Ausgabe 
26.8.1907
 
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Paßt uff, links, links," schrie die heisere Stimme Wov- ringers,links, do kommt se erufs!"

Und da, dicht am Boot tauchte auch etwas aus, eine dunkle Masse- Eine.Hand zog das Steuer hermit, daß das Boot zur Seite flog, Steuermann Worringer warf sich über den Rand des Kahnes hinaus und ergriff das Austaucheude- Vom Boot hielten ihn vier kräftige Arme- Noch eine angstvolle Zeit­spanne, dann hielten sie die Fran hoch, die das Kind fest an sich gepreßt hielt- Und dann stieß Steuermann Worringer einen rauhen, heiseren Schrei aus und fiel zurück in das Boot- Seine Iran sein Bub!

Tie beiden a nderen kümmerten sich nicht um ihn-Da Hessemer!" schrie der eineda kann net schwimme ! Erum mit deni- Rache, erum!" Und wieder flog das Boot herum, während der andere seine Jacke aöwarf und seine Stiefel aus­zog. Wer da tat es auch schon einen schweren, klatschenden Schlag ins Wasser- Steuermann Worringer war hineingesprungcn, tauchte unter-

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis er wieder nach oben kam- Aber dann strebte er schwer mit einem Arm nach dem Boot- Er hatte den anderen erfaßt.

Es war noch eine harte Arbeit, den schweren, bewußtlosen Körper ins Boot zu heben- Aber endlich war auch das getan. Dann stieg Steuermann Worringer hinein- Kaum war Raum für ihn- Tie drei Verunglückten lagen so lang und so starr.

'Tot," murmelte er zusammeuschauernd- Er selbst war so blaß wie ein Toter-

1 Ter eine Schiffer schüttelte den Kops tröstend.

916, der' Fraa net und das Kind nach net, glaab ich- Da Georg, war arg lang umter Wasser! Daß öi noch enaussprnnge is, daß das Greta länger met'M Rache treiwe soll, des war q Strick, ä brav Stück, wahrhaftig!"

Steuermann Worringers Zähne flogen im Schüttelfrost- Er nahm das Kind in den Arm-- Das Köpfchen fiel seitwärts, die Augen waren halb geöffnet-

Tvt, bet-" . Ein trockenes Schluchzen kant aus seiner Kehle- -

, net", sagte der andere-Sie wäre jo kanM im Wasser. Ae bißche ohnmächtig sin se, werter nix. Awwer Georg, Hot was abkriegt-"

In diesem Augenblicke stieß Greta Worringer einen tiefen' Seufzer aus und schlug die Augen auf-

Da siehscht es! Awwer alleweil fix, daß mer an Land komme-"

Am Ufer war wimmelnde Bewegung- Hunderte von Menschen liefen durcheinander, Dutzende von Hände streckten sich aus nach Rettern und Geretteten- Frauen kreischten, Manner standen blaß Md erregt- Ein paar Bursche riefen ein schallendes Hurrahk

Wer als der bewußtlose Körper Georg Hassemers hinausi- tzehoben wurde, da waren alle still- Tot? War er denn tot?

Greta Worringer kaM halb zur Besinnung, als man sie an Land brachte- Sie sah mit einem leeren Blick um sich. Ter blieb zuletzt auf ihrem Manne haften- Und dann fuhr sie jäh zusammen und streckte die Hand abwehrend gegen ihn aus:Fort eweg! Ich fercht mich!"

!Se is vun sich", sagte jemand mitleidig.

Steuermann Wvrringer war zUsammengezuckt- Er hatte noch keinen Laut von sich gegeben. Und er sprach auch nicht, als er hinter den Tragbaren herging, auf denen die drei nach deut nahen Hospital geschafft wurden- Sie hatten ihm die Hände schütteln wollen, ihn belobt wegen seiner tapferen Tat- Er hatte die Hände in die Taschen seines triefenden Nockes vergraben und finster mit dem Kops geschüttelt.

Jemand sagte, daß er trockene Kleider an ziehen müsse, er würde, sich sturst was holen- Er lachte rauh. Jetzt daran denken jetzt!

Er ging neben der Trage her, auf der das Kind- lag- War! er denn verrückt? War er tut Rausch? Im Traum? Was! war das alles?1 Wie kam seine Fran mit dem Kind aufs! Wasser, in das Boot mit Georg Hessemer? Tas sollte nicht sein, das hatte er nicht gewollt, nicht wissen können. Nur seine Rache hatte er haben wollen an deM Mann, seine Vergeltung-

I Wie hieß es in der Bibel:Tie Rache ist mein, ich will Vergelten." Strafte ihn der Herrgott, weil er sich wilden Sinnes selbst seine Rache nehmen wollte? Das Kind rührt sich noch nicht! wenn es tot war, wenn er sein Mörder war!Mörder, Mörder!" Etwas in ihm schrie das laut! Oder hatte es ein anderer ge­schrien? Wußten sie's schon? Sie hatten ihil gepriesen wegen der Rettung !^ Wenn sie wüßten, was er getan hatte, feig, hinter­listig, heimtückisch, nm den andern aus der Welt zu schaffen, phne daß auf ihn ein Verdacht fiel, so, daß sein Name, seine

Ehre rein blieb- Im letzten Augenblick erst, als es zu spät wär, war es ihm klar geworden, ivie durch einen Blitzstrahl war die Erkenntnis seiner wilden Tat gekommen-

Wenn sie ihn alle verabscheuen würden alle- Seins Frau voran! Ihr erster, halb bewußtloser Gedanke war schon! von Furcht erfüllt gewesen, ihr erstes Wort von Angst getränkt- Und wie würde es nun erst,-werden?

Wie war sie nur auf den Rhein, in das Boot gekommen? Seine Schwiegermutter wußte es vielleicht, dort hatte sie ja das. Kind geholt-

(Fortsetzung folgt.)

Aas Aeßcimnis des MEK,

Das Gebiet der Akustik ist von den Gelehrten gewiß nicht minder sorgsam beachtet worden als andere Gebiete der Wissenschaft, aber nach einer Richtung hin sind alle For­schungen bisher beinahe vergeblich geblieben. DasGe­heimnis der Akustik", will sagen, die Kunsträume mit guter Akustik zu bauen, ist noch nicht enthüllt; der bedeutendste Schritt vorwärts, den wir in neuerer Zeit zu dem lang ge­suchten Ziele gemacht haben, ist schließlich der, daß wir unsere Unkenntnis erkannt haben. Ueber die Akustik des neuen! Gießener Theaters wie der neuen Aula der Lu­tz o v i c i a n a ist vor ihrer Einweihung vernünftigerweise nichts orakelt worden. Anstatt sich in vagen Voraussetzungen, zu ergehen, hat man, als alles fertig war, Proben angestellt und auf diese Weise jedermann vor Enttäuschungen bewahrt. Tie Akustik unseres Theaters hat sich als besonders gut er­wiesen. Ja man möchte fast sagest, in den Logen des ersten Ranges höre man allzu gut. Bei den letzten Ope- retten-Aufführungen klang dorthin der Schall mitunter mit dröhnender Gewalt.

Das Ideal einer Akustik ist natürlich, daß man von! jedem Punkte aus an allen Stellen alles gleich gut hört/ freilich das Ideal auch in dem Sinne, daß es schier unerreich­bar ist. Häufig wird erst in der Praxis gefunden, von wo aus! das, was zu Gehör gebracht werden soll, am besten klingt. In der Kirche, in der ein Punkt nicht genügt, gestaltet sich die Untersuchung um so viel schwieriger, bei Theater- oder Konzertfälen kömmt man eher zu einem günstigen! Resultate. So ist es gelungen, die Akustik des großen Saales in der Berliner Philharmonie wesentlich zu verbessern^ indem das Podium von der langen an die schmale Seite ver­legt wurde. Allein, solche Untersuchungen anzustellen, ist nicht jedermanns Sache, dafür muß man Blick oder Gefühl haben. Eine besondere Veranlagung auch in dieser Bezie­hung zeichnete den großen Johann Sebastian Bach ans> der bei seinem Besuche in Berlin in den verschiedenen Musik­räumen, die er aufsuchte, ohne noch einen Ton darin gehört zu haben, seine Umgebung sofort aus die verschiedensten! von dieser zuvor teilweise nie bemerkten Mängel aufmerksam machte. Er sagte den Leuten, hier müsse es nachhallen, dort müsse ein Echa ertönen; und er hatte in allen Fällen recht. Andere finden wenigstens Fehler schnell heraus, sobald sie Gelegenheit erhalten, sich von der Art der Akustik zu über­zeugen. So Wilhelm Friedrich Wieprecht, ein deutscher Mili- tärkapellmeister, der bei einem Wettstreit auf der Pariser Weltausstellung den Sieg davontrug, wie man sagt, nicht nur durch die Vortrefflichkeit seiner Kapelle, sondern weil er mit sicherem Blicke sofort erkannte, wie er sein Korps aufstellen müsse, um eine schöne Wirkung zu erzielen. Er sicherte sich den Erfolg, indem er seine Mannen die Front nach einer anderen Richtung nehmen ließ, als alle, die vor ihm an die Reihe gekommen waren.

Von Architekten werden ähnliche Anekdoten nicht er­zählt. Gelingt es ihnen, einen gut akustischen Raum zu bauen, so ist es weniger ihr Verdienst als ihr Glück. Ter Zufall spielt dabei eine sehr beträchtliche Rolle. Tas ist kein Vorwurf. Tie Architekten mögen alle akustischen Ge­setze, soweit sie seftgesiellt sind, kennen; es sind eben offen­bar noch nicht alle festgestellt. Es gibt da die merkwürdigsten Unterschiede. In manchen Räumen empfindet die akusti­schen Mängel nur der, der den Ton hört, in anderen auch der/ der den Ton erzeugt. Ueber die Akustik des Königliches Opernhauses in Berlin ist viel geredet und geschrieben wor­den, als die Fehde geführt wurde, ob das alte Haus nieder­gerissen werden dürfe, oder ob es nicht aus Gründen der Pietät erhalten werden müsse. Ta fanden sich eine ganze Anzahl Personen, die auf Grund Mer eigenen Wahrneh­mungen die Akustik aut nannten, weil sie auf verschiedenen