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Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
N a ch r u s d e u t s ch.
In den Dunger'schen „200 Säuen zur Schäriung des Sprach- ßeHUjlö" (Berlin, A. D. Sprachverein) findet man folgendes Muster eines Nachruls, ivic man ihn allzu häufig zu lesen bekommt, und rechts daneben eine Umschreibung in besseres Deutsch:
„Tie>ersclnit!ert ü b e r die plötz- liche T o d e s n a eh r i ch t meines getreuen M i t a r b e i t e rs, des Herrn . . . k a n n i ch n i ch t u n t e r l n s s e n , demselben innige Worte des Dankes in die Ewigkeit nachznruien."
Tiei erschüttert durch die Nachricht von dem plötzlichen Tode meines getreuen Mitarbeiters, des Herrn . . kühle ich mich gedrängt, dem Heimgegangenen innige Worte des Dankes in die Ewigkeit nachzurufen.
Der zweite Fall „meines Mitarbeiters" hängt nicht von dem ganzen Worte Todesnachricht ab, sondern nur von dem ersten Bestandteile der Zusammensetzung. — „Kann ich nicht Unterlasten" ist eine ftci'e, kalte, nichtssagende Redensart. Statt „demselben" müßte es heißen: ihm, i)ieient; der gehobenen Ausdrucksweise entsprechender: dem Heimgegangenen, Verewigten, Abgeschiedenen.
Mode.
— In schmuckem weihnachtlichen Gewände zeigt sich das zweite rheft der „M ode von heut e", das mit seinem reichen, Fest bezugnehmenden, abgeschlossenen Inhalt, iit denen auü) ucr Jugend gedacht ward, und mit seinem farbigen Kunstblatt wie der Musikbeilage, die ein Weihnachts'lied von Alfred Schattmnnu bringt, zu empfehlen ist. _ Tiefes Weihnachtsheft zeigt, iuie gerechtfertigt das Ansehen ist, dessen sich diese iwch junge Zeitschrift bereits erfreut.
Weihnachts-Literatur.
— T i r inu und Wert des Lebens. Bon Geheimrat Prof. Dr. Rudolf Eucken. 165 Seiten. Verlag von Quelle und Mehcr in Leipzig. Seit der Mensch augefangen hat über sich nachzndenken, beherrscht ihn das Problem vom Sinn und Wert des Daseins. Ueberblicken wir die Geistesgeschichte der Kulturvölker, welche verschiedene Antlvort wurde auf diese Frage gegeben. Ist überhaupt eine positive Antwort möglich? Tnra,-.- zieht nicht ein klaffender Rist unser Dasein? Einer r iserep größten Philosopheir, Rudolf Eucken in Jena, nimmt hierzu, in diesem Buche in überzeugender Weise Stellung. Sein Buch wird jedem Gebildeten die inneren P■> bleme der Gegenwart nahe bringen und ihn zur Selbstbesinnung anregen. Enckens Untersuchung zerfällt in einen kritischen und einen aiifbauenden Teil. Der erste führt uns in klarer, großzügiger Darstellung in die ältere Denkweise ein, zeigt, welche Stellung die Religion und der immanente Idealismus zu dem Problem vom <pinn und Werte des Lebens einnahm und lvelche Hanptzestoltnngen das Leben der Gegenwart dem Menschen entgegenbringt. Ans dieser Betrachtung ergeben fick) die Grundlagen für die weitereLösung im zweiten Teil. Ein eigentümliches Lebensbild entrollt sich hier vor unseren Augen, dessen Hauptzüge eine innere Befestigimg, ein Wachstum der Freiheit und Selbständigkeit des Menschen, ein Grostwerdeu geistiger Art bilden. Ein Schlußkapitel behandelt die Konsequenzen, welche sich aus dieser Ueberzeugung für das Leben der Gegenwart ergeben. Es ist ein Buch für all die Suchenden un'erer Zeit. Ein echtes Festgeschenk eines freien Geistes. Es weist den Weg zu ernster und doch freudiger Lebensgestaltung, hiuausstrebend über alles Enge nach innerer Freiheit des ganzen Menschen. Möge das Buch vielen ein Wegweiser durchs Leben sein.
— Der Wert der Wissenschaft. Aphorismen zu einer Natur- und Lebensphilosophie. Von R. H. Franco. Zürich und Leipzig, Th. Schröters Verlag. Ein vornehmer Mensch, ein erlesener Geist gibt uns hier seine tiefsten Bekenntnisse in stilistisch glänzender Darstellung: ohne Rücksicht auf Staat, Kirche, Schule, Gesellschaft spricht er seine freien Gedanken künstlerisch aus. Ter Verfasser hat recht, wenn er meint, daß diese Gedanken nicht nur fein Erlebnis sind, sondern gegenwärtig tn Hunderten und Tausenden wogen. Nur hat nicht jeder das Geschick und den Mut, sie so auszusprechen, wie es der Verfasser tut. Man glaubt in Francs selbst in mancher Beziehung den Einfluß Nietzsches zu bemerken. Trotzdem steht er ihm ganz frei, verständnisvoll, aber auch das Kranke in ihm erkennend, gegenüber. Mit wenigen Worten gibt er ein klares, einleuchtendes Bild dieses Vielbesprochenen. Im letzten Teil des Buches „Das Kultur-Ideal eines Naturforschers" schildert Franco den 'Naturforscher der Zukunft, d. h. den Nnturphilvsophen, und findet fein Vorbild in Goethe. Es wird nicht viele Naturforscher geben, die mit Goetheschem Verständnis an die Natur herantreten, aber eins meint der Verfasser, können ihm alle nachmachen, sich ein erreichbares Ziel stecken und mit innerer Festigkeit und heiterer Beschaulichkeit darauf zustreben. Und von diesem Ziel soll der Ausblick auf das Ganze immer frei sein. Auch der Spezial- foricher soll nicht vergessen, daß die Wissenschaft um des Lebens willen, die Methode um des Gegenstanoes willen da ist, nicht umgekehrt. Tas Buch repräsentiert für alle Verehrer von Kant, Schopen
hauer, Haeckel, Darwin, Goethe usw. usw. ein willkommenes Weihnachtsgeschenk, aber auch der Laie wird viel davon haben.
— Die Frauenbewegung und ihre modernen Probleme. Bon Helene Lange. 8°. (Wissenschaft und Bildung, Bd. 27.) 141 Seiten. Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig. Eine großzügige Einführung in die gesamten Probleme der modernen Frauenbewegung aus der Feder einer ihrer bedeutendsten und verdientesten Führerinnen bietet dieses neue Bändchen der Sammlung „Wissenschaft und Bildung". In zwei grundlegenden Kapiteln werden die wirtschaftlichen Ursachen und die geistigen Triebfedern der Frauenbewegung gegeneinander abgewogen und darauf aufbauend die vier Hauptprobleme erörtert: die Frauen- bildnngssvage, insbesondere der Reform des Aiädchenschnlwesens, die Stellung der Frau zur Familie und Ehe, der Kvnflikle; Beruf und Mutterschaft, die Frage der sozialen' und politischen Stellung der Frati. Ter Leser erhält so einen Ueberblick über die jetzt herrschenden Anschauungen und über die verschiedenen Auffassungen und Gegensätze ihrer Vertreterinnen. In einem interessanten Anhänge werde» die verschiedenen wichtigsten Dokumente der modernen Frauenbewegung mitgeteilt. Jeder, der sich Über diese Fragen orientieren und ein möglichst objektives Bild gewinnen will, wird gern zu dem Bändchen greifen.
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(Ein weihnachk-RWl
für die Jugend
unterbreiten wir heute unseren Freunden. Es lautet:
Wie freu' ich mich, wenn winbet Das Erste im Iahreslauf! Wenn mir sein Glanz erblinket, Tut Freude sich mir auf.
Ich schau' mit frohem Ahnen In des Winters Herrlichkeit; Ich sehe fiattern die Fahnen Einer neuen schönen Zeit.
Das Zweit« kannst du erspähen In des Kindes kleiner Hand,' Auf dem Zweiten kannst sehen Die Jugend im Festgewand.
Das Ganze kehret wieder In des Kindes Hand zurück. Wie strahlen die jungen Glieder, O holder Kindheit Glück!
A. Amman».
Wir haben dafür \2 schöne Kinderbücher, zumeist für die kleinen und kleinsten, aber auch ein paar für größere Kinder geeignet, als Preise vorgesehen. Die Bilderbücher sind dafür bestimmt, dah die größeren Gewinner sie ihren kleineren Geschwistern, die diese Rätsel noch nicht zu lösen vermögen, unter den Weihnachtstisch legen.
Und nun mögen sich die jungen Dämchen und Herrchen recht anstrengen und sauber und zierlich geschrieben die Lösungen an die Redaktion der Gießener Kamilienblätter unter Hinzufügung der Aufschrift lveihnachtspreis- rätsellösungen einsenden. Diese Lösungen werden nur bis nächsten Samstag mittag s Uhr entgegengenommen. Die Veröffentlichung der Preisträger erfolgt am 23. Dezember.
Auflösung des Näisels in voriger Nummer: Saat, Salat.
Die Einsendung hübscher Rätsel, von treuen Lesern unserer „Faniilieublätter" verfaßt, an die Redaktion der „Familienblätter" ist sehr erwünscht.
Redaktion: P. W i 11 k o. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'scheu Universitäts-Buch- und Steiadruckerei, R. Lange, Gießen.


