Ausgabe 
29.6.1907
 
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änzugebert, falls nicht schon der ganze Entwurf im Farbenton gezeichnet oder gedruckt ist. Auch Vorschläge zu andern Farben und zu mehrfarbigem Drucke sind indessen nicht ausgeschlossen.

3 Für die Münzen erbitten wir plastische Entwürfe (Vorder- und Rückseite) nicht über 10 Zentimeter Durchmesser und womöglich unter Beifügung von Photographien in der Größe der Originale. Es können nach Wahl des Künstlers Vorschläge für jede Münzart tzingereicht werden. Besonders geeignet erscheint uns das Mark-, -Kas 5 Mark- und als Scheidemünze das 10 Pfennig-Stück.

4. Das Preisrichteramt wird von vier bis fünf Vertreter» der Künstlerschaft, vier Vertretern der Kunstwissenschaft und zwei Vertretern des Dürerbundes ausgeübt werden. Als Vertreter der Künstlerschaft haben wir ersucht die Herren: Geheimrat Prof. Robert Diez, Dresden, Prof. Dr. Max Klinger, Leipzig, Prof. Bruno Paul, Berlin, Prof. Schultze-Naumburg, Saaleck und Prof. Georg Wrba, Berlin. Die Vertretung der Kunstwissenschaft haben bereits übernommen: Direktor Prof. Dr. Jessen, Berlin, Direktor Bros. Dr. Lehrs, Berlin, Direktor Prof. Dr. Lichtwark, Ham- mirg, Direktor Prof. Dr. Seliger, Leipzig. Den Dürerbund ver­treten im Preisgericht: Ferdinand Avenarius und Prof. Dr. Paul Schumann.*) . ,

5. Die Entwürfe sind bis zum 1. November emzusenden an beit Sächsischen Kunstverein, Dresden-A., Brühlsche Terrasse, mit der BezeichnungZum Wettbewerbe des Dürerbundes". Es bleibt den Künstlern freigestellt, ihren Namen zu nennen, oder dem Entwurf in der sonst üblichen Weise ein Kennwort beizugeben Und den Namen in gleichbezeichnetem verschlossenen Briefum- Maa mitzuteilen.

6. Die Entwürfe bleiben Eigentum der Künstler. Sie stehen Uber auf Wunsch dem Dürerbunde von der Preisverteilung ab ein Jahr lang zum Ausstellen zur Verfügung. Auch ist der Dürerbund berechtigt, die Entwürfe ftir agitatorische Zwecke usw. abzubilden.

Dresden-Blasewitz, Ende Mai 1907.

Der Arbeitsausschuß des Dürerbundes Ferdinand Avenarius, Vorsitzender Professor Dr. Paul Schumann, 1. Schriftführer.

*) Das Preisgericht setzt sich natürlich nur deshalb ausschließ­lich aus Männern zusammen, die in Norddeutschland wohnen, weil es an einem bestimmten Tage in Norddmtschland zusammen­treten muß. __

VsPsMch-LeK.

* Ein Hellseher. Ein Berliner Jurist erzählt demB. T." von einer Zusammenkunft mit einem Professor Bert Reese aus Manhattan. Reese weilte für kurze Zeit auf der Durchreise in Berlin und hatte in einem der ersten Berliner Hotels Wohnung genommen. Was der Gewährs­mann des genannten Blattes schreibt, steht in offenbarem Widerspruch zu unserer wissenschaftlichen Erkenntnis, darf aber wohl trotzdem, da man es hier augenscheinlich mit einem ehrlich gemeinten und daher ernst zu nehmenden Berichte zu tun hat, auf das allgemeine Interesse Anspruch erheben. Der Einsender schreibt:

Ich befand mich gestern abend mit Professor Reese allem in einem Zimnier. Er sagte mir, ich sollte auf einen Zettel den Namen meiner Mutter, auf einen den meines ersten Leh­rers schreiben, und auf vier anderen Fragen stellen, auf die ich eine Antwort wünsche. Dann ging Professor Reese aus der Stube und ließ mich allein. Ich verschloß die Stube und schrieb, wie mir geheißen. Dann faltete ich den Zettel mehr­mals zusammen und steckte jeden in eine andere Tasche meines Gewandes. Dann rief ich Professor Reese herein, der sich in­zwischen in einer weit entlegenen Stube des Hotels aufgehal­ten hatte. ^Professor Reese schrieb dann mit hebräischen Buch­staben auf einen Zettel zwei Sätze, hieß mich aufs Geratewohl drei von den Buchstaben ausstreichen, ließ sich von mir die Hand auf seine Stirn legen und sagte dann: Ihr erster Lehrer hieß Milan Kobali. Das stimmte. Dieser Lehrer lehrte mich vor achtzehn Jahren in einer südungarischen Provinzstadt das Alphabet und ist nun schon seit fünfzehn Jahren tot. Professor Reese sagte mir auch, in welcher meiner Taschen der Zettel mit dem Namen des Lehrers steckte. Und auch das stimmte. Er nannte mir den Namen meiner Mutter richtig. Ja, er nannte mir den Kosenamen, den ich einer Dame zu geben pflegte, einen Kosenamen, der in einem Drlama Gerhart Hauptmanns vorkommt, und den ich überdies noch in einer Verstümmelung anwendete, so daß er den bizarrsten Klang hatte, den ein menschliches Ohr je vernommen. Und Professor Reese nannte den Namen in dieser sonderbaren Form. Jedesmal nachdem er erraten hatte, sagte er auch, in welcher meiner Taschen sich der betreffende Zettel befinde, und es stimmte- Professor Reese erzählte mir Ereignisse aus meiner Vergangenheit, deren Kenntnis ihm normalerweise so verschlossen sein mußte, wie mir etwa die Vergangenheit eines vor tausend Jahren ver­storbenen Eskimos. Er prophezeite mir künftige Ereignisse, deren Eintritt wlsbald meiner Kontrolle unterliegen wird.

Aber seine Prophezeiungen wären wicht etwa pythischer Natur, von dunkler Zweideutigkeit. Er nannte mir völlig im­bekannte Namen, die in die nächste Zukunft meines Lebens treten sollen. Ich werde, sobald die Ereignisse den Propheten legitimieren werden, darüber Bericht geben. Der Seher in die Vergangenheit ist in meinen Augen ganz und gar legiti­miert. Ich habe die Zettel aufbewahrt, zugleich mit der ge­heimnisvollen hebräischen Schrift des Professors, und trete vollständig dafür ein, daß ich zur Zeit weder betrunken, noch aufgeregt war, daß eine verdächtige Manipulation weder vor­genommen wurde, noch Vorgenommeck werden konnte, daß der Mann auf keine Weise die Kenntnis dec erratenen Tatsachen aus drittem Munde, und daß er niemals im Leben eine Ahnung von meiner Existenz hat erlangen können. Meine Bekannt­schaft mit Professor Reese währte eine Stunde lang, und einige Stunden nach dem Erscheinen dieser Zeilen wird Professor Reese auf dem Heimiwege nach Amerika sein. . . ."

* Vererbung des Schielen s. lieber eine Art epi­demischen Schielens in einer Familie, das sich durch vier aus- einandersolgendeGenerationen veriolgen ließ, berichtetDr. v. Sicherer in der letzten Nummer der Münchener Medizinischen Wochenschrift, Es ist ja eine in ärztlichen Kreisen bekannte Tatsache, daß das Schielen sich in hohem Maße vererbt, allein eine derartige Hausung des UebelS, wie sie Dr. v. Sicherer mitteilt, dürfte doch noch nicht beobachtet worden sein. Und was das merkwürdigste an der Mii- teilung ist nur die männlichen Mitglieder waren mit dem Hebel behaftet, während die weiblichen Sprossen so gut wie ganz verschont blieben. Nach einer der Mitteilung beigefügten Tabelle schielen Vater und Sohn, soivie von den aus erster und zweiter Ehe des letzteren stammenden neun Kindern sämtliche männlichen Geschlechts. Von den letztgenannten hat einer inzwischen geheiratet; der Ehe entsprossen drei Kinder, zwei Mädchen und ein Knabe, dieser wieder schielend. Auch in den Nebenlinien der Familie ließ sich wieder­holt Schielen nachweisen. An einer Erklärung für diese eigen­artigen Vererbungssprünge fehlt es vollkommen.

* Heber das interessante Thema, wie man sich jugendlich erhält, plaudert die berühmte Künstlerin Adelina Patti, die sich bis in ihr 64. Jahr eine körperliche und geistige Frische erhalten hat, die geradezu staunenswert ist. Heber ihre Lebeiisweise, die infolge ihrer umfassenden Weltreisen viellach sehr strapaziös war, schreibt die Diva in ihren Gedenkblättern:Man hat mich ost gefragt, wie ich mich so gut konservierte. Eigentlich tat ich dazu nichts besonderes. Ich lebte wie alle andern auch; bis zu meinem 40. Lebensjahre versagte ich mir absolut nichts, sondern nnb trank, was und so viel mir schmeckte. Von dieser Zeck aber machte ich nur eine streng hygienische Lebensweise zum Prinzw. Ich esse keine blutigen Beessteaks mehr und trinke für gewöhnlich nur Weißwein mit Sodawasser gemischt. Nur wenn ich mich schwach siihle, greise ich zu einem Glas Champagner, der mich erfrischt und meine Lebensgeister hebt. Liköre nnb sonstige Alkohols berühre ich nicht. Mit Vorliebe genieße ich Kalbfleisch, Hühner, überhaupt jebe Art weißes Fleisch und Gemüse. In meiner Jugend schlief ich mt Sommer stets bei ganz, im Winter bei halbgeöffneten Fenstern, wobei ich allerdings dafür Sorge trage, baß kein Zug entsteht. Ich gehe ziemlich spät schlafen, selten vor Mitternacht ober 1 Uhr. Eine strenge Nahrungshygiene, eine bequeme Kleibung bas finb bis notwenbigsten Lebensbebingungen für jede Frau, besonbers aber für eine Sängerin, die nicht stark werben will. Eine einfache Speise, eine einfache, der Körperentwicklung keinen Zwang antuende Toilette, bas ist das ganze Geheimnis meinesWohlerhaltens", bas ich gern meinen jungen Kolleginnen zum Geschenk machen

will."

* 240 00 Mk. für zwei Schnupftabaksdosen. Aus Loudon wird berichtet: Von der berühmte:: Hawkms-Samm- lung von Schnupftabaksdosen wurde soeben ein weiterer Teck versteinert. Bon den 58 Nummern brachten zwei, die beide aus der Zeit Louis XVI. stammten, je 12 000 Mk.; eine eng- lische Dose aus dem 18. Jahrhundert in Gestalt eines Webe- schiffchens brachte es auf 11000 Mk/, und zwei anders Louis XVI.-Dosen erzielteil 7600 und 7000 Mk.

Arithnwgriph.

Mit urgewatt'ger Kraft crtlingt mein Ruf, Wenn inan als1 bis 4" aus Blech >nich schuf. Wer meine Donnerstimme nicht vernimmt, Der ist 1 4 2 3 wohl ganz bestimmt.

Aiis Zeichen Nr. 12 4 erschiene

Sofort die kleine Fee der Violine,

Wär' sie nicht dem Konzertsaal längst verloren, Weil wie's in Bayern heißt sie3 2 4" erkoren.

Auflösung in nächster Nunimer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer. Palnreii, Alnien.

Redaktion: Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätZ-Bnch. und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.