Ausgabe 
14.6.1907
 
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konstruiert, daß die Störungen nur noch den 900. Teil der an sich schon sehr kleinen im Deprez-d'Arsonväl- Instrument betragen. Das Prinzip des Panzergalvanometers besteht darin, daß der messende Magnet mit einer mehrfach geschichteten Stahl­kugel umgeben wird, und daß dann noch das ganze Instrument Mit mehreren Stahlmäntelu umschlossen wird.

Während im physikalischen Institut der Universität Berlin,, also mitten in der Stadt, die magnetischen Störungen bis zu 10 000 Skalenteilen betragen, kann man jetzt mit dem Rub-ens- schen Instrumenten wieder jene Genauigkeit erzielen, ohrle die nun einmal die heutige Wissenschaft nicht arbeiten kann

Felix Jentzsch,

vexmischtss.

* Ein Krieg gegen den Kuß. Aus Newyork wird berichtet: Küssen oder nicht küssen, das war die Frage, mit der sich am Freitag dieAmerican Medical Association" in Atlantic City 'über eine Stunde lang beschäftigte. Ein älterer Arzt, Tr. Davis, ittar es, der den Zorn der amerikanischen Jugend nicht scheute und eine wackere Attacke gegen den Kuß ritt. Das Küssen, verlangte er, müsse auf gesetzlichem Wege eingeschränkt werden.Tie Gewohnheit zu küssen ist schon schrecklich genug, wenn Verliebte ihr obliegen; aber in den letzten Jahren hat sich die Sitte unter den Frauen immer mehr verbreitet, in­sonderheit unter denEollege-girls". Sie küssen einander am Morgen, wenn sie aufstehen, sie küssen einander in kurzen Pausen den ganzen Tag hindurch, sie küssen einander am Abend. Sie küssen einander ohne Sinn oder Grund, bei dem geringfügigsten Anlaß. Die Vorliebe der amerikanischen Studentin für das Küssen übertrifft die aller Verliebten. Die schwersten Fnflueuza- epidemien haben die Studentinnen durch viele unserer größten Institute und Universitäten geküßt. Es ist die höchste Zeit, daß die Aerzteschaft sich der Sache annimmt, und das gebildete schöne Geschlecht davon Mbringt, durch Ueberttagung von Tuberkeln und Krankheitskeimen ihr Leben fortzuküssen." Tr. Davis denkt dabei nicht einmjal an Gewaltsaskese: aber nach und nach könne das Uebel doch eingeschränkt werden. Um der lieben Sitte willen möchten die zärtlichen Mädchen einander auf die Stirn oder die Wange küssen, wias eine hygienische Art des Kusses sei; aber niemlals sollten sie sich Mund an Mund ihre Freund­schaft bestätigen, weil dann die zartesten Organe einer, An­steckung ausgesetzt seien. Von Kindheit an möge man die Kinder vom Küssen abschrecken und eine Menge von Krankheitsüber­tragungen und Ansteckungen würden schwinden. . Die Aerzte waren nicht ganz einig, wie sie sich zu der Sache stellen sollten,' Tr. Charles Jrion meinte, daßandere Reformen dringender seien", und möchte es den Küfsem selbst überlassen zu tun, was sie nicht lassen können und insbesondere die jüngeren Herren verfochten ähnliche Anschauungen. Es genüge, daß die Aerzte- schast die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Gefahren ge­lenkt habe. Und so werden die schönen Amerikanerinnen und hoffentlich auch die Amerikaner weiter küssen, wenigstens einst­weilen.

* Vom modernen Unterrock. Im Unterwck werd gegenwärtig der größte Reichtum und die höchste Eleganz der Modedame entfaltet. Nie ist soviel Wert auf entzückende Dessous gelegt worden, nie boten sich deur Blick soviel Herrlichkeiten der Unterkleidung, als in diesem Frühling. Miau trägt Joupons, die aus einem Oberteil von Seide und breiten Volant leicht nieder­rauschenden Musselins bestehen. Ist ganze Untergewänder mit zugehöriger Taille werden gearbeitet. Denn der Unterrock ist Nicht mehr ein verborgener Bestandteil der Kleidung, der höchstens im kecken Hervorlugen unter dem Oberrvck seine Schönheit er­weisen kann, sondern er ist 'ein Kunstwerk für sich, das alle die Wunder und Kostbarkeiten der Garnierung und des Schmuckes am Oberkleid wieder aufnimmt und eine reiche eigene Schönheit entfaltet. Bon höchstem Wert ist es, daß der Unterrock gut sitzt, §ch in vollendeter Weise der Gestalt anschmiegt., Daher erfordert nprobe und Anfertigung des Jupons ebensoviel Sorgfalt und Finesse als die Kreierung der Toilette selbst. Sitzen die Dessous nicht, dann kann auch kein Kleid passen. Darum darf der Unterrock nicht zu lang sein, muß aus mehreren Teilen bestehen und bei aller Weichheit und Schmiegsamkeit doch sehr fest sitzen. Seine Bvllwmlnenheit, seinen besten Schmuck aber erhält er nach wie vor in den Volants und Garnierungen, die in Gir­landen und Buketts, in Medaillons und Inkrustationen, in man­cherlei eingestreuten Blumen und Schmetterlingsmustern bereits sehr hoch oben anfangen und in einer Flut von Spitzen und Krausen, von Besätzen aller Art auslausen. Das sanfte Geriesel der Chantilly-Spitzen hebt sich ab von einem feinen Sammetband. Wie duftige Schleier kräuseln sich plissierter Taffet und Seiden­musselin um die Füße der Trägerin, deren Bild wie das Bild der griechischen Venus aus lockigem Schaum der MeereÄvellen aufzu­steigen scheint. In der Farbigkeit des Jupons ist dieses Jahr eine weiße Mäßigung eingetreten. Man bevorzugt ein reines Weiß und begnügt sich duttch den Glanz der Garnierung, durch anfge-- Nähtc Bänder und Stteifen, durch seine Muster aller Art zu wirken. Schmale Streifen im Tessin des Stoffes gelten ebenfalls

als sehr modern. Ein Misses Blau, ein Mattes Rosa halten sich daneben, aber von der Unsitte der Märkten Spitzen ist man wieder ab gekommen. In fleckenlosem Weiß fluten Valenciennes- spitzen in verschwenderischer Fülle hin und einen sich mit zarten Stickereien, mit durchbrochenen Arbeiten und dem krausen Abe schluß spitz geschnittener Zacken zu dem Wunder von Grazie und Eleganz, das der moderne Unterrock darstellt.

* Der gesundheitliche Wert des Spinats. Wohh auf keiner Tafel fehlt gegenwärtig der Spinat. Er ist ein wohl- bekömmliches Gemüse und so leicht verdaulich, daß er auch für schwache Verdauungsorgane in Bettacht kommt. Tie in ihm ent-, haltenen riechenden und schmeckenden Stosse stempeln ihn aller-, dings mehr zu einem Genuß- als zu einem Nahrungsmittel; fein Nährwert beruht lediglich auf feinem1 geringen Gehalt an Eiweißstoffen und seinem etwas größeren ftn Kohlehydraten (Stärke, Zucker usw.). Die Zubereitung des Spinats besteht allgemein in Aufkochen mit Wasser. Um den Verlust an Nährstoffen durch das Kochwasser zu verhüten, empfiehlt es sich nach demGesund­heitslehrer", den Spinat im Dampfsttom zu bereiten. In der Krankenkost spielt feingewiegter Spinat eine hervorragenden Rolle. Auch Spinatsuppen können Verwendung finden. Wichtig ist 'der Spinat seines hohen Eisengehlaltes wegen in der Behandlung der Bleichsucht. Selbst kleine Kinder vertragen das im Spinat ent­haltene Eisen sehr gut. Um' eine nennenswerte Eisenwirkung zu erzielen, müßte man so viel Spinat genießen, daß der Magen sich dagegen sträuben würde.

* E h e s ch e i d u n g i m Hause G o u l d. Newyork hat eine neue Sensationsaffäre. Der Millionär Howard Gould will, um eine seiner Geliebten, eine Schauspielerin, heiraten zu können, sich von seiner Gattin scheiden lassen. Während sonst ainerikanische Familienangelegenheiten dieser Art im stillen abgemacht werden, will Frau Gould ihre schmutzige Wüsche vor aller Welt waschen, damit Amerika wisse, was für ein Mustermensch ihr Ehemann ist. Howard Gould so erzählt sie sei ein Mann, mtt dem eine anständige Frau nicht zusammenleben könne. Er verkehre öffentlich mit seinen Maitressen und behandele seine recht­mäßige Gattin in geradezu unmenschlicher Weise; er sei so weit gegangen, daß er zahlreichen Kaufleuten verbot, seiner Frau Kredit zu geben, da er für die Schulden .dieser Dame" nicht aufkomme. Dabei besitze dieser Mann ein Vermögen von mehr als 200 Millionen Mark! Gould soll den Versuch gemacht haben, seine Gattin zur Annahme eines bestimmten finanziellen Arrangements zu zwingen; sie erklärte diesen Vergleich jedoch für unannnehmbar und stellte Gegenforderungen, sie verlangt bis zur Durchführung des Prozesses eine Summe von 400 000 Mark als Alimentierungsbeitrag und dann eine jährliche Pension von 720000 Mark. Da mehrere Polizisten beschuldigt werden, sich Herrn Gould zur Verfügung gestellt zu haben, um ihm Material gegen seine Frau zu verschaffen, hat der Bürgermeister von Newyork eine strenge Untersuchung angeordnet. Howard Gould gibt über den Prozeß keinerlei Auskunft, seine Freunde aber erklären, daß er die Beschuldigungen seiner Frau nicht zu fürchten habe und mit noch weit sensationelleren Gegenbeschuldigungen aufwarten könne.

* Fünf goldene Hochzeiten zu gleicher Zelt. Em seltenes Fest wurde kürzlich in dem Vogefendörfchen Lüsse unter Teilnahme der ganzen Bewvhnerschttst begangen. Der Priester des Ortes, der den 50. Gedenktag ferner Priesterweihe feierte, konnte bei dieser Gelegenheit fünf ehrwürdige Paare um sich vereinen, die alle gleichzeitig ihr goldenes Ehelubilaum erreicht hatten.

Bexir-Charade.

Ein Bißchen Theater, ein Bißchen Klavier, Das ist mein Entzücken, ich schwärme dafür. Wie bin ich so glücklich, ich hab' meine Braut! Wie heißt sie? Das hab ich dir eben vertraut.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Leiterrätsels in voriger Nummerr 0 K

-HEINE N I

EISEN K L

AIGLE M B

PAUKE F N

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«.