge richtig am Bestimmungsort ein. In Buchholzbrunneit waren wir um die Mittagszeit angekommen. Wir kochten und hielten gemein­sames Mittagsmahl, wobei zum erstenmal unsere Konserven- kisten in Gebrauch kamen. Gegen zwei Uhr fuhren wir mit der Maultierkarre des Landesgeologen und in dessen Begleitung nach Bethanien. Die Maultierkarre war ein zweirädriger leichter Reisewagen mit Schutzdach aus Segelleinen, bespannt mit 6 flotteni Maultieren, die hier zu Lande wunderbarer Weise Esel genannt werden. Die Karre führte ein Bur, während ein Hottentot an feiner Seite mit der Schwippe einer Peitsche mit langer Schnur und etwa 5 Meter großem Bambusstiel die Tiere unter fortwährendem Zurufen antrieb. Auf diese Weise ging die Fahrt flott von statten und wir langten auf der teilweise recht steinigen Pad gehörig durchgerüttelt gegen 5 Uhr in Be­thanien an. Unterwegs hatten wir Gelegenheit, eine Hotten- tottentoerft mit ihren bienenkorbartigen Pontoks zu besichtigen. Die Pontoks werden aus Reisig und dünnen Aesten hergestellt und mit alten Hafersäckeu, Zeltbahnen oder Decken überzogen. Geräumig ist so ein Haus gerade nicht, doch Raum ist in der kleinsten Hütte ....

In Bethanien fanden wir Unterkunft im alten Lazarett.- Ein eisernes Bettgestell, darauf unsere Decken, war unsere La­gerstatt. Wir machten, nachdem wir den Reisestaub abgeschüttelt hatten, dem Distriktschef und seiner Gattin unsere Äufwar- tung. Herrlich ist der Distriktsgarten angelegt und unter­halten, hier sieht man, was Liebe zur Natur und Fleiß zu Stande bringen können. In dem Garten sahen wir alle.