Ausgabe 
24.7.1907
 
Einzelbild herunterladen

D

W

Jun Ken unter der Kfche«

Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.

(Fortsetzung.)

Dagmar," begann er, die Augen unruhig umherschweisen lassend,ich habe vorhin der Gräfin den Vorschlag gemacht, ie im Selbstsahrer zu kutschieren. Willst du mit der Herzogin den Landauer nehmen?"

Tie Angeredete nickte schweigend Gewährung, aber ihre Augen heischten, offtte daß sie sich dessen bewußt gewesen wäre, eine Erklärung. Das schien der Kammerherr auch zu suhlen, denn er fuhr hastig fort:

Mir scheint, ich bin schon auf dem besten Wege, ^merne Wünsche bei der Gräfin berücksichtigt zu sehen. Sie ist doch keine zu unterschätzende Verbündete!"

Dagmar hob warnend die Rechte.

Sieh dich vor, Magnus, daß du dich nicht zu sehr mit ihr liierst!"

Er lachte. Es klang unfrei und gezwungen. _ .

Was du dir nicht für Gedanken machst! Höflich mutz cch doch' sein. Gelingt es mir, dadurch meinen Plan zu ver­wirklichen, so ist mir das natürlich sehr angenehm."

Ja," antwortete sie hart,ich soll tolerant fein

Pah," meinte er mit dem plötzlichen Versuch zu scherzen, das ist ja ein Streit um des Kaisers Bart. Denn im Ernst glaubst du denn doch wohl nicht, mir Vorwürfe machen zu können." t

Im Emst noch nicht. Wohl aber wegen des sprels!

Unsinn, Dagmar," er strich ihr flüchtig über das Haar,und nun versuche ein wenig zu schlafen, damit du nachher frisch und munter bist!"

Er ging eilig in sein Zimmer, dessen Tur er hinter sich ^^Aber je länger Dagmar ihn dort unruhig umhergehen hörte, desto weniger konnte sie sich der beklemmenden Empfindung er­wehren, die sich ihrer mehr und mehr bemächtigte. Sie wollte ihn zurückrufen, ihm sagen, daß Uchdorf auch dahin wirken würde, daß der Herzog ihn zum Nachfolger Kliehms machte aber dann überlegte sie das. Wer wußte, wie Magnus diese Mitteilung aufnehmen würde? Ja, wenn es nicht grade Uch­dorf gewesen wäre! Zwar schien ihr Gatte bisher nicht von Eifersucht geplagt zu sein, aber grundlos wie sonst konnte dieses Gefühl jetzt auch urplötzlich wieder Besitz von ihm ergreifen. Und was dann wurde, inochte sie gar nicht ausdenken.

So schwankend zwischen b.c Furcht vor Beltlingens Eifer- sucht und dem Mißbehagen über seine Huldigungen der Lmd- ström, kam Dagmar nicht auf das Einfachste der Herzogin die Wünsche des Kammerherm anzudeuten. .

Tie Spazierfahrt war vom herrlichsten Sonnenschein be­gleitet und schien der Herzogin viel Vergnügen zu bereiten. Ge­radezu entzückt war sie von dem Anblick des Meeres.

Tiefblau lag die leise rauschende See da. Braune rcischep-

kuttcr belebten mit ihren hellen, viel geflickten Segeln malerisch die weite Wasserfläche, über welche silberne Wöven pfeilschnell dahinschossen. Kreischend flogen die glänzenden Vogel an dem Pavillon vorbei, wo Veltljngen und die Damen einen leichten Imbiß einiiahnien.

Frischgeröstete Toast-Eales und ein Glas Ehampagner bil­deten das 'frugale Mahl", wie die Gräfin unter neckcndein Augen­aufschlag sagte. Mit ihren kleinen, festen Zähnen zermalmte sie einen Toast nach dem andew, übermütig blitzten iyre Augen den Kammerherrii au. .

Mit all der unnahbaren Hoheit, die Dagmar zeitweise, ohne daß sie es wußte, zur Schau trug, teilte sie ihre Ausmerkfam- keit zwischen den beiden Damen. Aber als wieder und wieder das herausfordernde Lachen von den Lippen der Gräfin perlte, wandte sie sich mahnend an ihren Gatten.

Ich glaube, Magnus, es wird Zeit, heimzukehren, wenn wir noch vor Ausbruch der Dunkelheit Heimkommen wollen.

Gewiß, mein Herz," stimmte der Kammerherr sehr bereit­willig zu. Wenige Augenblicke später saßen Dagmar und die Herzogin in dem bequemen Wagen. Sorgfältig legte Ot­lingen seiner Gattin noch ein leichtes Tuch über.Zum schütz gegen die Kühle des nordischen Klimas," wie er scherzend jagte. Mer er täuschte Dfagmar mit dieser Zärtlichkeit nicht, sce merkte ihm nur zu deutlich die Erregung an. Ihr Herz klopfte un­ruhig und schwer. Sie krampfte heimlich die Hande zu­sammen. Was würde auf der Heimfahrt geschehen? .

Magnus," bat sie leise,komm so schnell wie ncoglich nach."

Er sah zur Seite. . 6

Tie Jucker gehen so unruhig, wenn eut Wagen voraus fährt! Ich wollte den Weg durch den Wald nehmen."

Sie preßte sekundenlang die Lippen zusammen,aber ihr Adieu Gräfin!" klang so heiter und unbefangen, daß Magnus ihr noch immer erstaunt nachsah, als der Wagen schon eine ganze Strecke fort war. n. ,

So glückversunken?" rief die spöttische Stimme der Lmd- ströui ihn endlich in die Wirklichkeit zurück. Er sah auf, grade in ihre funkelnden Augen. Verbindlich den Arm bietend, fierte er sie zum Wagen. Sie stützte sich fester als nötig war Em prickelndes Gefühl durchrann Veltlingen. Unwillkürlich straffte sich seine schlafse Gestalt.

Man muß das Eisen schmieden, so lange es warm ist. fuhr es ihr durch den Sinil. Aber zur Vorfupt auf cngliscy das wird dieser Kutscher schwerlich verstehen. Der Kammer- herr bestätigte ihr das.

Ah sie unterhielten sich vortrefflich! Veltlingen war ent- zjtckt ' Tie Gräfin war wirklich eine hervorragende Partnerin. Er süblte sich ihr «allen Ernstes zu ungemessenem Tank ver­pflichtet weil sie seinen Plan verwirklichen helfen wollte, ^ er ihr 'dafür bat kleinen Gegendienst zu leisten versuchte, war doch selbstverständlich! Wenngleich er durchaus nicht begriff, warum sie dem reichen Radach zu seinemvon" verhelfen wollte. Nun, einstweilert würde sie ihm wohl ein kleines Cadeau gestatten!