Ausgabe 
22.7.1907
 
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. Dre Musik wmb« fauch auf'bet Kneipe gepflegt. Bis zu' einem Klavier hatten wir es noch nicht gebracht. Dagegen hatten wir mehrere tüchtige Gnittarrss-Spieler, ein Instrument, das heutzutage leider Nur noch selten gvhört und gespielt wird. Ebenso hatten wir tüchtige Sänger, die auch Quartette vortrugen, Rundgesänge erschollen, ernste und heitere Reden wechselten ab.

In der Fidelität ertönten die lustigsten Weisen. .Eines Spotte

Aus der SLudenLepzeif. Er nuerunge« eines alten Gießeners. (Fortsetzung.)

IV.

Senden Gedanken der Nacht Hirngespinste getvesen seien. Dagmar war sicher viel zu ehrlich, um Empfindungen zu zeigen, die sie nicht empfand!

In ausgesucht fröhlicher Stimmung hatte man das Gabel­frühstück eingenommen, wobei natürlich die Jagdergebnisse den Hauptteil der Unterhaltung bildeten. Seine Hoheit hatte einen außerordentlich starken Sechser- zur Strecke gebracht, Uchdorf einen Kapitalen, leider mit schlechtem Gehörn.

Entschieden zurückgesetzt!" Tarin waren sich die Herren einig. Aber den Rittmeister bekümmerte das wenig. Er dachte trotzdem mit großem Behagen an die interessante Pürsche. Und nicht an die allein.

Ter Jäger, der ihn führte, hatte ihm mancherlei von der Herrschaft erzählt. Doch aus allem ging mit untrüglicher Ge- wißheit hervor, daß Dagmar viel beliebter war als ihr Mann.

Ter Herr Baron schlägt zu, wohins auch trifft," hatte der junge Bursche gemeint,aber die Gnädige, das ist eine! Wenn alle Reichen so wären, gäbs bald kein Elend mehr in der Welt!"

Mso ihre Wohltaten waren es, die sie mit unsichtbaren Fäden an diese Scholle fesselten! Er begriff, wie schwer ihr ein Scheiden von hier wurde. Und doch wünschte sie sich in die Residenz zuriick. Ja, war Veltlingen denn dieses Opfer wert? Ahnte er denn gar nicht die Größe dessen? Oder galt ihm sein rasender Ehrgeiz mehr als das Behagen, das Glück seiner Gattin? . . .

Mit tief verfinstertem Gesicht sah der Rittmeister unter solchen Erwägungen auf seinen Teller. Ta riß ihn Dagmars Stimme ans seinem Sinnen. Sie fragte die Herzogin, ob es ihr recht sein würde, am Nachmittag eine Wagenfahrt an den Strand zu un- ternehmen? Tie Herzogin bejahte lebhaft, erklärte aber, un­bedingt vorher ihr gewohntes Mittagsschläfchen haben zu müssen. - So zog sich nach dem Kaffee jeder zurück.

Tie einzigste, welche dieses Arrangement nicht befriedigte, war die Gräfin Lindstrom. Sie begann sich überhaupt bei dem völligen Mangel an Courmachern zu langweilen. Mit dem Stockfisch, den Ehrentitel hatte Uchdorf längst von ihr erhalten, war" nichts änzufangen. Ter Herzog hatte auch nur Augen für Dagmar folglich blieb nur noch Veltlingen. Dagmar durch den zu. ärgern, war ja allerdings ein Hochgenuß, aber man mußte sehr vorsichtig dabei Verfahren, die andern durften das doch nicht merken!

Langsam stieg sie unter solchen Erwägungen in das zweite Stockwerk empor, wo ihre Zimmer lagen. Unter dem Vorwand, Uchdorf noch etwas fragen zu wollen, der hier oben auch seine Zinimer hatte, kam Veltlingen hinter ihr her.

Sie wandte sich um. Ihre Augen strahlten ihn an. Es machte ihr stets ein besonderes Vergnügen, die Wirkung solcher Augenblitze an dem sensitiven Kammerherrn zu beobachten. Auch jetzt war er gleich Feuer und« Flamme, als er sie den langen Korri­dor hinab begleitete. Zwar sprach Fredine von den harm­losesten Dingen, aber ihr Blick und das ihn begleitende leise ; Lachen schienen ganz etwas anderes zu sagen. Es lag etwas ungenrein Aufreizendes in ihrem ganzeir Gebaren, und daß der Kammerherr dies empfand, ohne es ihr verbergen zn können, erfüllte sie mit spöttischem Behagen.

»Ter Herzog und Uchdorf gehen ja wieder auf den Anstand. Darf ich Sie dann auf der Spazierfahrt begleiten?"

Ein bezaubernder Augenaufschlag war ihre ganze Antwort.

Werde ich die Ehre haben,. Sie im Selbstfahrer zu kut­schieren?" fuhr er, kühner geworden, fort.

Tas wird nicht gehen," meinte sie kühl.Ich muß doch bei Ihr«.' Hoheit bleiben."

Das kann Dagmar tun," war seine rasche Entgegnung. Ich will doch auch etwas von den lieben Gästen haben."

Ach!" miachte sie ungläubig. Und dann, die Hand auf dem Türgriff, mit leichter Verbeugung, ein wenig spöttisch, Bonne nuit, cher haron!"

Sie gestatten, daß ich Sie begleite, Gräfin!"

Sie sah ihn ungewiß an. Ein schwaches Rot färbte ihr Plötzlich die gemalten Wangen dunkler.

Um . Sie ein wenig zu orientieren," fuhr Veltlingen fort, demr" er öffneteSie haben sich in der Tür geirrt. Dies 'st die Galerie des Bankettsaales."

Jetzt überflog sein Gericht ein heimliches Lächeln, die Gräfin sah es wohl, aber sie verstand es meisterlich, ihren Aerger zu verbergen.

"Wie interessant," meinte sie mit einem allerliebsten Keinen Gähnen ^-aber Pardon, bester Baron, ich sehe mir lieber ein anderes Mal das alles! an" sie deutete auf die vielen Wappen der verstorbenen Frauen von Veltlingen,jetzt möchte ich lieber ein wenig ruhen."

.Dis ersten Semester.

Fu ch s semeste r sind wohl immer die eindrucksvollsten tz b den Bruder smdw gewesen Es heißt nicht umsonst im 0 selig ein Fuchs nochzu sein" stzüv uns Fuchse des Sommersemesters 1853 vereinigte sich aber so SlSS?' sC! sonders glanzvolles erscheinen zu to-s;» junge? Verbindung innewohnende Begeisteriing n die burschenschaftüche Idee und die Freiheit der Auffassung rtunt,lGIUe^en Entwickelung genügenden Spielraum ließ' die herrliche Kneipe, die verhältnismäßig große Anzahl täch- qS .^oktervoller Persönlichkeiten, dazu die übersprudelnds ^.ebeuolüst, ver -Humor und die Laime der Jugend, ließen da d^ußeu an der Lahn ein studentisches Leben erblühen, wie ich £ Egender später kaum wiedergefunden habe.

auch seine Gefahren in sich, denen mancher nicht zu wrdersteyeu vermochte, nno wieder mancher hat das nicht ge­halten, wa^ er versprach. Aber die meisten haben ihren sicheren ^bg durch dsas Leben gefunden und sind den Idealen ihrer äugend treu geblieben.

die Ben ®fiianj jener beiden Semester auf der mt^ durch kostet, leben nur noch wenige, von den acht Filchfen meines Semesters nur noch einer, der sich aus Wurdeii, ettvias griesgrämig in «den Ruhestand zurtick- gezogen hiat. Wenn er aber des schönen Morgens gedenkt, f vHtcvsCIU b * cLe 11 11 1 st e r (nomeu est omen)

fr & -chdee zur Gründung des Barribal ausheckte, dann muß ihm das alte Herz IM Leibe lachen. Wir hatten näm­lich, eine sehr gut redigierte Kneipzeitung, den Gam- L'yH ^or und Witz, und mit teiliveise mi.stergultigen Zeichnungen. Tas war dem Sarkasmus meines ii-renndes D. und der tollen Laune desM-eenzer" Qualfl-er zu zahm Nun lag NN Hofe vor der Kneipe ein Baumstumpf, an dem sich noch die Wurzeln befanden, der einen possigen Anblick bostund,dem man eine entfernte Aehnlichkeit mit einem Tiere Nicht aosprecyen koiinte. In der Katerlaune hatten die beiden diesen Baumstumpf für dengroßen Barribal erklärt", der,, wenn er ausgewachsen ist, immer noch wächst". Ich traf ste, eines Sonntags morgens auf der Kneipe. Sie hatten einen klemen Tisch -auf euien anderen gestellt und führten in Hemds» säuseln den Barribal int Bänkelfängerton und in der amüsantesten Weise ven anwesenden Verbindungsbrüdern vor, wobei es satirische Hrebe nach, allen Seiten gab. Auf der nächsten Samstagskneipe, nachdem die neue Nummer des Gambrinusgestiegen", erhob' stch der dicke Qualster, bat ums Wort und trug zum allgemeinen Gaudium die erste Nummer desB arrib al" als Kvnknrrenz- Ineipzeitung des Ganibrinus vor. An der Spitze des Blattes war der Barribal in verblüffender Aehnlichkeit abgezeichnet Der Don der neuen Kneipzeituiig n»r ein entschieden schärferer, Gambrinus wurde persifliert und gegen die Hiebe, welche

m Reim und Prosa ausgeteilt wurden, schützte weder Alter noch Ansehen der Person. Es enttvickelte sich eine schärfere Kon­kurrenz zwischen Gambrinus und Barribal, die beiden zugut kam z. Wir hatten, wie noch heute, zwei offizielle Kneipen, Samsst und Mittwoch, die von dem Kneipw art geleitet wurden, Testen Anordnungen mußte unbedingter Gehorsam geleistet wer­den. ^m übrigen hatten mir zwar auch unseren Bierkomment., Wer er war frei von dem Zwang und der Schablone, wie sie sich E, Vaufe, der Zeit vielleicht nicht ganz unberechtigt herausgea

Wir sangen mit Vorliebe die alten Bnrschenschafts- und Freiheitslieder. Sie werden, wie die meisten anderen, noch heute gesungen, es sind aber inzwischen sehr schöne Lieder hinzu- gekommen.

uachher vertrauen Sie sich mir zur Spazierfahrt au?" ,Vielleicht!" antwortete sie zurückhaltend, aber ihre Augen funkelten ihm zu, als sie die Tür ihres Zimmers schloß

Veltlingen ging nach unten. . Ob er Uchdorf nicht stören wollte r

Dagmar lag in ihrem Zimmer aus der Chaiselongue. Ver-, wundert sah sie das unruhige Umherwandern ihres Gatten 'sie Wußte sich sein halb selbstzufriedenes Lächeln nicht zu deuten. 3

Ein Zug von Unbehagen glitt Bei ihren prüfenden Blicken uoer sein Gesicht. Rasch trat er zu ihr hin.

(Fortsetzung folgt.)