180
tz-eichen Wend brachte der Holzsuhrmann die Nachricht, im Salginertobel habe er einen halbverhungerten Elfender gesehen und ihm vorläufig den Inhalt seines Heusackes serviert. Am folgenden Tag begab sich Wildhüter Davatz abermals in diese (Segenb und entdeckte bald das Tier oberhalb des Weges auf einem kleinen Vorsprung. Mit Mühe erreichte er die Stelle; das ermüdete Wild machte keine Miene, sich zu entfernen. Erst als D. es bei den Hörnern nehmen wollte, setzte es sich mit Ausbietung seiner letzten Kräfte zur Wehr. Nun wurde es mit einer in einem nahen Gebüsch geschnittenen Gabel über den Vorsprung hinuntergestoßen, von wo es durch die eben getretene Spur des Wildhüters in den Weg gelangte und dann, diesem folgend, sich talwärts wandte. Beim sog. „Crestabrückli" wurde das ab- gemattete Tier eingefangen, an einen Strick gebunden und wie ein Haustier weiter transportiert, als ginge es aus den Markt. Schließlich versagten aber seine Kräfte, und es mußte auf einen Schljtten geladen werden. So hielt der arme „Hürni" abends 5 Uhr seinen Einzug, in Schiers. Hinter diesem Schlitten folgte gleich ein zweiter, beladen mit einer erschöpften Hirschkuh. Ein Holzer war in 'Fadiel unterhalb Schubers auf dem Wege cm seine Arbeit auf eineiH toten Hirsch gestoßen, der rücklings in ein Gebüsch eingeklemmt dalag. Bald darauf bemerkte er in der Nähe drer weitere noch lebende Tiere, von denen sich zwei entfernten, das dritte jedoch liegen blieb. Er schaffte nun dieses halbtote Tier, einen Spießer, an den Weg hinunter und wollte weiter draußen einen Schlitten holen, um es aufzuladen. Auf dem Wege dahin bemerkte er jedoch im Bache eine junge ebenfalls noch lebende Hirschkuh, die aber nicht mehr weiter konnte. Schnell wurde ein in der Nähe befindlicher Schlitten geholt, das arme Tier aufgeladen und ins Dorf geschafft, während der zuerst aufgefundene Spießer seinem Schicksal überlassen wurde. Sobald jedoch der Sal- ginerhürni und die unter Fadiel gefundene Hindu: in Gewahrsam gebracht waren, wurde auch der arme Spießer per Extrapost abgeholt. Abends y29 Uhr traf die letzte Expedition unter Leitung von Wildhüter Davatz mit großem Gefolge in Schiers ein. Die drei Tiere sind von Landjäger Hartmann in Pension genommen worden. Zuerst wurde ihnen ein Trunk frischer Milch verabfolgt und dann Heu vorgelegt. Der Holzer Tisch, der die Tiere in Fadiel ge- fuuoen hat, sagt, daß er an diesem Tag (Dienstag) im Schraubachgebiet nicht weniger als 33 Stuck gesehen habe. Dazu kämen noch tue Tiere im Salginertobel unü 15 bis 20 Stück oberhalb Busserein. Von verschiedener Seite sind Beiträge geleistet worden zum Ankauf von Nahrung für die armen Tiere. Von den drei Hirschen, die Landjäger Hartmann in Verpflegung hatte und die sich zuerst anscheinlich prächtig erholten, sind zwei plötzlich verendet.
Versetzung nicht erfolgt.
Das Schuljahr hat sein Ende erreicht. Der Klassenlehrer händigt den Schülern das Schlußzeugnis ein, in dem als Vermerk die inhaltsschweren Worte: „Versetzung erfolgt", oder „Versetzung nicht erwlgt" diesmal beigefügt sind. Wer versetzt ist, der trägt freudestrahlend das Zeugnis nach Hause und wird dort ob des Erfolges mit sichtlichem Wohlgefallen empfangen. Wer aber sitzen geblieben ist, dem wird der Heinuveg schwer in banger Ahnung des unfreundlichen Empfanges, der ihm bevorsteht. Wie oft aber wird in letzterem Falle von den Eltern oder Pflege befohlenen gegen ein solches Kind gesündigt! So bedauerlich : auch die Tatflache für den betreffenden Schüler und deren Eltern auf den ersten Blick sein mag, so wenig recht ist es «aber auch, in der Nichtversetzung unter allen Umständen ein Unglück oder gar ein Verschulden der Schule zu erblicken. Die Lehrer sind sich wohl bewußt, daß jede Nichtverfetzung für den Schüler den Verlust eines Berufsjahres und für die Eltern ein weiteres Opfer für den Geldbeutel bedeutet. Hält aber das Lehrerkollegium die Wiederholung des Jahreskursus für notwendig, so geschieht dies in wohlwollender Absicht. Dies sollten doch die Eltern recht bedenken und den Fall nicht gleich als eine Ehvenkränkung ansehen. Wie manche unangenehme Stunde könnte bei ruhiger Ueberlegung vermieden werden, wie manche harte und lieblose Behandlung dem armen Kinde über seine Nichwersetzung erspart bleiben! Ja, wo bei einem begabten, körperlich, gut entwickeltem Kmde Faulheit und Unaufmerksamkeit die Nichtversetzung her- bergemhrt haben, ist Strenge und nachhaltige Strafe angebracht. Ha Üdem anderen Falle — und das sind bei weitem die meisten — so e® dsmst der Eckern, die Ursache von dem geringen Fortschritte ihres Krudes, zu erforschen. Ist die geringe Leistungsfähigkeit des Kindes :n körperlicher Schwäche begründet .so helfe man
unter Hinzuziehung eines erfahrenen Arztes zuerst dem armen gequälten Körper auf und beachte doch die alte Erfahrung, daß nur in einem gesunden Körper eine gesunde Seele wohnen kann.
Gar oft ist auch der negative Erfolg in den häuslichen Verhältnissen begründet. Man prüfe, ob nicht durch allerlei Zerstreuungen, die das gesellschaftliche Leben mit sich bringt, durch Gesellschaften, Besuche, Ausflüge, Heranziehung zu geschäftlichen Arbeiten, durch häusliche Störungen in Krankheits- und Todesfällen das weiche Kindesgemüt nicht gar zu sehr in Anspruch genommen worden ist.
Am schlimmsten ist es jedoch mit solchen Kindern bestellt, die so schwach begabt sind, daß ihnen das Lernen zur schweren Bürde wird. Gar oft seufzt ein solches von dem Ehrgeiz der Eltern angetricbenes Kind unter dem schweren Joche der geistigen Arbeit, und niemand will es verstehen, wie unrecht ihm eigentlich geschieht.. In solchem Falle sollten die Eltern doch so einsichtsvoll sein und ihren Stolz darin suchen, das Kind einem der Befähigung entsprechendem Berufe zuzuführen, als es zu diesem oder jenem Examen durchzuquälen.
Ein Sitzenbleiben in der Klasse kann unter Umständen ftir ein körperlich schwächliches Kind von Segen sein. Wenn es bisher als Nachzügler mühselig in der Klasse nachgeschleppt wurde, nun aber durch vollknnmenere Reife des Körpers und Geistes dem Unterrichte folgen kann, atmet es jetzt erleichtert auf, da seine Arbeiten besser ausfallen, und wo früher Tadel und Schelt- worte fielen, hört es jetzt ein freundliches Wort der Anerkennung.
* Der Schnepfenstrich ist da. Da lacht uns die Erinnerung aus alter Zeit -an, als hier ein munterer Jäger- Kegelklub seine Einladungen zu den Kegelabenden, bei Gelegenheit unter Bezugnahme auf die entsprechenden Jagddaten, in Verien ergehen ließ. Eine solche S chn epfe ne Pi st l aus 188 6 möge hier miedergegcben sein, zum Gruß an die wenigen alten „lieber- st ander", auch zur Belehrung für angehende Nimrode:
Wenn in Dämmrung übergeht Frühlingstag mit warmem Regen, Dann im Holze allerwegen Jäger auf dem Anstand steht Nach dem langen Schnabel.
Wenn das Abendrot verglüht.
Wenn der erste Stern uns leuchtet,
Wenn der Tau die Gräser feuchtet. Wenn verhallt der Drossel Lied: Streicht der Göttervogel.
Vogel du geheimnisvoll
Wie das Mädchen aus der Fremde, Unser Herz pocht durch- das Hemde, Wenn tm rufst in Cis und Moll, Wenn du uns erscheinest.
Abendglocke tönt im Tal,
Schuß auf Schuß erdröhnt im Walde, Aus den Rauschern, von der Halde Leuchtet auf der rote Strahl: Glück! es stürzt die Schnepfe!
Kehren heute wir zur Stadt Geh'n wir noch zum Kegelschieben, Aber sagt wer dann, ihr Lieben!
Wohl den größten Schnabel hat?
Sicher doch Herr L. . . . W.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs aus voriger Nummerr Es ist auf Erden keine Nacht, Tie nicht noch ihren Schimmer hätte, So groß ist keines Unglücks Macht, Ein Blümlein hängt in seiner Kette.
Ist nur das Herz vom rechten Schlage, So baut es sich ein Sternenhaus, Und schafft die Nacht zum hellen Tage, Wo sonst nur Asche, Schutt und Graus. Keller.
Ernst Heß. Rolanonsdruck und Verlag der Brüh!'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerri, R» Lange, Gießen«


