Ausgabe 
1.2.1908
 
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MM

Ji! diesem Tone plaudert der treffliche Künstler fort.

Blättert utmt dann in dein .Hefte weiter, so findet inan wieder sechs meisterhafte farbige Kunstblätter, dar­unter eia Kindevbild von Fritz August von Kaulbach, dessen Lieblichkeit hinreißt, das tiefergreifende, weltberühmte Bild Allein auf der Welt" von Josef Israels, Paul Besnards sprühendes Porträt der Madame Rsjane und eine färben-- glühende Stiinnntngslandschaft von Rüdisühli. Die Zeit­schriftMeister der Farbe" scheint eben int neuen Jahr­gänge ihren Ruhm aufs neue befestigen zu ivollen. Jeder Kunstfreund, der sie abonniert, wird daran Freude haben.

Wenn Frauen freien.

. Auf eine mittelalterliche Sitte wollen sich die Amerikaner berufen, wenn sie als köstlichste Gabe des Schaltjahres für die Frau das schöne Recht in Anspruch nehmen, sich frei den Mailn ihrer Neigung zu wählen. Int Jahve 1228 gab das schottische Parlament die Verordnung, daß während der segensreichen Regierung der Königin Margareta es den Frauen gestattet sei, sich eiüewMann zur Ehe zu erküren, und in einer alten irischen Legende wird von St. Patrick berichtet, daß er den ihn be­drängenden Nonnen vergönnt habe, alle vier Jahre einmal das Kloster verlassen und sich einen Mann suchen zu dürfeu. Heute aber ist die Zeit, da J-rauen freien, nach der Meinung der Yankees erfüllt, und mit dieser dem Weibe gewährten Freiheit wird die letzte Schranke fallen, die noch die Frau von der Gleichberechtigung mit dem Manne trennt.

Statistisch festgestellt' ist, daß jedes Schaltjahr eine größere Zahl von Eheschließungen aufzuiveisen hatte als die anderen Jahre. In den ersten drei Monaten des Jahres 1896 war eine Zunahme von 412 Eheschließungen in Newhork zu konstatieren; 1904 war die Ziffer noch beträchtlich größer. Von einigen Heldinnen dieses Jahres, die es ivagten, aus der den Frauen auferlegtcn Schüchternheit herauszutreten Und ihrerseits einen Antrag zu machen, geht jetzt wieder die bewnnoerte, zur Nachahmung anlockende Mär. Da war Miß Olga Petersen, eilte reiche Dame der Saltlake City, die Uu Sven Larsen einen Brief schrieb, in dem sie ihm ihre Hand antrug, und umgehend ein Telegramm mit dem einen Worte Ja" erhielt; dann die bekannte Schauspielerin Zeffte Tul- bury, die ihrem Theaterdirektor während einer Tournee in Toledo einen Antrag machte und noch am selben Tage ihm ängetraut wurde, lind alle diese Ehen sind außerordentlich, find ungewöhnlich glücklich geworden. . . Natürlich sind auch die Ansichten hervorragender Persönlichkeiten eingeholt wor­den, die sich für und wider ausgesprochen haben. Der Soziologe Felix Somlo glaubt, daß Ehen, die durch die Ini­tiative der Frau geschlossen werden, dem Ideal jedenfalls Näher kommen werden als die Mehrzahl der auf die jetzt üb­liche Weise eingegaugenen Ehen. Dagegen hält die bekannte Schriftstellerin Ella Wheeler Wilcox dieses aktive Vorgehen der Frau bei der Verlobung für im höchsten Grade nnwetb- licb und meint, das werde eine Verachtung des weiblichen Geschlechtes durch die Männer zur Folge haben. Eine ändere Frauenrechtlerin, die Präsidentin der Newhvrker Vcr- leinignng der Frauenklübs, Mrs. Belle de Revera, erklärt dagegen:Den Mädcheit wird immer eingeprägt, daß die eigentliche Sphäre der Frau ein Heim mit Gatten und Kindern sei. Aber wie kommt das arme Ding dazu? Sie muß also das gleiche Recht haben, ihr Ziel zu erlangen, U>te der Mann."

* Wegen ungenügenden Portos gehängt. In Lincoln, Amerika, würde der Neger Harrison Clarke infolge eines eigentümlichen Versehens gehängt. Clarke war, so lesen wir int Hann. Cour.", wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, aber die Beweise für seine Tat standen auf so schwachen Füßen, das; der Gouverneur von Nebraska am Abende vor dem Hin- richtungstage zu der Ueberzeuguug kam, daß eine Begnadigung des Verurteilten notwendig sei. Diese Begnadigung ließ er durch .die Post der Gesünguisbehörde mitteilen. Der Bureaubeamte, der den Brief zu übersenden hatte, hatte diesen ungenügend frankiert, der Brief erlitt dadurch eine Verzögerung, die zur Folge hatte, daß das Begnadigungsschveiben erst drei Stunden nach er­folgter Hinrichtung in die Hände der Gesünguisbehörde gelaugte.

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Verse von Wilhelm Busch.

M a h n u n g. Helene," sprach der Onkel Nolte, Helene, was ich sagen wollte I Ich warne dich als Mensch und Christ: O hüte dich vor allein Bösen! Es'macht Pläsier, wenn man cS ist, Es macht Verdruß, wenn maus gewesen l« Liebe.

Ein Irrtum, ivelcher sehr verbreitet Uni) manchen Jüngling irreleitet, Ist der, daß Liebe eine Sache, Die immer viel Vergnügen mache.

*

Für manchen hat ein Mädchen Reiz, Nur bleibt die Liebe seinerseits.

Verlob u n g.

Das ist allerdings was Schönes, Dennoch mangelt dies und jenes. Traulich im Familienkreise Siht man da und flüstert leise, Druckt die DaNinen, küßt und plaudert, Zehne schlägt?, indes man zaudert, Mutter strickt und Vater gähnt, find ehe man was Böses ivähnt, Heißt es:Gute Nacht bis morgen."

H e i r a t.

O wie lieblich, o wie schicklich, So zu sagen herzerguicklich Ist es doch für eine Gegend, Wenn zwei Leute, die vermögend, Außerdem mit sich zufrieden, Aber von Geschlecht verschieden, Wenn nun diese, sag' ich, ihre Dazu nötigen Papiere Sowie auch die Haushaltssachen Endlich 'mal in Ordnung machen Und in Ehren und bei Zeiten Hin zum Slandesamte schreiten, Wie es denen, ivelche lieben, Vom Gesetze vorgeschrieben. Dann ruü jeder ireudiglich: Gott Sei Dank, sie haben sich!"

91 a h r u n g s s o r g e n.

Die Sorge, wie man Nahrung findet, Ist häufig nicht so unbegründet .... Im Durchschnitt ist man kummervoll Und weiß nicht, was man machen soll.

Goldene Worte.

Wie gut klingen schlechte Musik und schlechte Gründe, wem, . man aus "einen Feind losmarschiert! Nietzsche.

Dem Nüchternen macht die Gottheit alles schwer.

* Horaz.

Die Leidenschaft erhöht und mildert sich durchs Bekeimen.

, Goethe.

Gegen Verleumdung gibt es keinen Wall. Moliöre.

Rätsel.

Die erste Silbe ist mir lieb;

Sie spricht von meinen Gängen, Wo ich des. Bach es Fall gelauscht

Und muntern Vogelfängen.

Wie war es ost so friedlich dal

Natur nur hört ich reden

Und träumte manchen schönen Traum

Allein in meinem Eden.

Ein großes Bodenstück will dir

Tie zweite Silbe zeigen;

Es gilt als wohlbestellter Mann, Wer viele nennt sein eigen.

DaSs.Ganze kleidet feierlich

Ten Träger hoher Würde,

Und unser schönes Silbenvaar

Wird oft zu einer Bürde. A. A m ina Nit

Auslösung in . nächster Nummer.

Auslösung des Rätsels in voriger Rümmer: Spargel.

Richtige Rätsellösungen gingen uns zu von: Bäcker Bernet in Großen-Linden, Otto Artz in Langgöns, ferner mehrere aus Rodheim a. B., Bellersheim, Schlitz, Ortenberg und Hungen.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.