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fteyen sus Forsten, die einen sehr Otten Gewinn abtverfen; das aus Archangel kommende Holz ist Welthandelsartikel, während aus den Besitzungen von Belovezh jährlich 2 Mill. Kubiksuß Holz zum Verkauf kommen, eine andere Besitzung in Bologda liefert den dort errichteten kaiserlichen Säge- mützlen jährlich 200000 große Bäume zur Verarbeitung. Tas andere Drittel der kaiserlichen Domänen ist bestkttlti- vierter Nutzboden. Tie größten Weinberge Rußlands, die den besten Wein liefern., sind kaiserliches Eigentum; sie bringen für 3 Mllivnen Mark Weine jährlich zum Verkauf. 3'11 Samara ist eine kaiserliche Zuckerfabrik, die jährlich 1500 Dons Zucker liefert. An mehr als hundert Stellen wird für kaiserliche Rechnung der Mineralreich tum des Landes ausgebeutet. Für kaiserliche Rechnung! arbeiten 1500 Getreidemühle!» und gegen 1000 Fischereien, an den Flnß- uferrt mehr als 100 Reedereien und 850 Handelsunternehm- ungen. Aber der größte Teil des angebauten Landes ist verpachtet; 15 000 Güter dienen nur landwirtschaftlicher Ausnutzung, und 10 000 höherer Kultivierung- wie dem Anbau von Wein, Obst u. dcrgl. Der Reingeivinn aus diesen Quellen beträgt jährlich mehr als 40000000 Ml. Während der hundert Jahre, seit denen die Kirchengüter den Romanows gehören, sind an die Mitglieder des kaiserlichen Hauses 500 Millionen Mark ausgezählt worden. Zn den kaiserlichen Diamänen müssen auch die von mehreren Herrschern gesammelten Kapitalien gerechnet werden und auch die 106 Millionen Mark, die von den ehetnaligen' Leibeigenen zum Erwerb ihrer Freiheit gezahlt wurden. .... Die dritte und zugleich die bedeutendste Einnahmequelle des russischen Herrschers bilden die „Kabinettsbesitzungeu", deren Ertrag den: Zaren persönlich zukommt. Tie einzigen Zahlen, die zu erhalten waren, um deren Höhe abzuschatzen, ist der Umfang des Landgebietes; diese'Ländereien umfassen 150 Millionen Acres, also ein Gebiet, das ettva dein Flächeninhalt Frankreichs entspricht. Die Kabinetts- besitzungen liegen fast alle in Sibirien, aber sie umfassen die besten und größten der Gold- und Silberminen, die zum Teil ausgebeutet werden, znm Teil aber auch heute noch brachliegen. Neben Gold und Silber warten Kupfer, Eisen, Platin und andere Erz« nur auf die Erschließung des noch unausgenützten Landes, um dem Herrscher aller Reußen wettere unabsehbare Millionen zuzuführen.
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* Ein e Woh lf ah rts arb eit in demThüringer Walddorfe Wölfis schildert Pfarrer Keil-Wölfis- Sachsen-Gotha in der „Deutschen Tagesztg." Seit 70 Jahren besteht eine Sterbekasse, die bis zu 60 Mk. beim Sterbefalle auszahlt und dazu von den Ueberlebenden einige Pfennige einsammelt. Tie Stvomerplage ist verschwunden, seitdem der bedürftige Wandersmann aus Gemeindemitteln Nachtlager oder Nahrung im Werte von 25 Pfg. erhält. Das kostet der Gemeinde jährlich 70 Mk., früher wurden ettva für 2000 Mk. Schnapsgelder eingesammelt. In dem 2000 Einwohner großen Torfe gründete ein Lehrer vor 30 Jahren einen landwirtschaftlichen Verein, in dem Belehrungen dar- geboten tuerden; schwachen Kräften werden Maschinen zur Verfügung gestellt. Wie überall in Sachsen-Gotha so ist auch hier eine Viehversichernng durch genossenschaftliche Selbst- hülfe mit 1 Proz. jährlichem Beitrage eingerichtet. Seit 17 Jahren beugt eine Raiffeisen-Kasse dein Wucher vor. Mit Hülfe der Landesversicherungsanstalt und der R.-Kasse sind Dutzende von Einfamilienhäusern erbaut, wodurch der Arbeiter sein eigenes Heim erhält. Die Kasse nimmt monatlich 3—4000 Mk. Spargelder ein. Eine Gebirgswasserleitung und ein alkoholfreies Gemeindehaus wirken segensreich. Letzteres gewährt abwechselnd Männern und Frauen seine gastlichen Räume zu Borträgen, Unterhaltungen, geselligen Abenden. Tee wird umsonst gereicht. Die Kosten werden nicht bekannt gegeben, sondern durch freiwillige Beiträge bestritten. Die Lehrer heben die Geselligkeit durch Vorträge; sie haben eine unentgeltlich dargebotene öffentliche Lesehalle mit Bücherei gegründet und einen Schulgarten zur Belehrung der Kinder in gärtnerischen Dingen eingerichtet. Von Mai bis Oktober bietet der Saal des Gemeindehauses den Kindern ein Kinderheim, das im Sommer durch eine vor Regen schützende, bedeckte Halle und einen Garten er
weitert ist. Die Gemeindeschwester WerivaW die Kruder, verwaltet im Verbandzimmer. Die Schwesterstativn kostet jährlich 700 Mk. Aber 70 000 Mk. werden sonst in einen, 2000 Einwohner großen Dorfe für Bier und Schnaps aus«, gegeben. Dr. med. M.
— Die Amazonen von Dahomey. Gmeral Doddstz der französische Eroberer Dahomeys, der sich nunmehr in der, Ruhestand zurückzieht, hat einem Mitarbeiter des „Jntransigeant"' allerlei Erinnerungen aus dem berühmten Dahomey-Feldzug und! von den Kämpfen gegen den König Behanzin und dessen kriegs-. gewohnte Amazonen erzählt. Behanzin hatte die Gewohnheit/ unter den dreizehnjährigen Mädchen seines Königreiches alljährlich die stärksten und schönsten auszuwählen; diese wurden! nach dem Norden geschickt und dort in harter Schulung gegen die Strapazen des Kriegshandwerkes abgehärtet. Um sich gegen körperlichen Schmerz unempfindlich-zu machen, müssen sie sich toen,; von Stacheln starrende Hindernisse zu erklettern und zu überwinden; und um ihren Mut und ihre Kühnheit zu stählen/ wurden die Jungfrauen gezwungen, das rohe Herz frisch geschlachteter Ochsen zu essen. Diese Erziehung pflegte gewöhnlich zwei Jahre zu dauern, dann galten die Mädchen als reist um ihren älteren Schwestern zugesellt und in das Amazonen- korps eingegliedert zu werden. „Wir haben", so erzählt General Dodds, „mehrfach mit diesen Amazonen kämpfen müssen. Sie gaben den Männern au Mut nichts nach und als Frauen, waren sie so ohne weiteres kam» zu erkennen. Sie trugen Pumphosen, die ihnen bis zum Knie gingen und eine kurze Jacke mit breiten weißen und roten Streifen. Sic gingen zn Fuß und waren mit Gewehren bewaffnet". Behanzin war ein Herrscher von furchtbarer Grausamkeit. Die Gcfaugeueu, die er nicht Verkäufer konnte, wurden bis zum Tage der großen Opfer aufgespart. Dann aber führte man sie vor den Königs- Palast, vor dem ein großer freier Platz mit einer bassinartigen Vertiefung war. Dort wurden die Unglücklichen geschlachtet. Ihr Blut plätscherte daun in das Bassin, stieg höher und höher und füllte schließlich den glanzen Behälter. Dann bestieg Behanzin ein kleines Känoe und zeigte sich so, in dem Blutmeer dahiu- fahrend, seinem Volke, das zitternd in diesem furchtbaren Schauspiel das Symbol der Macht seines Herrschers schaute.
* Siebenuudzwanz ig I a h r e H ö h l e unte«sch. Aus Budapest wird eilte kuriose Geschichte gemeldet. Auf der Jagd in einem Walde bei Szatmar-Ncmeti entdeckte der Polizeipräsident eine Höhle, und nachdem er eine zeit- lang sich im Dunkeln weitergetastet hatte, stolperte er fast über eine ganz mit Haaren bedeckte Gestalt, die fast nichts Menschliches mehr an sich hatte und einen fnrch ter weckenden übernatürlichen Eindruck machte. Der Polizeipräsident rief sofort mehrere Gendarmen herbei, unb letztere zogen die unheimliche Persönlichkeit, die sich als ein erwachsener Mann erwies, gewaltsam ans Tageslicht. Der Marrn wehrte sich wie ein Tiger und biß und kratzte die Gendarmen fürchterlich. Schließlich'überwältigt, wurde er in ein Hospital gebracht. Hier wurde nach langwierigen Ermittelungen festgestellt, daß man es mit einem Bauer, Namens Johann Labancz, zu tun hatte, der 27 Jahre in der Höhle gelebt und sich ausschließlich von Pflanzen und Kräutern genährt hatte. Unter der abergläubischen Landbevölkerung soll die Entdeckung tiefen Eindruck gemacht haben.
Auflösung in nächster Nummer.
In die Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben a a bb cceeea e e h h h k kl 1 1 1 1 1 n noooopppppprr rrsszzzz derart einzu« tragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben: 1. Kostbares Kleidungsstück» 2. Ein Fahrzeug.
3. Ein Gedicht,
Krenzrütsel,
Machdruck verboten.)
Auflösung des Bilder-Rätsels in voriger Numn'.ec: Arbeit schändet nicht.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Vertag der Brübi'fchen Unrversnäts-Duch« und Siemdruckerei, R Lange, «Nirßr«,


