236
Gastgeber, hast du das Geld dazu — und hast du es nicht, so solltest du eigentlich gar kein Festmahl geben —, so wähle aus der Schar der Wassertiere die Auster oder den Hummer — oder alle beide. Bringe den Hummer int ganzen, frischgekocht. . Raube ihm nicht die erheiternde Schale in der Farbe der Freude, laß ihn nicht zu einer Mayonnaise zerquetschen, von der niemand außer dem lieben Gott und dement Koch zu sagen vermöchte, was alles darin ist, und deren Druck wir noch spüren, toemt längst die ersten Maiglöckchen alle übrigen. Winterfrettden vergessen machten.
' Von den Fischen fang die muntere Forelle für deinen Tisch, — die wird niemanden verstimmen. Der Lachs aus den Fluten des Vaters Rhein erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Mit Unrecht. Laß deine Gäste ihn bei sich zu Hause essen. Denn, beträufelt mit der schweren Remouladen- fauce, die sich dem Rheinländer wahrscheinlich voll der französischen Grenze her ausgedrängt hat, verankert er sich wie Blei auf dem Grunds unseres Magens und macht uns mißmutig, ohne daß wir es merken.
Jetzt zum Geflügel. Ein leichtes Essen, das den: Geiste die Schwingen nicht hemmt. Aber man verineide die Gans. Schon auf Erden ein dummes Tier, verdutnmt sie uns mit, wenn sie unbeweglich in den Gründen unseres Magens ruht. Selbstverständlich: auf ihre edelste Seite, die'Leberpastete, soll man eingehen, doch nur vorsichtig, will man den ganzen Abend tiiit Munterkeit glänzen.
Man bedenke, daß nun der Braten kommt. Roastbeef, Filet, Reh, Wildschwein sind das Uebliche, tvas tvir vorsetzen und vorgesetzt bekommen.
Gastgeber, achte ängstlich darauf, daß das Fleisch mürbe ist! Der Nachbar verlangt vom Nachbar Geplauder und Scherz beim Speisen. Memand hat Feit, dem Gebot des englischen Gelehrten zu folgen, jeden Bissen 66 mal zu kauen. Zähe Bissen werden deinen Gästen ztt verschluckten Steinen, und die Stimmung des Abends ist futsch!
Tie süße Speise wird aufgetragen. Weißes, rotes, grünes, gelbes Eis in den Formen des Schweines-, des Amors, des Giraffenbabys, des Schafes, kurz tu allen Formen, die einer Konditorphantasie nur entspringen können. Es verrinnt bald, und sein Begleiter, der Sekt, sprüht Lachen und gute Laune über den Tisch. Er, der so kalt ist und allen sö warm macht.
Gastgeber, spare nicht am Sekt!
Und versuche nicht etwa, apart zu fein, indem du statt des „ewigen Eises" mit dem soliden, kostbaren, aber nicht köstlichen Plumpndding aufwartest. Bttnte Flammen umzingeln ihn malerisch, doch sie verlöschen bald, der „Spiritus" ist entflohen, ihn selbst aber empfinden wir als „verdummendes Gericht".
Ter Käse duftet in dem Saal. Tas heißt, man nimmt natürlich nur duftlose Sorten. Aber Käse bleibt Käse. Man halte sich hier an die anmutigen Franzosen, den leichten Camembert, den flüssigen Brie, und gehe detn schweren englischen Geschütz, dem Chester, ebenso wie den mts ihm fabrizierten Käsestangert vorsichtig aus dem Wege.
Das Obst. Man nascht nur flüchtig von den Datteln, Mandeln und Rosinen. Einen Slp-fel zu schüleit, ist man schon nicht mehr imstaitde, und gerade das frische Obst belebt doch wieder unsere Zunge, gibt unseren Reden frischen Saft! Gastgeber, laß geschälte Aep-sel, geöffnete, mundgerechte Früchte herumgeben, nachdem du dein ganzen Menu ängstlich alle „verdummenden Gerichte" ferngehalten hast!
Dann werdctt deine Gäste nicht schweigend, trüge verdauend umhersitzen, während die Langeweile auf bleiernen Flügeln langsam von Zimmer zu Zimmer schwingt, sondern ihn fröhlichen Geplauder nicht einmal merken, wie draußen längst der rosige Morgetr emporstieg. Wan wird fragen: „Schon fünf Uhr?" und nicht stöhnen: „Wirklich, erst zwölf!"
schrsibt int „Washington Star" darüber: „Die Eröffltilng dieser Schule ist ein bedeutsames Ereignis für Nanking, es bedeutet in Wirklichkeit die Geburt weiblicher Erziehung in dieser alten Stadt." Zwar gab es schott früher MissivnAmädchenschulen in China, aber man kamt immer erst sagen, daß eine Einrichtung in China Wurzel gefaßt hat, iveitit die Chmesen selber ihre Notwendigkeit emzusehen beginnen und die Verantwortung dafür übernehmen. Es ist dies die erste Mädchenschule, die unter der Patronage, des VizeWnigs begründet wird, und das Interesse, das die hochgestellten Manner daran nehmeit, zeigt, das; auch für die chinesischen Frauen und Mädchen der Morgen der Freiheit tagt. Auch in China erwacht das Bewußtsein, daß die Kraft und das Aufblühen enter Nation in der Erziehung seiner Töchter liegt. Auch auf ärztlichem Gebiet versuchen sich die Chinesinnen. Sv bestand am 8. Juni Dr. Ah Mae Wong, eine junge Chinesin, die medizinische Prüfung an der Toronto-Universität in Cauada. Ihre Vorbereitung empfing die junge chinesische Aerztin ton der amerikanischen Aerztin Dr. Marie Haslep, die seit zwanzig Jahren an der amerikanischen Mission in Schanghai tätig tst. Wong, die aus sehr guter Familie flammt, hat sehr gute Verbindungen in Schanghai. Eine ihr befreundete reiche Dame will nun eine Pflegerinnenschule gründen, in der junge Chinesinnen zu Pflegerinnen ausgebildet werden svllett. Dr. Wong wird neben ihrer Praxis auch diese Schule leiten.
— Das neue China. Missionar DieW schreibt aus Tungkun: „Jetzt wäre es ein Leichtes, eine höhere Schule für westliche Wissenschaften zu eröffnen, und ich glaube, man kömtte die Schule noch so groß anlegen, sie würde auf jeden Fall voll besetzt. Schade, daß mts der so lang erbetene Lehrer noch immer fehlt nnb wrr auch noch keine Aussicht auf einen solchen haben. Das hiesige chinesische Lehrerseminar sucht z. B. einen Lehrer für Physik, Chemie und Gesang und war bereit, dem! Missionar Maus, falls er täglich eilte Stunde Unterricht in diesen Fächern erteile, 1000 Dollar (2000 Mark) zu geben. Missionar Maus mußte dieses so verlockende Angebot ausschlagen, weil er feilte Zeit fand, und ich komtte mich nicht aubieteu, weil sonst meine eigene Arbeit hätte vernachlässigt werden müssen." Die rheiitifchen Berichte fügen hinzu: „Auch wir unterstreichen: Wie schade, wie schade, daß wir noch feinen Lehrer haben." Als t vettere Zeichen der Zeit merken wir an, daß der Bizekönig Tschusu sich jüngst mit einer Eingabe an den Kaiser gewandt hat, in der er die Ab- schaffung der lebenslänglichen Sklaverei empfiehlt und vor- schlägt, daß die Dienstbarkeit mit dem 25, Jahr zu Ende gehen soll, ein Vorschlag, der bereits die kaiserliche Bestätigung gefunden hat, und daß die chinesische Sttchienkommissivn in Europa telegraphisch angewiesen ist, ihre Aufmerksamkeit besonders auf die Erziehung des weiblichen Geschlechts zu richten.
* Ein alkoholischer Druckfehler. Das Börsenblatt für den deutschen Buchhandel teilt folgenden komischen Drucksehler aus einem italienischen Antiquariatskatalog mit: „1540, Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Säufer. Gotha, Perthes 1878 — 1885 vol. 2 in 12, tela con ritratti." Es ist doch kaum anzunehmen, daß alle int Gothaifchen Kalender verzeichneten Mitglieder der „Freiherrlichen Häuser" so ausgepichte Trunkenbolde waren.
Rechtsfprichwörtev,
„Nach Borumudschaftsgerichts Belieben Gilt dreimal sechs als dreimal sieben".
Obiges Rechtssprichwort hat auf den § 3 des Bürgerlichen. Gesetzbuches Bezug. Derselbe erklärt im Gegensatz zu d 2, laut dem der Beginn der Volljährigkeit und ihrer rechtlichen Wirkungen mit der Vollendung des einundzwanzigsten Lebensjahres cinzutreten hat, folgendes:
„Ein Minderjähriger, der das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat, kann durch Beschluß des Vormundschaftsgerichtes" lauf seinen oder seines Vertreters Antrag) für volljährig erklärt werden. ,. . ell, Berlin,
Ergättzrmgsrittfel.
Nachdruck verboter
F.a.e n.ch., w.. d.s ..sch.ck
. or., n .. U .. sch . i. ß . n;
U..e. i.. .e. An .. n . l. ck;
L. ß . u.. .. n g. n .. ß . n l Rückert.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummerr Totentanz.
VerMZs^tes.
>— Höhere Frauenbildung in China. Vizekönig Chou-fu, einer der vorgeschrittensten chinesischen Regierungs- beamten, hat eine Mädchenschule in Nanking begründet. Der Fonds, dafür ist durch Subskriptionen einer Anzahl leitender Taotais aufgebracht, die Restsumme übernahm der Bizekönig. Weitläufige Baulichkeiten sind dazu an einem ruhigen Platz errichtet. An der Schule sind sechs Lehrerinnen angestellt, drei um Englisch, drei um Chinesisch zu lehren. Konsul Haynes
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersttäts-Buch- und Eretndrnckereh R, Lange-


