Ausgabe 
29.7.1907
 
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Meben bin, meine SemesteMmeraden später von ihren demo­kratischen Anwandlungeit zurückgekommen sind und daß mein Freund M., der dsaMalige Sprecher, dem es noch auf dem dreißigjährigen Stiftungskommers in Bingen sein RepublikaniI- mus nicht gestattete, sich her dem Kaisertoast zu erheben, später! beit ihm von dem preußischen König verliehenen Titel als Sani- tjAtsriat annahm und zu meiner Freude in aller Rüstigkeit heute noch führt. Auch in diesem, meinem dritten Se­mester, herrschte ein reges Verb indungsleb e n, die sogenannten Kränzchen gaben ernste Anregungen und die <Ä- weiterung des Gesichtskreises über die Spezialstndien, die beginnen­den Wirren im Oriente die zum Krim kriege führten, lenkten unser Interesse auch auf die praktische Politik. Unsere Sympathien waren naturgemäß auf Seiten der Westmächte, nicht S" to aus Vorliebe für diese, sondern weil es sich um die G e g n e r -i äst gegen das absolutistisch regierte Rußland handelte. Wir verfolgten die Ereignisse mit dem größten Interesse und Mir ist der gänze Perlauf 'des Krieges von damals noch in genauester Erinnerung. Jene Gegnerschaft war aber nicht so inten­siv, als daß wir nicht der heldenmütigen Verteidigung Sebasto- pvls durch Tottleben unsere ggnze Bewunderung entgegen­gebracht hätten, zumal dieser ein Deutscher war.

Im Verlauf des Semesters knüpften wir Verbindungen mit den Jenenser Germanen an, die zur Folge hatten, daß zum Stiftungskommers am Schluffe des Semesters von diesen mehrere Mitglieder entsendet wurden. Auch dieser zweite große Kommers, den ich mitmsachte, verlief aufs Glänzendste. Ich gehörte zur D e k o r a t i o n s k o m m i s s i o n, deren Tätigkeit den Mitgliedern Kls Vorfreude einige herrliche Tage auf der Badenburg ver­schaffte. Diesmal wurden die Mitglieder und Gäste mit Wagen wach der Badenburg gebracht, v. G., der Baron ben annt, und ich empfingen die nahenden Wagen mit einem solennen Feuer­werk. Ich besaß von meinem Urgroßvater her eine sehr hübsche kleine Schiffs-Salutierkanone, die dabei ihr Bestes tat, und noch bis in die späte Nacht der Umgegend verki'mdete, daß wir unser Stiftungsfest feierten. Leider ist Mir das wertvolle Erbstiick in dieser Nacht gestohlen worden und obwohl ich bereits um vier Uhr morgens das Verschwinden bemerkte, habe ich trotz allcp persönlicher und polizeilicher Recherchen niemals wieder etwas davon gesehen.

(Fortsetzung folgt.)

Das Esse» der Kmder.

Bei der Erziehung der Kinder wird in vieler Beziehung viel gesündigt, und man glaubt kaum, wie vieles man vernachlässigt oder als belanglos betrachtet, was dennoch von außerordentlichem Einfluß ist. Greifen wir heute die Frage heraus: wie sich Kinder beim Essen benehmen sollen? In dieser Beziehung kann mail die traurigsten Erfahrungen machen, und besonders die Aerzte wissen genug davon zu erzählen, ivie viel Krankheiten) Namentlich des Wagens und der physischen Fiinktionen, der gänz­lich falschen Art und Weise des Essens zuzuschreiben sind. Ist es schoi: nicht gleichgültig, wann und was ein Kind ißt, so ist es noch viel wichtiger,, zu beobachten, wie ent Kind ißt. Bon früh auf muß man seine Kinder an Ordnung in allen Dingen gewöhnen, also. auch in Angelegenheiten der Nahrungs- zufuhr. schon beim Säugling darf man sich keine Mühe verdrießen lassen, dann wird es überhaupt nicht geschehen, daß das Kind rn spateren Jahren au ßerhalb den wirklichen Mahlzeiten nach Nah­rung verlangt. Es gibt Kinder, die tatsächlich fortwährend essen tonnen und auch fast 'fortwährend nach dem oder jenem t>ei> langen. Willfahrt eine Mutter solchen Anforderungen, etwa nur um Ruhe von den kleinen Geistern zu haben, so schädigt Ne die Kinder rörperlich und moralisch, vielleicht ohne sich dessen recht. bewußt zil sein. Ter kindliche Körper kann zwar tüchtig arberteil, aber selbst für den gesündesten Magen gibt es eme Grenze der Tätigkeit. Auch der Magen bedarf der Ruhe, da- safte sich genügend erneuern können. Dazu reicht die Nacht altern nicht aus, jedenfalls sollen auch die Kinder nur dann essen, wenn sie Hunger haben. Wir Menschen essen bekanntlich vrel zu vrel. Es ist bedeutend vorteilhafter für das ganze Ge- delhen,.wenn Eltern das größte Augenmerk niehr auf die Quali­tät der speisen lenken und namentlich beit Kindern nur solche Sachen vorsetzen, die rn geringer Menge boch möglichst viel gute PPP verdauliche Nahrungsstoffe enthalten. Nächstdem hat PI5P 'r'IT n?=auJ' Leben, wie ein Kind ißt. Man

halte ihm stets die Weisheit vor: gut gekaut, ist halb verdaut. Man lasse es also rmmer nur kleine Mengen in den Mund neh- p ie s. tdurchkauen, und gewöhne es somit an ein lang- bedächtiges Essen. Tas Kind muß wissen, daß die Eft6 von Nahrung nicht etwa einer bloßen Fütterung

Forderungen des Appetits ge-

AM dem Geschäft des Essens lassen sich natürlich W Z^brungen über, dre Regeln des Anstandes verknüpfen, bet geschlossenem Munde. Jedes hörbare netoiA und Gabeln sind schon frühzeitig

ges ;ttft zu handhaben, sobald das zunehmende Alter diese Werk- *

zeuge gestattet. So drollig es sich iauch manchmal ausnimMt, wenn ein Kind sein Süppchen allein auslösfelt, so vergesse man doch nicht, daß schlechte Angewohnheiten sich nicht leicht wieder beseitigen lassen. Selbstverständlich dürfen Kinder bei Tische sich in keiner Weise auch bezüglich der Haltung des Körpers gehen lassen. Die Arme sind an den Körper anzulegen, die Brust muß gestreckt bleiben, die Beine haben Ruhe zu halten, und der Mund darf nicht etww über dem Teller liegen. In die Gespräche der Eltern hat sich ein Kind 'nie hineinzumischen, sondern es Muß ausharren lernen, bis es gefragt wird. Gerade bei Tische lassen sich eine Menge Erziehnngsmaßregeln zur An­wendung bringen, deren Vorteile erst'später richtig zutage tretem

VeVMZschSss.

* Kampf zwischen Tiger und Hund. Vor einiger Zeit fand, wie holländische Zeitungen berichten, ein interessanter Kampf zwischen einem gefleckten Tiger und einem gewöhnlichen Bastard-Cangruhund statt, bei bettt sich der Mut und die Geistes­gegenwart des Hundes im schönsten Lichte zeigte. Der Demang (Ortsversteher) des Distrikts Djena, in der Residenz Rembang, hatte mit einem seiner Freunde eine Jagd auf Wildschweine ver­anstaltet. Die Jäger waren int Walde so postiert, daß von allen Seiten durch die Treiber die Meute nach jener Stelle hingetrieben wurde, wo sie standen. Plötzlich bemerkte der Demang einen Tiger, der allein von einem Hunde verfolgt wurde, während alle übrigen Hunde feige die Flucht ergriffen hatten. Der Demang erkennt alsbald am Gebell feinen eigenen Hund und bemerkt, wie der Tiger, der schon ziemlich lange verfolgt zu fein schien, endlich auf einem Baume feine Zuflucht sucht, während der Hund sich, unaufhörlich bellend, hinter dem Baumstamm aufstellt. Der Tiger ist vom Jäger nur auf Schußweite entfernt und deshalb beschließt letzterer, ihn aus dem Baume herunter zu schießen; er legt zweimal auf ihn an, doch beide Schüsse gehen fehl. Der Tiger, der wahr­scheinlich das Pfeifen der Kugeln gehört hat und sich deshalb da oben nicht mehr sicher fühlt, will aus dem Baume springen, wird aber, unten von feinem Verfolger mit solcher Wut empfangen, daß er sich wieder noch oben zurückzieht. Inzwischen hat der Jäger Zeit gehabt, feine Flinte von neuem zu laden, aber obgleich er sonst ein vorzüglicher Schütze ist, geht auch der dritte Schuß am Ziele vorbei; der vierte dagegen trifft, jedoch nur den Ast, aus dem das Tier fitzt, das, durch die Erschütterung des Astes ratlos geworden, nun doch den gefürchteten Sprung wagt, unten aber von feinem Verfolger direkt an der Kehle gefaßt und hinten über zu Boden geschleudert wird; trotzdem bet Tiger dreimal bett Versuch macht, sich zu erheben, wirb er durch den wütenden! Hund stets wieder niedergedrückt, sodaß ihm schließlich der Atem ausgeht. Alle Anstrengungen, wieder auf die Beine zu kommen, mißlingen gegenüber der wütenden Kraft des Hundes, sodaß der Tiger schließlich buchstäblich erstickt und trotz seiner so viel ge­rühmten Beweglichkeit und ungeachtet feiner Riesen stärke durch seinen Feind getötet wird.

* Ein Postkuriosum. Nach 30 Jahren ist ein in Berlin aufgegebener Brief als unbestellbar zurückgekom- men. Adressat war der damalige Steuermann F. Schröder aus Finkenwalde bei Stettin, der sich mit seinem Schiff Australia" in Minantitlan-Mexiko befand. Seine Ehefrait sandte den Bries am 2. August 1877 von Berlin ab. Laut Poststempel kam der Brief am 20. August 1877 in Newyotk an. Sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Am 2. Mai 1907 tauchte der Brief indessen wieder in Mexiko auf und wurde von derDireccion General de Correros" nach Europa gesandt. Am 9. Juli d. Js. ist der Brief der Ab­senderin wieder zugestellt worden.

Magisches Quadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben B B BEEEEEILOOR BRR. derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:

1. Fluß in Spanien.

2. Würziges Getränk.

3, Eine Kulturpflanze.

4. Russische Stadt.

Auslösung in nächster Nummer.f

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Nohrenkopl' Abolf 8uahelr ZTonsuIAra« Aranit Sibuatra Ängroer.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.