>,Warum bist du net mit an7« Rhein fomme ?" fragte er. „Mamma is zu schnell forigelaase," sagte weinerlich der Kleine.
Tie Hellen Augen des Mannes wurden fast schwarz. Er stieß die Tür auf. In dem niedrigen Hausflur reichte er fast bis zur Decke. Seinen Oelrock, den a auf dem Arm getragen hatte/ warf et achtlos in einen Winkel. Mit drei Schritten war <_r durch den Flur hindurch in dem engen Höfchen. Zwei Oleanderbäume in Kübeln standen darin, blühende Geranien und Fuchsien auf Brettern. Ticht an eine niedrige -Mauer, die das Besitztum vom nächsten Haus abgrenzte, war ein Stuhl gerückt. Mit einem Blick sah er alles.
Er ging zurück in die große, aber niedere Stube. Ta stand seine J-rau am Fenster mit den unruhigen Augen von vorhin. Er fasste sie hart an der Schulter.
„Greta! Was huschte geschafft 'n ganze Marge?77
@ie sah ihn trotzig an. „Was ich alle Dag schass.77
Et rüttelte sie, daß ihr ganzer Körper flog. „Jawohl, was du alle Tag schaffst! Im £>of haschte gefesse und mit ’m Hesseln er scharmuziert. Gebutzt hoschte dich mit dem rote Lumpe itn dei Mann vergesse! Hoscht laafe misse, daß der Klään gar net meh tnitkomme könnt! Tas sag ich dir, erivisch ich dich mol, do is es um euch zwää geschehe! Wann’s mer net um mei gnhde Name und um rneirn Kind seine ze dhue wäre, do schlug ich ’m alle Knoche kaput, dein Lump! Ae Schiff steuere, des kann ’r net, awwer mit Aunerlertts Weiwer schee dhue, des is sei Fach! Und du hüt dich'! Hüt dich, saa ick her. daß im mich net kenne lernst.77
Seine Stimme, die unbeherrscht laut geworden war, sank plötzlich. Tie Frau war aufgesprungen und nahe an ihn herangc- treten. Auch in ihren Augen brannte jetzt ein Feuer.
. „Hüte soll ich mich77, keuchte sie, „hüte! Vor dir! Määuschte, weil de so ä Bär bischt, so ä wüschter! Weil de mich geheirat. hvscht, weil mei Mutter mich derzu gebracht Hot, daß ich dich nemrne, do hättste jetzt Gewalt immer mich, mei Lewe lang! Fünf Johr hawwe ich in Angst und Schrecke vor dir gelebt, awwer nu hot's ä End. Tv schlag zu! Schlag mich bot! Des is besser als so ä| Lewe! Mit kä'm Mensche soll mer ä Wort redde, kä Spaß soll mer hawwe, kä armselig Fähnche hawwe anzedhue, wie ä alt Frau soll mer ussgestiege komme — alles vor, weil mer 'm Worringer sei Fraa is und die Mutter vom Worringer fei’m Kind. Alles willste ä'm verbiete und jede Freud versalze und tierfaure. Sttotoer ich laß mer nix verbiete, und ich dhue, was ich will. Dei Ordnung hoschte und bei Sauwcrkäät, alles, was du verlangst. Und bei Kind aach! — Du willscht jo net «rehr vom Lewe. Tu brauchst net mehr. Awwer ich
ivill's, und wann bat mer’s net gibst, do nemrne ich mer’s. Hüte
soll ich mich! Hüt’ du dich, bu! Ich kreisch gantz Binge
zesamme, wann du mich nor mit ’m Finger anrührst, unbl
wann bu ’m foeffeiner was dHust, do kimmste in die Prisong! Tu, der Worringer! Do hawwe auch die Lent was ze redde.77
Sie lachte grell auf.
Der Mann war ganz blaß geworden.
„Und des is mei Fraa77, murmelte et — ,.heä is mei Fraa!77
„Jo, das is dei Fraa77, rief sie. „Warum hoschte dir kä amt er genumme, die zu dir gebaßt Hot. Ich will der's sage toarumj Weil de gedenkt hoscht — ein, die net so jung wär wie ich, und net so atm, die könntschte so unnerducke! Tie dhät sich net so kusche und braucht sich net alles aefalle ze lasse, die —77
„Greta, hör uff. Mach net, daß ich mich net mehr kenn! hoschte net alles, was bei Herz begehrt? Sitzt de net do, wie it Bogel im Hanfsarne? — Was de willst, kannschte dir jo kaafe, nor net mit so’m Fludder sollschte erumlaafe. — Dhue darfschte, was de willst, nor laß des Scharinuzieren mit ’m Hesseiner. Geh’ naus an de Rhein, wo die annere Weiwep aach siu, arnesier dich, nor mach mer kää Schänd.77
„Ainesieve soll ich mich! Mir kaafe, was ich will! Jo! Awwer nor net das, was bat net willst. Und das is gerad des, was ich will. Ich will $ Mann hawwe wie annere Weiwer, bä Spaß hot <an feinest Fraa! — Eine, bä stolz is uff fe,. aach wann fe ä rot Blusche anholl. Tu fe liebhot un kä Stock und kä Klotz is! — Tjä net vor Dag und Nacht dran denkt, daß not ja an sein Name kä Fleckelche kemmt und uff fei Ehr. Des Muß ä schlechte Name und ä traurige Ehr fein, die so gehüt werde müfse, daß 'n nix bassiert. Und was hab’ ich dervort, wann die Herttz von der Schiffsgesellschaft sage, daß es kä bessere Stenerinann gibt am ganze Rhein wie bä Worringer. ’s wär besser, ich kennt sage, es gab kä bessere Mann in ganz Binge!
— Wofür hoscht bu mich verheirat, bu! Mit deiner Gesellschaft hättschte dich verheirate falle, mit bei’m Schiff, bu — bu Klotz du!"
Er hörte scheinbar ruhig zu. Nur die Adern an den Schläfen schwollen auf wie Stränge.
„Bischte fertig ?" fragte er dann. „Ich hawwe dich redde lasse, weil de sonscht sage dhätscht, ich, dhät dir aach ’s Rede verbi ede. Awwer von meiner Ehr un vun meiner Profession do sollschte nix redde. Des find kää Weiberbosse. Und was du vun mer willscht und net hawwe kannst, des loß der net eisalle, wo annersch ze suche. Du bischt die Fraa vurn Worringer, unds darnach hoschte dich -mach zu halte. Kää hergelosfe Weibsstück- des sich mit fremde Mannsbilder abgibt. Und kä, vun der die Weiwer was ze tratsche hawwe solle. Und wann de das net willst, do muß ich dafür sorge, daß du ’S net anners kannscht. Und jetzt bischte still! Ich bin müd! Ich muß scklofe! Beirut mer was ze esse."
Sie ging mit scheuem trotzigen Blick. Er aß ruhig, langsam kauend, wie einer, dem nichts geschehen ist. Daun rauchte er, am Fenster sitzend, eine Pfeife. Und bann, während es draußen noch dämmerte, ging er zu Bett. Bald hörte sie ein tiefes Atmen durch die Türspalte. —
Sie blieb noch lange auf. Sie scheuerte noch in der kleinen Küche, hing das Oelzeug auf, brachte die mächtigen Stiesel in Ordnung und legte Zeug bereit für seine Morgensahrt. Twin mahlte sie den Kaffee, legte Reisig im Herd zurecht, stellte Brod und Wurst bereit. — Und jedesmal, wenn sie in die Stube kam, wars sie einen scheuen Blick auf die Tür, hinter der er schlief — den Blick eines geprügelten Hundes. — Und dann, als sie auch in die Kammer ging, hielt sie einen Augenblick das Licht hoch, so daß es den Schlafenden hell bestrahlte. Er runzelte die Stirn im Schlaf, murmelte etwas, machte eine Bewegung. Sie schrak zusammen und löschte hurtig das Licht. Im Dunkel« kleidete sie sich aus.
Sie wurde wach von einem Geräusch im Hof. Es war heller Tag. Sie stand eilig auf. Da hantierte er niit Steinern und Mörtel. Er erhöhte die Mauer am Nachbargrundstück. Sie wurde blaß und rot, aber sagte nichts. Mit gleichmütiger Miene trank sie Kaffee. Und als er hämisch ein paar Worte hinwarf- da lachte sie hellauf. „Mach dich zmn Narre vun ganz Binge.- Was leiht mit dran, ’s is schad, daß mer die Weiwer net in eh inmaure kann wie zu frühere Seite! Du hättscht mich sunschh längscht eingemaueri!"
(Fortsetzung folgt.)
Hlmverstiät und Stadt Oießett.
(Schluß.)
Der Hauptteil der Kaserne wurde 1829 für die Zwecke der Kliniken eingerichtet, die sich daraus allmählich losgelöst und in Neubauten bessere Lebensbedmguugen gesucht haben.
Daß diese Neubauten auf dem Seltersberg, nicht, wie früher erörtert wurde, in der Gegend des Nahrungsberges errichtet wurden, ist für die ganze Gestaltung von Gießen sehr wesentlich geworden. Zunächst entstand der Komplex der sog. neuen Kliniken d. h. der inneren und Frauenklinik nebst einem patholog. Institut und einer Anzahl von wirtschaftlichen Zentralvorrich- tuugen (Kesselhaus, Lichtzentrale, klinische Küche), die in neuerer Zeit durch die Zentral-Waschanstalt ergänzt wurden. Sodann von 1893 bis 1896 die psychiatrische Klinik und das hygienische Institut, später an der rechte« Seite der Frankfurter Straße die neuen Veterinärinstitute, die aus der alten Veterinäranstalt hervorgingen, sodaß diese nunmehr ausschließlich für die innere Tiermedizin verwendet wird. So hatte sich schon in ungefähr «ordsüdlicher Richtung eine zusammenhängende Reihe Medizin. Institute entwickelt, als die Frage austauchte, wo die neuert Kliniken für Chirurgie und Augenheilkunde hingebaut werdest sollten. Ausschlaggebend stir die jetzige Sage war einerseits, die Nähe der Bahn, die den Kliniken von allen Richtungen' Patienten zuführt, andererseits der Gedanke, baß die Kliniken- möglichst die Nähe der sonstigen Universitätsgebäude suchen müssen, um einer Zersplitterung des' Universitätsbetriebes vor- zubeugen. Die jetzige Lage nähert die Kliniken der Ludwig-, straße, wo die vorklinischen Semester zum Teil ihre Bildungs-. flattert haben. An die in bett 70er Jahren gebaute neue Aula an der Ludwigstraße haben nämlich eine Anzahl naturwissenschaftlicher Institute, das chemische, physikalische und physikalisch-: chemische Anschluß gefunden und auch das Rektorat an der Bismarckstraße liegt dicht, die Bibliothek wenigstens nahe bei diesem Komplex.
Somit besteht die Universität baulich tut Grunde, aus zwei oder drei inselförmigen Gruppen: 1. dem Zentrum der jetzigen' Aula mit den zugehörigen Bauten in der Stephanslnark; 2. dep medizinischen Gruppe auf dem Seltersberg, die nunmehr «ach der Wilhelm- und Ludwigstraße zu sich erweitert hat; 3. der am Botanischen Garten liegenden Gruppe von Instituten, in welcher


