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e»teit Querbaum von Innen geschlossen war. So entkamen wir glücklich nach dem Botanischen Garten. Wie die Hüter des Gebäudes sich erklärten, daß das Tor andern Tags- offen stand, ist nicht bekannt geworden.
Ans 'Himmelfahrt 1853 machten wir einen Ausflug nach Wetzlar. Dort trieben wir natürlich allerlei Unfug, warfen Geld und Gebäck unter die Kinder, sodaß es Kald eine Art Auflauf gab, machten einen Umzug durch die Stadt u. s. w. Im Schützeugvrten etablierten wir eine feine Kneipe, an der die mit nus befreundeten Einjährigen des damals in Wetzlar tzaruisonierenden Jügerbataillons teilnahmen. Es war schon spät, als wir uns auf den Heimweg machten. Es war auch Zeit, denn die Wetzlarer männliche Jugend hatte sich in offenbar feindseliger Absicht um uns versammelt. Wahrscheinlich wäre es auch entsprechend früheren und späteren Vorgängen zu Tätlichkeiten gekommen, wenn die Einjährigen die tatenlustigen Wetzlarer Jünglinge nicht im Zaune gehalten hätten.
Auch andere Burschenfahrten in kleiner Gesellschaft wurden unternommen, meist zu Fuß, manchmal aber auch zu Wagen.
TieLohukutscherdynastieHuhn war damals noch im Entstehen. Ter Großvater des Inhabers der jetzigen großen Kutscherei besaß schon in den vierziger Jahren ein Chaischen, das sogenannte „Schm alzpfä nn ehe n", mit einem Pferdchen, das er zärtlich liebte. Der Alte mit seinen grünsammeten Kniehosen, -Lstulpstiefeln, roter Weste und grauer Juppe, steht mrr noch in lebhafter Erinnerung aus meiner vorstudentischen Zeit, wie er bei einer Fahrt nach Heibertshausen meine Großmutter über eine Pfütze trug, damit das Pferdchen es nicht zu schwer hatte, den Wagen durch die Pflitze und den Schmutz zu bringen.
_ ^ohn war nun das allbekannte Karlchen, sprich „Kaltche H u h n, der eigentlich Heinrich hieß. & hatte sich eine Äwav bessere Chaise angeschafft und zwei Pferde, die wir wegen ihrer Magerketv em Karlche seine Hersch (Hirsche) nannten, die auch als solche tut Gambrtnus verherrlicht worden sind. Das Karlche war unser Leibkuffcher und ist es bis an sein seliges Ende geblieben. Da Ijatte es allerdings zwölf Pferde im Stall und hatte vorher , schon femem «ohn Karl einen schönen Landauer ■ und .das schönste Paar Pferde mitgegeben, als dieser sich selbständig machte.
. Äulm pumpte die Fahrten und hatte daher
immer Zuspruch. Wsar das Maß , voll, so erschien er früh morgens V, u,sU -oitben, dann hieß es cassa cassa, und wenn der Bruder Studw irgendwie konnte, ließ er das Karlche nicht im Stich.
Es war Har, daß ich aus meinen mir väterlicherseits züer- Bannten oO Kreuzer Taschengeld keine Chaisenfahrten und sei es guch nur als vierter Insasse bezahlen konnte. Gefahren mutzte, Mer doch manchmal ioerden und es ivar nicht wunderbar, daß eines Tages das Karlche bei meiner guten Mutter erschien U"d eine nicht unbedeutende Rechnung präsentierte, deren Rich- trgkett ich anerkannte. Sie wurde mit den Worten beglichen: '.'Vcrr Huhn, ,etzt pumpen Sie aber meinem Sohne nicht mehr, ich bezahle nicht noch einmal." Tas Karlche bedankte sich, m der Dnre drehte er sich aber noch einmal herum nnd sagte SL1?";.»d«rtch Ntchpnmpe der boc. ! (Das Karlche stand mit allen Leuten auf Du.)
2ch fürchte, daß trotz der mütterlichen Warnung mir das Karlche noch manche Fahrt gepumpt hat.
_ J™, fe?« Bundesbruder und Vetter erzählte mir, daß A^nds nur rascher nach Hanse zu kommen sich einen UwmEi % kutschierte selbst. Ta eine
Abendfitzung vorausgegangen war, schlief mein
Vetter ein nnd ebenso das Kvrlche auf dem Bock. Die Pferd" gingen sachte von, der Chaussee ab ins Felde Nach längerer Zeit" Vetter^auf 0€te8clt' wachte mein
fetter auf und rief „et Karlche wo sind wir denn?" Die sbftwort lautete: Dumm Oos, wo wern nter fei, in kibngetis ein alter Gießener Zärtlichkeits- eme Metzgersftau, die alte Peppler'u ander«^die begrüßte meine kleineren Geschwister nie anders, als mrt dem Wort „lieb Oe ft" ।
anter?ärlche Huhn barg sich ein behalten $eS6:aIb b«ben wir es auch in gntent Andenken Di- wir übrigens unsere Burschenfahrten zn Fuß.
da^ii weitere Umgebung von Gießen bot
dazu die beste Veranlassung. (f^rtf folgt.)
Bermischtes.
umfassende Autialko hol-Ausstellung totro mrt dem V. Deutschen Abstineiiteutage und der 18. Jahres- ersammlung von Deutschlands Großloge II in Flensburg
r- M-’-r 30‘ d. I.) verbunden sein. Sie wird in den
sämtlichen unteren Sälen des Flensburger Kunstgewerbemuseums | jur Darstellung gelangen und dürfte die umfassendste Veran- I Haltung dieser Art sein, die bisher in Deutschland getroffen ivurde. I
Ei» Raum wird nur der Antialkohol-Literatur, nach Wissenschaft- lichen Gesichtspunkten geordnet, gewidmet fein; der Bekämpfung des Alkoholismus durch die Schule wird ebenfalls ein Zimmer für sich dienen, und einige Beispiele aus der Praxis werden zeigen was bereits in der Aufklärung der Jugend geschieht. Nahe an hundert Tafeln und Tabellen und viele der besten Modelle werden die verschiedensten Seiten der Alkoholftage in anschaulichster Weise darstellen und nicht zum letzten wird auch in mehreren Sälen ge= äetgt toerben,, in welch umsichtiger und energischer Weise von den E "Allgemeinen deutschen Zentralverbande zur Bekämpfung des Alkoholismus" vereiiiigten Vereinen zum Wohle unseres gesamten Volkes gegen den Alkoholismus gekämpft wird. Während der -rauer der Ausstellung werden eine Reihe Führungen durch be- tanute Sachverstüiidige geleitet werden. Eine Ausstellung alkoholfreier Getränke findet bei dem Umfange, den diese Industrie ge- nommen hat, int Zusammenhänge mit der oben genannten Aus- Mluna mcht mehr statt. Schon auf dem Abstinententage in Dresden 1905 war man an den Vorstand des „Allgemeinen Deutschen Zentralverbandes zur Bekämpfung des Alkoholismus" Mit der Bitte herangetreten, die damalige Ausstellung zu einer ^danderausstellung zu gestalten. Nachdem sie jetzt zu einer nm- fastenden Uebersicht über das weite Gebiet der Alkoholftage aus- gewachsen ist, wird sie vom September gegen Erstattung der entstehenden Unkosten allen deutschen Städten zur Ver- fligung gestellt,die sie auf einige Zeit zu erhalten wünschen. Nahrere Auskunft erteilt darüber der Leiter der Ausstellung Tr. phil. R. Kraut-Hamburg 29.
Deutsche Heimkehr.
(Aus der in New-York erscheinenden Hessen-DarmstädtischenZeitung.) Nun rüst' zum letzten Kreuzzug ich;
Nun will ich heimwärts fahren;
Jn's Herze mir das Heimweh schlich
Mit meinen weißen Haaren;
Nahm Abschied einst so flink und schnell. Als wüster fahrender Gesell;
Das war in jungen Jahren.
Wohlan, du rascher Meereswind?
Trag' stark mich durch die Wogen;
Ihr Segel, schnell! Geschwind, geschwind!
Nur heim, nur heim gezogen,
Schon knirscht das Kiel im weißen Sand;
Grüß Gott, grüß Gott, mein deutscher Strand:
Du bleibst mir doch gewogen I
Horch, wie die Nordsee grollt ihr Lied,
Horch, wie die Tannen rauschen,
Horch, wie durch's Feld der Frühling zieht
Mit liebem leisen Lauschen:
Sah wohl im heißen Sonnenbrand, Mit Halmenschmuck manch' ander Land: Mag doch mit keinem tauschen!
Hei, wie int Dust die Linde steht
Am Brunnen vor dem Tore, Hei, wie mit ihrem Tüchlem weht Die Lene und die Lore.
In roter Glut die Heide blüht:
Zum Himmel hoch die Lerche zieht;
Gelt, klingt's nicht traut zum Ohre?
Da bist btt ja, mein alter Rhein;
Bald wird dein Wein gelesen;
Dann will im letzten Abendschein Ich einmal noch genesen.
Schau', wie uom Berg das Denkmal winktz
Horch, wie die deutsche Zunge klingt: Bin recht ein Narr gewesen.
Daheim, daheim! O Gott sei Dank!
Nun mag's wohl Winter werden;
Wie sucht' ich, ach, mein Glück so lang
Umsonst an fremden Herden;
Und tu' ich einst "die Augen zu, Leb', Heimat, wohl! Ich schlaf' in Ruh' In lieber deutscher Erden.
ErgänzimgsräLfel.
W. n. d.. R. s. n . u. g. b. ü.
K.. t . e. L.n. z. . nd.;
W.. n . i. S.. n' .a. öch.. e. g. ü. t,
N.h. ,.e .o.n.n.e.be! Rückert.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer.
Juli, August; Julia (Juli-tza).
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühi'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.


